Studium & Beruf Aufbau einer Gruppenstunde

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N

Nanni

Neues Mitglied
Basis-Konto
28.06.2007
38300
Hallo alle zusammen!

Ich befinde mich gerade in der Ausbildung zur Altenpflege im 2. Lehrjahr.
Ich muss von meiner Praxisstelle aus ein Konzept erstellen für eine Gruppenstunde/ Beschäftigung. Das Problem welches ich dabei habe ist, das wir das noch nicht in der Schule gemacht haben. Daher ist meine Frage wie muss ich das Konzept aufbauen und worauf muss ich achten?
Ich darf mir ein Bewohnerklientel aussuchen mit dem ich beginne!
Mit welchem Bewohnerklientel ist es sinnvoll zu beginnen, wenn man die erste Gruppenstunde durchführt?

Ich würde mich freuen wenn ich von euch eine Antwort bekommen könnte. Ihr würdet mir damit sehr helfen.:danke:

Ich wünsche euch allen noch einen schönen Tag

Bis dann
Nanni :eek:riginal:
 
Qualifikation
Altenpflegeschülerin
Fachgebiet
Altenpflegeheim
T

Tante Frieda

Mitglied
Basis-Konto
28.11.2005
38122
Hallo Nanni,

bei einer Gruppenstunde kommt es darauf an, was genau du machst.
Grundsätzlich ist es so, dass eine Gruppenstunde immer aus diesen 3 Elementen besteht:

1. Einleitungsphase
2. Hauptteil
3. Abschlussphase

Ich beschreibe mal, wie die Gruppenstunden bei mir aufgebaut sind, wobei das sicher jeder anders handhabt:

Zur Einleitungsphase (ca. 5 Minuten) gehört:
  • Bewohner begrüßen, evtl. mit Handschlag und persönliche Anrede
  • Evtl. stellt sich der Gruppenleiter noch mal mit Namen vor (bei dementiell erkrankten Bewohnern immer!)
  • Neue Teilnehmer in der Gruppe begrüßen und vorstellen
  • Getränke verteilen
  • Lied singen
  • "Blitzlicht"; Teilnehmer erzählen wie es ihnen geht (Vorsicht! Das Gespräch kann schnell in ungewollte Bahnen gelenkt werden, wenn die Teilnehmer z.B. nur über ihre Schlafbeschwerden reden). Daher besser: Etwas "Smalltalk" z.B. von Themen die gerade in den Medien oder im Heim aktuell sind
  • Orientierungstraining: Wo sind wir? Welches Datum ist heute? Warum sind wir hier?
  • Besonderheiten erwähnen (alles, was anders ist als sonst; z.B. Gruppenstunde im Garten statt im Gruppenraum oder andere Uhrzeit)
Zum Hauptteil gehört:
  • Durchführen der geplanten Gruppenaktivierung
  • Inhalte richten sich nach der Aktivität, nicht fehlen sollte jedoch:
- nach Möglichkeit Einbeziehen von Teilnehmerwünschen
- Biografisches Arbeiten
- Übungen zur Wahrnehmungsförderung
- Anregungen zum Bespräch
- Einbeziehen von Bewegungselementen
  • Ende ca. 5 Minuten vorher ankündigen
Zur Abschlussphase gehört:
  • gemeinsames Aufräumen
  • Zusammenfassen des Stundenverlaufs: Was haben wir heute gemacht?
  • Positives Feedback an die Teilnehmer
  • Besonderheiten des Gruppenverlaufs noch einmal hervorheben
  • Ankündigung der nächsten Gruppenstunde bzw. was als nächstes im Tagesverlauf auf dem Programm steht
  • Abschlusslied
  • persönliche Verabschiedung mit Handschlag
Bevor es jedoch mit einer Gruppenstunde überhaupt losgehen kann, gibt es noch folgendes zu beachten:

