Antidekubitusmatratze Bradenskala unter 18 Punkte

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Jana1

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Hallo,
zur Zeit haben wir ein Streitthema, was die Antidekubitusmatratze angeht.Vor 2 Jahren kam eine Bewohnerin zu uns , welche vorher in einem anderem Wohnstift war welches geschlossen wurde. Sie kam ohne Dekubitus zu uns. Sie hat diese unruhigen Beine und kann sich teilweise bewegen. Unsere ehemalige PDL hat daraufhin eine Antidekubitusmatratze bestellt. Da sie aber keinen Dekubitus hat, kann man auch nicht nachvollziehen warum sie diese Matratze hat. Nun habe ich die Bradenskala berechnet und komme auf 15 Punkte. Nun sind einige Kollegen der Meinung, das Bewohner die unter 18 Punkte haben eine Dekubitusmatratze brauchen und somit gefährdet sind. Ich bin Bezugspflegekraft und habe das in letzter Zeit beobachtet und dies auch mit dem Artzt und unserem Sanitätshaus besprochen. Sie waren der Meinung, wenn sie keinen Dekubitus hat dann benötigt sie auch keine Matratze. Wie ist eure Meinung und wie sieht das der MDK? Ich habe die Matratze jetzt entfernt und bemerkt, das sie viel entspannter liegt und diese unruhigen Beine haben auch etwas nchgelassen.
Über eure Meinung würde ich mich sehr freuen.:wassat:
 
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Altenpflegerin
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stationäre ALTENPFLEGE
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josi83

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AW: Antidekubitusmatratze Bradenskala unter 18 Punkte

Hallo Du,
es gibt keine Regelung, dass eine WDM oder ADM ab einem Braden.- Wert unter 18 als prophylaktische Maßnahme angewandt werden muss.
Genauso ist es auch nicht so, dass eine WDM oder ADM erst angewandt wird, wenn ein Dekubitus besteht.
Was feststeht ist, dass man mit dem Gebrauch sehr vorsichtig umgehen musss. Hat ein Patient noch Eigenbewegung, kann und wird eine ADM diese einschränken. Das kann ja nicht Sinn der Sache sein. Bewegung ist ja ein Bestandteil der Dekuprophylaxe.
Auch kann eine ADM das Körperbild/ -empfinden des Patienten stören und zu Unruhe etc. führen. Möglicherweise ist dieses bei deinem Patienten der Fall.
Wichtig ist, dass du das Dekurisiko erkennst und Maßnahmen einleitest, die du regelmäßig auf ihre Effektivität hin überprüfst. Das muss dementsprechend auch dokumentiert sein.
Maßnahmen müssen individuell auf das persönliche Risiko abgestimmt sein. So kann ein generelles Umlagern alle 2 Stunden auch nicht als das non plus ultra der Dekuprophylaxe gewertet werden. Wichtig ist der Erhalt der eigenen Mobilität. Eine Maßnahme zur Überprüfung der Maßnahmen ist die Planung und Durchführung von Hautinspektionen, deren Ergebnis dokumentiert werden muss. Diese Maßnahme ist besonders wichtig, wenn du die ADM abschaffst.
Es gibt natürlich noch ettliche Maßnahmen zur Dekuprophylaxe, z.B. Thema Ernährung, Scherkräfte, Kleidung richten, (Hautpflege), natürlich Positionswechsel, Einsatz von Hilfsmitteln und und und, die ich gar nicht alle aufführen kann, weil sie wirklich sehr individuell sind.
Ich finde es gut, dass du dich so engagierst.
Wenn du Angst vom MDK hast, denk einfach an folgende Tipps:

  • mind. 1 Mal monatlich Braden- Skala ausfüllen.
  • Ressourcen, Problem und Ziel dokumentieren: beim Problem den Grund/ Ursache angeben, möglichst noch die am Wahrscheinlichsten gefährdeten Körperstellen
  • Maßnahmen planen und dokumentieren ( Bewegungsplan, Ernährungsplan, Einfuhrplan....) nach dem WER, WAS, WANN, WIE HÄUFIG, WOMIT- Prinzip
  • Erfolg der Maßnahmen dokumentieren: Hautinspektion planen und dokumentieren mit Ergebnis, Reaktion/ Verhalten des Patienten dokumentieren
Vielleicht solltest du auch mal bei deinem Arbeitgeber eine Fortbildung zu diesem Thema vorschlagen. Etwa eine Fortbildung auf grundlage des Expertenstandard?
Viel Erfolg noch
 
