Altenpflege JAV Ausbildung und Nebenjob, was darf ich?

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Bawi001

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Hallo!

Ich habe aktuell eine Frage und finde die Antwort nicht, es wäre super, wenn mir hier jemand weiter helfen könnte.

Ich bin Auszubildener in der dreijährigen Ausbildung zum ex. Altenpfleger. Derzeit bin ich im Mittelkurs, im August 2021 werde ich voraussichtlich fertig sein.
Von Seiten der Schule heißt es, was wir theoretisch durchgenommen haben, dürfen wir, Zustimmung des Trägers vorausgesetzt, selbstständig durchführen.
Das klappt in dem Pflegedienst, in dem ich arbeite, super gut und ich bekomme tolle Anleitung und Hilfestellung.

Leider zahlt mein privater Pflegedienst nur das tarifliche Minimum und meine Ausgaben sind gestiegen, die ich nicht kompensiert bekommen habe durch ein leicht gestiegendes Gehalt vom 1. ins 2. Ausbildungsjahr und nun möchte ich noch einen Nebenjob auf 450 Euro in der Pflege anfangen.
Hier habe ich bereits etwas in Aussicht, jedoch weiß ich nicht, ob ich dort als komplett ungelernt zähle, sprich gar nichts machen darf außer Grundpflege oder ob ich auch dort ausführen darf, was ich theoretisch durchgenommen, im Pflegedienst trainiert habe und dort tagtäglich alleine mache (ATS/KS, Medikamte stellen und verteilen, BZ Messen, Insulin spritzen, Pflegeplanung, etc).

Wie ist das im Nebenjob? Das spielt ja auch eine große Rolle für den Stundenlohn, was ich letztlich darf und was nicht.

Ich bedanke mich schon mal.
 
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bowielein

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Ich würde die Finger von allem lassen, was mehr ist, wie Grundpflege.
Auch würde ich an deiner Stelle mir gut überlegen, während der Ausbildung einen Nebenjob in der Pflege zu machen.
Supermärkte, Gastronomie und Landwirtschaft suchen auch immer 450-Euro-Kräfte
 
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Waldy

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Ich weiss zwar nicht viel ! Aber bitte mach nicht mehr als was du darfst un das wäre Grundpflge. Aber mal davon ab in der Coronazeit würde ich schauen dass ich nicht noch zusätzlich weitere Risiken eingehe bezüglich Infektionsgefahr....Also wenn Nebenjob dann eher was in Richtung Landwirtschaft ansonsten spare deine Kräfte für "Deine" Pflegebedürftigen und deine Kollegen.
 
Kati 354

Kati 354

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Hallo :)
in BW würdest du die LG 1 machen dürfen und wird auch dem Pflegdienst als Fachkraft bezahlt.
( darf ja jeder der angelernt wird ohne Ausbildung ). Das heißt ATS, Med-Gabe, sc. Injektionen usw. Ab LG 2 darfst nichts machen. Pflegeplanung auch nicht, dass ist den examinierten vorbehalten.
Dann alles andere aus den Modulen der Pflegeversicherung, die aber dann nur mit dem Betrag der " ergänzenden Hilfe " bezahlt wird.
Viel Glück !
 
Christian Kröhl

Christian Kröhl

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Med-Gabe, sc. Injektionen
Diese urbane Legende hält sich hartnäckig, ist aber auch weiterhin grundfalsch. Ungelernte (als solche zählen auch Auszubildende in Pflegeberufen!) und Pflegehelfer dürfen weder subcutane Injektionen verabreichen, noch Medikamente richten oder verabreichen, noch dürfen sie die Gaben dokumentieren und der Pflegedienst sie abrechnen - das wäre Urkundenfälschung und Abrechnungsbetrug. Solche Tätigkeiten sind Pflegefachkäften vorbehalten.
 
