Arbeitsrecht Antrag auf gefährliche Pflege

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G

gabymaus_64

Mitglied
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29.02.2008
Kreis Borken
Hallo Ihr alle!
Jeder von uns kennt das, mal ist es ruhig auf der Station, schon fast zu ruhig und dann gibt es Zeiten, da platzt die Station aus allen Nähten. So ist das nun seit einigen Tagen bei uns. Belegung 140% und kein "Mann" mehr! Nebenbei versorgen wir noch die Kinderambulanz die so tagtäglich von draußen kommt. O.K. bei der Feuerwehr sind wir abgemeldet, doch dijenigen, die privat von draußen kommen werden auch versorgt und wenn es sein muss auch aufgenommen, weil es den umliegenden Kinderkliniken nicht anders geht. Etliche Säuglinge an Monitoren, deren Alarm wegen des hohen Arbeitsaufkommens manchmal erst nach etlichen Minuten kontrolliert werden kann und da sind Sättigungsabfälle bis unter 75% dabei. - Kurzum eine patientenorientierte gewissenhafte Pflege ist zur Zeit einfach nicht durchführbar. Bei Teamleitung und sogar stellvertretender Pflegedienstleitung trifft man auf taube Ohren.... Jetzt hat gestern Nacht unsere dh. Ärztin ein Schlachtwort in den Raum geschmissen von dem ich leider die genaue Definition nicht kenne: Antrag auf gefährliche Pflege! .... Was ist das? Kann ich mich mit so einem Antrag absichern, dass wenn in meiner Schicht etwas passiert was bei "normalem" Arbeitsaufwand nicht geschehen würde? An wen stelle ich diesen Antrag? Wie ist das so mit den Nachteilen? Einmal für unsere Klinik im allgemeinen (ich will ihr ja keinen Schaden zufügen) und für mich persönlich? Hat irgendwer Erfahrung mit so einem Antrag und den daraus resultierenden Ergebnissen? Bitte meldet Euch.... meine Kollegen und ich brauchen dringend Hilfe!
Danke, Gabymaus_64
 
Qualifikation
Kinderkrankenschwester
Fachgebiet
ambulante Intensiv- und Beatmungspflege
M

matras

Hallo,

diesen "Antrag auf gefährliche Pflege" gibt es meiner Ansicht nach nicht. Was jedoch in Deinem Fall angebracht wäre, ist eine sogenannte "Überlastungsanzeige" damit macht Ihr schriftlich die Pflegedienstleitung auf die permanten Überlastung aufmerksam, um die Verantwortung für aus dieser Situation resultierenden vermeidbaren Schäden abzugeben. Das entbindet Euch nicht von der Sorgfaltspflicht Euren Patienten gegenüber, kann aber im Falle eines eingetretenen Schadens Eurer PDL Kummer machen (Organsiationsverschulden).

Matras
 
R

romana

Aktives Mitglied
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21.02.2008
Ostrach
Hallo !

Ich würde auch eine Überlastungsanzeige machen, dann weiss Eure PDL , dass sie reagieren muss. Da sollte dann aber schon drin stehen, was nicht oder nicht mehr ausreichend gemacht werden kann. Aber warum schreibst Du, dass auch die Teamleitungen nicht reagieren ? Die sind doch schließlich verantwortlich ! Von Ihnen sollte die Überlastungsanzeige auch kommen. Rate drigend zu einer ausserordentlichen Teambesprechung.

Viele Grüße

Romana
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
QMB
Weiterbildungen
Bin Praxisanleiterin und MAV
Weiterbildung Stationsleitung mit Zusatzqualif. QMB
G

gabymaus_64

Mitglied
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29.02.2008
Kreis Borken
Tja, wie soll ich das schreiben? Unserer Teamleitung ist zwar klar dass wir ein hohes Arbeitsaufkommen haben aber ebenso der Meinung dass die Arbeit immer noch gewissenhaft durchführbar ist ohne mehr Personal einsetzen zu müssen. Das sowohl viele meiner Kolleginnen als auch ich auf dem Zahnfleisch laufen bleibt ignoriert.
Der Hintergrund ist wohl der, dass Kosteineinsparung und Überstundenabbau bei uns ganz groß geschrieben wird. Diesem obersten Gebot wagt unsere Teamleitung wohl nicht entgegen zu sprechen und spielt die momentane stationäre Situation deutlich herunter.
Weiter denkt sie wohl nach dem Motto: Wird schon schief gehen!
Meine Bedenken liegen aber genau darin. Im Moment kann einfach nicht gewährleistet werden eine sichere Pflege durchzuführen. Wir haben viele Säuglinge mit Monitorüberwachung, die zudem sauerstoffpflichtig sind und troztzdem ihre Abfälle haben und ohne eine kurzfristige Erhöhung der O2-Gabe sich nicht erholen. Auf unserer Station werden Kinder allen Alters behandelt (Sgl. bis einschließlich 16. Lebensjahr). Das Aufgabengebiet ist also sehr vielseitig. Bei einer Belegung von 140% einfach nicht zu schaffen.
Ich alleine wage auch nicht so eine Überlastungsanzeige zu stellen, denn ein weiteres Gebot ist: Klappe halten und weiterarbeiten (egal wie)!
 
