Betriebsarzt und das Gespräch nach der Krankheit

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Barbara2

Barbara2

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04.04.2006
69250
Hallo Ihr Lieben,

nehmen wir an, eine Mitarbeiterin ist sehr oft krank. Wird auch gehäuft im Urlaub krank.

Wann darf man den Betriebsarzt einschalten?
Wie finde ich den "RICHTIGEN"?
Muss ich vorher mit ihm reden? Was sage ich ihm?
Wann darf ich die Mitarbeiterin dort hinschicken? Während ihrer Krankheit, oder danach?

Jetzt habe ich auch verschiedene Artikel zu diesem Thema gelesen.
Was genau habe ich eigentlich davon, wenn ich die Mitarbeiterin dort hin schicke?

Und dann gibt es noch dieses ( ich nenne es mal..: ) Krankheitsrückkehrergespräch...oder so.

Was darf/soll/muss man da besprechen, dokumentieren,...vereinbaren?
Gibt es da ein gewisses Schema, oder eine Art Gebrauchsanweisung, wie man so ein Gespräch führt? Und wie rechtsbindent ist so ein unterschriebenes Protokoll?

Ich hoffe, das Ihr mir helfen könnt.

Liebe Grüße
Barbara2
 
Qualifikation
Pflegedienstleitung
Fachgebiet
Ambulante Pflege
M

Medifuchs

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13.02.2007
26721
Der Arbeitgeber hat eine Sorgfaltspflicht gegenüber seinem Arbeitnehmer. Und wenn der Arbeitneher annehmen muss, das die Arbeit für den Mitarbeiter gesundheitlich nicht mehr vertretbar ist, kann der Betriebsarzt eingeschaltet werden. Während der Krankheit wird i.d.r. nicht funktionieren, da ja der Mitarbeiter krank ist und ggf. den Arzt überhaupt nicht aufsuchen kann. Den "richtigen" finden ist so eine Sache. Unser Betriebsarzt ist ein praktizierender Arzt mit dem wir einen Rahmenvertrag haben.
Bei den Krankheitsrückkehrergespräch muss ich wissen was der Betrieb möchte.
Wenn dem Mitarbeiter langfristig die krankheitsbedingte Kündigung ausgesprochen werden soll, geht das nur in Verbindung mit Anwalt und Betriebsarzt. Oder es gibt eine schöne Abfindung
 
Qualifikation
EDV-Kaufmann
Fachgebiet
Geschäftsleitung
W

Wuschi63

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28.06.2006
74850
Hallo Barbara 2,

falls man als AG im Zweifel ist, ob der AN auch wirklich krank ist , kann man den medizinischen Dienst beauftragen. Der besucht den kranken AN zuhause. Auch eine Kündigung kann bei häufiger Krankheit ausgesprochen werden, wenn der AN 2mal 4 Wochen im Kalenderjahr krank ist( genau weiss ich es nicht).
Auch wenn berechtigte Zweifel bestehen, dass der AN die Arbeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr verrichten kann, kann man den AN zum Arzt schicken( Kosten trägt dann der AG(soweit ich weiss)

Grüssle Heidrun:suche:
 
Qualifikation
Altenpflegerin/PDL
Fachgebiet
stat. Altenpflege
D

Dettini

Hallo Ihr Lieben,

ich bin sehr stolz darauf, dass mir viele meiner Kollegen aus allen Arbeitsbereichen unseres Hauses vertrauen. Deshalb war ich als MAV-Mitglied ihrer Wahl schon häufig bei solchen Wiedereingliederungsgesprächen beteiligt.

Zuvor, bevor ich auf die Fragen zu sprechen komme, möchte ich betonen, dass diese Gespräche, die ja in der Regel immer vom Arbeitgeber/Dienstgeber initiiert werden, völlig legitim, ja, auch wegen der Fürsorgepflicht des Dienstgebers, notwendig sind.

Mein Haus lässt sich von einem Betriebsarztzentrum betreuen. Der Betriebsarzt soll helfen, eine Prognose an Hand der vorliegenden Aktenlage zu erstellen. In der Regel sieht man es von Seiten der AG sehr gerne, wenn eine Zusammenarbeit besteht und der AN seine Ärzte von der Schweigepflicht entbindet und seine Krankenakte dem Betriebsarzt zufliesst.

