Arzneimittelverordnung mit SOPs auf ICU

S

serverus

Neues Mitglied
Basis-Konto
0
0
Hallo allerseits. (Habe die Frage auch noch parallel im Rechtsfragen Bereich gestellt - falls nicht gewünscht, dann darf das gerne durch den Moderator einmal gelöscht werden)

Bei uns in der Klinik stellt sich gerade eine brandaktuelle Frage, die ich als QM Beauftragter und stv. STL meiner ICU bereits an die QM Stabstelle und auch an die Rechtsabteilung der Klinik weitergegeben habe.

Es geht um folgendes:

Die schriftlichen täglichen Verordnungsbögen beinhalten sehr häufig den Hinweis
" vorgehen nach SOP xy".

Damit ist für unsere Ärzte die Arbeit stark erleichtert, allerdings verbergen sich dahinter sehr häufig relativ komplexe Therapien. Z.B. geht es dabei um Bedarfsmedikamente (z.B. bei Schmerzen), aber auch Dauermedikamente (z.B. bei Darmatonie) oder auch andere erweiterte Maßnahmen, wie z.B. Klysma, Einlauf, Gabe von Kontrastmittel, oder auch Antibiotika (Erythrocin bei Magenatonie).

Die Menge der SOPs hat in der letzten Zeit enorm zugenommen:

-Darmatonie / Magenatonie (4 seitig) es gibt feste Dauermedis aber auch Einmalgaben, abhängig davon wie lange die Atonie anhält

-Delir (4 seitig) - Assessment ist hier CAM ICU bzw. RASS, daraus ergibt sich dann wieder eine medikamentöse Therapie

-Schmerztherapie Aufwachraum (4 seitig) Dosierung und Art der Medis ist Abhängig vom Eingriff und Gewicht des Patienten

-Schmerztherapie ICU (2 seitig) Dosierung und Art der Medis ist Abhängig vom Eingriff und Gewicht des Patienten

-Schmerztherapie PDK (2 seitig) nach ärztlicher neurologischer Prüfung wird die Förderrate bestimmt, Medikament wird nicht extra verordnet, steht schon in der SOP

-Insulintherapie (2 seitig) - quasi ein Insulinschema von s.c. bis zu i.v. PERFUSOR Gabe



Meine Frage lautet nun dazu, ist dies eine in Deutschland erlaubte Art der Arzneimittelverordnung?

Neue Kollegen bzw. Kollegen aus anderen Abteilungen können ohne die dazugehörigen SOPs überhaupt nicht erkennen welche (medikamentöse) Behandlung quasi automatisch durch die Anordnung "nach SOP" verordnet werden.

Ich werde nicht den Kopf für alle Mitarbeiter in allen Schichten herhalten und halte diese Art der Medikamentenverordnung für nicht legal.


Meine QM Stabstellen Kollegin wusste es auch nicht besser und hat direkt die Rechtsabteilung damit beauftragt. Der zuständige Oberarzt wurde bereits informiert und war selbstverständlich nicht darüber amused.

Wie so oft will/wollte hier keiner der Entscheidungsträger verstehen, dass ich in meiner Abteilung mit 15 Mitarbeitern auch rechtliche Themen abklären muss. Schließlich haben wir Pflegekräfte am Ende ja auch die Durchführungsverantwortung.

Im übrigen haben unsere Ärzte zwischen 17:00 und 7:00 Rufbereitschaft und sind zu Hause.
Somit ist der verantwortliche Therapeut auch nicht rund um die Uhr am Patient tätig.

Ich bin gespannt welche Meinung hier im Board dazu herrscht.
 
Qualifikation
Pflegefachkraft
Fachgebiet
ICU
P

Putze

Mitglied
Basis-Konto
Standards,wie vorzugehen ist,werden in vielen Kliniken erarbeitet und sind in QM-Ordnern nachzulesen.
Aber ärztliche Anordnungen pauschal so zu hinterlegen,halte ich für rechtlich nicht haltbar.Bei jedem Patienten sind Unverträglichkeiten und Kontraindikationen individuell zu betrachten.Stell Dir doch mal einen Patienten vor mit Magenatonie und Du gibst ihm nach diesem Standard Erythromycin,der Patient hatte in der Vorgeschichte schonmal Herzrhythmusstörungen,was Dir vielleicht gar nicht bekannt ist,und dieser Patient bekommt nach Erythromycingabe eine lebensbedrohliche Rhythmusstörung.Dann könnte der Arzt ja sagen,ER hätte das Erythrom
 
Qualifikation
Fachkrankenschwester für Anästhesie und Intensivpflege
Fachgebiet
Ambulante Intensivpflege
Weiterbildungen
Fachkrankenschwester für Anäshesie und Intensivpflege Praxisanleiterin Pflegeexpertin im Schmerzmanagement stellv.PDL
P

Putze

Mitglied
Basis-Konto
Sorry,habe versehentlich die Antwort abgeschickt.Gemeint war,der Arzt könnte ja dann sagen,er hätte das Erythromycin gar nicht angeordnet und die Verantwortung auf das Pflegepersonal schieben.SOPs können eine Richtlinie sein,ersetzen aber keine konkrete ärztliche,auf den Patienten zugeschnittene Anordnung.Ich denke,juristisch ist das nicht haltbar.Ich würde so nicht arbeiten wollen und bei jedem Patienten auf einer schriftlichen ,präzisen Anordnung bestehen.
 
Qualifikation
Fachkrankenschwester für Anästhesie und Intensivpflege
Fachgebiet
Ambulante Intensivpflege
Weiterbildungen
Fachkrankenschwester für Anäshesie und Intensivpflege Praxisanleiterin Pflegeexpertin im Schmerzmanagement stellv.PDL
  • Gefällt mir
Reaktionen: supetrosu
Die E-Mail-Adresse wird lediglich zur Versendung des Aktivierungslinks für diesen Beitrag verwendet.