Basale Stimulation- nicht umsetzbar

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xperte84

Neues Mitglied
Basis-Konto
20.08.2007
48346
Hallo alle zusammen!

Ich arbeite z.Zt. im Rahmen meiner Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger an einer Facharbeit zum Thema "Basale Stimulation".
Habe im Forum schon viel Interessantes an Beiträgen und Diskussionen dazu gelesen und einige Anregungen aufgenommen.
Was mir ein bisschen dabei fehlte (vielelicht hab ich's auch nur überlesen :wink:) waren konkrete persönliche Erfahrungen mit Basaler Stimulation.
Im Hinblick auf meine Facharbeit fehlen mir aus unserer Klinik die Erfahrungen, da das Konzept dort kaum angewendet wird.

Äußert euch hier einfach mal bezüglich des Konzepts, ob ihr es schon einmal angewandt habt, was ihr für Erfahrungen gemacht habt etc.!
Mir würde es helfen, wenn ihr dabei grob Stellung zu folgenden Punkten bezieht:

- kennt ihr das Konzept (wollt ihr es überhaupt kennenlernen?)
- wendet ihr es an (wie oft? wieviel Zeit benötigt ihr z.B. für eine Basale Waschung o.ä.?)
- welche Methoden lassen sich gut im Pflegealltag unterbringen?
- gibt es Gründe, warum es für euch manchmal nicht möglich ist, das Konzept anzuwenden?
- inwiefern sich evtl. eure Beziehung zum Pat. (positiv? negativ?) geändert hat oder sogar euer Pflegeverständnis?

Danke schon mal im Voraus für eure Antworten :thumbsup2:
Bin gespannt!
 
Qualifikation
Krankenpflegeschüler
Fachgebiet
random
S

stupanka

Aktives Mitglied
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29.11.2006
52070
Hallo random.
Tja,es passiert zwar nicht immer nach der reinen Lehre,allerdings glaube ich,dass gerade wir in der Pflege sehr viel basale Stimulation anwenden.
Das fängt schon damit an,dass ich morgens darauf achte,dass das Zimmer nicht kalt ist wenn ich den Bewohner versorge.
Ich nutze z.B.sehr oft Körperlotion,ich lege die Flasche als erstes auf die Heizung (sonst ist sie zu kalt und unangenehm).nach dem Waschen creme ich den Bewohner behutsam ein.
Die tägliche Berührung der Bewohner ist für mich sehr wichtig,ich achte sehr darauf wie ich den BW jeweils berühre,nicht jeder mag die gleiche Berührung.
Essen und Trinken,tja,es nett auf dem Teller anzurichten,es nicht auf dem Tablett stehen zu lassen (Kantinencharakter),sondern es mit einer Serviette
nett auf den Tisch zu stellen.
Es gibt noch vieles mehr,was ja auch weitestgehend bekannt ist.
Ich glaube wir machen viel mehr als uns bewußt ist,aber wir behindern uns selber indem wir immer sagen,basale Stimulation?????Da hat man doch keine Zeit für!!!
Das sehe ich nicht so,denn ein Konzept,kann und muss auch nicht immer 1:1 umgesetzt werden.
Kleine Teilaspekte können dem Bewohner schon soviel geben und wir als PK profitieren auch davon.
Also...Anspruch runter schrauben,dann ist alles gar nicht so schwer

Lg stupanka
 
Qualifikation
PDL
Fachgebiet
Stationär Altenheim
M

Manu5959

Aktives Mitglied
Basis-Konto
19.10.2005
Rosenheim
Hallo stupanka,

ich gebe dir vollkommen Recht, die basale Stimulation ist eigentlich in unserer täglichen Arbeit integriert, nur definieren wir es nicht so.
Das heißt also, das ich nicht mehr Zeit dafür benötige, ich konzentriere mich in der Zeit, die mir zur Verfügung steht, voll auf den jeweiligen Bewohner oder Patient.

Basale Stimulation fängt schon beim Anklopfen vorm Eintreten ins Bewohnerzimmer an, gefolgt vom eigenen Vorstellen/ Begrüßen.
Hier wird eventuell auch die Initialberührung angewandt.
Sehr gut geeignet dafür ist natürlich die tägliche Grundpflege, hier kommt es zu vielen Berührungen.
Es ist ein Unterschied, ob ich das Waschwasser temperiere, oder der Bew. seine Hände ins Wasser hält, um es selbst zu fühlen.
Die Verwendung eigener Pflegeutensilien gehört genauso dazu.

Eincremen--> prima Möglichkeit, welche Richtung wähle ich, was will ich damit bezwecken?
Bei der Durchführung der ASE hab ich bisher noch keinen Bewohner erlebt, dem es unangenehm war.

