Allgemeinchirurgie Analfisteln/MRSA

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E

Elvira

Mitglied
Basis-Konto
23.10.2002
-
Habe eine Frage an die chirurgischen Pflegekräfte.
Wir haben auf unserer Psychiatrischen Station zur Zeit eine Pat. mit sezernierenden Anal und Scheidenfisteln,Anus Praeter,Morbus Crohn. Der Keim wurde als MRSA diagnostiziert.Wegen der absolut desolaten psychischen Situation ist an eine Verlegung in die Chirurgie nicht zu denken.Zur Zeit spülen wir die Fistelgänge 3x tgl mit Betalsg, zusätzlich wird der Analbereich mit Fibrolansalbe behandelt.Täglich wird Eiter abgetragen und insgesamt sehen wir keinen wirklichen Erfolg.Noch dazu haben die Psychopharmaka nicht den rechten Erfolg gebracht.Die noch recht junge Pat ist sehr desorganisiert und macht den ganzen Tag nur "Unfug".Habt Ihr Erfahrungen,die uns weiterhelfen können die Infektion zu behandeln?Wie ist die zeitliche Prognose ?Gibt es überhaupt die Möglichkeit die Erkrankung konservativ zu behandeln?Schon mal ein Danke für eure Antworten.Elvira :confused:
 
Qualifikation
Krankenschwester, Stud.Pflegemanagement
Fachgebiet
Psychiatrie
D

Dirk Knück

Hallo Elvira !
Ein solcher Keim stellt tatsächlich ein Problem dar, welches nicht immer einfach in den Griff zu bekommen ist.

Meine Erläuterungen hier ersetzten nicht einen Hausüblichen Standard !!!

Zuerst einmal sollte die Hygienefachkraft informiert werden, und Euch bei dem weiteren Vorgehen beraten können.
Dann ist auch wichtig, zu klären, wo sich der KEim bei der Patientin überall findet. Üblich sind Abstriche in Rachen, Nase, am Haaransatz und in der Leiste. Natürlich auch jede Wunde.
Zum Schutz sollte eine Isolierung eingerichtet werden, um den Keim nicht weiter "herumzutragen". Isolierung heisst dann auch Kittelpflege, Mundschutz usw.

Findet sich der Keim in der Nasenschleimhaut, so ist eine Behandlung mit einer spezielen Nasensalbe erforderlich (kenne leider nur den Schweizer Präparatenamen)
in der Mundschleimhaut kann man mit Octenisept spülen.
Findet sich der KEim auf der Haut, so sind Waschungen mit Octenisept (1:1 mit Wasser gemischt) indiziert.
Auch bei Wunden ist eine Spülung mit Octenisept Mittel der ersten Wahl (ist bei MRSA getestet, keine Zellschädigende Wirkung).
Nach einem 5-Tages-Turnus werden zwei Tage mit diesen Massnahmen pausiert, und dann erneut Abstriche genommen.
Sind die Ergebnisse weiter positiv, weiter wie bisher.

Informationsquellen :Robert-Koch-Institut
.Informationsseite der Uni-Essen
.Informationsblatt der Uni-Köln
Wie bereits geschrieben ist dies kein Ersatz für einen hauseigenen Standard, und alle Massnahmen sind mit der Hygiene und dem behandelnden Arzt abzusprechen.

Ich hoffe, es hilft

Liebe Grüsse
Dirk
[ 24. März 2003 20:46: Beitrag editiert von Dirk Knück ]

[ 24. März 2003 20:46: Beitrag editiert von Dirk Knück ]
 
H

heiner

Mitglied
Basis-Konto
25.01.2002
69121
Hallo Elvira,
Anal/Scheidenfisteln muß man großzügig chirurgisch angehen.
Aber bei diesem Zustand mit AP Anlage,Morbus Crohn und MRSA,würde ich versuchen die MRSA abheilen zu lassen.Danach schrittweise Therapie der anderen Leiden anzugehen.
Warum hat er eine AP Anlage?Dickdarm CA?
Zusätzlich Psychfarmaka-mehr kann man ja nicht mehr haben!
Bei einem noch jungen Patienten,würde ich doch ein chirurgisches Bett organisieren.
Heiner
;)
 
