Sonstige WB Belastungen im Lehrerberuf

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knausl

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Hallo!

Im Rahmen meines Studiums schreibe ich eine Hausarbeit zu "Belastungen im Lehrerberuf". Mich interessieren Fallgeschichten von anderen jungen Lehrern an Pflegeschulen, die sie am Beginn ihrer beruflichen Laufbahn gemacht haben. Welche Probleme mit Schülern musstet Ihr am Anfang Eurer Lehrertätigkeit bewältigen? Danke für Eure Rückmeldungen!

Grüße knausl
 
Qualifikation
Studentin
Fachgebiet
Pflegewissenschaft
F

Flashmob

Hallo!

Ich bin zwar kein Lehrer, aber ich könnte mir folgende Situationen vorstellen.

1) Schüler stören Unterricht, "untergraben" Autorität des Lehrers
2) starkes Wissensgefälle innerhalb eines Kurses - richtet man sich nach dem Durchschnitt oder nach dem "Dümmsten"
3) Mobbing innerhalb eines Kurses bzw Kurs ist total zerstritten, Gruppenarbeiten/Diskussionsrunden kaum möglich
4) Schüler verstehen nicht, was der Lehrer vermitteln möchte (Thema zu ungenau/zu schnell/zuviel auf einmal behandelt, zuviel Fachchinesisch)
5) Schüler lassen sich auf Inhalte nicht ein (zB Selbsterfahrungsgeschichten)
6) Schüler "schlafen" während des Unterrichts
7) Dass auch mal etwas von Seiten des Lehrers nicht gewußt wird und wie man damit umgeht
8) Widersprüchliche Meinungen zweier Lehrer - also Lehrer X hat gesagt, da brauche man vorher nicht zu desinfizieren; Man selber vertritt aber eine andere Meinung....gravierendste Folge : Lehrerschaft steht nicht geschlossen vor der Schülerschaft und macht sich unglaubwürdig
 
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Ameise

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Hallo Knausl,

ich lehre als nicht ausgebildeter Pädagoge in der Erwachsenenqualifizierung. Manchmal auch für die Auszubildenden im ersten Ausbildungsjahr in unserer Krankenpflegeschule.

Mir ist in den letzten Jahren immer stärker aufgefallen, dass unsere Jugend (ca. 80%) nicht in der Lage ist Tafelbilder oder Folien (egal ob Power Point oder Overhead) im Sinn zu erfassen. Es wird abgeschrieben Wort für Wort. Entsprechend stört mich das im Unterrichtsfluss - ich warte bis der letzte nickt, jawoll ich habe alles abgeschrieben. Dann bin ich raus aus dem Text und setzte nochmals im Inhalt der Folie an - aber es kommt nicht so rüber wie ich mir das in der Vorbereitung des Stoffes gedacht habe.

Zu Beginn meiner "Laufbahn" als Lehrender war das nicht so. Da hatte ich eher das Problem, dass manches Fachwissen im Unterricht von mir nicht präsent war. Also ich noch nicht so fest im Stoff stand. Das habe ich dann zugegeben und in der nächsten Stunde geklärt.

Jetzige Probleme mit Schülern (Erwachsene) ist der unterschiedliche Ansatzpunkt. Ich versuche den Stoff rund, von allen Seiten beleuchtet, für fast alle Gelegenheiten zu vermitteln (Hygiene!) und bekomme als Feedback: das benötige ich in meiner Klinik nicht, bei uns ist das Verboten, bei uns gibt es dafür eine anders lautende Anweisung daher will ich auch die Alternativen nicht wissen. Das ist mir in der letzten Zeit schon öfter passiert. Das ich Sachen von den verschieden Gesichtspunkten beschrieben habe und der Gegenüber vollkommen (scheuklappenmäßig) geblockt hat. So nach dem Motto: was es bei mir nicht gibt gibt es woanders auch nicht.

Danke fürs Lesen

Gruß Ameise
 
Qualifikation
HFK
Fachgebiet
gGmbH
Sahawe

Sahawe

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Hallo knausel,

Ich habe letzten Winter mein Praxissemester gemacht (3 Monate)und an einer Berufschule Altenpflegerschüler unterrichtet.
. Welche Probleme mit Schülern musstet Ihr am Anfang Eurer Lehrertätigkeit bewältigen?
Ich hatte keine Probleme mit den Schülern direkt. Ich habe alle (3 Klassen) als sehr kooperativ, interessiert, hilfsbereit und motiviert erlebt. Es war sogar so, dass sie manchmal ihre Pause für mich geopfert haben, weil ich oft in meinen einzelnen Stunden viel zu viel Stoff reingepackt hatte. Aber ich habe mich oft selbst beurteilen lassen und so konnte ich das nach und nach ausgleichen.
Mit einer einzelnen Fallgeschichte kann ich nicht dienen aber ich möchte von allgemeinen Schwierigkeiten im Unterricht berichten.