Mittlerweile vermeide ich auch punktuelle Berührungen, wende eher flächige Berührungen an.

Die Nestchenlagerung wende ich bei bestimmten Bewohnern sehr gerne an.

Die A-Lagerung ist ja eigentlich eher eine Lagerung, um die Lungenflanken besser zu belüften, allerdings fühlen sich die Bewohner in dieser Lage meist sehr wohl, so dass ich sie einer reinen Rückenlagerung bevorzuge.

Auch Aromadüfte kommen bei uns zur Anwendung, aber bisher doch sehr dezent und sparsam.

Spezielle Mundpflege, auch eins von vielen weiteren Möglichkeiten....

Hier im Forum habe ich schon sehr gute Tipps erhalten, wie z.B. Kaffeepulver im Zimmer aufzustellen.

Wenn jede Pflegekraft ihr eigenes Tun und Handeln am Bewohner mal reflektiert, ist schon viel getan!:thumbsup2:

Grüßle Manu
 
Qualifikation
KS,PA,WBL,stellv. PDL, Pain Nurse, Pain Nurse, Pall. care
Fachgebiet
Altenheim
Weiterbildungen
Leitung des Arbeitskreises zur Implementierung von Palliative care und des Hospizgedankens
R

Rehapfleger

Mitglied
Basis-Konto
27.07.2007
65191
Als Praxisbegleiter für Basale Stimulation bin ich der Meinung, dass in dem Beitrag von Manu, den ich im Übrigen sehr gut finde, alles gesagt wird. Für mich ist immer ein Satz wichtig, den ich mir immer vor Augen führe : "Der Mensch in seiner Individualität steht im Mittelpunkt unseres Handelns"
Xperte84, schau doch mal bei Basale Stimulation vorbei, dort kannst Du Dir im Forum unter Downloads, Facharbeiten herunterladen, die Dir eventuell helfen könnten. Ansonsten möchte ich Dir bei weiteren Fragen meine Unterstützung anbieten, Du kannst mir gerne eine private Mail schicken. Deine Fragestellung ist übrigens auch interessant für das Forum auf der Homepage der Basalen Stimulation.
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger
Fachgebiet
Psychiatrie
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xperte84

Neues Mitglied
Basis-Konto
Themenstarter/in
20.08.2007
48346
Hallo Rehapfleger,

danke für das angebot, werde sicherlich darauf zurückkommen!
Guter tipp, weitere foren zu nutzen-
je mehr erfahrungsberichte von pflegenden über anwendung und wirkung von Basaler Stimulation, desto klarer die antwort auf die frage, ob das konzept im pflegealltag umsetzbar (und durchsetzbar!) ist...!
:suche: Na denn werd ich noch weitere foren durchsuchen, freue mich aber wenn die diskussion auch hier noch viele interessierte anspricht :eek:riginal:

Gruß
 
Qualifikation
Krankenpflegeschüler
Fachgebiet
random
B

BettinaK.

Mitglied
Basis-Konto
Hallo xperte84,


ok, erst mal zu deinen Fragen ...



Zitat:kennt ihr das Konzept (wollt ihr es überhaupt kennenlernen?)


Ich kenne das Konzept... es hat mich nach den ersten eher etwas wirren Erfahrungen nach einem ersten Schnuppertag vor ca. 12 Jahren fasziniert... und seitdem auch nix an seiner Faszination und Spannung verloren.



Zitat:wendet ihr es an (wie oft? wieviel Zeit benötigt ihr z.B. für eine Basale Waschung o.ä.?

Eine Frage, die mir so, wie sie gestellt ist Bauchweh bereitet... BasStim ist nichts, das man auf Rezept "anwenden" kann... vielmehr ist es meine Haltung den Menschen gegenüber, die ich bei uns auf der Reha pflege und betreue... Wenn ich nur das Beispiel Körperpflege nehme... ich kann den Menschen in gut 30 Minuten sauber bekommen... ich kann mit ihm gemeinsam aber auch über die Köerperpflege Vertrauen aufbauen, einen Dialog entwickeln, die Körperpflege zu einem sinnvollen... sinnlichen Erleben machen, dass er sich und seine Umwelt wieder spüren lernt, das Wasser plätschern hört, die Temperatur spüren und fühlen kann usw... und dann hab ich noch nicht einmal irgendwie beruhigend, belebend oder mit diesen nervigen Zusätzen (Lavendel für Ruhe und Zitrone für Leben oder so *gg*) gewaschen...