Qualifikation
ex.Krankenpfleger
Fachgebiet
ambul.Pflege
C

Claudi

Mitglied
Basis-Konto
28.04.2002
Dirk hat recht, Ihr solltet euch auf jeden Fall mit der Hygieneabteilung in Verbindung setzen.

Falls der Keim in der Nase sitzt, muss der Patient Turixin-Nasensalbe erhalten. Auf der Haut oder in den Haaren: dann Waschung mit dem Octenisept-Wasser-Gemisch, wie Dirk es beschrieben hat, oder mit Sanalind-Waschlotion, die desinfiziert auch. Die Isolation darf erst wieder aufgehoben werden, wenn drei negative Abstriche hintereinander erfolgt sind.

Verlegung in die Chirurgie, in ein Einzelzimmer mit Sitzwache, ist nicht möglich?
 
Qualifikation
Krankenschwester, Mentorin
Fachgebiet
Hämatologie/Onkologie
E

Elisabeth Dinse

Gesperrter Benutzeraccount
13.08.2000
00000
Hallo Elvira

Kann es nicht eventuell auch so sein, daß eins das andere bedingt?

Schlechte psychische Verfassung- schlechte Imunabwehr- Entstehung bzw. schlechte Heilung von chronischen Wunden- Minderung der Lebensqualität durch Schmerzen und andere Effekte der Wunden- Verschlechterung der psychischen Belastbarkeit...

Wäre die Frage, wo unterbricht man diesen Kreislauf am sinnvollsten und effektivsten um zu einer Heilung zu kommen. Eine Spontanheilung von Scheiden- Anal- Fisteln ist mir noch nicht begegnet. Ergo, werde ich die Lebensqualität nicht sinnvoll steigern können.
Für mich wäre das chirurgische Problem im Vordergrund unter Beibehaltung der psychiatrischen Behandlung. Eine Unterbringung auf einer Intensivtherapeutischen Station wäre wohl angezeigt. Interdisziplinäre Betreuung wäre das Zauberwort. Fragt sich nur, ob die Chirurgen bzw. Psychiater sich darauf einlassen können, wo doch beide Fachgebiete Welten trennen. ;)

Elisabeth
 
Qualifikation
KS, PA BasStim, FS A/I
Fachgebiet
IBFW
E

Elvira

Mitglied
Basis-Konto
Themenstarter/in
23.10.2002
-
Also die üblichen hygienischen Schutzmaßnahmen werden natürlich beachtet, unsere Hygieneschwester ist in regelmäßigem Kontakt mit uns, auch das Gesundheitsamt, das uns von den querulatorischen ( leider wirklich )Angehörigen auf den Hals gehetzt wurde, hatte an den Maßnahmen nichts zu beanstanden.Nasen und Rachenraum sind nicht besiedelt, "nur" Anal und Scheidenbereich.Ich habe gehofft, daß ihr vielleicht noch zusätzliche Therapievorschläge habt, wie wir pflegerisch vorgehen können.Eine intensive Kooperation zwischen Chirurgie und Psychiatrie würde ich sehr befürworten, aber das geht nun mal leider an der Realität vorbei.Zur Zeit ist die Pat in einem Einzelzimmer untergebracht, hat wegen der Schutzmaßnahmen fast Isolationshaftbedingungen.Ich befürchte unter den derzeitigen Umständen wird ihre Behandlung noch Ewigkeiten dauern.Wißt Ihr etwas Über Medikamentenresorption bei AP ?
 
Qualifikation
Krankenschwester, Stud.Pflegemanagement
Fachgebiet
Psychiatrie
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05.07.2001
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