Pflegewissenschaft Arztorientierung

Allround

Allround

Aktives Mitglied
Basis-Konto
0
65779
0
Hallo,

ich denke über einen Begriff nach und möchte gerne von Studierten oder Nicht-Studierten wissen, ob dieser Begriff ein in der Fachwelt bekannter und diskutierter Begriff ist.

Wir alle kennen die Begriffe Kundenorientierung und Mitarbeiterorientierung.

Gibt es auch den Begriff Arztorientierung?

Falls es darüber schon Veröffentlichungen gibt, würde ich mich sehr freuen, wenn ihr Tipps für mich habt.

:dankoe:

Lieben Gruß, Allround
 
Qualifikation
Stationsleitung Krankenschwester
Fachgebiet
Interdisziplinäre Station
M

Marion FKS

Mitglied
Basis-Konto
2
35756
0
Hallo,

im ersten Moment habe ich gedacht, das wäre jetzt :ironie:.

Habe dann mal gegoogelt und folgendes gefunden:4_2005 "[FONT=Arial,Helvetica,Univers,Zurich BT][SIZE=-1]Der Arzt übernimmt auch juristisch die Verantwortung für die Behandlung, entlastet also den Patienten erheblich von seiner eigenen Verantwortung für seinen Krankheitszustand. Gleichzeitig ist aber die Bereitschaft gering, sich an ärztliche Verhaltensratschlägen zu orientieren (s. Medikamentierung, Lebensführung). Mit „Arztorientierung“ meine ich auch das auf diese Weise entstehende Vakuum bei der konkreten Verantwortung für die eigenen Lebensgestaltung"
Unter diesem Aspekt begegnet mir die Arztorientierung sehr oft im stationären Alltag in der Psychiatrie: Pat. kommt, gibt Verantwortung für sich ab (falls er sie schon mal haben durfte) und erwartet ein Wunderheilungsmedikament. Das war jetzt sehr polemisch.
Der Begriff als solches ist mir während des Studiums noch nicht aufgefallen. Aber man könnte vieles als arztorientiert in einem anderen Sinne interpretieren. Der Arzt als Mittelpunkt...letztendlich des gesamten Gesundheitwesen?

Aber wie kommst Du auf diese Frage?

LG Marion
[/SIZE][/FONT]
 
Qualifikation
FKS Psych., Studentin Pflege- u. Gesundheitswissenschaften, Dozentin KPS
Fachgebiet
Psychiatrie/Krisenintervention
Allround

Allround

Aktives Mitglied
Basis-Konto
0
65779
0
[FONT=Arial,Helvetica,Univers,Zurich BT][SIZE=-1]
Aber wie kommst Du auf diese Frage?
[/SIZE][/FONT]
Hallo Marion,

ich habe den Begriff anders angedacht, mehr in dem Sinne, wie im QM auch über Kunden- u. MA-Orientierung gesprochen wird.

Ich habe Erfahrungen im Belegkrankenhaus gemacht, die in mir das Gefühl wach werden lassen, dass der Arzt als Kunde ersten Ranges vom TOP-Management gewertet wird. Dann kommt der Kunde, und dann irgendwann der Mitarbeiter.

Aber die Bedürfnisse des Belegarztes, die sind immer sehr wesentlich.

Da er maßgeblich die Erlössituation des Hauses beeinflusst, bekommt er diesen Rang.

Das Pflegepersonal hat damit aber 2 Kunden: den Belegarzt und den Kunden(Patienten). Besonders "krass" wird es, wenn mehrere Ärzte gleichzeitig viele Bedürfnissbefriedigungen einfordern, und dazu noch kein Assistenzarzt vorhanden ist.
Zwangsläufig kommt es da zu einer Überforderung des Pflegepersonals, es sei denn, das TOP-Management hat dem Arzt (vertraglich z.B.) klare Grenzen gesetzt und pflegt außerdem im Gegenzug dementsprechend intensiv die Mitarbeiterbedürfnisse( MA-Orientierung).

In den meisten Fällen vermute ich aber eher ein Ungleichgewicht.

Ich frage mich halt, ob sich darüber schon mal jemand Gedanken gemacht hat.

Sonst bin ich halt die erste...:konfetti:

Allround
 
Qualifikation
Stationsleitung Krankenschwester
Fachgebiet
Interdisziplinäre Station
K

