Innere Medizin Aspirationsgefahr bei nasaler Sonde und TK?

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NeuroNurse

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11.02.2005
49090
Habe heute einen Patienten von der ITS übernommen mit geblockter TK und nasaler Ernährungssonde. Auf Intensiv erfolgte die Ernährung kontinuierlich über Pumpe, der Patient bekam insgesamt 1500 ml Sondenkost. Auf unserer Station ist es "verboten "( ich weiß nicht, inwieweit es eine offizielle Dienstanweisung dazu gibt), Sondenkost über eine Pumpe zu geben, wenn der Patient nur eine nasale Magensonde hat ( aufgrund der Aspirationsgefahr). Die Kostgabe gestaltet sich nun schwierig,da der Patient scheinbar nur geringe Bolusgaben verträgt.Wer weiß, wie hoch die Aspirationsgefahr wirklich ist, zumal der Patient ja eine geblockte TK hat und somit doch eigentlich kaum / nicht aspirieren kann!? Was würdet ihr machen?
Gruß NeuroNurse
 
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HBR69

HBR69

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58644
@NeuroNurse,

warum hat der Patient denn noch eine geblockte TK? Die Indikation ist eigentlich ein instabiles Atmungsystem. D.h. wenn er nachts noch an einem Beatmungsgerät angeschlossen werden muß.

Habt ihr es mal mit Refluxtest versucht? Dabei kann die Magen-Darm Passage überprüft werden. Wenn der Reflux zu hoch ist wird die Förderrate der Ernährungspumpe reduziert oder gestoppt.

Aspirationsgefahr besteht immer bei allen intubierten Patienten. Ist die TK geblockt so ist der Patient eben auch noch als intubiert zu betrachten. Wir fahren mit dem Refluxsystem ganz gut. Als Alternative zur Bolusgabe fällt mir aber auch nichts weitere ein. Immer wieder ins Zimmer gehen und dem Patient 20-50ml die Stunde anzubieten ist ganz schön zeitaufwendig.
Orale Aufnahme geht garnicht? Trinken z.B.??

Gruß
Heike
 
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T

Tinimaus

hi,
muss mich meiner Vorrednerin anschliessen! Bei uns läuft ebenfalls Ernährung ausschliesslich über Pumpe und ab und zu muss man eben den Rücklauf testen und ggf die Rate reduzieren... Und natürlich bei einer Magensonde regelmässig die Lage prüfen (wie in der schule gelernt :eek:riginal: )
Warum hat der Patient keine PEG??
LG Tini
 
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max biaggy

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11.05.2007
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Hallo
Also bei uns ist das so, das die Pat. erst eine PEG bekommen und dann am Folgetag oder so ein Tracheostoma.Sicher kann es auch passieren, dass der Pat. mit PEG aspiriert aber weniger.Die TK ist bei uns auch nur wenige Tage geblockt, wegen anstehender Nekrosen.Bei Reflux gefährdeten oder Apallikern natürlich länger.
Ansonsten kann ich mich meinen Vorgängern nur anschließen.Gruß Andrea
 
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NeuroNurse

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11.02.2005
49090
Hallo!
Danke für die Antworten!
Der Patient hatte keine PEG bislang, weil die Intensivstation sie nicht angemeldet hatte ( nach etwa 35 Tage Beatmung wegen prolongiertem Status epilepticus, rezidivierenden Beatmungspneumonien und seit über 30 Tagen andauernder Ernährung über nasale Sonde!!!), im Verlegungsbericht ist uns aber "angeraten" worden, den Patienten zur Anlage anzumelden!Danke!
Schlucken ist nicht möglich, da der Patient weiterhin stuporös ist und zu dem weiterhin Myoklonien hat.
Bei uns auf der Station haben die Patienten übrigens immer nur geblockte TKs, erst in der Neuro - Frühreha wird die TK zunächst im sitzen stundenweise entblockt und dann weiter langsam "abtrainiert"!
Übrigens hat besagter Patient inzwischen eine PEG,Anlage klappte - weil er auch eh schon betreut war - gleich am übernächsten Tag. Wird jetzt langsam wieder mit der Kost aufgebaut, da wir die Ernährung zwischenzeitlich aufgrund massiver Durchfälle fast vollständig reduzieren mussten...aber das ist ein anderes Thema!
Gruß NeuroNurse
 
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dr.poops

Durchfall - wie uncool! Da hätte ich noch eine Idee: wir ersetzen dann die Sondenkost durch Karotten-Reis-Schleim (von einem namhaften Babykosthersteller).
Ansonsten: alle 3-4 h Refluxkontrolle, ggf. die Förderrate reduzieren und sonst eben mal Karenz. dr.poops
 
R

Rixte

Hallo NeuroNurse,
Bin erst heute auf deinen Betrag gestoßen. Schön, das der Pat. jetzt eine PEG hat.
Wir dürfen auch keinen Sondomaten anschließen bei liegender nasaler MS.
Der Grund ist, dass sich die Sonde durch Husten, Manipulationen aus den Magen rutschen kann. Die Pumpe aber trotzdem weiterpumpt.
Deswegen muss doch auch vor jedem Bolus die Lage der Sonde überprüft werden.
Wie schon von den anderen geschrieben wurde, schützt auch eine geblockte TK nicht vor Aspiration.

