Innere Medizin Bettlägerig auf der Abt. Innere Medizin

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DieRatsuchende

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30.07.2006
9400
Hallo !

Folgendes Szenario:

Patient, inkomplett querschnittgelähmt (volle Funktion der Arme) kommt mit Nierenversagen auf die Station, kommt an die Dialyse.
Grunderkrankung: Osteomyelitis, fistulierender Prozess am Gesäß (Sitzbein).
Die Wunde wurde an der plastischen Chirurgie stets per ausduschen vorgereinigt.
Für den Patienten ist die Benutzung der dem Krankenzimmer angeschlossenen Nasszelle ohne Hilfe nicht möglich.
Nach einigen Wochen bessern sich Zustand und Befinden des Patienten, er bekommt Physiotherapie im Bett, es folgen Querbettsitzen und Mobilisation durch die Physiotherapeutin, der Patient kann schon bis zu einer halben Stunde im Rollstuhl sitzend verbringen.
Allerdings erbricht sich der Patient noch immer gelegentlich, und er leidet unter Durchfall.
Es steht ein großes, anscheinend behindertengerechtes Stationsbadezimmer zur Verfügung, angeblich auch mit Wannenlifter. Der Patient bittet um Hilfe beim Duschen, möchte das endlich nach mehreren Wochen.
Was macht ihr in diesem Fall - dürft ihr diese Hilfe geben oder nicht ? Vielleicht ist das keine so einfache Frage in einem Forum. Uns sagte niemand, man dürfe das aus Sicherheitsgründen nicht tun. Ich kann es mir ehrlich gesagt auch nicht vorstellen, denn da bräuchten wir keine behindertengerechten Ausstattungen und keine Duschliegen für die Wanne etc.
Eine weitere Frage: Gibt es eine genaue Definition von Bettlägerigkeit und einen Pflegestandard hinsichtlich der Waschung ?
Zur Information: Wir haben unzählige Male um Hilfe beim Duschen gebeten - Ärzte, Schwestern, Pfleger, "rauf" bis zum Primarius.
Vergeblich.
Wie sind eure Erfahrungen - wie lange maximal habt ihr Patienten, die zu wenig Kraft hatten es ganz alleine zu schaffen, nicht duschen können/dürfen ?

Vielen Dank für eure Antworten - DieRatsuchende.
 
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Kalimera

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17.01.2001
Hamburg
Eine weitere Frage: Gibt es eine genaue Definition von Bettlägerigkeit und einen Pflegestandard hinsichtlich der Waschung ?
Zur Information: Wir haben unzählige Male um Hilfe beim Duschen gebeten - Ärzte, Schwestern, Pfleger, "rauf" bis zum Primarius.
Vergeblich.
Wie sind eure Erfahrungen - wie lange maximal habt ihr Patienten, die zu wenig Kraft hatten es ganz alleine zu schaffen, nicht duschen können/dürfen ?
So ganz verstehe ich die Frage nicht. Wenn keine medizinischen Gründe gegen das Baden sprechen werden Patienten bei uns sowohl geduscht als auch gebadet, sofern die Vorrichtungen und der Zustand des Patienten dies erlauben, insbesondere in dieser warmen Sommerzeit und das macht die Pflege ohne Anordnung.
Natürlich gibt es Pflegestandards bzgl. des Waschens, aber keine Verbote, wenn nicht...wie oben erwähnt.
Ein medizinischer Grund wäre z. B., dass der Patient Bettruhe einhalten muss, oder der Arzt den physischen Zustand des Patienten nicht für stabil genug erachtet ein Bad oder Dusche zu verkraften.
Hat man Euch denn Gründe genannt, warum er nicht geduscht wird? Wenn Ihr nachgefragt habt, dann müsstet Ihr doch irgendeine Antwort erhalten haben?
 
Qualifikation
Pflege
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Krankenhaus
D

DieRatsuchende

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30.07.2006
9400
Hallo, Sigrid !