Dazu ist jedoch kein Mitarbeiter verpflichtet.
Es kann ihm auch nicht negativ ausgelegt werden, wenn er dies nicht zulässt. Ein Beispiel aus der Praxis: Eine Kollegin aus dem Pflegebereich wird zu einem solchen Gespräch eingeladen und informiert mich einen Tag vorher. Fakten: 300 Krankheitstage in den letzten 3 Jahren! Hintergrund: Schwere psychische Schäden nach einer Ehescheidung mit Mißhandlungen usw. Nach 266 Tagen Behandlung wieder arbeitsfähig und ohne Krankheitsunterbrechung gearbeitet, bis 6 Wochen vor diesem Gespräch. Da wurde sie nochmals für 34 Tage krank geschrieben, weil sie auf der Arbeit einen Unfall erlitt und sich einen Bänderriss zugezogen hatte. Es standen zu Buche 300 Tage Fehlzeiten wegen Krankheit.

Die Kollegin wurde vom Betriebsarzt angegangen, weil sie nicht bereit war, ihre Krankheitsakten offen zu legen. Er fragte sie warum sie dies nicht getan hat, wenn sie doch nichts verbergen wolle. An ihrer statt habe ich geantwortet, dass ich persönlich, wenn ich mit Fachärzten zusammenarbeite, nicht noch einen Facharzt für Berufsmedizin benötige, weil es sich nicht um eine Berufskrankheit handelt. Und die Frage würde eh aus dem Protokoll gestrichen, weil sie nicht zulässig ist.

Dann bat der Geschäftsführer den Arzt, eine Prognose abzugeben. Aufgrund der statistischen Werte, so sagte er, könne die Prognose leider nur negativ sein. Dann habe ich ihm einen kleinen Vortrag über Statistiken gehalten und wie man diese praktisch anwenden kann. Das machte ihn so nervös, dass er von ihr wissen wolle, ob sie z.B. ausschließen könne, dass sie sich z.B. den Rücken verrenkt.

Ich habe dann gefragt, ob wir unbedingt auf diesem Niveau weiter diskuttieren müssten.

Wichtig, für jeden, der zu solch einem Gespräch geladen ist. Nehmt einen sachkundigen und kompetenten Menschen der MAV/Betriebsrates mit zu diesem Gespräch. Nie alleine.

Es kann ein Protokoll über die sachlichen Inhalte geschrieben werden. Alles, ich wiederhole und drucke es fett, alles was arbeitsrechtlich relevant sein sollte, wird nicht unterschrieben.

Schweigen ist wertvoller, als in der Enge getrieben Zeugs von sich zu geben, was gegen Dich verwandt werden kann. Bleibt ruhig und freundlich, sachlich aber bestimmt. Niemand kann etwas dafür, wenn er krank ist.

Für Schwerbehinderungen ab 50% gelten dann noch andere Regeln, aber das führt hier zu weit.

Ich hoffe, das eine oder andere Wort konnte helfen, sonst gezielt nachfragen

Dettini
 
A

Axel Klaus

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01.01.2007
44135
Hallo,

man sollte das im Extremfall direkt über den MDK machen, warum Betriebsarzt? (Wie Heidrun schon richtig gesagt hat)

Zuvor sollte man das Gespräch mit dem Mitarbeiter suchen, und zwar nach jeder AU in einem pers. Gespräch. Wie schon gesagt wurde, die Sorgfaltspflicht gegenüber dem Arbeitnehmer besteht...und das sollte man diesem auch ruhig sagen.

"Herr\Frau X., ich mache mir ernsthafte Sorgen, ob Sie den Beruf (noch) auf Dauer ausüben können. ........."...ich denke eine betriebsärztliche Untersuchung wird .... zu gegebener Zeit eine Antwort ergeben...ich darf ja Ihren Hausarzt nicht um Auskunft bitten.“

Es ist sicher nicht leicht, wenn man diesen Vorgang nicht gewohnt ist, aber ein Gespräch unmittelbar nach AU sollte klar zum Ausdruck bringen, das man sich Sorgen um die Gesundheit des Mitarbeiters macht, ob er\sie seine Arbeit schafft. Und das man halt in Zukunft den MDK einschalten wird.
Sicherlich ist oft die AU berechtigt (Ursachen?), aber sicherlich kennt auch jeder hier und da einen Mitarbeiter, wo man einfach das Gefühl nicht los wird, er feiert wirklich auf "lau"...komischerweise immer am Wochenende, oder an bestimmten Tagen...

Wenn dem Mitarbeiter an seiner Arbeit, bzw. Arbeitsplatz gelegen ist, wird er\sie sicher nachdenklich...und das Verhalten ändern.


Ein weiterer Ansatz ist die Krankmeldung bei der PDL...immer...also 24h rund um die Uhr. Sicher nicht jedermanns Sache, aber ich habe eine klare Verringerung des Krankenstandes erlebt.
Es ist halt einfacher, vor Büroöffnung auf der Station anzurufen und sich krankzumelden...dann weiß die PDL gegen Mittag ja schon, das ich krank bin, wenn ich mich wieder melden muss.....
 