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Kati 354

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Diese urbane Legende hält sich hartnäckig, ist aber auch weiterhin grundfalsch. Ungelernte (als solche zählen auch Auszubildende in Pflegeberufen!) und Pflegehelfer dürfen weder subcutane Injektionen verabreichen, noch Medikamente richten oder verabreichen, noch dürfen sie die Gaben dokumentieren und der Pflegedienst sie abrechnen - das wäre Urkundenfälschung und Abrechnungsbetrug. Solche Tätigkeiten sind Pflegefachkäften vorbehalten.
Irgendwie ärgert es mich echt, dass da immer wieder wird von Leuten die " keine Ahnung von der Abrechung im ambulanten Pflegedienst " haben etwas wie Urkundenfäschung und Abrechnungsbetrug geschrieben.

Einfach mal die Verträge der Pflegedienste mit den Kassen anschauen !!

DAS ist rechtens !!!!!!!!

Sonst hätten wir in Baden Würtemberg- schon alle unser Pflegedienste zumachen müssen seit ca 5 Jahren.
IN LG 1 ist dies Abrechnungsfähig AUCH sub. INj.

nicht das ich dies gut finde, aber es ist so !!
schon seit 5 JAHREN durch MDK Prüfungen als rechtmäßige Abrechnung bestätigt.

Also den Satz URBANE LEGENDE bitte überdenken !!
 
Christian Kröhl

Christian Kröhl

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Irgendwie ärgert es mich echt, dass da immer wieder wird von Leuten die " keine Ahnung von der Abrechung im ambulanten Pflegedienst " haben etwas wie Urkundenfäschung und Abrechnungsbetrug geschrieben.
Und ich bevorzuge es, wenn Leute ihren Verstand benutzen, bevor sie Unfug schreiben. Vor allem, wenn sie zwischen Vertragsrecht und Rechtsgrundlagen unterscheiden können.

Was Pflegekassen als abrechnungsfähig klassifizieren und in Verträgen als solche niederlegen, bedeutet leider nicht, dass dies zwingend gesetzlichen Vorgaben entspricht. Wobei das sicherlich wünschenswert wäre.

Eine Pflegefachkraft ist definiert als Person, deren Ausbildung mit einer staatlich anerkannten Abschlussprüfung in einem Pflegeberuf erfolgreich abgeschlossen wurde. Erst diese kann Träger von Rechten und Pflichten einer Pflegefachkraft werden. Auszubildende sind jedoch Auszubildende und können de jure Pflegefachkräften nicht gleichgesetzt werden. Hättest Du das Berufsausbildungsgesetz und die daraus abgeleiteten Verordnungen gelesen, hätte Dir dort bereits auffallen müssen, dass allein 2 der wesentlichen Merkmale einer in Ausbildung befindlichen Person Deinem Gepolter unmißverständlich widersprechen. Dies betrifft einerseits den gesamten Bereich Haftungsrecht, andererseits die allen in heil- oder heilhilfsberuflicher Ausbildung befindlichen zu Grunde liegende Besonderheit, dass Auszubildenden die Durchführung von Tätigkeiten, die Pflegefachpersonen vorbehalten sind, ausnahmsweise und nur dann erlaubt ist, wenn diese im Rahmen ihrer Ausbildung unter direkter und unmittelbarer Anleitung durch eine verantwortliche Pflegefachperson durchgeführt und überwacht werden.

Es ist völlig unerheblich, ob Auszubildende eine bestimmte Maßnahme theoretisch im Unterreicht behandelt oder in der Ausbildungspraxis unter Anleitung durchgeführt haben - sie verfügen über kein staatlich anerkanntes Examen und dürfen daher diese Maßnahme nicht eigenverantwortlch durchführen, sind haftungsrechtlich nicht abgesichert und befänden sich schlechtestenfalls sofort im Strafrecht.