Vorüberlegungen zur Auswahl der Gruppenteilnehmer:
  • Soll es eine homogene oder eine heterogene Gruppe sein (z.B. dementiell Erkrankte und orientierte Bewohner zusammen)?
  • Ist es eine geschlossene Gruppe (fester Teilnehmerstamm) oder eine offene Gruppe (es kann kommen wer möchte)?
  • Bringen die Teilnehmer die für die geplante Aktivität erforderlichen Fähigkeiten auf physischer, psychischer und kognitiver Ebene mit?
  • Kenne ich als Gruppenleiter die Biografien der Teilnehmer und kann das Angebot darauf abstimmen?
  • Sind die Teilnehmer motiviert oder eher antriebslos?
  • Haben die Teilnehmer zum geplanten Zeitraum überhaupt Zeit oder kommt es zu Terminüberschneidungen z.B. durch Frisörtermine oder Besuche?
  • Sind die Teilnehmer über das Angebot informiert (Heimzeitung, Aushang, persönliche Einladung)?
  • Kommen die Teilnehmer allein oder müssen sie erinnert und/oder geholt werden? Falls ja: Wer übernimmt Hol- und Bringdienste?
  • Bestehen Gefahrenquellen die zu beachten sind und kann ich als Gruppenleiter meiner Aufsichtspflicht Genüge leisten? (z.B. Teilnehmer nicht unbeaufsichtigt bei Kerzenlicht sitzen lassen)
  • Benötigen die Teilnehmer Hilfsmittel und tragen/benutzen sie diese zu Gruppenbeginn auch?
  • Muss ich eine bestimmte Sitzordnung beachten (z.B. Schwerhörige direkt neben dem Gruppenleiter oder gegenüber platzieren)?
  • Halten die Teilnehmer die Gruppenstunde bis zum Schluss durch oder müssen Toilettenpausen eingeplant werden?
  • Weisen die Teilnehmer Verhaltensauffälligkeiten auf mit denen ich im Gruppenverlauf konfrontiert werde? Falls ja; Wie werden wohl die anderen Teilnehmer darauf reagieren (Abneigungen, Beschimpfungen, Angst,...)?
  • verfügen die Teilnehmer über Aufgabenverständnis, arbeiten sie selbständig oder benötigen sie Hilfestellungen?
Arbeitsplatzvorbereitung:
  • Arbeitsplatz vorbereiten: z.B.:Tische und Stühle zusammenstellen, dabei Rollstuhlfahrer und evtl. eine Sitzordnung einplanen, für ausreichende Beleuchtung und Temperatur im Raum sorgen
  • Alle benötigten Medien in Greifweite bereithalten
  • Teilnehmer über das Angebot informieren (persönlich, per Aushang, per Heimzeitung,...) und dabei auf Terminüberschneidungen (Frisör, Fußpflege,...) achten
  • Momentane Befindlichkeit der Teilnehmer kennen oder erfragen
  • bei Bedarf die Teilnehmer holen, auf das Tragen von Hilfsmitteln achten, Toilettengänge erledigen lassen
Nachbereitung:
  • Bewohner zurückbringen
  • Arbeitsplatz aufräumen
  • Dokumentation
  • evtl. Feedback an die Pflegekräfte wenn irgendetwas erwähnenswert war
Du siehst also: Ist ´ne ganze Menge was man beachten muss und diese Aufzählung ist mit Sicherheit auch nicht komplett sondern war nur das, was mir jetzt so spontan nach einem langen Arbeitstag eingefallen ist.
Wenn du Ideen für eine spezielle Gruppenstunde brauchst sag Bescheid, ich schick dir gern was.