Danke für die rasche Stellungnahme.
Ja, wir haben mehrere Antworten auf die Frage bekommen,
warum er nicht geduscht wird.
Ein Arzt sagte "dies hier ist eine Akut-Station, es ist hier nicht möglich". Wenn der Patient und/oder ich einen Arzt wieder mal gebeten haben, sich doch dafür einzusetzen, hieß es "besprechen Sie das mit der Stationsschwester". Diese und ihre Kollegen/-innen argumentierten mit "keine Zeit" - zu jeder Tageszeit.
Ein anderer antwortete dem Patienten: "lassen Sie sich zurückverlegen auf die Chirurge, da Sie ja dort immer geduscht worden sind." (Auf der plastischen Chirurgie war vor der Überstellung auf die Innere eine zum Granulierungsprozess offen gelassene OP-Wunde stets per Ausduschen vorgereinigt worden).
Beide ärztliche Aussagen verstehe ich eindeutig als Zeichen dafür, dass medizinisch nichts gegen eine Dusche sprach. Zweitere scheint mir persönlich zusätzlich zynisch zu sein.
In den Dokumentationen finde ich keine Aussagen dazu - muss aber zugeben, dass ich darin nicht alles entziffern kann; ist teilweise schlicht nicht lesbar. Obige ärztliche Aussagen reichen ohnehin aus.
Ich habe volles Verständnis dafür, dass es bei einem Nierenversagen dauern kann, bis der Patient stabil genug ist (Bluthochdruck, urämische Beschwerden, häufiges Erbrechen, Schwäche aufgrund der Infektanämie).
Mir geht es darum, dass mein Angehöriger wochenlang schon Physiotherapie bekam, Querbett- und nach und nach im Rollstuhl sitzen konnte - bis zu einer halben Stunde.
Ab diesem Zeitpunkt spätestens wäre es meiner Auffassung nach gut, wichtig und verantwortbar gewesen. Dennoch musste er weiterhin wochenlang ausharren.
Noch eine Frage bitte: Wie sieht die Grundpflege aus, von der hier immer wieder die Rede ist ?
Gelten diese Standards europaweit oder sind sie begrenzt auf Deutschland ?

Herzliche Grüße - DieRatsuchende
 
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Bürokaufmann
Fachgebiet
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K

Kalimera

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17.01.2001
Hamburg
Ein Arzt sagte "dies hier ist eine Akut-Station, es ist hier nicht möglich". Wenn der Patient und/oder ich einen Arzt wieder mal gebeten haben, sich doch dafür einzusetzen, hieß es "besprechen Sie das mit der Stationsschwester". Diese und ihre Kollegen/-innen argumentierten mit "keine Zeit" - zu jeder Tageszeit.
Ein anderer antwortete dem Patienten: "lassen Sie sich zurückverlegen auf die Chirurge, da Sie ja dort immer geduscht worden sind." ...........
Beide ärztliche Aussagen verstehe ich eindeutig als Zeichen dafür, dass medizinisch nichts gegen eine Dusche sprach. .......

Noch eine Frage bitte: Wie sieht die Grundpflege aus, von der hier immer wieder die Rede ist ?
Gelten diese Standards europaweit oder sind sie begrenzt auf Deutschland ?
Nach dem was Du schreibst schreibst sehe ich keinen Grund dem Wunsch des Patienten nach einer Dusche nicht nachzukommen. Sicherlich ist es nicht mgl. ihn tagtgl. zu duschen, das lassen die Zeitressourcen in der Tat nicht zu, aber ich denke, dass es im Bereich des Möglichen sein müsste, dass man es öfters einplant. Ich denke, dass nicht verlangt wird, dass es zu einer bestimmten Tageszeit passiert, sondern es geht um das Duschen überhaupt. Ob nun Akutstation oder nicht ist m.E. irrelevant.

Die Grundpflege wird im Zusammenhang mit der Behandlungspflege genannt.
Grob gesagt betrifft die Grundpflege alle Tätigkeiten zur Ernährung, Körperpflege und Mobilität und ist im Bereich der Pflegeversicherung im SGB IX festgehalten, also die Unterstützung bei den Alltagsaktivitäten.
Die Behandlungspflege umschreibt die medizinisch-therapeutische Hilfestellung bei der Ausführung ärztlicher Anordnungen, während "Grundpflege" die Unterstützung bei Alltagsaktivitäten meinte.
Hier kannst Du auch etwas darüber nachlesen.
Begriffsspaltung Pflege in Grundpflege und Behandlungspflege
Grund- und Behandlungspflege - PflegeWiki
Meines Wissens gibt es diese Unterscheidung so nur in Deutschland.

