Arbeitsrecht Arbeitskleidung

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Karle99

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Hallo,
ich habe heute erfahren, dass es Abmahnungen gibt, wenn die Dienstkleidung nicht getragen wird. Diese Dienstkleidung wurde im Winter angeschafft, eine lange Hose und ein Poloshirt aus Polyester. Bei Temperaturen nahe 40 Grad ist das für die Meisten fast unerträglich. Müssen meine Kolleginnen/Kollegen sich tatsächlich mit dieser Kleiderordnung so herumquälen oder andererseits eine Abmahnung riskieren ?
Was meint Ihr dazu?
Danke schonmal für die Antworten!

Karle99
 
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AW: Arbeitskleidung

Hallo Karle 99,

tatsächlich hat der Arbeitgeber hier ein Direktionsrecht und eine entsprechende Arbeitsanweisung in der Vergangenheit ausgegeben und den Umgang mit der Arbeitskleidung im Hygieneplan festgelegt. Ein Verstoß gegen die Anweisung kann abgemahnt werden.

Leider fehlt mir die Kompetenz um folgende Frage zu beantworten: Der Arbeitgeber müsste auch eine Fürsorgepflicht gegenüber seinen Mitarbeitern unterliegen. Erfüllt der Arbeitgeber seine Pflicht, wenn er seine Mitarbeiter verpflichtet ggf. unangemessene Kleidung bei diesen Temperaturen zu tragen, die möglichweise zu einer gesundheitlichen Beeinträchtigung führen könnte ???
Mal schauen was SCHWESTER WOLFGANG dazu sagen wird !!!


Gruß
Monokel
 
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AW: Arbeitskleidung

. . jaaaa - da haben wir wieder die berühmte Frage, ob es einen Betriebsrat gibt.
Zuerst die Rechtlichkeit:
Weiße Kleidung von Pflegepersonal, die bei mindestens 60 Grad Celsius waschbar sein muß, entspricht dem Begriff der "Dienstkleidung" gem. § 67 BAT bzw. § 21 Abs. 2 AVR, die auf Anordnung des Arbeitgebers zur besonderen Kenntlichmachung im dienstlichen Interesse während der Arbeitszeit zu tragen sind. Sie bewirkt nach außen hin ein einheitliches Bild der Pflegekräfte und weist sie Besuchern und Patienten gegenüber als Mitarbeiter aus.
Es handelt sich nicht um Berufskleidung, deren Beschaffung grundsätzlich dem Arbeitnehmer selbst obliegt, der sie aber entsprechend den Anforderungen der geschuldeten Arbeitsleistung nach seinem persönlichen Geschmack bestimmen kann.
BAG 6 AZR 536/01

Nach § 87(1)1. BetrVG wiederum hätte ein BR ein Mitbestimmungsrecht beim Erlass der Kleiderordnung und nach § 80(1)2. BetrVG hat der BR die Aufgabe, Maßnahmen, die dem Betrieb und der Belegschaft dienen (wie hier: Anschaffung leichter Kleidung), beim Arbeitgeber zu beantragen.

Gibt es keinen BR (und keine MAV bei kirchlichen Trägern) - dann kann der Arbeitgeber einseitig nach § 106 GewO das Tragen von Dienstkleidung anordnen.

Man könnte nun nach § 106 GewO ind Feld führen, dass das Tragen dicker Kleidung bei großer Hitze gegen den Grundsatz des billigen Ermessen verstößt, man könnte weiter versuchen, über das Gewerbeaufsichtamt Einfluss zu nehmen - aber das alles würde ich keinem Mitarbeiter empfehlen, der nicht den Sonderkündigungsschutz des BetrVG hat, denn das würde auf Konfrontation hinauslaufen, bei der der Arbeitgeber am längeren Hebel sitzt. Einfacher und wirkungsvoller wäre in solch einem Fall, wenn man um ein freundliches Gespräch ersucht, die Situation darstellt und darum bittet, entweder leichtere Dienstkleidung für den Sommer anzuschaffen, oder den MA zu erlauben, eigene leichte weiße Kleidung zu tragen. Jeder vernünftig denkende Arbeitgeber wird darauf eingehen, denn zufriedene und ausgeglichene MA reflektieren das auch auf die Pflegekunden. Wenn nicht, dann gibt es fünf Möglichkeiten:
- den Kopf einziehen und alles (Hitze und Kleidung) klaglos ertragen
- sich ähnlich Don Quichotte in den Kampf stürzen
- einen vernünftig denkenden Arbeitgeber suchen und kündigen
- Unterstützung bei der Gewerkschaft suchen und einen BR wählen
- einfach die leichtere Kleidung tragen, die eventuell dann erfolgende Abmahnung mit Hilfe von der Rechtsabteilung der Gewerkschaft (wenn man Mitglied ist), oder der Rechtsschutzversicherung (wenn man eine Rechtsschutzversicherung hat) vom Arbeitsgericht auf ihre Rechtsmäßigkeit überprüfen lassen. Dazu würde ich jedoch im Vorfeld das oben erwähnte Gespräch mit dem Arbeitgeber suchen (um den guten Willen zu demonstrieren) und dann darauf vertrauen, dass sich die Richter morgens die Hose auch nicht mit der Kneifzange anziehen . . .

Die oben angeführte Fürsorgepflicht des Arbeitgebers ist übrigens eine sich aus der Rechtssprechung ergebende Nebenpflicht des Arbeitgebers, also nur durch Gerichtsurteile definiert. Eine mögliche gesundheitliche Schädigung herzuleiten dürfte nicht unmöglich, aber sehr schwierig sein - das könnte z.B. ein qualifizierter MA des Gewerbeaufsichtamtes. Alles, was Mitarbeiter/innen ins Feld führen könnten, kann ein unwilliger Arbeitgeber als unbewiesenes Gerede und Befindlichkeit abtun.
Gruß
:)
 
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AW: Arbeitskleidung

Ganz klar ja, rechtliche Ausführung Sw. Wolfgang dem ist nichts hinzuzufügen.