Ich hatte das Problem das Wissen, dass ich von der Uni mitbrachte so zu portionieren dass es jeder versteht. Das heißt, dass ich einen ganz anderes Stoffpensum und eine andere Terminologie für mich selber gewohnt bin und was ich als wenig erachtet habe, war für die Schüler oftmals viel zu viel.
Weiterhin habe ich erlebt, dass allgemein immer die medizinischen Aspekte in den Vordergrund gestellt und auch abgefragt wurden und die Pflege an sich mit ihren theoretischen Aspekten nur als wenig wichtig befunden wurden.
Die Schüler haben sich oft gegen Fachbegriffe gewehrt, sie haben sehr oft die deutschen Begriffe verwendet.
Ein Problem war auch, dass alle sehr viel arbeiten mussten und sehr müde in der Schule waren und die Schule manchmal als Ausruhetag gesehen wurde, was für die Konzentration natürlich nicht förderlich war und man auch Zusatzarbeiten (etwas nachschlagen Zuhause, eine kleines Impulsreferat vorbereiten für die nächste Stunde), oft nicht zu verlangen war. Die Altenheime hatten teilweise sogar gefordert, dass die Schüler nach der Schule noch arbeiten kommen.
Da ich auch Deutsch unterrichte muss man eben schon mal was gelesen haben, um darüber sprechen zu können. Wenn dann niemand was gelesen hat, hat man natürlich keine Basis.
Auch habe ich viele Ängste festegstellt, wenn es um Präsentationen ging, also das Vortereten vor die Klasse und sich verbal einer Situation zu stellen. Zu Anfang sagte ich manchmal : "kommen sie doch vor und zeigen sie es uns", da haben sich manche Schüler schlichtweg einfach geweigert und wurden auch laut und agressiv. Sie dachten ich wolle sie vorführen. Aber das konnte ich nach und nach abbauen, da ich Lachen und "blöde Sprüche" gleich im Keim erstickt habe.
Ich fand auch, dass es den Schülern sehr schwer fiel zu argumentieren. Sie waren es gewohnt Definitionen "runterzuleiern", das hat auch gut geklappt, aber freie Formulierungen waren oft nicht drin.
Das war aber eine Sache, die ich für wichtig erachtet habe, da das Árgumentieren und die Kommunikation im Allgemeinen auch in der Praxis eine große Rolle spielen. Aber durch den Lehrplan ist man oft gezwungen, bestimmte Inhalte schnellst möglich durchzuziehen, eine Ergebniskontrolle zu machen und fertig.
Schwierig fand ich auch jeden gerecht und mit gleichen Maßstäben zu beurteilen, da man sich doch obwohl bewusster Objektivität ein subjektives Bild von jedem macht, was ich auch in den Korrekturen von Klausuren niederschlägt. Also dass man bei dem einem vielleicht mehr gelten lässt, als bei einem anderen.
Gruppenarbeiten mache ich selbst nicht gerne und sind auch bei vielen Schülern nicht sehr beliebt. Ich selbst halte sie auch nur angemessen, wenn man genug Zeit hat. Ich finde sie sind in 45 Minuten kaum zu bewältigen und es kommt meist nichts Vernünftiges dabei raus. Ich bin mir bewusst, dass das viele Andere anders sehen.
Allgemein fiel es mir schwer diese "Leherrolle", die mit bestimmten Vorstellungen bei Schülern verbunden sind anzunehmen und ganz klar die Nähe und Distanz zu Schülern einzuhalten, weil ich mich auch im Unterricht als Teil eines Teams verstanden haben. Aber spätestens dann bei der Notenvergabe habe ich bemerkt, dass es ganz wichtig ist eine bestimmte Distanz immer einzuhalten.

Das wars erst mal von mir. Vielleicht fällt mir zu einem späteren Zeitpunkt etwas mehr ein.
LG Sabine
 
Qualifikation
Lehrerin für Deutsch und Pflege
Fachgebiet
Berufliche Schule
Weiterbildungen
Studium der Germanistik und Pflegewissenschaften mit dem Schwerpunkt Gerontologie
E

E-Lyte

Mitglied
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Vllt. sind hier auch die Sichten eines Schüler gewünscht? :wink:
Also, alles sozudagen aus erster Hand auch erfahren, wie Lehrer "wirken" mit ihren Unterrichtsinhalten. :suche:

Wo fange ich da an, hmm.
Wenn es ein gutes Arbeitsklima in der Klasse gibt finde ich, kann man sehr gut Gruppenarbeiten machen. Am besten anhand eines sich vorstellbarem Fallbeispiel & dazu dann aus den Fachbüchern die Fragen beantworten&hinter her Plenum. Das findet unser ganzer Kurs sehr effektiv. Man lernt was dabei & der gute Nebeneffekt ist noch, man belommt die Gedanken von den anderen mit oder vom Lehrer & man merkt, dass hat man noch vergessen.

Thema "Schlaf" :laughing: *räusper, chrrm* :rotwerd:
Ich will mich da jetzt überhaupt nicht ausnehmen :blushing:
Manchmal ist man als Schüler total kaputt. Oftmals ist ein Thema auch total interessant, aber dir fallen praktisch von alleine, ohne dass man es merkt, die Augen zu. Man merkt erst wenn man geschlafen hat, wenn man die Augen wieder öffnet. Aber das hat wie gesagt manchmal gar nichts mim Lehrer oder dem Thema zu tun. Obwohl es auch bei mir ein Spezi gibt, der die gesamte Schulzeit pennt. Das ist scho dreist&finde auch respektlos gegenüber dem Lehrer.
Was ein Lehrer macht, in der Hälfte von der Stunde schickt der Lehrer für 3-5 Minuten alle mal raus, Beine vertreten. Das tut sooo gut & hinterher ist man eindeutig fitter. :super:

Was halt echt super ist, dass man persönlicher Erfahrungen mit Patienten einbringt. Oftmals klinken sich dann die Schüler auch miit ihren Geschichten ein.
Was auch super ankommt, lustige Anekdoten aus dem Pflegealltag erzählen. Das reißt den Unterricht schon mal richtig mit!


Wenn mir noch etwas einfällt, post ich's hier.
 
Qualifikation
Gesundheits- und Krankenpflegerin
Fachgebiet
Intensiv
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