arbeitslose sollen demenzkranke pflegen

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Marion FKS

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Da fällt mir nichts mehr zu ein. Ich bin dankbar, für Hilfskräfte, die Wäsche einräumen, Küche machen, Post wegbringen und so was, aber das ist ja der Hohn.

Eine entsetzte Marion
 
Qualifikation
FKS Psych., Studentin Pflege- u. Gesundheitswissenschaften, Dozentin KPS
Fachgebiet
Psychiatrie/Krisenintervention
Fragmentis

Fragmentis

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Kann mich da Monika nur anschließen...

Und als engagierter Pflegender ist man es manchmal müde, solche Sommerloch-Ideen auch noch ständig berufspolitisch kommentieren zu müssen...

...und das so ein Quark dann auch noch durchkommt... und wenn es im Altenpflegebereich erst einmal durch ist, dann kommt es auch schnell in der Somatik und woanders an... und schon haben wir das HeadNursing-Einsparpotenzial ausgeschöpft und noch weniger Fachkräfte bekommen vernünftige Stellen, wo sie Ihre Künste umsetzen dürfen...

Ich fasse es nicht...

... man kommt sich ja heute schon manchmal bei einzelnen Hilfskräften vor, als müsse man an den Leuten, die sowieso höchstwahrscheinlich nicht wieder in den Arbeitsmarkt kommen oder kommen wollen, das pädagogisch wieder gut machen, was die Politik und das versammelte ARGE-Beamtentum versemmelt hat... ach ja: und das Bildungssystem...und andere, die richtig spitze sind und wo man nicht nachvollziehen kann, warum die keine Arbeit mehr finden (weil sie verläßlich sind und motiviert und alles drauf haben, was man eigentlich benötigt), da muß man dann miterleben, wie diese von den Ämtern im Stich gelassen werden...

Ich bin mal gespant, wer von den Entscheidungsträgern seine demente Mutter in ein solches System der Pflege einbetten würde. Und zwar, ohne sich hinterher zu beschweren...

Ich meine (SARKASMUS ON) 160 Stunden (oder wieviel war es ?) Demenztraining können doch echt locker eine 2 jährige Geronto-Weiterbildung locker ersetzen, weil doch jede Hilfskraft (wie ja jeder Mensch von Natur aus) fachlich korrekt pflegen kann... am besten die ganze Pflegeausbildung auf 3 Monate kürzen und direkt alle pflegen lassen, die auch nur eben noch nen Wachlappen halten können ... oder Frau Ulllalalalaaa Schmidt ?!? (SARKASMUS OFF)

Und ständig neue Leute einarbeiten ist auch ein zusätzlicher Arbeitsaufwand, oder nicht ? Da arbeite ich doch eigentlich lieber eine ausgebildete Fachkraft für die nächsten 5 Jahre ein als alle paar Monate 2 neue "Hilfskräfte", die wieder abspringen ... denn wer betreut denn diese Leute, die mal eben nach 160 Stunden ins kalte Wasser geworfen werden, wenn sie die Belastung nicht aushalten ? Wenn Nähe und Distanz zum Problem werden ? Oder wenn sie es einfach nicht schaffen ? Wer vermittelt ihnen denn die Wichtigkeit von Biografiearbeit ? Und Validation ? Wo ist denn die Grenze dann zwischen einer guten Fachkraft, die weiß, wie sie Kommunikation gestalten muß und dem wahrscheinlich doch kleinen "Schnupperkurs in Watzlawick", der in die 160 Stunden gepresst wird ?

Ich bin auch dankbar für jede Hilfskraft, aber das Wort "Pflegeassistent" ist genauso falsch wie der Ausdruck des "medizinischen Hilfsberufes" für eine Pflegekraft vom Fach... aber wartet... die Pflegezunft giert doch im Moment wieder danach, ärzliche Aufgaben zu übernehmen... die Gelegenheit ist günstig, da ja grad an ärzten gespart wird und die Pflegenden deren Aufgaben billiger übernehmen sollen... ach ja... und die Pflege ? Das machen ja dann die noch billigeren Kollegen der flegeassistenz. Geil. Und keiner merkt, wie wir mal wieder über den Leisten gezogen werden, weil unsere Professionalisierung den Leuten Angst macht... Spitze...

