Basale Stimulation in der psychiatrischen Pflege

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psychotoxic

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Erfahrungen mit Basaler Stimulation in der psychiatrischen PflegeHallo,
manch einem mag diese Fragestellung vielleicht unsinnig erscheinen, doch ich frage nicht ohne Grund.
Aktuell haben wir einen Pat. mit katatoner Schizophrenie, den ich seit nun 3 Wochen intensiv betreue. Die Anspannung des Pat. war dermaßen groß, daß mir spontan die Idee einer beruhigenden Waschung mit ätherischen Ölen kam. Konnte mich noch gut an meine Zeit auf einer Intensivstation erinnern, wo wir bei angespannten, agitierten Pat. mit dieser Methode zum Teil verblüffende Erfolge erzielt haben. Nun, ich habe es einfach und trotz aller Skepsis der Kollegen probiert, natürlich nicht ohne vorher dem Pat. erklärt zu haben, was nun vor sich gehen wird. Nach der 1 1/2 h dauernden Waschung mit anschließender Ruhephase hat der Pat zum ersten Mal tief geschlafen mit deutlich reduziertem Tonus. Nach der Ruhephase nahm der Pat. mit klaren Augen Blickkontakt auf und reagierte auf Fragen mit Kopfschütteln bzw. -nicken. Er bejahte adäquat den wohltuenden Effekt und begrüßte die weitere Anwendung.
Hingegen war die Reaktion im Kollegenkreis und bei den Ärzten sehr durchwachsen und eine kontroverse Diskussion ist nun seitdem imGange.
Nun hoffe ich, daß es noch mehr Erfahrungen von anderen gibt und man in einen Austausch treten kann eventuell hat ja jemand auch Literatur zu diesem Themenkomplex.

cheerio Psychotoxic
 
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Elisabeth Dinse

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Hingegen war die Reaktion im Kollegenkreis und bei den Ärzten sehr durchwachsen und eine kontroverse Diskussion ist nun seitdem imGange.
Inwiefern waren die Diskussionen denn kontrovers, dass kann ich irgendwie nicht verstehen. 1,5 Stunden waschen finde ich persönlich auch zu lange... aber der Zweck heiligt manchmal die Dinge. Wer heilt hat recht. Diese Waschzeit ist aber nicht die Norm, sondern eine Anpassung an dieses individuelle Bedürfniss des Pat..
Das Problem, was ich für mich sehe: der Beweis- was hat gewirkt? Du hast zum einen basale Elemente verwendet: Berührungen als Kommunikationsmittel. Dann ist da aber noch der aromatherapeutsiche Anteil. Lavendel beruhigt nachweislich (nachzulesen in Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe von Eliane Zimmermann). Dann hat der Pat. sicher diverse Medis bekommen. Und nicht zuletzt hat die Beziehungsarbeit auch einen Anteil.

Nimm es einfach für dich so hin, verteidige dich nicht- freue dich über dieses kleine Wunder. Es ist sicher die Mischung aus allem gewesen und deine Hände waren wichtig in diesem Genesungsprozess. Mit dem (berechtigten) Neid der Kollegen muss man leben können. Vielleicht probierts demnächst ja ein anderer auch mal aus.

Elisabeth
 
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psychotoxic

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hallo elisabeth,

etwas verspätet die antwort,sorry.
nein, der pat. bekam zu diesem zeitpunkt keine sedierenden medis, sondern war in der "entgiftungsphase" zur vorbereitung für elektrokrampftherapie.
kontrovers war die diskussion, weil die ärztlichen kollegen vermuteten, der pat. könnte diesen körperlichen kontakt wahnhaft umsetzen und noch weiter in die katatonie bringen.
dem pat. geht es mittlerweile besser, und mich hat es sehr gefreut, daß er selber nach dieser waschung gefragt hat. er könne sich gut daran erinnern, wie sehr er diese genossen habe.
das entschädigt für die zähen diskussionen.

zur zeit drehen sich die diskussionen darum, ob pat. nachts gewaschen werden sollten. dazu an dieser stelle kein kommentar
mfg p.:)
 
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