Ein Arbeitsvertrag ist im Übrigen ein rechtliches Dokument. Wenn ein AG mit einem Auszubildenden einen Arbeitsvertrag für dessen Nebenjob abschliesst, in dem er als Pflegefachkraft geführt wird, macht dieser sich selbstverständlich einer mittelbaren Urkundenfälschung schuldig - denn der Auszubildende ist keine Pflegefachkraft. Und ebenso selbstverständlich wird daraus ein Abrechnungsbetrug, sobald dieser Arbeitsvertrag dann zur Abrechnungsgrundlage als Pflegefachkraft gegenüber den Kassen wird. Dabei ist völlig unmaßgeblich, was die Kassen in den Vertrag mit dem Pflegedienst schreiben und was sie bereit sind abzurechnen. Die Kassen veruntreuen hier einerseits das Geld derjenigen, die in die Versicherung eingezahlt haben, da Personen fälschlich als Pflegefachpersonen abgerechnet werden, die lediglich als Hilfskräfte vergütet werden dürften. Der Arbeitgeber und die Abrechnung einreichende andererseits, ist jedoch derjenige, der die falsche Abrechnungsgrundlage erstellt hat. Und zwar vorsätzlich, um eine normative Pflegehilfskraft als Pflegefachkraft abzurechnen, um entsprechende Fachkraftvergütungen zu erhalten, die ihm nicht zustehen.

Nur weil Pflegekassen sich bereit erklären, Pflegeleistungen durch Auszubildende (hier dann: Pflegehilfskraft) als Fachkraftleistungen abzurechnen - oder Auszubildende/Pflegehilfskräfte mit Pflegefachpersonen gleichzusetzen -, ändert das weder die entsprechenden Gesetze, noch die Ausbildungsverordnungen. Und nur weil ein Pflegedienst meint, wenn "die das da rein schreiben, wirds schon stimmen", entbindet das eine verantwortliche Pflegedienstleitung nicht davon, ihren eigenen Kopf zu benutzen und sich an den Rechtskunde-Teil der PDL Weiterbildung zu erinnern, sofern der seinerzeit nicht durch "Singen & Klatschen" ersetzt wurde. Das sind Sachkenntnisse, die eine PDL aus dem sog. EffEff auf dem Schirm haben und beherrschen muss.

Und solange Personen das weiterhin als rechtmäßig titulieren, muss man in deren Betrieben wohl auch befürchten, dass da womöglich völlig fachfremde und/oder ungelernte Hilfskräfte zur Patientenversorgung eingesetzt werden - denn Auszubildende der Pflegeberufe sind in einem solchen Nebenjob, rechtlich betrachtet, nichts anderes.

Genau solange wird diese urbane Legende auch weiterhin als urbane Legende bezeichnet - die im Übrigen einzig dazu dient, dass Pflegedienste für sich eine WinWinWin-Situation generieren: Sie haben Köpfe auf dem Plan und weniger Personalsorgen, zahlen weniger Gehalt für die tatsächliche Hilfskraft, bekommen aber mehr Geld für die auf dem Papier stehende "Pflegefachkraft".

Man könnte jetzt natürlich trefflich und entschuldigend argumentieren, das würde dann ja nur aus Irrtum und Unkenntnis zu einer Bereicherung führen. Allerdings weiss auch jeder, der mal als Pflegedienstleitung vorab eine Weiterbildung durchlief, dass das Basiswissen ist. Und in solchen Betrieben der zumindest moralische Kompass derart kaputt zu sein scheint, dass man sich wundern könnte, wie die Verantwortlichen nachts allein zum Klo finden.
 
Kati 354

Kati 354

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nun möchte ich noch einen Nebenjob auf 450 Euro in der Pflege anfangen.
Hier habe ich bereits etwas in Aussicht, jedoch weiß ich nicht, ob ich dort als komplett ungelernt zähle, sprich gar nichts machen darf außer Grundpflege oder ob ich auch dort ausführen darf, was ich theoretisch durchgenommen, im Pflegedienst trainiert habe und dort tagtäglich alleine mache (ATS/KS, Medikamte stellen und verteilen, BZ Messen, Insulin spritzen, Pflegeplanung, etc).