Und nun schreibe ich mal in der Rolle als Angehöriger eines solchen Patienten:
Meine erste Frage wäre, wozu die Station behindertengerecht zum Baden/Duschen ausgestattet ist, wenn diese nicht genutzt werden.
Desweiteren würde ich fragen, wieso in diesem Krankenhaus Behinderte auf einer Akutstation nicht geduscht werden. Dann würde ich bekannt machen, dass ich zur PDL gehe und diese darum bitte für ein-zwei Std. jemand zur Verfügung zu stellen, da diese Station mit zu wenig Personal ausgestattet ist um einen Patienten zu duschen.
Ein Kompliment an die Geduld dieses Patienten und seiner Angehörigen.
 
Qualifikation
Pflege
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Krankenhaus
D

DieRatsuchende

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30.07.2006
9400
Danke, Sigrid !

Die Frage, wozu denn dieses Badezimmer besteht, habe ich sehr wohl auch gestellt - habe mich in meinem Posting beschränkt auf jene Fragen, auf die ich eine ernstzunehmende Antwort bekommen habe.
Nun, auf die Frage nach dem Zweck dieses Badezimmers wurde man ungehalten: "glauben Sie, wir hätten auch noch Zeit zu diskutieren ?!" Danach hat man mich einfach stehen gelassen.
Sicherlich hätte ich zur Pflegedienstleitung gehen sollen.
In diesem Zusammenhang frage ich mich heute, ob ich wirklich bewundernswert geduldig war oder dumm oder sonstwas.
Geduldig - ja. Muss man sein, wenn man in der schwächeren Position ist. Dumm -ja. Weil ich nicht zur PL gegangen bin, obwohl mir die Möglichkeit bewusst war. Habe geglaubt, ein Pflegedienstleiter wird sich nicht der Aussage eines Oberarztes entgegenstellen, der ja behauptet, es sei nicht möglich.
Ohne mich zu vergewissern.
Vor allem aber bin ich sonstwas: Unsagbar enttäuscht. Darüber, dass man einen Zirkus aufführen muss und Leuten, die es wissen und fühlen müssten, beibringen zu müssen, was zu tun ist. Schützenhilfe suchen, damit jemand seinen Job macht - genau jene Leute, die sich durch meine Mitarbeit einiges an Zeit erspart hatten für: Hilfe beim Essen mittags und abends, beim Erbrechen - ich war tagtäglich von 12 - mindestens 18,30 anwesend (wie oft wurde da wohl Zeit für den Wechsel der Bettwäsche eingespart, aber wer weiss, vielleicht irre ich mich da ja).
Es ging klarerweise tatsächlich nicht um den Zeitpunkt, sondern um die Dusche überhaupt.
Ich schwankte zwischen unbändiger Wut, die ich erst abbauen musste, um vorsprechen zu können und Resignation. Ich war einfach müde geworden.

Das musste mal wieder raus - vielen Dank für deine Information, Sigrid.
Alles Liebe für euch und eure Schützlinge - DieRatsuchende.
 
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S

stern3007

Aktives Mitglied
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29.07.2005
Köln
Ich sehe auch unter den hier genannten Fakten keinen Grund, dass der Patient nicht geduscht/gebadet werden soll.

Für mich ist das wieder mal eine typische Situation in unseren Krankenhäusern. Die Grundpflege wird immer wieder vernachlässigt, weil keine Zeit dafür da ist.

Jetzt bitte nicht schreiben bei uns im KH ist das nicht so. Ich habe genug Beispiele, da ich in der ambulanten Pflege arbeite. Etliche meiner Patienten die einfach zu "handhaben" sind kommen ziemlich verdreckt wieder, oder mit einem sehr schlechten Hautzustand, weil sich niemand darum gekümmert hat, trotz Nachfragen der Patienten und Hinweisen, dass sie Hilfe brauchen.