Naja, die Fakten sind vielleicht geschaffen, aber wir werden uns nicht schaffen lassen, oder ?

Gruß,
Fragmentis
 
Qualifikation
Fachgesundheits- und Krankenpfleger für Psychiatrie
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Psychiatrie
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EDV, Pflegestandards, Aromapflege, Moderatoren-Training, CQM, Dozent zu bestimmten Themen aus dem Bereich Psychiatrie und Pflege, Pflegediagnosen
panik

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@Fragmentis:eek:riginal:
:thumbsup2: Du hast mir aus der Seele "geschrieben".:thumbsup2: :thumbsup2:
LG panik
 
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Krankenschwester, PDL
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Seniorenheim
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*Ausbildung zur Krankenschwester
*Studium: Neuere und neueste Geschicht und Literaturwissenschaften
* Weiterbildung zur PDL 2009
jackdanielsx84x

jackdanielsx84x

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Was mich immer fasziniert ist, dass man nicht irgendwann mal die Grenze seines Scham- und Ehrgefühls erreicht hat, einen 3 jährigen Ausbildungsberuf systematisch zu zerstören. (mal eigene berufspolitische Diskrepanzen und Unstimmigkeiten außer Acht gelassen).

Ich fand Herrn Blühm schon anmaßend, aber das.......weiter kann es ja nicht mehr kommen, denkt man, aber mal sehen was den gelangweilten Köpfen noch so einfällt.

Qualität zu dumping Preisen ist, wie man so oft schon gesehen hat, nur selten möglich.

Ich sehe auch eher einen erhöhten Arbeitsaufwand, der eh und je schon überlasteten Festangestellten, durch die wahrscheinlich hohe Fluktuation der "Hilfskräfte".

Für mich ist das Ganze nur ein weiteres Armutszeugnis einer an der Finanzierung des Gesundheitswesens gescheiterten Regierung.


Gruß
Dennis
 
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GuK, Rettungssanitäter
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traveler

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Das ist wieder eine typische Diskussion.

Wir bekommen es nicht gebacken eine starke berufständische Vertretung hinzubekommen und die anderen sind Schuld, weil die Bösen es für uns nicht richten.

Nur weiter so.

renje
 
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jackdanielsx84x

jackdanielsx84x

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Nun, bei diesem speziellen Thema sind die "Anderen" leider Schuld, diese Tatsache lässt nicht bestreiten.
Eigentlich geht es mir aber nicht um Schuld oder nicht Schuld, in wie vielen anderen Berufen würde man sich das denn überhaupt und in diesem Ausnmaße trauen?


Gruß
Dennis
 
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GuK, Rettungssanitäter
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dr.poops

"ihnen (also den demenzkranken) soll durch mehr zuwendung (...) eine höhere wertschätzung entgegen gebracht, mehr austausch mit anderen menschen und mehr teilhabe am leben in der gemeinschaft ermöglicht werden(...)." hollahe, da wird das ruder ja mal so richtig herumgerissen! schlagartig geht in den vielen, vielen pflegeheimen die sonne auf, alle bekommen genug zu trinken, motivierte ergotherapeuten hüpfen von ast zu ast, eine diätköchin zaubert kleine, aber feine portionen und alle sehen farben - was für ein trip!
natürlich werden diese richtlinien so formuliert, denn man will sie ja verkaufen. uns zum beispiel. das ist wie mit waschmittel - gibt schon zig sorten im regal, aber das hier, das ist der burner, nehmse mal mit, superzeugs! stinkt aber auch nur ein bißchen anders.
"die kuh ist vom eis" - nee, ich finde, die kuh stolpert gefährlich in die mitte und ich möchte gar nicht wissen, wer die da wieder weg holen soll:ka:.
der einwurf, wir würden es nicht hinbekommen, eine berufsvertretung für uns zu erschaffen, aber jetzt nörgeln, wo es doch so schöne neue richtlinien gäbe - also, schöne neue richtlinien holen zuerst mal keine kühe vom eis und dann müssen sie sich erstmal bewähren. das drückt sich doch keiner aus der pflege aus dem kreuz! für solche diskussionen ist dieses "board" ja nun da, daß erstmal sichtbar wird, wie die anderen das aufnehmen und bewerten. oder seh ich da was falsch?
the poops
 