Wie ist das im Nebenjob? Das spielt ja auch eine große Rolle für den Stundenlohn, was ich letztlich darf und was nicht
Dies war die Fragestellung und diese habe ich beantwortet.

in BW würdest du die LG 1 machen dürfen und wird auch dem Pflegdienst als Fachkraft bezahlt.
( darf ja jeder der angelernt wird ohne Ausbildung ). Das heißt ATS, Med-Gabe, sc. Injektionen usw.

Ab LG 2 darfst nichts machen. Pflegeplanung auch nicht, dass ist den examinierten vorbehalten.
Dann alles andere aus den Modulen der Pflegeversicherung, die aber dann nur mit dem Betrag der " ergänzenden Hilfe " bezahlt wird
und dies meine Antwort

Unter bestimmten Voraussetzungen (Qualifizierung von Pflegehilfskräften gemäß § 37 SGB V, Vereinbarung der Pflegeeinrichtung mit den jeweiligen Krankenkassen) können Pflegehelfer auch behandlungspflegerisch tätig sein
 
Christian Kröhl

Christian Kröhl

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und dies meine Antwort

Unter bestimmten Voraussetzungen (Qualifizierung von Pflegehilfskräften gemäß § 37 SGB V, Vereinbarung der Pflegeeinrichtung mit den jeweiligen Krankenkassen) können Pflegehelfer auch behandlungspflegerisch tätig sein
Und eben das meine ich, wenn ich von "eigenen Kopf benutzen" spreche, weil man sonst Gefahr läuft ungeprüft Sachverhalte und damit Fehler zu übernehmen, die irgendjemand mal mit einer bestimmten Intention in die Welt gesetzt hat und zwischenzeitlich allenortens als Tatsache vermittelt und unhinterfragt angenommen wird. Ich hatte mir schon lange vorgenommen hierzu mal einen etwas längeren Beitrag zu veröffentlichen, deswegen habe ich mir die Zeit jetzt einfach mal genommen, auch wenn meine Antwort damit erst 36 Stunden später kommt.

Du bist wahrlich nicht die Einzige, die sich hier blind auf das verlässt, was die Kassen, Fortbildungsanbieter, Pflegeunternehmen, Arbeitgeber oder Lobbyverbände verlautbaren, auf ihren Webseiten veröffentlichen oder in Rahmenverträgen mit den Leistungserbringern als vereinbart aufgeführt wird; oder - und das entbehrt nicht einer gewissen Lächerlich- und Fassungslosigkeit - selbst Mitarbeiter/innen des MDK immer wieder mit ähnlichen Behauptungen aufwarten, man sie mit der gültigen Rechtslage vertraut machen muss und sich dann überraschtes Staunen breit macht.

Dabei muss man aber nicht mal besonders fest am Lack kratzen, um festzustellen, dass es für das o.a., immer wieder und nun auch von Dir als vermeintliche Begründung zitierte Statement keine Rechtsgrundlage gibt. Schon gleich gar nicht in § 37 SGB V ff. Die Frage, die man sich hierbei - immer - zuerst stellen sollte, ist:

Cui bono? (Wem nützt es?)
Pflegekassen, Pflegeunternehmen und sonstige Leistungserbringer haben hier alle eines gemein: am Ende des Tages sind es Wirtschaftsunternehmen, was letztlich bedeutet, das man einerseits nur sehr ungern Geld ausgibt und dabei im Bereich Einsparpotential viel Kreativität an den Tag legt, andererseits den Gewinn maxmieren möchte.