Oft genug kam dann die Antwort: Wir haben keine Zeit, eincremen gibt es deshalb nicht.
 
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Krankenschwester
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ambulante Pflege
weissbrk

weissbrk

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07.03.2006
Münster
Hallo Ratsuchende!
Ich bin selber Angehörige und verstehe Dich sehr gut! Ich schwanke auch immer zwischen dem Wunsch, richtig auf den Putz zu hauen, um etwas für den Patienten zu erreichen, und der Befürchtung, dadurch Unmut zu erzeugen, was wiederum meinem Angehörigen schaden würde - und der Unsicherheit, dem Pflegepersonal unrecht zu tun.
Die Wahrheit liegt wie so oft in der Mitte, und ich bin sehr froh, dass es das Pflegeboard gibt, wo ich ernsthafte Antworten und Unterstützung bekommen habe.
In diesem Sinne: Mut und weiter so! Die Wut muss ab und zu raus, dafür ist auch das Pflegeboard geeignet. Aber den Schwung aus der Wut kann man ohne schlechtes Gewissen nutzen, um mit etwas mehr Kraft weiter zu machen.
Wir können uns auch gern bei den "Pflegenden Angehörigen" austauschen, wenn du mal wieder Dampf ablassen möchtest!
 
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DieRatsuchende

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Themenstarter/in
30.07.2006
9400
Hallo wieder einmal.

Eigentlich wollte ich mich nicht so ärgern - uneigentlich ist es mir leider nicht gelungen.
Wie auch immer - @ Sigjun:
Die Waschung im Bett wurde tagtäglich durchgeführt. Das ist immerhin einiges.
Was ich aber auch für bedenkenswürdig halte, ist die Tatsache, dass die Ganzkörperwaschung im Bett meines Erachtens nicht weniger Zeit in Anspruch nimmt als eine Dusche. Nach Durchfall dauert die Ganzkörperwäsche überhaupt länger, wage ich zu behaupten.
Für den Patienten, aber auch für die Pflegenden ist die Dusche eindeutig der schonendste und effektivste Weg.
Bedenke ich weiterhin, dass da eine Wunde des öfteren
mit Durchfall kontaminiert war, komme ich zu folgendem Schluss: Die Keime, die eventuell mit dem Wasser eingebracht werden, sind sicherlich weniger schädlich, als Fäkalkeime. Das bestätigte der Chirurg durch seine Anordnung "ausduschen" - allerdings nur in seinem Wirkungsbereich.
Vermutlich lässt sich noch darüber diskutieren, ob es sich im Falle meines Lebensgefährten überhaupt noch "lediglich" um eine uneffektive Grundpflege handelt.
@ Stern 3007 und weissbrk: einfach nur ein ganz herzliches Danke.
Ich habe folgendes gelernt und hoffe, dass ich es umzusetzen vermag:
Jede Bitte nur ein einziges Mal aussprechen - freilich mehreren Personen gegenüber.
Nicht so lange das Gespräch mit den Beteiligten suchen.
Du, weissbrk, hast dabei eine sehr wesentliche Problematik genannt: auf den Putz hauen (wäre in meinem Fall die PL hinzuzuziehen) kann mir und dem Patienten schaden.
Ich hab ja überlegt: Was will ich: mich ärgern oder was bewegen. Doch da spießte es sich. Denn weiss ich, ob sich danach nur das von uns Gewünschte ändert ?
Hätte ich das Privileg verloren, den ganzen Nachmittag anwesend sein zu dürfen, hätte dies uns beide mindestens ebenso hart getroffen.

Liebe Grüße - DieRatsuchende
 
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Bürokaufmann
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U

Ulla47829

Neues Mitglied
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28.07.2006
47829
Hallo Ratsuchende,
das einzig treffende Argument der Pflege wäre gewesen, das noch keiner eine offizielle Einweisung bzgl. Handhabung Badewannenlift erhalten hat, denn dann darf er auch nicht benutzt werden. Dies kann ich mir aber nur schwerlich vorstellen. Ich kann nur sagen abolut schade für den Patienten und unqualifiziert von der Pflege.