Hoffe ihr habt die Diarhoe in den Griff bekommen.

LG Rixte
 
HBR69

HBR69

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58644
Mit den gelockten TK leuchtet mir noch nicht so ganz ein. Warum wird nicht auf der ITS schon umkanüliert??? Mit einer "Bisalski" ist der Patient auch noch kanüliert, hat aber die Möglichkeit zu sprechen! Ein unheimlicher Fortschritt hin zu einem normalen Leben außerhalb der ITS.

Bei uns wird kein Patient mir geblockter Kanüle auf eine "normale" Station verlegt. Wie schon ober beschrieben: Es besteht keine Indikation dafür wenn der Patient nicht noch stundenweise beatmet wird.

Andere Häuser andere Sitten!

Grüße
Heike
 
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Monika4

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09.02.2007
59872
Hallo, ich bin auch heute erst auf den Beitrag gestoßen, weil ich nach solch einem Thema gesucht habe. Ich muss jetzt mal ganz dumm fragen: wie wird ein Refluxtest durchgeführt? Ich kenne es nur, dass der Arzt das macht. Aber vielleicht kann man es ja auch im Wohnhaus machen.
Problem: Wie haben eine Bewohnerin mit Leukodystrophie die seit letzter Woche durch akute Verschlechterung nicht mehr schlucken kann. Mit einer PEG ist sie schon ca. 5 jahre versorgt. Jetzt passiert folgendes: Sobald sie liegt ( 30°) beginnt sie nach ca. 300ml zu würgen, bis zur Luftnot und ich habe Angst, dass sie aspiriert. und dann???!!! absaugen können wir nicht, sind kein Pflegeheim und bisher darauf nicht eingestellt. Muss jetzt passieren. Deshalb meine Frage zum Refluxtest.
Was auch neu für mich war und ist sicher interessant für alle: es gibt ein Zusammenspiel des Schluckreflex mit dem Schließmuskel der Blase. Der Uruloge hat mir erklärt: wenn der Schluckreflex nicht mehr funktioniert, funktioniert auch oft der Schließmuskel der Harnblase nicht mehr, sondern wird so spastisch, dass eventuell ein suprapubischer angelegt werden muss. Der Internist hat es bestätigt. Viele Fachmenschen wissen das vielleicht, aber es gibt sicher auch viele denen das neu ist.
Ich wünsch allen eine stressfreie Nacht
Monika4
 
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Monika4

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09.02.2007
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Hallo, wie führt man einen Refluxtest durch? Ich kenne es nur vom Arzt. Kann man das auch im Wohnhaus z.B. machen? Im Internet findet man nichts darüber.
Monika4
 
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HBR69

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05.10.2000
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Hallo Monika4,

der Refluxtest bedeutet, dass die Pflegekraft alle 4 Std. mit einer Blasenspritze, die an der MS/PEG angeschlossen wird, (also Ernährung kurz unterbrechen und abstöpseln) Magensaft aspiriert. Sie zieht also die Ernährung für kurze Zeit wieder ab. Je nachdem wieviel aspiriert wird, kann die Fliessgeschwindigkeit eingestellt werden. Wenn der Reflux mehr als 120ml beträgt, wird die Ernährung ganz gestoppt. Nach 2 Std. wird noch einmal getestet ob die Magen-Darm Passage wieder funktioniert, sprich ob die Refluxrate wieder abgenommen hat. Dann fängt die Ernährung wieder bei 20ml/Std. an und steigert sich alle 2-4 Stunden auf die angeordnete Menge. Bei uns ist das i.d.R. 80-100ml/Std.
Wenn der Reflux weniger als 120ml/Std beträgt (so um die 50-60) kann die Förderrate runtergestellt werden. Wichtig ist, dass immer wieder neu kontrolliert werden muß. Es wird also immer geschaut, ob die Magen-Darm Passage die angebotene Menge an Flüssigkeit weitertransportiert um zu vermeiden, dass es zur Aspiration von Ernährungsflüssigkeit in die Lunge kommt. Wenn die Passage nicht funktioniert staut sich die Ernährung hoch und das "Würgen",was du bei deiner Patientin erlebst, kann ein Zeichen dafür sein, dass die Ernährung nicht weitertransporiert wird. Dadurch steigt natürlich die Gefahr der Aspiration und somit auch die Gefahr der Aspirationspneumonie, die leider immer noch recht häufig zum Tode der Patienten führen kann.

Hoffe, dass ich es verständlich genug erklären konnte. Sonst frag einfach noch mal nach.

