Aus der Sicht eines Angehörigen

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Angehörige

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20.07.2005
78315
Hallo,

ich weiß nicht, in wie weit mein Beitrag in dieses Forum passt. Ich fange einfach mal an:...

... mein Großvater wurde im April diesen Jahres von einem Krankenhaus in ein Pflegeheim mit der Begründung Überwiesen, dass man seinen physischen Zustand(starke Herz-und Nierenprobleme) medizinisch nicht mehr verbessern kann. Nach nur zwei Tagen im Heim hat sich sein Zustand so sehr verschlechtert, dass alle Medikamente die er bisher bekam, abgesetzt wurden. Ich bin in dieser Nacht als seine nächste Angehörige an seinem Bett gesessen und habe seine Hand gehalten.

Jetzt der Grund, warum ich diesen Beitrag schreibe: Der Pfleger des Pflegeheimes der in dieser Nacht Dienst hatte. Ich schreibe diesen Beitrag als die Angehörige eines Sterbenden, die das Glück hatte einen Pfleger an ihrer Seite zu haben, der sich für mich genau richtig verhalten hat. Er war da gewesen, wenn ich ihn gebraucht habe; und er hat sich zurückgezogen, wenn ich allein sein wollte.

Jetzt zu der Geschichte:

Ich saß am Bett meines Großvaters und hoffte auf ein Wunder. Dann begann mein Großvater zu röcheln, sein ganzer Körper schien zu krampfen. Ich wollte ihm helfen und klingelte nach dem Pfleger. Er kam herein, doch er war nicht überrascht oder schockiert als er ihn sah. Da begann ich zu verstehen und fragte ihn nach den Chancen, die mein Großvater hat, zu überleben. Er hat mir klar gesagt, dass durch das Absetzen der Medikamente, insbesondere denen für sein Herz, sein Tod nicht mehr lange auf sich warten lassen würde. Höchstens noch drei Tage, länger würde er wahrscheinlich nicht mehr überleben.

Dieser Pfleger hat mir meine Illusionen genommen, dass es mein Großvater vielleicht doch noch schaffen würde...

Doch er gab mir auch die Möglichkeit, mich von ihm zu verabschieden. Ich konnte damit aufhören auf ein Wunder zu hoffen, sondern begann damit, meinem Großvater "Auf Wiedersehen" zu sagen.

Ich musste nicht mehr betend und flehend an seinem Bett sitzen, sondern konnte einfach die letzten Stunden mit ihm genießen. Der Tod war keine Überraschung mehr. Ich wusste, dass er kommen würde, das zeigte mir, was jetzt wirklich wichtig ist: Abschied zu nehmen! Danke lieber Pfleger!!!

Nach einiger Zeit kam der Pfleger wieder in das Zimmer und sagte, er müsse ihn umlagern, und ob ich ihm dabei helfen wolle. Endlich hatte ich dass Gefühl etwas tun zu können! Danke lieber Pfleger!!!

Einige Zeit, nachdem er das Zimmer verlassen hatte, hörte mein Großvater auf zu atmen. Ich saß nur da, und war dankbar bei ihm zu sein und seine Hand halten zu dürfen. Erst einige Minuten später rief ich nach dem Pfleger. Der kam ins Zimmer und ich sah ihm an, dass er erkannte, dass er gestorben war. Er schloss die Türe und untersuchte meinen Großvater. Ganz ruhig, nicht mit dieser "Oh mein Gott, er ist gestorben Panik". Er schüttelte mehrmals den Kopf, dann hat er mich angehen und gesagt: "Ihr Großvater ist gestorben!"

Ich sagte ihm die genaue Uhrzeit, wann es gewesen ist, und er übernahm genau diese in sein Protokoll! Danke lieber Pfleger!!!

Dann ist er hinausgegangen, um einen Arzt zu rufen, und hat mich und meinen Großvater allein gelassen. "Bitte, sie dürfen ihn nicht anfassen, bevor der Arzt nicht seinen Tod festgestellt hat." Aber in seinen Augen sah ich, dass er jetzt hinausgehen wird, und es dann nicht mehr sehen kann...! Danke lieber Pfleger!!!



Wie gesagt, ich weiß nicht ob dieser Beitrag in dieses Forum passt.

Aber ich weiß, dass dieser Pfleger mir geholfen hat, dass die letzten Stunden mit meinem Großvater für mich immer etwas ganz besonderes bleiben werden!
Die ruhige, ehrliche und fürsorgliche Art dieses Pflegers hat mir die Möglichkeit gegeben, auf meine Art Abschied von meinem Großvater zu nehmen.