Gruß Ulla ;)
 
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Krankenschwester
Fachgebiet
Pflegeüberleitung
Weiterbildungen
Arbeitskreis Betreuung Schwerstkranker
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Kalimera

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17.01.2001
Hamburg
Hallo Ratsuchende,

Ich finde, dass Du Dich sehr gut im Griff hast. Ich wäre bei manchen Antworten mehr oder weniger ausgerastet.
Und ich verstehe nicht, wieso eine begonnene Therapie auf der Chirurgie dann plötzlich auf der Inneren nicht mehr fortgesetzt wird. Auf unserer Inneren werden Wunden genauso verbunden wie auf der Chirurgie.
Nicht so lange das Gespräch mit den Beteiligten suchen.
Die Suche nach einem Gespräch sollte sich in einem solchen Fall nur darauf beschränken abzuklären was gegen eine Dusche spricht. Und anschließend wird erst darum gebeten und spätestens das zweite Mal gefordert, dass mein Angehöriger geduscht wird. Ich kann verstehen, dass Du Angst vor Repressalien seitens des Pflegepersonal hattest. Ich finde es aber erschreckend, das jemand überhaupt in Betracht zieht, dass es Repressalien geben könnte und daher lieber schweigt.
Das liest sich ja wie im Mittelalter, wo Ärzte und Pflegepersonal die Patienten eher als unmündige Menschen, denn als selbständig denkende Menschen ansahen. Wann endlich haben alle Pflegekräfte verstanden, dass der Patient sein Hirn nicht an der Pforte abgibt, sondern immer noch derjenige ist, der entscheidet und auch durchaus Wünsche hat.
Es tut mir leid was Du erlebt hast, es ist schade, dass Du nicht mehr gefordert oder unternommen hast, wenngleich ich Deine Beweggründe gut nachvollziehen kann.

Für die Zukunft wünsche ich Euch Ärzte und Pflegepersonal, die in der heutigen zeit mit ihrem Pflegeverständnis angekommen sind.

Freundliche Grüße
Sigrid
 
Qualifikation
Pflege
Fachgebiet
Krankenhaus
D

DieRatsuchende

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30.07.2006
9400
Hallo !