Was das für seltsame bis kuriose Blüten treibt, ist überall dort zu beobachten, wo Geld verdient werden will. Die Pflegebranche ist dabei sicherlich keine Ausnahme in der gilt, "Wo kein Kläger, da kein Richter" und man im Zweifelsfall bestehende Gesetze eben schöne Dinge sein lässt, man sich dahingehend aber lieber eigene Regeln und Interpretationen zu Nutze macht um damit einfacher und/oder eben weit mehr Gewinn zu erzielen. In der Regel funktioniert das leider auch - bis zu genau dem Zeitpunkt, an dem irgendjemand aus irgendeinem Anlass ein so zustande gekommenes Geschäftsgebahren blöderweise mal gerichtlich überprüfen lässt.

Wenn also
  • Pflegekassen Geld einsparen können, weil sie verpflichtend zu erbringende Leistungen billiger umsetzen können (ambulante Leistung < Pflegeeinrichtung/Klinik)
  • Pflegeunternehmen Personal- und Versorgungsprobleme durch den Einsatz von minder-, nicht ausreichend oder gar nicht qualifiziertem Personal "beheben" können und diese dann auch noch höherwertig als Fachkräfte mit den Kassen abrechnen können,
dann ist das erhebliche Eigeninteresse nicht zu übersehen, weshalb man einen kreativ-geschäftsfördernden Wunschgedanken als Faktum vermarktet und darauf hofft, es fällt - möglichst lange - schon keinem auf.

Wenn dann noch die Kontrollinstanzen, Heimaufsichten und der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) in ihrer Funktion auf ganzer Linie versagen und eine unabhängige (!) Kontrollinstanz nicht existiert, dann ist dem skizzierten Missbrauch Tür und Tor geöffnet.

Was ist also die Rechtsgrundlage, wenn es bspw. um Injektionen durch Pflegehilfskräfte geht?
Hierzu muss man die entsprechenden Gesetze und Verordnungen dem höherwertigen und zu verletzenden Rechtsgut gegenüberstellen und Punkt für Punkt abarbeiten. In unserem Falle also die:

Körperliche Unversehrtheit
Sie ist das Grundrecht des Patienten und Empfängers und das über allem stehende, höherwertige Gut. Grundsätzlich stellt das Verabreichen einer Spritze einen Eingriff in dessen körperliche Unversehenheit dar, was gleichsam den Tatbestand der Körperverletzung im Sinne des § 223 StGB erfüllt.

Die Erfüllung des Straftatbestandes der Körperverletzung jedoch kann nur dann vermieden werden, wenn der Patient in die Injektion durch einen Dritten einwilligt. Grundvoraussetzung hierfür ist, dass der Patient zu seiner Entscheidung vorab eine bewusste und informierte Abwägung vornehmen kann.

Schutz des Selbstbestimmungsrecht des Patienten
Der Gesetzgeber definiert die Umstände einer informierten Abwägung zur Entscheidungsfindung über den Umfang und die Qualität der dem Patienten tatsächlich zur Verfügung gestellten Informationen, zu denen - neben vielen anderen - gehört, ausreichend hinlänglich über die Qualifikation der Person informiert worden zu sein, die die Injektion durchführen soll. Insbesondere, ob diese Person überhaupt eine formale medizinische oder pflegerische Qualifikation besitzt, wenn ja, um welche normative Qualifikation es sich handelt, wie umfangreich dessen berufliche Erfahrung mit Injektionen ist und ob die Person rechtlich befugt ist, dass eine ärztlich angeordnete Maßnahme direkt oder indirekt a) an sie delegiert und b) von ihr ausgeführt werden dürfte.

Der Patient hat darüber hinaus jedoch in jedem Fall darüber aufgeklärt zu sein, dass ihm gegenüber nicht hinreichend formell qualifiziertes, jedoch - gesetzt den Fall ! - hinreichend materiell qualifiziertes Personal zum Einsatz gelangt.