Was mich beschäftigt:
Was ist gegen eine lange Hose zu sagen? Wollt ihr in der Pflege mit hot pants arbeiten?:ironie:

Auch gegen ein Poloshirt an sich ist ja nix zu sagen.
Ist das nicht doch Mischgewebe? Im Polyesterhemdchen würde man schon stinken ohne dass es warm ist.

Ihr habt doch sicherlich keine 40Grad im Gebäude?
 
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AW: Arbeitskleidung

. . . renje, den gleichen Gedanken hatte ich auch schon. Und ich entsinne mich an meine Wehrdienstzeit - da durften wir im Hochsommer mit langer Unterwäsche unter der ebenfalls langen Uniform und dazu noch in Stiefeln im Gelände agieren, oft in der prallen Sonne - abgeklappt ist niemand, nur die dabei erworbenen Schweißfüße bin ich bis heute nie so richtig losgeworden ;-) . . .
 
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bowielein

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AW: Arbeitskleidung

In anderen Berufsgruppen ist es Gang und Gebe, daß bei großer Hitze mit langer Hose und auch noch mit Jacke gearbeitet werden muss. Da stellt sich Sicherheitsrechtlich gar keine Frage, ob da eine leichtere Kleidung möglich wäre.
 
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Wollt ihr in der Pflege mit hot pants arbeiten?
Einer von zehn Frauen des Personals würde ich das sogar empfehlen in der Altenpflege:slap:
 
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Karle99

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AW: Arbeitskleidung

Hallo, vielen Dank für eure Antworten!
Also, bei normalem Temperaturen ist gegen eine lange Hose und ein Poloshirt bestimmt nichts einzuwenden und ja, die Hose ist aus Polyester und die Shirts sind recht dick, aber aus Mischgewebe.
Der Unmut ist deswegen so gross, weil die Kollegen jahrelang anziehen durften, was sie wollten, es sollte nur bei 60 Grad mit speziellen Mitteln gewaschen werden.
Bei uns ist das immer noch so und ich selbst kleide mich sehr leicht aber immer mit einer Art Dienstkleidung und in luftiger Baumwolle. Altermässig würde ich es bei diesen Temperaturen plus Hitzewallungen plus immer noch beheizten Badezimmern gar nicht anderst aushalten. So hoffe ich auch sehr, dass bei uns keine Dienstkleidung eingeführt wird (ambulant).
Und bei der Bundeswehr, na ja, was einen nicht umbringt macht hart.. oder? Da haben mir die Männer schon immer leid getan.
Hot Pants? Viel zu eng bei diesen Temperaturen !!
Also nochmal Danke, mich hat das eben interessiert, ob es dazu auch gültige Vorschriften gibt. Ich werde die Antworten weitergeben.

Schwitzende Grüsse
Karle99
 
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traveler

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AW: Arbeitskleidung

Einer von zehn Frauen des Personals würde ich das sogar empfehlen in der Altenpflege
na, na, na und dann ist die Konzentration hin.:nono:

Und für die Männer musle-shirts damit der Bauch besser zu Geltung kommt.:innocent:
 
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AW: Arbeitskleidung

. . . auch wenns nichts mit dem Thema zu tun hat, aber klär mich mal bitte auf, was um Himmels Willen ein musle-shirt ist :)
 
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pegean

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AW: Arbeitskleidung

"Ein Muscle-Shirt ist ein ärmelloses Hemd, das die Muskeln betonen soll. Muscle-Shirts, die zum Bodybuilding getragen werden, sind weiter ausgeschnitten und an der Brust schmaler. Aber auch ärmellose Freizeithemden, tailliert und ohne Halsausschnitt, werden Muscle-Shirts genannt. Beide ähneln dem Unterhemd, sind aber aus anderem Stoff."

LG
 
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AW: Arbeitskleidung

Hi !
Ich hatte einen Link eingefügt, welcher auf "humorvolle" (?) Art und Weise ein Muscle-Shirt zeigt. Das muss leider erst vom Admin genehmigt werden.

P.s.: Mein Hinweis auf die 10% der Damen, welche durchaus Hot-Pants tragen könnten in der Pflege, sollte natürlich nur ein Spaß sein. Ich hoffe, das wurde auch so aufgenommen und niemand fühlt sich hierdurch persönlich angegriffen.
 
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Karle99

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AW: Arbeitskleidung

Hallo Monokel!
Klar war das als Spass zu erkennen, mich hat´s gefreut, mein Beitrag war ja auch nicht so tierisch ernst zu nehmen,oder?
In der Ausbildung mussten wir lange Kleider mit Schürtzen und Stumpfhosen und geschlossene Schuhe tragen. Später waren es dann die weissen Arbeitskittel mit Stehkragen und Gürtel, dnach kamen taillierte Kleider, die waren im Sommer ganz erträglich, und dann kamen die Hosenanzüge, die auch heute noch zu sehen sind.
Bei den langen Kleidern war damals gerade die Minimode und wir haben um jeden Zentimeter kürzer gekämpft!
Aber, wie gesagt, ich bin nur froh, dass ich im Rahmen anziehen darf , was ich möchte, wobei die Hotpants da nicht dazu gehört.
Muscle-Shirts bei Männern finde ich sehr schön, aber auch diese nicht im Dienst. Männer dürfen auch schwitzen, gleiches Recht für alle!
Nochmals Grüsse
Karle99
 
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