Besser ein Ende mit Schrecken...?

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elraton

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Hallo zusammen,

schön, dass es so ein umfangreiches Forum gibt, in dem sich sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer tummeln... So sieht man ab und zu, dass man mit den Problemen des Pflegealltags nicht ganz allein dasteht.

Kurz zu meiner Situation: Ich arbeite seit Ende 2009 in einem Pflegeheim in der bayerischen Provinz. Vier Wohnbereiche (davon einer beschützend), ca 110 Einzel- und 30 Doppelzimmer. Wie viele KollegInnen momentan in der Pflege sind, weiß ich beim besten Willen nicht, da unser Krankenstand mittlerweile die 20er-Marke überschritten hat und über 10 Leute demnächst kündigen wollen oder es schon getan haben. Seit Anfang 2010 hatten wir vier (oder waren es doch sechs?) PDLs, von denen sogar eine vorübergehend im Haus wohnte. Nach einer (Rekord!) Woche zog sie in einer Nacht- und Nebel-Aktion aus und ward nimmer gesehen. Von Stabilität war natürlich weit und breit keine Spur.

Nun ist seit zwei Monaten wieder der alte Chef da, ob die Hausleitung bleibt, wage ich zu bezweifeln. Seither füllen wir die größer werdenden Lücken in den Dienstplänen mit Pflegekräften aus anderen Häusern des Konzerns. Ich persönlich bin auch froh drum, aber sowohl für uns, als auch für unsere Bewohner ist der ständige Wechsel trotzdem belastend. Die KollegInnen zoffen sich teils nur noch, auf den größeren Wohnbereichen ist permanente Fluktuation angesagt. Ich hab den Chef schon darauf angesprochen, zum letzten Mal heute morgen, als ich nach 10 1/2 Stunden Nachtschicht erfahren hab, dass ich heute (eigentlich Ausschlaftag) doch arbeiten muss. (Auf dem dem Dienstplan stand nichts davon, angeblich hat er am 22.8. einen geänderten rausgegeben. Nur hab ich auf keinem Wohnbereich einen Dienstplan mit dem Datum gefunden. Wahrscheinlich hat er es schlicht an die falsche Person (aus der Führungsetage) delegiert, und die war dann tatsächlich nicht fähig, den Plan auf allen WB zu verteilen...) , doch von ihm kommen immer wieder die gleichen Ausreden wie "Was kann ich für den Krankenstand" oder "Was kann ich dafür, wenn ihre KollegInnen unfähig sind?" Ich hab dem Chef heute gesagt, dass er mit seiner Unternehmenspolitik die Leute, die noch leistungsfähig (und nicht wg. Burnout krankgeschrieben sind) auch noch aus der Firma treibt und dass sein Personalproblem hausgemacht sei. Klar, dass ihm da außer Schulterzucken nix zu einfiel.
Mir geht sein Gejammere mittlerweile echt auf den Senkel. Wer leidet denn unter dem akuten Personalmangel? Doch in erster Linie die Bewohner und wir Angestellten.

Ich plane seit einiger Zeit, dort einen Betriebsrat aufzuziehen, ernte dafür zwar vereinzelt mal ein anerkennendes Nicken, aber bis auf zwei Leute hat bisher niemand den Arsch in der Hose, mal Tacheles zu reden und es endlich anzupacken. Zwar sagen viele von mir, ich würde zu oft rumdiskutieren, aber ich denke, insgesamt hab ich mittlerweile ein gutes Standing im Betrieb.
Anyway. Nach diesem fruchtlosen Gespräch fuhr ich heim und rechnete unterwegs schonmal aus, wie lange ich noch arbeiten müsste, wenn ich zu Ende September kündige.

Ist wohl ein etwas langer Text geworden. Wäre trotzdem dankbar für jeden Rat von allen, die schon mal in einer ähnlichen Situation waren oder schon einen Betriebsrat in einem chaotischen Betrieb auf die Beine gestellt haben.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit ;o)
 
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AW: Besser ein Ende mit Schrecken...?

Oh mein Gott, wenn man das so liest, wird einem ja Angst und Bange, und wütend! Wie kann man denn mit Menschen so umgehen? Also mit 2 Leuten an deiner Seite erreichst du nichts, dafür ist das Heim zu groß. Anzeige an die Heimaufsicht und MdK, vorher eine geschlossene Kündigung, auf anderem Weg wirst da nichts mehr reißen!
 