S

stern3007

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Du siehst das vollkommen richtig. Für mich ist die Kuh gerade ins Eis eingebrochen ;-) Und das Gerede mit der Berufsvertretung nehme ich mittlerweile auch nicht mehr ernst. Solche Vertretungen sind zwar gut und schön, aber was erreichen die denn heutzutage noch? Nix außer viel Gerede, sieht man doch an den Verbänden z.B. für die ambulante Pflege. Alles nur Gelaber aber wirklich mal wertvolle Änderungen kommen nicht zustande.
 
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panik

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@ dr.poops
genau, dafür ist dieses board da-zum Diskutieren
@stern3007
...für mich lernt die Kuh unterm Eis schwimmen:spinner: ,was unmöglich ist!!!

eine weitere Belastungsprobe wurde geschaffen, für uns Pflegende und uns Pflegende Fachkräfte
LG panik
 
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Krankenschwester, PDL
Fachgebiet
Seniorenheim
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*Studium: Neuere und neueste Geschicht und Literaturwissenschaften
* Weiterbildung zur PDL 2009
hexe1070

hexe1070

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Hallo,

nen bißchen irritiert bin ich nun doch von diesem Thread, entsteht doch der Eindruck, dass hier sehr eindimensional gedacht wird.

Ich kann ganz bestimmt so manche Befürchtung und auch einige angefügte Aspekte verstehen, die grundsätzliche Haltung jedoch eher nicht.

Fakt ist, der Hilfebedarf von älteren, behinderten und kranken Menschen hat deutlich an Anspruch zugenommen. Fakt ist aber auch, dass eine rund um die Uhr Betreuung durch ausgebildetes Fachpersonal weder bezahlbar noch unbedingt notwendig ist. Was in meinen Augen den Anspruch und die Notwendigkeit eben solchen ganz bestimmt notwendigen Personals weder schmälert noch reduziert.

Ob die Umsetzung so wie sie derzeit geplant ist besonderen Sinn macht darüber kann man ganz bestimmt streiten, die Grundidee finde ich nicht schlecht.

Natürlich kann ich derzeit für den stationären Bereich kein Urteil erlauben, ich sehe aber das sowas in der ambulanten Pflege bereits sehr erfolgreich Einzug gefunden hat ( wenn auch nicht mit Langzeitarbeitslosen) und die Masse an Arbeit für das Pflegepersonal hat sich dadurch keineswegs reduziert. Bei uns sind das dann Alltagsbegleiter und auch diese sind für den Otto Normal Verbraucher ganz sicher höchstens Stundenweise leistbar.
Beispiel gefällig?
Ein Klient mit Wunsch zu Hause zu sterben mit entsprechender Diagnose und Prognose wird drei mal täglich durch Fachpersonal bei der Pflege und medizinischen Versorgung unterstützt und vormittags, nachmittags und in der Nacht durch Alltagsbegleiter begleitet, am WE ist der Sohn da. Allein die Betreung kostet den Klienten ca 6500,- €, Pflegemaßnahmen sind noch mal nen extra Posten.

Bei solchen Zahlen wird einem schon klar warum anderen Modelle zumindest überdenkenswürdig sind, finde ich.

Ich persönlich erlebe die Diskussionen, bezüglich der angedachten Möglichkeiten in der letzen Zeit hauptsächlich destruktiv. Ist halt schon sehr Sichtweisenabhängig nach dem Motto der in der Mitte stehenden Tasse. Der Henkel ist rechts, nein der Henkel ist links!