Zur Frage "Mit welchem Bewohnerklientel ist es sinnvoll zu beginnen?"
gibt es sicher keine pauschale Antwort.
An deiner Stelle würde ich mit denen beginnen, die dich gut kennen und zu denen du einen "guten Draht" hast. Schwer zu händeln sind erfahrungsgemäß die "ganz fitten" weil die Ansprüche sehr hoch sind und die Toleranz untreinander oft zu wünschen übrig lässt. Hier muss man als Gruppenleiter schon sehr souverän sein und sich auch durchsetzen können.
Die "ganz schwachen" bzw. dementiell beeinträchtigte Bewohner im fortgeschrittenen Stadium würde ich an deiner Stelle auch erst aktivieren, wenn du Übung hast.
Bleiben also die "mittleren" übrig, die sich meist am leichtesten lenken lassen und noch über ein gutes Aufgabenverständnis verfügen.
Solange du dich "ausprobierst" würde ich dir von Teilnehmern abraten, die Verhaltensauffälligkeiten aufweisen oder affektlabil sind, denn das musst du in de Gruppenstunde auffangen.

Viel Erfolg wünscht
Tante Frieda



 
Qualifikation
Ergotherapeutin
Fachgebiet
Altenpflegeheim
T

tanea

Mitglied
Basis-Konto
18.09.2005
28757
Hallo Nanni,

habe damals in meiner Ausbildung folgendes Buch zur Hilfe genommen.
"Gruppenarbeit mit Senioren"von Wolfgang Joppig. Da stehen ganz gute Tipps drin.
LG Tanea
 
Qualifikation
ex. Altenpflegerin
Fachgebiet
ambulante Pflege
H

humini

Mitglied
Basis-Konto
12.02.2006
18273
Hallo Nanni,

ich habe meine Ausbildung in 09/2006 beendet. Während der 3 jahre habe ich gute Erfahrungen mit der Webseite Altenpflege Ausbildung / Der Schüler Treff gemacht. Man findet dort viele und gute Ausarbeitungen. Allerdings sollte man nicht alles abschreiben sondern es eher als Anregungen betrachten. Auch die Ausarbeitung von Tante Frieda ist super und könnte ausgebaut werden auf dein Klientel.
Also viel Spaß beim Suchen und ausprobiren.
Liebe Grüße Humini
 
Qualifikation
Altenpflegerin
Fachgebiet
ambulanter Pflegedienst
Fragmentis

Fragmentis

Mitglied
Basis-Konto
Hallo Nanni,

auch wenn es sich hauptsächlich mit psychiatrischen Gruppen beschäftigt...ich empfehle das Buch:

"Pflegetherapeutische Gruppen in der Psychiatrie"
von Rakel und Lanzenberger
Kurzbeschreibung
Stationsmeeting, Presseschau, Sucht - Patientengruppen professionell leiten!
Mit Patientengruppen arbeiten - eine der wesentlichen Aufgaben, die Sie in der psychiatrischen Pflege täglich fordern. Da sind wertvolle Informationen und vor allem praktische Tipps gefragt! Zwei Expertinnen auf diesem Gebiet zeigen Ihnen, wie man Patientengruppen souverän leitet.
Durch das klare, einheitliche Konzept erkennen Sie schnell, worauf es bei der Vorbereitung und Durchführung von pflegetherapeutischen Gruppen ankommt. Auch die notwendige Theorie kommt nicht zu kurz: Als Gruppenleitung müssen Sie viel von Kommunikation, Vertrauensbildung, Umgang mit Vielrednern und Schweigern etc. verstehen. Damit Sie Ihre Patientengruppe kompetent und sicher führen können!
Gebündelte Erfahrung für Schwestern und Pfleger in der Psychiatrie - sowohl in der Weiterbildung als auch in Ihrer täglichen Praxis!

Gruß,
Fragmentis
 
Qualifikation
Fachgesundheits- und Krankenpfleger für Psychiatrie
Fachgebiet
Psychiatrie
Weiterbildungen
EDV, Pflegestandards, Aromapflege, Moderatoren-Training, CQM, Dozent zu bestimmten Themen aus dem Bereich Psychiatrie und Pflege, Pflegediagnosen
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Administrator
Teammitglied
05.07.2001
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