Delegationsrecht
Prinzipiell erfolgt die Delegation ärztlicher Tätigkeit unmittelbar. Das bedeutet, dass ein Arzt eine ärztliche Tätigkeit direkt, also unmittelbar, an eine nachgeordnete Pflegefachkraft delegiert. Eine Delegation kann jedoch auch mittelbar erfolgen, indem eine Anordnung an eine fachvorgesetzte Stelle erfolgt - bspw. eine Pflegedienstleitung - und diese Stelle die Anordnung einem Mitarbeiter zur Ausführung zuweist.

Der Delegationsrahmen ist dabei eng gesteckt, da ärztliche Anordnungen nur an Personen - unmittelbar oder mittelbar - delegiert werden können, die gemäß Abschnitt 1 - Pflegeberufegesetz (PflBG) qualifiziert sind. Es handelt sich dabei ausschließlich um Pflegefachkräfte, deren Ausbildung erfolgreich mit einer staatlichen Überprüfung endete. Eine unmittelbare Delegation eines Arztes an eine Person ausserhalb des im PflBG definierten Personenkreises der Pflegefachkräfte, ist nicht möglich oder zulässig.

Was jedoch unter streng abgegrenzten Kautelien von den Gerichten als möglich erachtet wird, ist eine mittelbare Delegation durch eine fachvorgesetzte Person oder Stelle an eine Pflegehilfskraft. Entscheidend für eine solche Delegation ist die subjektive Fähigkeit der Pflegehilfskraft. Als Grundvoraussetzung einer solchen Delegation muss jede zu delegierende Einzelmaßnahme durch die Fachvorgesetzten dahingehend überprüft werden, welche Komplikationsdichte und -wahrscheinlichkeit möglich ist und ob die subjektiven Fähigkeiten der angewiesenen Person im Sinne einer gesicherten materiellen Qualifikation - d.h., im Sinne nachweislich überprüften Wissens und Könnens (bspw. durch ein normiertes und zugelassenes Prüfungsverfahren) - vorhanden sind.

Dies bedeutet, dass die angewiesene Person hinsichtlich einer Maßnahme über die gleichen Kenntnisse und Fertigkeiten verfügen muss, wie eine Pflegefachperson, um die Patientenversorgung in gleicher Qualität zu garantieren, die eine Pflegefachkraft sicherstellen würde. Hinsichtlich einer Injektion umfasst dies u.a.:
  • Medikamentenkunde
  • pharmakologische Wirkung
  • mögliche Nebenwirkungen
  • Notfallmanagement bei Auftreten unerwünschter Wirkungen
  • Hygiene
  • Physiologie
  • Pathophysiologie
  • Anatomie und
  • Rechtskunde
Die personelle Qualitätssicherung und Qualitätskontrolle obliegt hierbei vollumfänglich der fachvorgsetzten Person oder Stelle, die gleichzeitig für die Herstellung eines gesicherten Leistungsprofils beim Einsatz normativ nicht oder nicht ausreichend qualifizierten Personals allein verantwortlich ist.

In jedem Falle wird anhand dessen jedoch deutlich, dass zur Erfüllung der materiellen Qualifikationsanforderungen von Pflegehilfskräften, Schulungen und Anleitungen im Umfang von 100 und mehr Stunden notwendig wären. Anbieter von Fortbildungen haben hier zwar ihr Stündchen schlagen hören und bieten zahlreiche und diverseste Fortbildungen für Pflegehilfskräfte an. Jedoch ist mir nicht eine bekannt, die mit einem staatlich anerkannten Zertifikat endet. Alle mir bekannten Anbieter geben lediglich institutseigene Zertifikate aus, die letztlich - weil rechtlich nicht belastbar - nicht das Papier wert sind, auf dem sie ausgedruckt sind.

Festzuhalten bleibt letztlich: Pflegehilfskräfte sind per se nicht delegationsfähig und ebenso nicht befugt, einer Pflegefachkraft vorbehaltene Aufgaben auszuführen. Die notwendigen Vorbedingungen einer mittelbaren Delegationsfähigkeit sind im regulären Rahmen pflegerischer Unternehmen nicht darstell-, erfüll- oder leistbar.