Grüße Hexe
 
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Lisy

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Hallo hexe,
ist echt ein unglückliches Beispiel, wobei mir kein Beispiel einfällt, wo Alltagsbegleiter Sinn machen.
In den von dir geschilderten Fall hätte ich ich die Hospitz eingeschaltet. Dadurch wäre die Sterbebegleitung finanzierbar gewesen und auch noch qualitativ besser.
Aber zurück zum Thema.
Ich frage mich schon eine ganze Weile, wieso es die Weiterbildung zur Gerontopsychiatrie gibt, wenn jeder Mensch mit einer Schmalspuranleitung Demenzkranke gut versorgen kann?
Bin mal gespannt, wie die Öffentlichkeit, die Heimaufsicht und die Gerichte reagieren, wenn die ersten Langzeitarbeitslosen nicht nur verbal angegriffen werden sondern auch körperliche Schäden davon tragen.
Ich mein ja nur, wenn man einem Dementen "nicht sachgerecht und fachmänisch" behandelt sind Agression und Gewalt eigentlich vorprogrammiert.
Und ich kenn die verschiedenen Meinungen. Wenn ein Zivi zu einem Dementen geschickt wird, ist es ihm entweder langweilig oder es endet im totalen Streß.
Geht z. B. eine Altentherapeutin zu einem Dementen kommt sie zurück und erzählt von ganz vielen schönen Momenten.
Ich hoffe nur, das das echt nur ein Sommerlochfüller ist.
Kopfschüttelnde
Lisy
 
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panik

panik

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@hexe10
Das hat mit Tasse in der Mitte stehen und Henkel rechts oder links wahrhaftig nichts zu tun!!!!Hier geht es um Qualifikationen, die sich ein Mensch erwerben kann, aber nicht in nur 160h für und das behaupte ich einfach (und ein gewisser Teil ist auch Erfahrungswert mit 1 Eurokräften)für unmotivierte.!!
Es kann sich nur um eine Art Gewissensberuhigung der Verantwortlichen handeln,die schauen wollen, in wie weit wir noch zu beugen sind und demütig auf den Knien rutschen,weil wir doch endlich Unterstützung bekommen.Vielleicht sollten wir wirklich dankbar sein?:kotz: :spinner:
panik
 
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Sonnensturm

Sonnensturm

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Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie schnell solche "Gesetze" beschlossen werden.:motzen:

:00000894:Wassermann
 
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Fragmentis

Fragmentis

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Hallo Renje,

recht hast Du irgendwie und es ist schade, daß dies so ist ... wir führen - leider Gottes - eine typische Diskussion ... die nicht weniger richtig ist ... und wenn sie nur Entlastung bringt.

Die Gründe, daß die Spar-Zwinger und Arbeitslosenstatistik-Rosafärber sowas durchkriegen liegen leider nicht nur bei den anderen.

Ich warne vor, bevor sich jemand zu sehr im folgenden überspitzten Wortschwall wiederfindet:

SARKASMUS ON

Aber schauen wir uns doch mal die anderen an, denn auf die anderen zu schauen ist ja bekanntlich einfacher...

:heul: Was vermeintlich von den anderen ausgeht:

Ja, in diesem Land zählt die Pflege nichts für andere ...

Ja, mal abgesehen von der Serie "Schwester Stefanie" ist nicht viel dazu beigetragen worden in den letzten Jahrzehnten, diesen Beruf für junge Menschen attraktiv zu machen ...

Ja, die Pflege hat hier keine Lobby ... keiner fühlt sich politisch für die zigtausend Pflegenden verantwortlich, außer, wenn mal wieder ein Kollege mit einer Sterbehilfe-Serie auf die Titelseite der B...-Zeitung kommt.

Ja, durch die Menge an Mitarbeitern bietet unser Stand das vermeintlich größte Sparpotential ...

Ja, wir machen den Job mit seinen auch tw. unangenehmen oder belastenden Aufgaben, den 90 % der Restbevölkerung noch nicht einmal für das doppelte Gehalt tun würden ...
(Na, wenigstens bekommt man mal ein mitleidiges "Das stelle ich mir aber schwer vor. Ich könnte sowas ja nicht..."-Pseudo-Wertschätzungs-Kopfstreicheln im SmallTalk) ...