Ich "wende es an", indem ich dem Menschen durch meine Haltung zeige, "du bist mir wichtig"... "ich meine dich"... indem ich ihn wahrnehme, ihm die Zeit gebe, mich wahrzunehmen, indem ich die Ziele des Menschen verfolge, den ich gerade pflege und ihn ein Stück auf seinem Weg begleite... indem ich eben nicht irgendjemandem MEINE Meinung und Pflege und Ziele aufdrücke... indem ich es zulassen kann und nicht beleidigt bin, wenn ein Patient mal ein Pflegeangebot von mir ableht, weil er in dem Moment ein anderes Angebot braucht...

Ich "wende" BasStim aber auch im Hinblick auf meine Kollegen an, die es gut finden können, dass ich eine "Basale" bin, ich akzeptiere aber auch die Kollegen (wenn auch zähneknirschend *lach*), die sagen, ich wäre ein verrückter Paradiesvoge... gut... BasStim kann auch nur ein Angebot für die Kollegen sein, das sie sowohl annehmen, als auch ablehnen können...

Natürlich biete ich auch während meiner Pflege den Betroffenen "Nestlagerung", "A-Lagerung", "Beruhigende Ausstreichungen", ASE, "Neurophysiologische Waschungen" usw... an

Aber das Wichtigste sollte doch bei all den tollen Dingen, die wir anbieten immer noch der Mensch sein, den wir in den Mittelpunkt unseres Handelns stellen und nicht irgendwelche Zeitvorgaben oder "Techniken"



Zitat:welche Methoden lassen sich gut im Pflegealltag unterbringen

Ich überlese jetzt einfach mal milde das Wort "Methoden", das mir genau wie die "Technik" Bauchweh bereitet und würde sagen, wenn eine Station wirklich beginnen will, die Basale Stimulation umzusetzen würde ich beginnen mit einem Minimalkonzept "ASE", "beruhigende - belebende Körperpflege", "stimulierende Körperpflege", "grenzgebende Lagerungen"... und das dann nach und nach kreativ erweitern... Hoppla, "Initialberührung" hab ich noch vergessen... wobei auch das Pflegeangebote sind, die individuell angeboten werden sollen (nö, eigentlich müssen)... denn der Mensch, der heute eine beruhigende Waschung gefordert hat, braucht vielleicht Morgen was ganz anderes...

Zitat:gibt es Gründe, warum es für euch manchmal nicht möglich ist, das Konzept anzuwenden

NEIN!!!.

Ok, klar gibt es Tage, an denen mein einziges Ziel ist, irgendwie den Stationsalltag zu überstehen, an den Tagen geht bei mir nix bis nicht viel, aber meine Haltung dem Menschen gegenüber, an der gibt's auch an solchen Tagen, an denen Zeitmangel herrscht und die K... am Dampfen ist auch nix zu rütteln. Ich habe die Erfahrung gemacht, wenn ich dann ehrlich zu den Leuten bin, und zu ihnen sage, dass bei mir heut garnichts geht, habe ich fast zu 100% Verständnis von Seiten der Patienten...

Zitat:inwiefern sich evtl. eure Beziehung zum Pat. (positiv? negativ?) geändert hat oder sogar euer Pflegeverständnis

Basale Stimulation bedeutet Reflexion... Reflexion meiner Pflege... und das kann manchmal ganz schön hart sein... ich habe die letzten Jahre sehr viel reflektiert, tue es heute noch und habe zu einem völlig anderen Verständnis meines Berufes gefunden. Die Beziehung zu den Patienten ist sehr positiv (war sie aber schon immer)... es gibt aber auch Menschen, da fehlt die Sympathie von beiden Seiten aus, gut, dann frage ich eine Kollegin, die einen besseren Draht hat, ob sie den Patienten "übernimmt"... BasStim ist kein "Wundermittel", das man anwendet und "Alles wird gut"... Es ist einfach ein Konzept, das Entwicklung fördert, den Menschen begleitet und im Rahmen des Möglichen den Weg, den der Patient nehmen will mitgeht... Herrje, klingt das jetzt "salbungsvoll"... ich bin sicherlich nicht die "Mutter Theresa" der Pflege, aber es ist halt einfach so... Punkt



So, jetzt hab ich mich aber verausgabt... nun aber zu meinen Fragen, in der Hoffnung, du beantwortest sie auch so brav, wie ich das mit deinen Fragen gemacht habe...

Wie kommst du zur BasStim?
Weshalb hast du dir genau das Thema für deine Facharbeit ausgesucht?
Wie beantwortest du deine Fragen selbst?

Herzliche Grüße aus dem trüben Mittelfranken

Bettina
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
Geriatrische Rehabilitation
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05.07.2001
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