Abschließend mag ich nicht unterschlagen, dass die berechtigt in der Kritik stehenden Pflegekammern mit der Pflegekammer Niedersachsen bereits in 2019 zu ebendieser Thematik ein Positionspapier verabschiedet haben, dem ich mich inhaltlich vollumfänglich anschliessen kann und möchte: POSITIONSPAPIER // Übertragung von Maßnahmen der Behandlungspflege auf Hilfskräfte - Pflegekammer Niedersachsen . Leider hat es die Pflegekammer jedoch bislang ebenso sträflich versäumt, dem Positionspapier konsequenterweise auch die entsprechenden Klagen an den Landes- und Bundesgerichten folgen zu lassen.

Schade.
 
Guido Armbrecht

Guido Armbrecht

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Hallo Bawi001,
die siehst ja in den Antworten was deine Frage an verschieden Ansichten hervor ruft.
Ich rate dir such dir einen Mini-Job in einem anderen Bereich, nicht im Gesundheitswesen. Du muss die Nebenbeschäftigung auch deinem Arbeitgeber anzeigen. Und hier hätte er zwei Argumente dir das zu Untersagen.
- anderer Mitbewerber
- erreichen des Ausbildungsziel könnte in Gefahr sein durch nicht genügend Ruhezeiten.
Auch ist zu beachten das die Maximale Wochenarbeitszeit von 48 Stunden nicht überschritten werden darf.

In dem Betrieb in dem ich bin, erlauben wir unseren Azubi's keine Nebenbeschäftigung. Allerdings ist das auch der Rettungsdienst und dort ist die Wochenarbeitszeit schon 48 Stunden.
 
Monika58

Monika58

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Hallo!

Ich habe aktuell eine Frage und finde die Antwort nicht, es wäre super, wenn mir hier jemand weiter helfen könnte.

Ich bin Auszubildener in der dreijährigen Ausbildung zum ex. Altenpfleger. Derzeit bin ich im Mittelkurs, im August 2021 werde ich voraussichtlich fertig sein.
Von Seiten der Schule heißt es, was wir theoretisch durchgenommen haben, dürfen wir, Zustimmung des Trägers vorausgesetzt, selbstständig durchführen.
Das klappt in dem Pflegedienst, in dem ich arbeite, super gut und ich bekomme tolle Anleitung und Hilfestellung.

Leider zahlt mein privater Pflegedienst nur das tarifliche Minimum und meine Ausgaben sind gestiegen, die ich nicht kompensiert bekommen habe durch ein leicht gestiegendes Gehalt vom 1. ins 2. Ausbildungsjahr und nun möchte ich noch einen Nebenjob auf 450 Euro in der Pflege anfangen.
Hier habe ich bereits etwas in Aussicht, jedoch weiß ich nicht, ob ich dort als komplett ungelernt zähle, sprich gar nichts machen darf außer Grundpflege oder ob ich auch dort ausführen darf, was ich theoretisch durchgenommen, im Pflegedienst trainiert habe und dort tagtäglich alleine mache (ATS/KS, Medikamte stellen und verteilen, BZ Messen, Insulin spritzen, Pflegeplanung, etc).

Wie ist das im Nebenjob? Das spielt ja auch eine große Rolle für den Stundenlohn, was ich letztlich darf und was nicht.

Ich bedanke mich schon mal.
Hallo BAWI,
grundsätzlich gilt, dass Du jede Form der Nebentätigkeit von sowohl Schul- als auch von Pflegedienstleitung genehmigen lassen musst.
Ich persönlich finde, dass die Altenpflegeausbildung so anspruchsvoll ist, dass wenig Zeit- und Kraftreserven bleiben, um noch nebenher arbeiten zu können.
LG Monika
 
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