Ja,und das alles tun wir sogar gerne für die Hälfte des doppelten Gehaltes, weil man ja keinen Beruf hat, sondern eine Berufung (wir alle fühlen uns doch mit den Beginen verbunden und die lustigen schwarzen Zahlen am Ende des Monats auf dem Konto, die sind doch nicht wichtig, oder ? Oder doch ? Das wäre doch mal eine Frage für das Board: Hast Du Deinen Beruf mühsam und verantwortungsvoll gelernt oder bist Du von einer höheren Macht für Gotteslohn zur Pflege der Menschen visionär berufen worden ? Und wenn letzteres zutrifft: Nimmst Du die Drogen immer noch ? Und wenn ersteres zutrifft: Warum vermittelt das denn keiner an die Non-Pflegenden, daß wir dafür was lernen mußten, um das tun zu können, was wir tun und nicht nur aus dem Gefühl heraus handeln, sondern aufgrund wissenschaftlicher evaluierter Daten ... die aber keiner liest, es sei denn er wird Pflegewissenschaftler oder er bekommt ein Testabo vom Schwester/Pflegermagazin geschenkt, das nicht hoch genug ist, um den Küchentisch auszugleichen ;-) )

Das Schlimme ist, daß viele Kolleginnen und Kollegen aus einem pflegesozialisierten Selbstwertmangel nicht daran glauben, daß sich was ändern könnte. Aber im Endeffekt kann ein Haltungswechsel bei den anderen doch nur entstehen, wenn wir selbst uns besser zu verkaufen lernen, denn wenn wir darauf warten, daß andere unsere Hausaufgaben machen, dann werden wir verkauft. Und zwar verraten und verkauft.

Mit den Ärzten/Marburger Bund hätte man das nicht so einfach gemacht. OK, die haben gemeint, daß sie das gleiche Geld für weniger Arbeit bekommen und damit, daß sie plötzlich auch im Schichtdienst arbeiten müssen ohne Zuschläge, damit haben sie nicht gerechnet. Ein wenig blauäugig. Zugegeben. Aber so sind sie halt. Wir mögen sie ja trotzdem, unsere Weißkittelchen. ;-) Nun, aber die haben sich gewehrt. Die haben ihre Fachkompetenz in die Schale geworfen.
Ohne sie - die Ärzte - geht nichts.

Ach ja, wer es noch nicht weiß oder sich einfach nicht traut, es auszusprechen, weil er/sie denkt, er und sein erwachter Berufsstolz wird standrechtlich erschossen oder gefeuert: Ohne uns geht übrigens auch nichts, aber wir werden ganz traditionell und zurückgehend auf unsere älteste eigene Berufsgeschichte, die nicht von Auszubildenden gemocht wird, weil sie ja so schrecklich langweilig ist, obwohl sie ganz spannend beschreibt, wie sehr wir noch von den Entwicklungen der letzten 300 Jahre geprägt sind, eben uns nicht formieren.

Nein, wir stehen nicht auf und lassen so einen Karren mal vor die Wand fahren wie die Ärzte es demonstriert haben ... die armen Patienten ... aber wenn die sich nicht beschweren, wie schlecht es der Pflege geht und wie sehr ihre Versorgung leidet, dann wird nie ein Aufschrei durch die Republik gehen ...

:spinner: Kommen wir also zu uns und unseren wahren inneren berufspolitischen Haltungsschäden, die - wie ein Beckenschiefstand - auch mal Symptome an ganz anderen Stellen auslösen können ...

Nein, wir werden abgemahnt und gefeuert, wenn wir demonstrieren wollen und haben dafür noch Verständnis, ohne uns einen Fachanwalt vom DBfK zu holen oder von Verdi ... weil sich zu organisieren über das Stations-Weihnachtsessen hinaus den Pflegenden schwer fällt ...

Nein, wir freuen uns auch noch auf die abendliche EmergencyRoom-Folge und den sympathischen Pfleger und die Superkompetenz-Schwester, die im wahren Leben außerhalb der Filmwelt in 2 Jahren mehr Fortbildungen in Amerika machen muß, um allein ihre Berufsbezeichnung zu behalten, als ein durchschnittlicher Pflegender in Deutschland bis zu seiner Rente mitmachen muß, wenn er sich einigermaßen geschickt anstellt ...