Gruß
Heike
 
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dr.poops

so verfahren wir auch - der kostaufbau wird mit 20ml/h gestartet, dann erfolgt eine kontrolle nach 4h. ist die refluxmenge >40ml, wird der kostaufbau gestoppt und nach einer weiteren refluxkontrolle nach 4h sieht man dann ja, was passiert. an den meisten ernährungssonden befindet sich ja noch ein kleineres lumen - bei der refluxkontrolle wird dort der stöpsel entfernt, weil die magensonde evtl. sonst auch irgendwo anliegen könnte und dann glaubt man irrtümlicherweise, daß kein reflux vorhanden ist.
wird die sondenkost gut vertragen, wird nach 24h die portion auf 40ml/h erhöht usw..
das ist natürlich easy mit einer ernährungspumpe. bei einem tropfsystem ist dann sicherlich feines fingerspitzengefühl gefragt. käthe poops
 
L

Lena M

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21.07.2007
97070
Halli Zusammen,
ich bin heute erst auf die Beiträge gestoßen und will kurz sagen wie wir verfahren: bei uns werden nur Salem Sump Sonden gelegt, das sind doppellumen Sonden. Das eine Lumen ist eine Belüftung um bei der Refluxkontrolle ein Ansaugen an der Magenwand zu vermeiden. Wir steigern auch die Kost wie oben beschrieben und wir führen den Refluxtest regelmäßig durch und senken oder steigern je nach Refluxmenge die SK.
Ich habe die Erfahrung gemacht das Patienten die, die SK zu schnell gesteigert bekommen oder die zu große Bolusmengen erhalten mit Diaröhe reagieren. Manche Menschen vertragen jedoch auch nicht die verabreichte SK. Da hilft dann auch mal der Wechsel auf einen anderen Hersteller oder ein anderes Produkt.
Sondenkost sollte aber auch nicht zu lange im Zimmer aufbewahrt werden (in angebrochener Form) wegen der Verkeimungsgefahr. Bei der Verabreichung der SK sollt der Oberkörper der Patinten 30Grad Oberkörper hoch gelagert werden, das senkt das Aspirationsrisiko erheblich.
Wir verlegen auch öfter Patienten mit geblockter Trachealkanüle auf Station, wenn diese eine Schluckstörung haben, der Cuff muss aber immer wieder mit einem Cuffkontroller überprüft werden und der Druck im Cuff sollte um die 20 cmH2 liegen. Das hält das Risiko der Drucknekrosen im Trachialbreich niedrig.
Eine Bisalski Kanüle hat keinen Cuff und schützt damit auch weniger vor Aspiration. Sie hält nur den Künstlichen Luftweg offen und gewährleistet die Möglichkeit des des Trachealen absaugens. Sie ist nicht geeignet für Leute die schon das Schlucken des Speichels nicht adequat hin bekommen.

Gruß Lena
 
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michpech

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www.michpech.de
sorry das ich diesen Thread mal mißbrauche...

da wir jedoch seit einigen Wochen bei uns im Altenheim einen Bewohner aufgenommen haben welcher eben eine Tracheoma hat (keine chirugische = is ein Wachkoma Patient = nach der Narkose nicht wieder aufgewacht und zusätzlich einen (oder mehrere) Schlaganfälle erlitten) soviel zur Aufklärung...

was passiert eigentlich = wenn der CUFF Druck über einige zeit (nicht genau ermittelbar) deutlich zu hoch ist ??? und was KANN passieren wenn dieser zu niedrig ist...

danke für´s aufklären... und sollte es HIER im Thread NICHt gewünscht sein = Bitte verschieben... danke...
 
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Rixte

hallo mich(a),
Wie du im Beitrag von Lena lesen kannst, gibt ein zu hoher Cuffdruck unter anderem Drucknekrosen. Fördert die Trachomalazie.
Zu niedrieger begünstigt die Aspiration.
Habt ihr ein Cuffdruckmesser um den Cuffdruck genau zu ermitteln?
Das wäre sehr wichtig.

LG Rixte
 
michpech

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04.09.2006
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www.michpech.de
jepp haben wir...

jedoch kommen einige Mitarbeiter *leider* NICHT klar mit dem Gerät...

der CUFF - Druck wird auch bei jedem Kontrollgang (2 - stündlich) ermittelt (kontrolliert) und ggf. maßnahmen ergriffen... natürlich auch bei Besonderheiten (zu geringe Blutsauerstoffsättigung...)

*leider* hatte ich eben gestern NACHT das Erlebniss = das einige Mitarbeiter damit (dem meßgerät = und dem Tracheomapatienten / bewohner) NICHT klarkommen... und der CUFF - Druck VIEL zu Hoch eingestellt war...

Das mit der Trachomalazie war mir nicht ganz klar... werde es den Mitarbeitern weitergeben...

danke für die Info...
 
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Rixte

Hallo Heike,
danke für den Link, ist sehr anschaulich.....

LG Rixte
 
michpech

michpech

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04.09.2006
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www.michpech.de
jepp der LINK is T O P

habe ihn ausgedruckt und meinen Kollegen zur Anschau vorgelegt...

kam gut an (denke ich) danke...
 
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Wunderbar wenn der Link euch geholfen hat!

Manche Sachen sind sehr medizinisch betrachtet (und weniger aus pflegerischer Sicht) aber zur Information vielleicht ganz hilfreich!

Gruß
Heike
 
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