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Barbara2

Barbara2

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04.04.2006
69250
Vielen Dank für Eure ausführlichen Antworten.

Lieber Axel Klaus,

wie meinst Du das mit der Krankmeldung bei der PDL,...rund um die Uhr?

Das uns da der MDK helfen kann, wußte ich auch noch nicht. In welcher Beziehung steht der MDK zum Arbeitgeber und inwiefern kann er diesem helfen, wenn eine Mitarbeiterin häufig krank ist?

Liebe Grüße
Barbara2
 
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Axel Klaus

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01.01.2007
44135
Na manche rufen halt in der Nacht, am frühen morgen auf der Station an, und melden sich krank.
Dadurch, das ich informiert werden wollte, haben sich zumindest die "1 Tag Erkrankungen" reduziert.. Es wird halt überlegt, ob es evtl. doch geht, bevor man die PDL anruft...in der Nacht.
Ist halt nicht jedermanns Sache.
 
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T

traveler

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09.12.2005
Kaufbeuren
Der MDk steht in keiner Beziehung zum AG und ist auch nicht dazu da diesem zu helfen. Er ersetzt den früheren Vertrauensarzt.

und Dettini: die Grundidee mit dem Betriebsarzt ist doch im vertrauensvollen Gespräch zu klären wie es weiter gehen kann. Ein guter BA ist neutral und unterliegt natürlich der Schweigepflicht. Du scheinst dem BA gleich zu unterstellen (zumindest in deinem Beispiel), dass er dem MA nur "böses" will. Was soll denn dabei rumkommen, wenn ich einen MAVvertreter mit einer solchen Einstellung zum BA, zu einem solchen Gespräch mitnehme? Ganz davon abgesehen, in solch einem Gespräch geht es auch um evtl. intime Details, da würde ich doch sehr ins Grübeln kommen ob eine MAV dabei richtig am Platz wäre?

Gruß renje
 
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Barbara2

Barbara2

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04.04.2006
69250
Hi renje,

Vertrauensarzt, früher, wie Du unschwer erkennst, kenne ich mich damit nicht aus,...was bedeutet das, wenn ich eine Mitarbeiter dort heute dort hinschicke.
Irgendeine Information muss ich doch bekommen vom MDK. Wie könnte diese aussehen.

Liebe Grüße
Barbara2
 
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Pflegedienstleitung
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Ambulante Pflege
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Axel Klaus

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01.01.2007
44135
Kurz: Info, ob berufsfähig oder nicht (Für den eingesetzten Beruf)
Also ob Gründe für den erhöhten Krankenstand bestehen oder nicht. Natürlich Gründe ohne Details
 
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Krankenpfleger in leitender Funktion
Fachgebiet
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T

traveler

Aktives Mitglied
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09.12.2005
Kaufbeuren
1. Wann darf man den Betriebsarzt einschalten?
2. Wie finde ich den "RICHTIGEN"?
3. Muss ich vorher mit ihm reden? Was sage ich ihm?
4. Wann darf ich die Mitarbeiterin dort hinschicken? Während ihrer Krankheit, oder danach?
Barbara2
1. immer wenn du den Verdacht hast, dass die Erkrankung beruflich bedingt ist oder mit dem Beruf in Verbindung steht.
2. jeder Betrieb hat einen BA, der die vorgeschriebenen Untersuchungen durchführt - normalerweise - sonst MDK.
3. Überlasse doch der MA die Initiative und bitte diese bis ... (~4Wochen) dort hinzugehen, da du sonst ...
4. siehe 1. - / hinschicken immer, während der Krankheit allerdings sind die Ausreden stimmiger, wenn die MA den Termin nicht wahrnimmt, deshalb Pkt. 3

Für mich das Wichtigste dabei, was ist dein Ziel?
Kündigung? MDK-Gericht
Reduzierung der Krhtage? Gespräch mit dir, Betr.arzt, Sozialdienst

Danach entwickelst du deine Strategie.
Aber - führe zu Ende was du begonnen hast.

Irgendeine Information muss ich doch bekommen vom MDK. Wie könnte diese aussehen.
Die Antwort vom MDK oder BA ist selten zufriedenstellend für den AG. Nicht´s konkretes allgemeine Einschätzung und Empfehlungen. Denn die ärztl. Schweigepflicht gilt immer und überall und gegenüber jedem.

Viel Erfolg
 
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GuK, Lehrer, Sozialbetriebswirt FH
Fachgebiet
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Pflegeboard.de

Pflegeboard.de

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