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elraton

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AW: Besser ein Ende mit Schrecken...?

Äh... danke für deine ehrliche Antwort. Befürchte mittlerweile, dass da kein Weg mehr dran vorbeiführt. Es war schon schwer, zwei weitere Leute mit genug Rückgrat zu finden. Hoffe, es kommen noch positivere Statements. Wünsch dir noch einen schönen Abend ;o)
 
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Was sollen MDK und HA am Umgang mit dem Personal ändern?
:blushing:Sonnensturm
 
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Soweit mir bekannt und bei uns geschehen haben die sich von Januar an die Dienstpläne aushändigen lassen zum prüfen. Und was soll ich sagen, glaube nicht, dass die bewohner noch ordentlich versorgt werden können, wenn der ND früh raus geht und mittag wieder da sein soll, oder kein geregeltes frei mehr ist. Jeder arbeitet nach seinen Möglichkeiten, aber irgendwann ist der Ofen aus und nichts geht mehr.
 
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AW: Besser ein Ende mit Schrecken...?

Ich meinte ja auch den UMGANG mit den Leuten. So wie "Die reissen sich den A. auf, ist mir aber egal."
Von Mittagsdienst hatte elraton ja nichts geschrieben. Das ginge natürlich nicht.
Den meisten scheint es dort doch zu gefallen. :ironie:
Ist zwar nicht schön, aber bei MDK und HA helfen Pflegefehler, Missstände. Das Wohlfühlen des Personals, Spass und Freude bei der Arbeit, ist nicht von Interesse. :nono: Zumindest nicht unbedingt.
Dieser ständige Leitungswechsel müsste diesen Herrschaften aber schon aufgefallen sein.:angry:
Bei solch einer Leitung braucht der gesamte BR aber starke Nerven.
:w00t:Sonnensturm
 
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AW: Besser ein Ende mit Schrecken...?

Ich hab dem Chef heute gesagt, dass er mit seiner Unternehmenspolitik die Leute, die noch leistungsfähig (und nicht wg. Burnout krankgeschrieben sind) auch noch aus der Firma treibt und dass sein Personalproblem hausgemacht sei. Klar, dass ihm da außer Schulterzucken nix zu einfiel.
Sei froh, dass ihm nur das eingefallen ist. :whistling


Ich plane seit einiger Zeit, dort einen Betriebsrat aufzuziehen, ernte dafür zwar vereinzelt mal ein anerkennendes Nicken, aber bis auf zwei Leute hat bisher niemand den Arsch in der Hose, mal Tacheles zu reden und es endlich anzupacken.
Also ich denke, dass ein BR bei euch ein guter Ansatz wäre. Unter anderem könnte man den AG dann auch mal gezielt z.B. hinsichtlich Dienstplanreglementarien, Mitwirkungs-und Fürsorgepflichten - verfassungsgemäß galant - auf die Füße treten.

Du schreibst, ihr seid ein Konzern? Um wieviel MA in etwa handelt es sich denn bei euch?
 
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elraton

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AW: Besser ein Ende mit Schrecken...?

Ich bin schon zäh, aber mittlerweile schwanke ich zwischen "Bin dann mal weg, ihr könnt mich mal!" (die Chefetage, nicht mein Team; für die hab ich nach der heutigen Nachtschicht noch ne Stunde drangehängt) und "Es gibt viel zu tun, packen wir's an!" Leider hab ich gestern noch mit dem Chef telefoniert und bin wohl etwas übers Ziel hinausgeschossen. O-Ton:

"Ich gehe davon aus, dass der von ihnen verfasste Dienstplan mit dem aktuellen Datum, der meinen letzten Nachtdienst beinhaltet, heute Abend auf unserem Schreibtisch im Stützpunkt liegt. Ich arbeite nicht umsonst, ich bin nicht die Wohlfahrt"
Darauf er: "Ich bin nicht ihr kleiner Schuljunge!"
Ich: "Und ich bin ihr Angestellter, aber nicht ihr Sklave"
Er: "Wir gehen noch nett mit unseren Mitarbeitern um, aber wir können auch anders!"
Ich: "Also dann, ich mach den Dienst heut Nacht. Tschüss!"