Ja, Ulla - sowas kann ich mir auch nicht vorstellen.
Ich käme ja noch nicht mal auf die Idee - muss wohl noch einiges lernen *JesusMaria*.
Sigrun - ich hab mich freilich auf die Wünsche des Patienten beschränkt. Nachdem ich dabei schon die Abfuhren bekommen hatte, gab es schon gar keinen Grund, auch noch über was anderes zu reden.
Die Frage, was denn dagegen spricht, stellte sich übrigens eindeutig als Salz in den Wunden heraus. Kann ich nachvollziehen. Es ist nun mal unangenehm, kein Argument zu haben. Ich werde sie hoffentlich nie wieder brauchen, sicherlich aber gnadenlos anwenden, wenns sein muss.
Dass die Wunde auf der Inneren nicht weiter ausgeduscht wurde, hat einen Grund, der mich schmerzt:
Die Chirurgen, die einmal wöchentlich zur Visite kamen, haben auf meinen Hinweis, dass dies hier unterblieb, geantwortet: "es ist auch so ausreichend".
Damit waren wir auf verlorenem Posten angekommen.
Man hatte es auch nicht schriftlich angeordnet.
Das enttäuscht mich und ist mir ebenso unverständlich wie dir.
Dieses Faktum und auch die Aussagen, bei denen du ausgerastet wärst, haben mich nicht nur wütend gemacht, sondern auch erschreckt. Zumindest die Aussage ("lassen Sie sich doch zurückverlegen.....da Sie ja dort immer geduscht wurden") und andere zeugen von einer Gleichgültigkeit, die an Gewalt grenzt. Doch manchmal gelingt es mir auch, mich auch in ein Gegenüber hineinzuversetzen, das mir Unerfreuliches sagt. Jener Arzt, von dem die gerade zitierte Aussage kam, mag gerade in argem Stress gewesen sein.
Nur: was hilft mir das ? Und dann drängt sich die Frage auf: wozu noch kann der Stress den Menschen treiben ?.
Spätenstens hier komm ich persönlich unweigerlich zur Befürchtung, es könnte Repressalien geben.
Wir hatten zudem mit einem anderen unerfüllten Wunsch zu kämpfen: Feststellung des Körpergewichtes per Waage.
Der Patient hatte nämlich manchmal Schwierigkeiten, übers dialysefreie Wochenende zu kommen.
Herausgekommen ist: keine Waage; sei nicht zwingend vorgeschrieben, und die abzuziehende Flüssigkeitsmenge könne ja auch auf anderem Weg berechnet werden.
Das mag stimmen. Vorerst sag ich dazu mal eins:
Nach der Entlassung wurden am Heimatkrankenhaus Zwischendialysen gemacht. Das ist aber ein anderes Thema. Es hat noch mehr Kraft gekostet.
Was ich damit aber sagen will ist: darin sehe ich eine weitere Sturheit, die zu Lasten des Patienten geht. Soll er sich nicht fürchten, wenn ihm zunehmend die Luft ausgeht ? Wie soll er darüber denken, wenn er der einzige ist, der nicht gewogen wird - und es geht ihm schlecht dabei ?
Und nun: was will man erwarten von Pflegekräften, die solchen Ärzten untergeordnet sind ?
Die Antworten darauf kennen wir alle.
Eigeninitiative von seiten des Pflegepersonals - in unserem Fall leider Fehlanzeige.
Ich glaube übrigens nicht, dass dort irgendwem beim Duschen geholfen wurde. Das Bad war ja unbenutzt und angeblich gabs ja keinen Lifter. Was in den Nasszellen von wem gemacht wurde, weiss ich freilich nicht. Ich weiss nur, dass ich keinen 2. Querschnittgelähmten dort gesehen habe (ich weiss, man kann auch aus anderen Gründen bettlägerig sein), und dass das Personal im Aufenthaltsraum nicht selten sich gut und ausgiebig unterhalten hat.
Wie auch immer - es ist vorbei.
Es tut gut, euer offenes Ohr und eure Bereitschaft der kritischen Auseinandersetzung gefunden zu haben.
Liebe Grüße - DieRatsuchende
 
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Bürokaufmann
Fachgebiet
FiBu
M

Monika Bartz

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02.02.2006
4020
Hallo Ratsuchende!
Die Situation, die du hier beschreibst, hat mich sehr erschüttert. Da ist absolut nichts von guter individueller Pflege eines Patienten und Betreuung Angehöriger spürbar.
Es entsetzt mich, dass sowas in Österreich vorkommt.
Ich hätte meinen Angehörigen wahrscheinlich sofort aus dem Krankenhaus genommen, was bei uns in Linz wegen mehrerer nahe beieinanderliegeden Krankenhäuser leicht geht. Diese Möglichkeit hattest du offensichlich nicht, oder auch nicht dran gedacht?
Wir haben hier im Board auch das Thema "Waschen im Nachtdienst" und ähnliche Themen schon diskutiert und da geht es sehr häufig um die Bedürfnisse des Pat.
Anscheindend hat in dem besagten Krankenhaus noch nie jemand etwas von patientenorientierter Pflege und Qualität in der Pflege gehört. Ich bin total von den Socken, dass man als Angehöriger sowas überhaupt mit den Ärzten diskutieren muss. Für mich ist klar, dass wir im Pflegeteam gemeinsam eine Pflegeplanung erstellen und wenn nur irgendwie duschen möglich ist, wird der Pat. geduscht. Wir haben dazu einen Rollstuhl, der auch nass werden kann, somit fährt der Patient in die Dusche, oder er wird auf einen Klapphocker, der an der Wand befestigt ist, gesetzt - je nach Zustand des Patienten.
Was in so einem Pflegeteam vorgeht, kann ich nicht nachvollziehen und ich frage mich, wie es kommt, dass auf der einen Station das Duschen geht und auf der anderen nicht. Für mich ist es auch unverständlich, dass man dich so "abserviert" hat und dass man dich und deinen Angehörigen nicht besser betreut hat. Es ist eine Schande für die Pflege und ich wundere mich nicht, dass immer wieder negative Berichte in der Presse erscheinen, wenn gute Betreuung schon an solchen Dingen scheitern!
Auf meiner Abteilung würde eher jemand Überstunden machen und sich die Zeit woanders abringen, nur um den Wunsch des Patienten zu erfüllen: zufriedene Patienten und Angehörige sollten das Ziel einer jeder Abteilung sein.
Auch wenn es bei Euch jetzt vorbei ist, ich möchte dich ermutigen, solche Zustände nicht zu akzeptieren und euren Wünschen wirklich Nachdruck zu verleihen. Es gibt ansonsten auch noch eine Patienten - Beschwerdestelle. Wende dich an die, falls dir wieder sowas passiert. Das ist nämlich ein offensichtlicher Grund!
Ich wünsche dir und deinem Angehörigen alles Gute! Laßt euch nicht unterkriegen und nutze dein Recht!
 