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Altenpflegerin, Studentin Pflegeentwicklung und Manangement BA
Fachgebiet
Qualitätsmanagement
Weiterbildungen
Pflegeentwicklung und Management (BA)
zebro

zebro

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AW: Antidekubitusmatratze Bradenskala unter 18 Punkte

Hallo @Jana1,

eine Antwort darauf, ob die Dame nun sinnvollerweise auf einer Antidekubitusmatraze gebettet werden sollte oder nicht ist zumindest mir aus der Ferne nicht möglich. Es wäre auch noch interessant zu wissen, um welche Art von Matraze es sich handelte (Weichlagerung, Wechseldruck, ...).
Was die Punktezahl nach Braden angeht, so ist sie eher eine Risikoeinschätzung - besagt aber nicht unbedingt etwas über erforderliche Maßnahmen. Insofern gebe ich dir Recht, dass die Einstellung deiner KollegInnen nach meinem Geschmack zu starr auf eine errechnete Punktzahl fixiert ist.

Aber: Die Begründung, dass jemand nicht auf eine Antidekubitusmatraze gelagert werden müsse weil er (noch) keinen Dekubitus hat, finde ich schon etwas abenteuerlich. Im Regelfall sollte doch gerade der Einsatz eines individuell sinnvollen Matrazensystems erst einen Dekubitus verhindern - daher ja auch 'ANTIdekubitusmatraze'.

Gruß Stefano
 
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Interdisziplinäre Intensivstation
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WB Praxisanleitung, WB Respiratory Therapist, WB Stationsleitung
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Bookwood

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AW: Antidekubitusmatratze Bradenskala unter 18 Punkte

Der Expertenstandart gibt vor das das individuelle Dekubitusrisiko durch die Pflegefachkraft festzulegen ist. Die Braden Skala usw. sind nur als eine orientierungshilfe zu verstehen.
So kann eine Bew. die mit der Bradenskala weit über 18 Punkte hat, trotzdem ein erhötes Risiko vorliegen, wenn sie z. B. eine Sauerstoff Nasenbrille ... hat.

@josi83
Die Aussage das mindestens einmal im Monat die Braden Skala durchzuführen, ist auch nicht ganz richtig da die Intervalle sich ebenfalls an das individuelle Dekubitusrisiko richten sollten.
 
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TQM Auditor, QM
Weiterbildungen
Exam. Krankenpfleger, Wundmanger (ICW), Qualitätsbeauftragter DIN ISO (TÜV), DCM Basic, TQM Auditor (EQ Zert), Gutachter
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josi83

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AW: Antidekubitusmatratze Bradenskala unter 18 Punkte

@bookwood:
Das ist bekannt. Nur ist es sicherlich die beste Möglichkeit um es dem MDK recht zu machen, wenn man es nicht sogar öfter macht. So war es auch nur gemeint. Da die Bradenskala tatsächlich nur eine Orientierungshilfe ist und nur begrenzt handlungsleitend und die pflegerische Einschätzung ausschlaggebend für die Beschreibung des Risikos ist, sind sicherlich andere Maßnahmen wesentlich wichtiger. Ich ergänze also: Bei einem bestehenden Risiko ist es, der vollständigkeit halber, sinnvoll sie mindest 1 mal monatlich zu erheben.
Und ich mochte deine Aussage hervorheben: Diese Skala, hat wie eigentlich alle Assessments/ Screenings, ein Manko: Sie erkennen nicht alle (100%) gefährdeteten Menschen als gefährdet. Der pflegerische Verstand ist gefragt und nicht der unumsichtige Verlass auf ein solches Instrument.
 
Qualifikation
Altenpflegerin, Studentin Pflegeentwicklung und Manangement BA
Fachgebiet
Qualitätsmanagement
Weiterbildungen
Pflegeentwicklung und Management (BA)
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