Studium & Beruf Begriffsdefinition

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Irmelin

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29.01.2003
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Wer definiert oder wo sind die Begriffe Richtlinie, Leitlinie, Standard, Verfahrensanweisung, Arbeitsanweisung definiert?
Natürlich sollte ein Bezug zur (Alten)Pflege bestehen

:smile:
Danke für die Anregungen!
 
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Fachgebiet
Altenpflege
I

Ingo Tschinke

Hallo Stromer,

Ich versuche das ganze Mal umfassend zu erläutern - kann sein das es ein bisschen zu wissenschaftlich wird, aber wenn was unklar frage ruhig nach.

Man unterscheidet per Definition Standards, Leitlinien und Richtlinien.

Standards: hierzu existieren unterschiedliche Definitionen
- unter Standards in der Pflege werden allgemeingültige akzeptierte Normen eines bestimmten Qualitätsniveaus einschließlich der dafür benötigten pflegerischen Leistung verstanden. Insofern sind Standards Maßstäbe für angemessenes pflegerisches Handeln, mittels derer eine bestimmte Pflegequalität festgesetzt und überprüft werden kann.
- Unter Standards werden allgemeine Aussagen über ein akzeptierbares und der jeweiligen Situation angemessenes Niveau der von Pflegeanbietern zu erbringenden Leistung verstanden, deren messbare Elemente die einzelnen Kriterien bilden. Durch Überprüfung der Pfelequalität wird insgesamt der Nachweis erbarcht, warum professionell anerkanntes und angestrebtes Qualitätsniveau nicht erreicht werden konnte. Dazu muss die Pflegequalität in Form von Standards und Kriterien bestimmt werden.
- Standards beschreiben das Wie, nicht das Was der Leistung und schließen Kriterien zur Erfolgskontrolle ein.

Das erstellen von Standards eröffnet der Pflege die Möglichkeit, Pflegeziele in allen Bereichen zu formulieren und dort Pflegeleistungen quantitativ und qualitativ nachzuweisen. Pflegestandards bieten darüber hinaus die Möglichkeite, für den bisher vernachlässigten Bereich der psychosozialen Pflege den Nachweis zu erbringen bzw. darauf hinzuweisen, dass deren Vernachlässigung zu negetiven auswirkungen für die Patienten führen kann.

In der Bundesrepublik wurde erstmal (1999/2000) ein Expertenstandard des Deutschen Netzwerkes für Qualilitätssicherung in der Pflege realisiert. Das Expertengremium hat einen Expertenstandard (Dekubitus) entwickelt, dessen Reichweite alle Einrichtungsformen umfasst. Kürzlich wurde der nächste Expertenstandard zum Entlassungmanagement/Pflegeüberleitung veröffentlicht. In den nächsten zwei Jahren sollen noch zu folgenden Themen Expertenstandards erstellt werden:
- Sturzprohylaxe
- Schmerzmanagement
- Kontinenzförderung

Leitlinien sind laut der Arbeitgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) systematische entwickelte Feststellungen (statements) mit dem Ziel, die Entscheidungen von Ärzten und Patienten über eine angemessene Gesundheitsversorgung für spezifische klinische Situationen zu unterstützen. Es handelt sich hierbei um Empfehlungen, die auf der Grundlage verschiedener Evidenzgrade entwickelt wurden, die aber die therapeutische Entscheidungsfreiheit nicht beeinflussen sollen.
Die Leitlinienentwicklung umfasst fünf Kriterien:
- Eine spezielle Logik (Wenn dann Logik)
- Formale und transparente Konsensfindung mit evaluierten Verfahren
- Formale und transparente wissenschaftliche Beweisführung
- Formale Outcome Analyse
- Formale Analyse der Kosten-Effizenz-Effektivität.
Es gibt drei Leitlinienstufen. Bisher wurden ca. 950 von den wissenschaftlichen fachgesellschaften erarbeitet. Die meisten fallen dabei unter die Stufe 1, ab der Leitlinienstufe 2 liegen etwa 65 Leitlinien vor.

Richtlinien sind Handlungsanweisungen im Sinne von Beschreibungen standardisierter Handlungsabläufe, die innerhalb eines bestimmten Rechtsraumes verbindlich sind. Deren nichteinhaltung können Sanktionen nach sich ziehen. Es handelt sich dabei um z.B. um die Abfolge bei Wiederbelebung.

Cheers

Ingo
:redface:
 
I

Irmelin

Neues Mitglied
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Themenstarter/in
29.01.2003
12555
hallo ingo,
vielen dank für deine schnelle antwort. so in etwa habe ich mir das auch vorgestellt bzw. ähnlich definitionen im www gefinden. wie sieht es aber nun mit verfahrensanweisungen usw. aus.
ich bin wirklich nicht pingelig, aber ich glaube, manchmal werden diese begriffe nach gusto genutzt, ohne dass der autor überprüft hat, ob das wirklich alles so im zusammenhang funktioniert (wenn er/sie das überprüfune muss?)
wie sehen das denn andere "betroffene"? ist in den qulaitätshandbüchern (z. B.) alles schön logisch geordnet??<MARQUEE>danke für die antworten</MARQUEE> ;)
 
Qualifikation
Angestellte
Fachgebiet
Altenpflege
S

Simon Joerg

Mitglied
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27.03.2002
Hallo Stromer,
Verfahrensanweisungen sind (wie der Name schon sagt) Anweisungen vom Arbeitgeber, wie in einer bestimmten Situation verfahren werden soll.
Z.B. was läuft ab, wenn ein Patient mit Decubitus kommt...Norton Skala, Wechseldruckmatratze, Ernährungsregime... Diese Hinweise sind dann verpflichtend. Natürlich sind auch die VA´s in einigen Punkten offen, doch wenn man abweicht, muss man dieses schriftlich begründen.
Verfahrensanweisungen sind in der Regel mit einer Leitlinie "hinterlegt", das heißt platt, der Arbeitgeber schreibt den Gebrauch einer Leitlinie zwingend vor.

Dass mit den Begriffen wild durcheinander hantiert wird, sehe ich genauso.
Schönen Gruß, Simon
 
Qualifikation
Krankenpfleger Student der Pflegepädagogik
Fachgebiet
Krankenpflegeschule
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05.07.2001
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