Nein, wir sind "zu arm dran" um uns die 15 Euro für die freiwillige Registrierung rauszuleiern, um das "RBP" auf unserem Namensschild prangen lassen zu können und dann auch zu redefaul, jedem, der komisch fragt, was das denn heißen soll, solange kompetent die Ohren über unsere PROFESSION zu zu texten, daß auch er erkennt, daß er nicht nur einen "Urinkellner" oder eine "Sr. Stefanie" vor sich hat, sondern einen hochqualifizierten Facharbeiter der Pflege, keinen pseudo-ärztlichen Varizenkorkenzieher oder Lagerungsplanvergesser.

Nein, wir sind nicht stolz darauf, daß im Krankenhaus "Pflegetage" bezahlt werden und nicht "Ärztetage" ...

Nein, wir lassen unsere DRGs für mehr Pflegeaufwand von Ärzten schreiben ...

Nein, wir wollen keine Pflegekammer, die uns zum Beitritt und Beitrag zwingen könnte, uns aber auch politisch vertreten könnte, weil da plötzlich ein paar zigtausend Leute hinter stehen und nicht ein paar Idealisten oder übermotivierte Einzelgeeks ... uns reicht die Raucherkammer oder Ecke vor der Klinik ...

Nein, wir finden das OK, daß eine neue Kollegin oder Kollege im Schnitt nach 5 Jahren den Job an den Nagel hängt, weil er frustriert ist oder ausgebrannt ... der ist dann wahrscheinlich eh nicht hart genug für diesen zarten Beruf. Der ist halt noch nicht so gestählt, wie die Kollegin nach 30 Jahren, die auch in ihrer Haltung gegenüber neuen Pflegetechniken härter ist als Panzerstahl ...

Nein, wir finden es normal, daß ein Untertage-Arbeiter mit 50 in Frührente spätestens gehen kann, aber kein Kollege/Kollegin regulär das Rentenalter erreichen kann in unserem Beruf - und wenn doch jeder 50. es schafft, derjenige dann von A wie Arthrose bis W wie Wirbelsäulenschaden noch arbeitet unter mehr Schmerzen als der Patient, den er/sie lagert ... hat sich jemand mal überlegt, warum wir Nachwuchsprobleme haben trotz Pflegenotstand und viele junge Kollegen lieber dann direkt ins Studium gehen, um ja nicht auf der Station zu versauern ?

Nein, wir erwarten, daß unser stilles Gezeter gehört wird und für uns dann alles besser wird, weil jemand sein Herz für die Pflege in der Politik entdeckt, anstatt, daß man sich selber mal ein Herz fasst und in einen Berufsverband eintritt ...

SARKASMUS OFF

Renje (bist Du eigentlich registriert ?), Du hast recht: es ist keine neue Diskussion ... leider ... aber wenn man fragt, warum "die Anderen" das mit uns Pflegenden machen können und solche Gesetze so schnell durchkommen, dann ist die Antwort einfach - wenn man mal ehrlich ist: Weil wir es mit uns machen lassen ... Und DESWEGEN DARF JETZT AUCH JEDER AUF SCHWERSTERKRANKTE DEMENTE LOSGELASSEN WERDEN, weil wir einen Erfolg in den letzten Jahren doch wirklich verbuchen können: Jeder weiß, daß jeder pflegen kann, denn jeder kann auch Kinder zeugen. Es ist ein Naturtalent, daß in jedem mit nur 160 Stunden geweckt werden kann. Und dieses Talent kann doch bei jedem Patienten dann ausgelebt werden. Alle sollen alle pflegen. Nur bitte nicht die Mutter von Herrn Jedermann oder Frau Jedermanns Oma... oder irgendwann Politiker XY selbst...

:cry: Quo vadis, Pflege in Deutschland ?
Oder sollte man besser sagen: Alia iacta est ?

:innocent: Quod erat demonstrandum,
Fragmentis

P.S.: Hat irgendjemand mal die Reihe "Aufstand der Alten" gesehen ? Da gab es - glaube ich - gar keine Pflegenden mehr, sondern nur noch Wächter/Hilfsarbeiter/Billiglöhner und 2 Ärzte für die Medikation. Und das war schon 2030 oder so ähnlich ...
 