Qualifikation
Kinderkrankenschwester
Fachgebiet
ambulante Intensiv- und Beatmungspflege
A

arielle

Mitglied
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18.01.2008
28217
Ich stimme allen Beiträgen zu. In der heutigen Zeit kann man sich als Pflegekraft gar nicht genug absichern, und der Weg aller Wege ist nun mal die Dokumentation. So hast du im Falle eines Falles eine Absicherung.
Es ist sicherlich überall das gleiche.
Das mit dem Kontrollieren der Alarme kenne ich. Aber es reicht ja schon, wenn mehrere Pat. gleichzeitig klingeln. Gut 90% wollen "nur" auf Toilette oder einen zweiten Kaffee. Aber was ist mit den anderen?
Die, die starke RR-Abfälle oder BZ- Schwankungen haben?
Ich würde ausser einer Überlastungsanzeige auch immer genau im Pflegebericht dokumentieren, wenn du etwas nicht geschafft hast, und vor allem warum.
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
Stroke Unit
G

gabymaus_64

Mitglied
Basis-Konto
Themenstarter/in
29.02.2008
Kreis Borken
Erst mal Danke für Eure Unterstützung!
Zu gegebener Zeit werde ich berichten, wie die Situation bei uns gemeistert wurde.
Liebe Grüße an alle:spinner:
Gaby.
 
Qualifikation
Kinderkrankenschwester
Fachgebiet
ambulante Intensiv- und Beatmungspflege
G

gabymaus_64

Mitglied
Basis-Konto
Themenstarter/in
29.02.2008
Kreis Borken
So ging es weiter...
Die Belegung auf unserer Station hat sich inzwischen wieder beruhigt und das Arbeitspensum ist auf ein verantwortliches Maß zurück geschrumpft.
Vor gut einer Woche hatten wir eine Stationsbesprechung an der auch unsere Bereichsleitung teilgenommen hat. In dem Fazit ihrer Begründung spielte sie die Situation ganz schön herunter und es lief schon darauf hinaus, dass sie die MA, die sich jetzt beschwerten als nicht kompetent in Stresssituationen hielt. Keiner wagte mehr darauf zu antworten.
Vorgestern habe ich dann nochmal ein persönliches Gespräch mit meiner Teamleitung geführt und sie auf das Arbeitschutzgesetz und die Überlastungsanzeige hingewiesen. Meinen Standpunkt habe ich mit schriftlichen Informationen u. a. Auszüge aus dem ArbSchuG unterstrichen. Das Gespräch blieb erst mal ohne Ergebnis, soll heißen meine Teamleitung äußerte sich nicht weiter darüber.
Für mich war dieses Gespräch in sofern positiv, als dass ich meine oben genannten Bedenken nochmal klar und deutlich geäußert habe und auch darauf hinweisen konnte, dass es mir nicht um das erheblich höhere Maß an Arbeitsaufwand, sondern um die Verantwortung für die Patienten ging, die ja zur Zeit der Überbelegung nicht gegeben war.
 
Qualifikation
Kinderkrankenschwester
Fachgebiet
ambulante Intensiv- und Beatmungspflege
R

romana

Aktives Mitglied
Basis-Konto
21.02.2008
Ostrach
Gut gemacht gabymaus 64 !:thumbsup2: :thumbsup2: :thumbsup2:
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
QMB
Weiterbildungen
Bin Praxisanleiterin und MAV
Weiterbildung Stationsleitung mit Zusatzqualif. QMB
Dirk Prosch

Dirk Prosch

Neues Mitglied
Basis-Konto
22.01.2008
96450
Hi! Und in diesem Forum, ohne es direkt zu wollen und zu wissen direkt dokumentiert!
Bitte tu das auch in ähnlicher Weise mit den Mitarbeitern und "Mitstreitern" auf Deiner Station!!
Schon morgen habt Ihr wieder ähnliche Zustände, da wird sich keiner deiner Vorgesetzten erinnern!!!!
Leider ist das so und Du oder Ihr müsst Euch absichern!!!
Gruß Dirk
 
Qualifikation
Krankenpflege
Fachgebiet
Sozialstation
S

Suseline

Ja, Gabymaus, ich finde das auch gut, dass du dich getraut hast.
Immer so weit bis was passiert und dann hats keiner gewusst.
Gruss
Susi
 
Pflegeboard.de

Pflegeboard.de

Administrator
Teammitglied
05.07.2001
www.pflegeboard.de
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