Danke!!!!!!!

 
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Roli-2002

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Hallo Angehöriger,


so ein Beitrag passt meiner Meinung immer. Er zeigt Mitmenschlichkeit und Mitgefühl. Nicht jeder Mensch besitzt diese Eigenschaften doch einige haben eine Antenne dafür. Nicht jeder kann die Wahrheit vertragen und auch nicht immer ist sie angebracht aber dieser Mensch hat die Situation durch sein gutes Einfühlungsvermögen richtig eingeschätzt.

Eine gute Gabe.

Gruß Roli
 
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Angehörige

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20.07.2005
78315
Hallo Roli,
vielen Dank für die Antwort!!!

Da bisher keinerlei Antwort zu diesem Beitrag geschreiben wurde, war ich inzwischen wirklich der Meinung, dass er hier fehl am Platz sein könnte.
Was mich sehr traurig gemacht hätte, da hier sicher viele Menschen sind, die immer wieder Sterbenden und ihren Angehörigen in Ihrem Beruf begegnen werden. Mir wäre es an ihrer Stelle und in dieser Position wichtig zu wissen, wie ich den Menschen der geht und den, der ihn begleitet, bestmöglichst unterstützen kann.

Und vielleicht wollte ich einfach, im Namen der vielen Zurückgebliebenen, den vielen Pflegern danken, die Tag für Tag ihre Unterstützung und Ihren Beistand in diesen schweren Stunden geben... Danke!!!

Viele Grüße,
die Angehörige.
 
Qualifikation
Kauffrau
Fachgebiet
Dienstleistung
P

Polly-Püppchen

Liebe Angehörige,

ich finde deinen Beitrag sehr schön. Es ist immer wieder ein Thema, mit Angehörigen von Sterbenden auf Station umzugehen, oft ist man unsicher, was derjenige braucht, und es ist schön, zu lesen, dass nicht grundsätzlich alles falsch verstanden wird.
Danke liebe Angehörige!

Sonja
 
S

sophie4

Hallo Angehörige,

ich möchte dir mein Beileid aussprechen und freue mich mit dir, dass du so einen guten und friedvollen Abschied von deinem Großvater nehmen konntest
und dass dir so gut zur Seite ein Pfleger des Heimes stand.

Es gibt sie, diese einfühlsamen Pfleger.
Auch wenn man in so manchen Foren oft nicht den Eindruck gewinnt.

Mich verwundert es genau wie dich - dass hier so wenige Reaktionen von Seiten der Pflegenden kam. Ich denke, das liegt an dem "chronischen" Problem
Angehörige/Pflege. Einige Pflegende scheinen schon so verbittert zu sein,
dass sie noch nicht einmal mehr ein Danke annehmen können.

Herzliche Grüße
Sophie
 
Manegger

Manegger

Mitglied
Basis-Konto
Hallo Angehörige,
wenn ich deine Sätze lese, dann bin auch ich froh, dass du so einen Menschen wie diesen getroffen hast.
Oftmals wird die Gabe der Menschlichkeit durch unkontrolliertes "irgend etwas tun müssen" komplett ausgeblendet und mir persönlich sind eigentlich häufig nur mehr oder weniger große Katastrophenmeldungen meiner Kollegen und Kolleginnen bekannt.
Da tut ein Lob wirklich mal sehr gut!
WIr sind wahrlich nicht die Übermenschen!
Alle wollen wir "etwas gutes tun, das richtige" und viele schaffen das auch. Einige, und da sind wir eben Menschen, schaffen es auch nicht!
Alles Gute
Viele Grüße
Klaus
 
Qualifikation
Dipl.Pflegewirt
E

elena

Mitglied
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30.07.2005
29562
hallo sophie4,
ich kann deinen Erläuterungen nicht zustimmen. Ich denke, die Art wie wir mit dem Tod und dem Sterben umgehen, liegt daran wie weit wir dieses Thema an uns heranlassen.
Da auch wir Pflegende nur Menschen sind, ist der Umgang mit dem Sterben natürlich auch bei uns individuell. Man könnte anmerken, wir müssten damit professionell umgehen können, aber was diese Urangst angeht sind auch wir halt eben nur Menschen.
Gruß elena
 
Qualifikation
fachkrankenschwester
Fachgebiet
IMC
Pflegeboard.de

Pflegeboard.de

Administrator
Teammitglied
05.07.2001
www.pflegeboard.de
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