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dr.poops

wenn eine diskussion über brisante obliegenheiten im pflegerischen umfeld entbrennt und viele ansichten zutage gefördert werden, dann kommt irgendwann jemand und weist darauf hin, daß wir es nicht schaffen, uns zu organisieren und einen verband zu gründen und vereinsstatute mit leuten, die schon ganz aufgeregt sind, weil sie vielleicht denken, "ouh, geil, vielleicht werd ich heute kassenwart!" das ist kontraproduktiv.
das problem ist - wie schon so oft benannt - daß es "die pflege" in dem sinne nicht gibt, es gibt einen haufen verschiedener sparten, subgruppen und weiß der teufel was nicht alles; ein anästhesiepfleger hat andere probleme als eine stationsleitung einer pflegestation im altenpflegeheim und da haben wir den schlamassel. zum beispiel.
was mich auf die palme bringt, ist die tatsache, daß man von uns verlangt, gut aus-und fortgebildet einen anspruchsvollen job zu machen - und plötzlich gibt es assistenten, die das nach ein paar stunden grundkurs adäquat begleiten können sollen (wir haben auf der intensivstat. auch stationshilfen - die einen organisieren die logistik, die eine schreibt ekg´s etc. aber das ist auch eine ausgebildete arzthelferin, die geht auch ans telefon und dergleichen).
und bevor das hier z.b überhaupt im ansatz fertig diskutiert ist, kommt auch schon die erste mehrseitige richtliniendingsbumsauflistung, vollgeballert mit tollen ideen und vorschlägen und einschränkungen. wow! ein puzzleteilchen mehr, um zu erkennen: krankenpflege gehört zum gesundheitssystem und im gesundheitssystem geht´s um kohle. damit das nicht so auffällt, setzt man schick zurechtgemachte figuren in fancy büros und nennt den ganzen käse "qualitätssicherung". der anfängliche verdacht, daß die nicht allzu viel zu tun hätten, bestätigt sich, denn die qualitätsabteilung mäandert allmählich aus dem büro heraus in die cafeteria und da sitzt sie dann wie die "generation umhängetasche" in berlin-mitte mit "iBook" und latte macchiato. der rest rennt sich im haus die hacken ab. oder im pflegeheim. oder sitzt mit glasigen augen im stau und kommt mit dem pflegediesnstaufgaben ins schleudern. zeit ist geld.
der haken: immer wissen andere, was für uns gut ist. irgend eine nase aus der uni, irgend eine nudel aus der verwaltung, alle sind sie um längen schlauer als wir. denn eines fällt dann ja doch auf: kommen vorschläge von uns, dann geht das nicht. wo wir denn hindenken. das gibt das budget nicht her. der personalbinnenmarktlaberlaberlaber. bis keiner mehr bock hat, sich diesen sermon inkl. zahnpastalächeln weiter anzuhören und notfalls improvisiert. aber genau dieses zahnpastalächel-face findet solche richtlinien super. das ist theoretisch, das ist gut verklausuliert und irgendwie auch ein bißchen kryptisch - das kennen die alle aus der uni. helfen wir ihnen doch, einen sinn in ihrem tun zu sehen und verwüsten ihnen bei gelegenheit ein bißchen das "bureau":mad_2:.
poops + n schönes wochenende hinterdrein:eek:riginal:
 
hexe1070

hexe1070

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Hi Lisy,

In den von dir geschilderten Fall hätte ich ich die Hospitz eingeschaltet. Dadurch wäre die Sterbebegleitung finanzierbar gewesen und auch noch qualitativ besser.
Also, ich weiß nicht ob das zwanghaft ist,aber man scheint immer zu wissen was andere wollen und hört dann anscheinend bei all dem Gejammer um die Qualifikation des eigenen Jobs auf, zu spüren was der andere denn dann für sich als "qualitativ besser" empfindet.:angry:

1. In dem Fall ist diese Form von Sternebegleitung finanzierbar!
2. Die Hospiz ist durchaus eingeschaltet!
3. Es war sein ganz spezieller und selbst geäußerter Wunsch, seinen Lebensabend so zu verbringen.

Wo Alltagsbegleiter Sinn machen? Die Frage versteh ich jetzt gerade nicht!