Qualifikation
Krankenschwester / Praxisanleiterin
Fachgebiet
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DieRatsuchende

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30.07.2006
9400
Hallo an alle !

Monika, einen Krankenhauswechsel hatten wir angedacht,
aber verworfen, weil der Patient sehr an den Ärzten der Chir.Station hing. Das Heimatkrankenhaus hatte sich nämlich ein paar Jahre zuvor nicht über eine Sanierung drübergetraut und besagte chir. Station empfohlen.


Wir haben uns im nachhinein an die Beschwerdestelle gewandt mit dem Ziel, dass das möglichst auch keinem anderen Patienten mehr passiert.

Aus der Stellungnahme der Inneren geht nur hervor, dass er eh gewaschen wurde und eine Beschwerde dahingehend nicht gerechtfertigt sei.
Die Pat.-Anwaltschaft selbst kommentiert das nicht.
Wie auch immer, ich denke, mehr kann ich dort nimmer tun. Ich hoffe, dass man dort richtig aufgeräumt hat.
Dass man es vor meiner Wenigkeit zugibt, ist mir nicht wichtig.
In Zukunft werde ich ganz bestimmt Patientenrechte einfordern, wenn es im Guten nicht bald mal geht.

Alles Liebe für euch - Irmgard
 
Qualifikation
Bürokaufmann
Fachgebiet
FiBu
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UlrichFürst

Dass die Wunde auf der Inneren nicht weiter ausgeduscht wurde, hat einen Grund, der mich schmerzt:
Die Chirurgen, die einmal wöchentlich zur Visite kamen, haben auf meinen Hinweis, dass dies hier unterblieb, geantwortet: "es ist auch so ausreichend".
Das ist das einzige was mich nicht schmerzt. Das Ausduschen ist vorrübergehend sicherlich ganz o.k. Aber als Dauertherapie auch lt. diverser Wundtherapeuten unbrauchbar...

Zum Rest bleibt mir die Sprache weg, zumal, wie Du richtig erkannt hast, das Duschen meist nicht so viel mehr Zeit in Anspruch nimmt als eine Wäsche im Bett!

Ulrich
 
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DieRatsuchende

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30.07.2006
9400
Hallo !

Danke, Ulrich.
Es wäre schön gewesen, hätten die Chirugen mir das so erklärt wie du. Es waren ja dieselben, die meinen Lebensgefährten operiert und dieses Ausduschen in ihrem Wirkungsbereich angeordnet hatten. Der Granulierungsprozess hatte deutlich sichtbar eingesetzt.

Wir beide als Patient/Angehörige mögen halt auch widersprüchliche Handlungsweisen nicht so gerne - speziell, wenn wir keine nachvollziehbare Erklärung dafür erhalten. Das stört. Ist aber auch ein anderes Thema.

Wenn ich davon ausgehe, dass deine Überzeugung richtig ist, habe ich wieder was gelernt: dass es überhaupt Wundmanager gibt, und dass auch plastische Chirurgen sich eben nicht zwangsläufig mit Wundpflege auskennen, wie ich das geglaubt hatte.