Kalimera

Unterstützer/in
Basis-Konto
83
Hamburg
0
Ich habe noch nie in einem Belegkrankenhaus gearbeitet, kann mir aber gut vorstellen, dass bei einer solchen Konstellation viele Probleme entstehen, die man in einem "normalen" Krankenhaus nicht kennt.
Dort sind die Ärzte eben auch gleichzeitig die MA und die externen Kunden des Krh. sind eben "nur" die Patienten.
In Eurem Falle hat Euer Krankenhaus in der Tat 2 Kunden. Einmal der Patient und den Arzt. Viele Probleme lassen sich durch vertragliche Regelungen verhindern. Insofern wäre es sicher interessant, was Eure Geschäftsleitung dem Kunden "Arzt" im Vertrag zugesichert hat. Im QM des Krh. braucht es den Punkt "Arztorientierung" nicht zu geben, da dieser bereits unter der Kategorie "Kundenorientierung" enthalten ist.
Insofern wäre ein mgl. Ansatz dem Kunden "Arzt" gerecht zu werden, indem man erst einmal abfragt welche Leistungen er erwartet, bzw. welche ihm die Geschäftsführung vertraglich zugesichert hat.
Eure Geschäftsleitung ist dafür verantwortlich die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen, dass die zugesicherten Leistungen in Qualität und Quantität auch erbracht werden können.
Ich stelle mir dabei z.B. vor: Arzt erwartet 2 mal am Tag zu gewissen Uhrzeiten bei einer Visite begleitet zu werden.
oder
Arzt hat vereinbart, dass bei den Neuzugängen die festgelegten Blutentnahmen von der pflege abgenommen werden. (cave: muss er schriftlich delegieren und sich überzeugen ob die entsprechende Pflegekraft das auch leisten kann)
usw...

Liege ich jetzt völlig daneben oder meintest Du etwas in der Art?
 
Qualifikation
Pflege
Fachgebiet
Krankenhaus
Allround

Allround

Aktives Mitglied
Basis-Konto
0
65779
0
Hallo Sigrid,

ja, du hast mich in richtiger Weise verstanden. Danke für deinen Beitrag.

Insofern wäre es sicher interessant, was Eure Geschäftsleitung dem Kunden "Arzt" im Vertrag zugesichert hat.
Ich weiß nicht, ob mir da jemand Einblick gewähren wird, aber ich werde demnächst mal versuchen, welchen zu bekommen.
Da wir für die Erfüllung maßgeblich mitverantwortlich sind, müsste das nach meinem Verständnis keine Frage sein. Bisher habe ich solche Nachfragen als weniger dringlich angesehen, jetzt sind unsere Personalressourcen aber so knapp, dass ich anders an meine Arbeit herangehen muss.
Möglicherweise schmeckt das der KH-Leitung nicht immer :innocent: .
Im QM des Krh. braucht es den Punkt "Arztorientierung" nicht zu geben, da dieser bereits unter der Kategorie "Kundenorientierung" enthalten ist.
Im Belegkrankenhaus würde sich die Kundenorientierung unterteilen in Arzt und Patient. Der Arzt erwartet eine Dienstleistung vom Krankenhaus! In einem normalen KH erwartet das KH eine Leistung von angestelltem Arzt und bezahlt ihn dafür! Der Belegarzt hat einen Sonderstatus und nimmt ihn nach meiner Erfahrung immer wieder genau war, z.B. indem er sich beschweren geht.

Die Krankenschwester sitzt dann zwischen den Stühlen, insbesondere wenn das TOP-Management hauptsächlich arztorientiert ist.

Insofern wäre ein mgl. Ansatz dem Kunden "Arzt" gerecht zu werden, indem man erst einmal abfragt welche Leistungen er erwartet, bzw. welche ihm die Geschäftsführung vertraglich zugesichert hat.
Eure Geschäftsleitung ist dafür verantwortlich die notwendigen Voraussetzungen zu schaffen, dass die zugesicherten Leistungen in Qualität und Quantität auch erbracht werden können.
Genau! :thumbsup2:
Und deshalb vermute ich in meinem Fall, dass die Verträge nicht so aussehen, wie ich es mir vorstelle.
Und mal ganz ehrlich gesagt:
Im Sinne der Transparenz bin ich sogar der Meinung, dass ich auf die Vertragsgestaltung müsste Einfluss nehmen dürfen ! :blushing: Schließlich betrifft das, was da steht, meinen Verantwortungsbereich! Genauso müsste ich bei dem Erstgespräch, das mit einem neuem Arzt geführt wird, dabei sein.
Ich möchte eigentlich vieles nicht mehr:
-Visiten zu Übergabezeiten oder gar bei der Nachtschwester :spinner:
-eigentlich auch nicht meine Ablauforganisation vom Zeitmanagement jedes Arztes in Abhängigkeit lassen :cry:
-Verwaltung von Praxisbedarf
-AU's vorbereiten :spinner:
-Rezepte bevorraten
-UAG's verteilen
-Und keine Verpflichtung zur Blutentnahme. Denn m.M.n. sollte das vor Rausgang des Labors aus dem Haus jeder Belegarzt selbst machen müssen, wenn die betroffenen Patienten zu diesem Zeitpunkt schon stationär sind. Es ist nämlich sehr lästig, wenn man das noch in der Morgenarbeit mit "drinhat", zumal es Ruhe und Konzentration braucht. Nette Ärzte übernehmen die BE auch mal, leider höre ich aber auch "Das machen Sie doch", wenn ich darum bitte.

Lieben Gruß, Allround

PS :whistling :
Sollte jemand aus einem anderem Belegkrankenhaus Erfahrungen mit Geschichte zur "Arztorientierung" haben, würde ich mich gerne austauschen.
 
Qualifikation
Stationsleitung Krankenschwester
Fachgebiet
Interdisziplinäre Station
Die E-Mail-Adresse wird lediglich zur Versendung des Aktivierungslinks für diesen Beitrag verwendet.