@panik,

Hier geht es um Qualifikationen, die sich ein Mensch erwerben kann, aber nicht in nur 160h für und das behaupte ich einfach
Ja natürlich, dem stimme ich uneingeschränkt zu. Letztendlich liegt es aber nicht an der Idee, dass die Qualifizierten Fachkräfte dadurch evt eingespart werden, sondern doch eher an der Umsetzung. Ich könnte mir immer noch vorstellen dass solche Maßnahmen eine Bereicherung darstellen könnten keineswegs jedoch einen Ersatz, um das mal deutlich zu machen.

sonniges WE
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Allround

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Hallöle,

wenn der gkv-Spitzenverband das Ganze wirklich auf die genannte Aufgabenstellung klar begrenzen würde, nämlich


- Malen und basteln,​
- handwerkliche Arbeiten und leichte Gartenarbeiten,
- Haustiere füttern und pflegen,
- Kochen und backen,
- Anfertigung von Erinnerungsalben oder -ordnern,
- Musik hören, musizieren, singen,
- Brett- und Kartenspiele,
- Spaziergänge und Ausflüge,
- Bewegungsübungen und tanzen in der Gruppe,
- Besuch von kulturellen Veranstaltungen, Sportveranstaltungen
Gottesdiensten, und Friedhöfen,
- Lesen und Vorlesen,
- Fotoalben anschauen.
dann würde ich ähnlich wie Hexe sagen, seit nicht so einseitig, vielleicht tut's ja Gutes.

Aber da ist ja ein kleines "Gummiband" eingebaut:

Gleichzeitig ist es erforderlich, die Tätigkeit der zusätzlichen
Betreuungskräfte eng mit der Arbeit der Pflegekräfte und des sonstigen
Personals in den Pflegeheimen zu koordinieren, damit keine Versorgungsbrüche
entstehen



. Zu den Aufgaben der zusätzlichen Betreuungskräfte
gehören auch die Hilfen, die bei der Durchführung ihrer Betreuungs- und
Aktivierungstätigkeiten unaufschiebbar und unmittelbar erforderlich sind, wenn




eine Pflegekraft nicht rechtzeitig zur Verfügung steht.
Sprich: Je weniger Pflegekräfte vor Ort und je mehr Betreuungskräfte an ihrer Stelle, um so mehr Hilfestellungen durch diese, womit unaufschiebbare Pflegetätigkeiten wohl gemeint sind.

Je mehr unaufschiebbare Übernahmen, umso weniger psychosoziale Betreuung......:wink: . Und plötzlich machen die Billigeren ein Teil der Altenpflege.

Der Fuß ist in der Tür!

LG, Allround
 
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Lisy

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Hallo hexe,
wenn du 6500€ als bezahlbar ansiehst, dann sag ich zu diesem Thema nichts mehr.
Tatsache jedoch ist, das ich im ambulanten Bereich keinen Alltagsbetreuer mit Schmalspurausbildung brauchen kann. Die sind weder vernünftig einsetzbar bei der Sterbebegleitung, noch sinnvoll bei der Begleitung von Dementen.
Ich setz da lieber auf gut ausgebildete Spezialisten, wie gerontopsychiatrische Fachkräfte oder Altentherapeuten.
Denn nur gut ausgebildetes Personal kann gute Arbeit leisten!
Alles andere würde bedeuten, ich verheize Personal und ich habe trotzdem keine gute Betreuung meiner Kunden.
Wir können das Gesetz nicht kippen, aber wir können es ungenutzt lassen.
Ich, für meinen Pflegedienst setze auf Qualität und wie gesagt auf unsere Fachkräfte.
Gruß Lisy
 
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Altenpflegerin
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panik

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Danke Lisy,ich hoffe inständig, dass sich viele AG so entscheiden wie du.:thumbsup2:
Denn wie Allround fürchte auch ich, dass das "ein Fuß in der Tür haben" bedeutet, dass weniger qualifizierte AN vor Ort sind, bzw. mehr unqualifizierte am und mit dem Menschen arbeiten sollen-das ist doch mehr als offensichtlich und ich unterstelle das einfach mal, so gewollt.!!!:heul:

LG panik
 
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* Weiterbildung zur PDL 2009
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