Damit legte ich als erster auf.
Bin mit Wut im Bauch zur Nachtschicht, wo mich zwei tolle Gespräche mit Kollegen soweit wieder aufbauten, dass ich nicht im Dienst zu kotzen anfangen musste. Vermutlich hab ich mir gestern keinen Gefallen getan. Anyway: Mein Team (Geronto, mittlerweile noch fünf Mitarbeiter) überlegt gerade, ob wir geschlossen kündigen sollen.
So, und nun geh ich ins Bett. Wäre dankbar für Anregungen bezüglich Betriebsrat.
 
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AW: Besser ein Ende mit Schrecken...?

IWäre dankbar für Anregungen bezüglich Betriebsrat.
Ja was möchtest du denn da nun genau wissen? Ich hätte gerne gewusst, wieviele Mitglieder ihr seit? :blushing:Konzern?
 
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elraton

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AW: Besser ein Ende mit Schrecken...?

Klar bin ich froh, er hätte mich auch abmahnen können. (Vielleicht tut er es ja noch, aber dann bin ich echt weg.)
Ein Chef, der es nicht besser weiß, wär mir lieber als einer, der weiß, dass er auf dem Holzweg ist, aber aus falscher Eitelkeit jeden Dialog verweigert und seine Angestellten als unfähig hinstellt. [Soll er sich doch neue backen!]
Ok, gestern hab ich den Bogen auch ein wenig überspannt. Kann nach 2 1/2 Stunden Schlaf mal vorkommen.

Wir brauchen unbedingt einen BR, gerade wenn man sich die Tatsache vor Augen hält, dass die Geschäftsleitung im Haus nach Gutsherrenart insbesondere bei (konstruktiven) Kritikern die Daumenschrauben anzieht bzw. Leute mundtot macht und einschüchtert. Wie bereits geschrieben: Es gibt durchaus Leute, die mir angesichts meines Vorhabens Glück wünschen, aber gleichzeitig so Sachen sagen wie: "Toll, dass du noch so idealistisch bist, aber hier wird sich nie was ändern." Und dann gibt es ein paar KollegInnen, die mir ihre Unterstützung zusichern, sich aber aus Angst um ihren Job oder Angst vor Mobbing von oben selbst nicht engagieren wollen.

Im Haus sind (bei voller Besetzung) zwischen 50-60 Leute in der Pflege, zieht man momentan alle Krankmeldungen ab, kommt man (laut eigener Aussage unserer PDL) auf 25. Der Rest kommt aus anderen Häusern (intern). Wie viele Mitarbeiter der Konzern insgesamt hat, entzieht sich leider meiner Kenntnis.

Übrigens: Etwaige Tippfehler seht mir bitte nach, heut morgen war bei mir nach fünf Nachtschichten einfach der innere Akku leer
 
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AW: Besser ein Ende mit Schrecken...?

Übrigens: Ich liebe meine Arbeit und würde auch nicht mit KollegInnen auf dem offenen Bereich tauschen wollen. Ich will auch keine BR-Wahl anzetteln, um noch mehr Unruhe in den Betrieb zu bringen. Ich persönlich will nur verhindern, dass ich eines Tages schulterzuckend resigniere und mich (wie es Andere bereits tun) dennoch Tag für Tag weiter zum Dienst schleppe in der Hoffnung, es möge recht bald Feierabend werden. Wenn es soweit ist, würde ich ganz schnell kündigen, denn mit so einer Einstellung schadet man nur seinen Bewohnern und Bewohnerunzufriedenheit und Pflegefehler sind vorprogrammiert. Sobald mein Chef aber sagt "Wenn es ihnen nicht passt, gehen sie!", bin ich sofort weg. Ich habe zum Glück bereits eine abgeschlossene Ausbildung und bin nur in die Pflege gewechselt, weil ich mein Geld endlich durch ehrliche Arbeit verdienen wollte (nicht, indem ich Leuten was verkaufe, was sie nicht brauchen)...
 
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Also ein BR ist viel Arbeit, lese mal Beiträge von multimobid, der hat es hinter sich (ich glaube der wars), und ein paar interne Strukturen solltest du schon kennen, um sowas durchzuziehen. Wenn es multimobid nicht war, dann schreib mich mal an, dann schau ich mal meine Beiträge durch.
 
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