Nun, kann mir noch jemand sagen: wie ist das mit den Wundmanagern ? Ist es eine freiwillige Angelegenheit eines Krankenhauses, einen solchen zu beschäftigen?

Danke wieder einmal - bin echt froh, euer Forum gefunden zu haben.
 
Qualifikation
Bürokaufmann
Fachgebiet
FiBu
U

UlrichFürst

Es wäre schön gewesen, hätten die Chirugen mir das so erklärt wie du. Es waren ja dieselben, die meinen Lebensgefährten operiert und dieses Ausduschen in ihrem Wirkungsbereich angeordnet hatten.
Das sorgt natürlich für Unsicherheit:sad:

Der Granulierungsprozess hatte deutlich sichtbar eingesetzt.
Und genau das dürfte der Grund sein, es nicht mehr auszuduschen. Man möchte mit dem Duschen nämlich eine mechanische Reinigung erzielen. Also Beläge abtragen. Man trägt aber leider auch Granulationsgewebe mit ab, da das sehr empfindlich ist. Folglich sollte man zu dem Zeitpunkt wo das Granulationsgewebe überwiegt, spätestens mit dem Duschen aufhören.

Wir beide als Patient/Angehörige mögen halt auch widersprüchliche Handlungsweisen nicht so gerne - speziell, wenn wir keine nachvollziehbare Erklärung dafür erhalten. Das stört.
Sehr verständlich. Das ist eben der Unterschied, ob der Patient (und die Angehörigen) als Kunde oder Störfaktor gesehen wird...:angry:

Wenn ich davon ausgehe, dass deine Überzeugung richtig ist, habe ich wieder was gelernt: dass es überhaupt Wundmanager gibt, und dass auch plastische Chirurgen sich eben nicht zwangsläufig mit Wundpflege auskennen, wie ich das geglaubt hatte.
Leider ist dem so!
Nun, kann mir noch jemand sagen: wie ist das mit den Wundmanagern ? Ist es eine freiwillige Angelegenheit eines Krankenhauses, einen solchen zu beschäftigen?
So weit ich weiß, ist das freiwillig. Davon abgesehen, gibt es AFAIK noch keine staatliche Ausbildung zum Wundmanager sondern zwei (teils zusammenarbeitende) Vereinigungen. Die eine ist die Initiative chronische Wunden, die andere ist Deutsche Gesellschaft für Wundheilung und Wundbehandlung DGfW e.V.

Falls sich da was geändert hat, möge man mich berichtigen

Ulrich
 
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confuge

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25.04.2006
Düsseldorf
Ich bekomm' mal wieder dei Krise. Warm ist das eigentlich so? NAch meinem Verständnis ist Pflege die Begegnung mit dem Patienten in seiner aktuellen Bedürftigkeit. Aber in der Realität erlebe ich immer, dass die Patienten den Institutionen untergeordnet werden. Das lese ich jetzt auch hier wieder raus und macht mich traurig und wütend. Am Anfang hast du nach einer Definition von Bettlägerigkeit gefragt. Dazu kann ich folgendes Buch empfehlen: A. Zegelin: 'Festgenagelt sein' - Der Prozess des Bettlägerigwerdens; ISBN 3-456-84211-2
 
Qualifikation
Fachkinderkrankenpfleger
Fachgebiet
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DieRatsuchende

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Themenstarter/in
30.07.2006
9400
Hallo euch allen !

Danke, Ulrich für deine Stellungnahme.
Die beiden Links, die du mir hereingestellt hast,
sind sehr aufschluss- und hilfreich.

Confuge, auch dir danke ich für dein Interesse, dein Verständnis und natürlich für den Buchtipp.
Das Buch wird gekauft.
Für heute sag ich Auf Wiederlesen - Irmgard
 
Qualifikation
Bürokaufmann
Fachgebiet
FiBu
Pflegeboard.de

Pflegeboard.de

Administrator
Teammitglied
05.07.2001
www.pflegeboard.de
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