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Ambulante Pflege und Kundenwünsche

  1. Hallo,

    Ich bin neu hier und auch neu in der ambulanten Pflege. Und von daher sind mir viele Dinge noch nicht geläufig!

    Folgendes: heute in der Spätdiensttour kam der Kollegin der V.a. Schlaganfall bei einem Klienten. Sie riet der Ehefrau und der Tochter einen Rettungswagen zu rufen um das in der Klinik abklären zu lassen. Als die Kollegin das Haus des Klienten verließ, diskutierten die Ehefrau und Tochter darüber, ob sie denn einen Rettungswagen rufen sollen oder nicht.
    Die Kollegin informierte die Pdl.
    Für mich als PK ist es klar, dass ich die Kundenwünsche akzeptieren muss aber aus Sicht der Ehefrau kann ich die Situation nicht verstehen.
    Ich habe das meiner Kollegin auch mitgeteilt und bekam prompt einen Anruf von der Pdl bzgl Kundenwunsch etc., wir sind nicht in der stationären Altenpflege usw.

    Ich habe irgendwie das gefühl, dass ich zu sehr an den stationären Alltag gewöhnt bin. Und deswegen in der ambulanten Pflege an stoße.
     
  2. Hallo,
    ich denke nicht, dass man diese Frage so pauschal beantworten kann, ohne etwas mehr über den Patienten und seine Situation zu wissen.
    Viele Grüße
     
    Bazille gefällt das.

  3. Ein Schlaganfall ist eine absolute Notfallsituation die einen Notarzt erfordert, die Entscheidung ob dieser dazu gerufen wird oder nicht entscheiden nicht die Angehörigen sondern die Pflegefachkraft. Wir leben in einer klagefreudigen Gesellschaft und es kann durchaus auch zu Prozessen kommen bei denen sich die Pflegefachkraft zu verantworten hat, bei solchen Prozessen werden Pflegedokumentationen auseinander gerissen und zwar vom aller feinsten! Ich habe in meiner Weiterbildung das ein oder anderen Gutachten schon gelesen und ich kann sagen --------> Heftig

    Generell sind Kundenwünsche zu beachten aber sollten konform sein mit der Verantwortung der Pflegefachkraft.
     
    Cutter, lulli00 und bowielein gefällt das.
  4. Ich arbeite nicht im ambulanten Pflegedienst sondern nebenberuflich im Hausnotruf.

    Grundsätzlich weiß ich welche Folgen etc. sowas haben kann. Demnach rufe ich einen RTW bzw. Notarzt bei dem der Klient qualitativ den Transport ablehnen kann. Selbst einem NEF kann man nachsagen das er die Zurechnungsfähigkeit des Pat. nicht adäquat beurteilen kann.

    Der Pat. muss ja nicht mitfahren. Zudem entscheidet niemand anders ob der Pat. ins KH will oder nicht. Sondern der Pat selber oder dessen Betreuer.
     
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  5. Ich verstehe das einfach nicht. Wäre die Ehefrau nicht dagewesen, hätte sie einen RTW gerufen und der Klient wäre in der Klinik gelandet.
     
  6. Wie Granny schon schrieb fehlen noch viele Informationen.
    - Gibt es einen gesetzlichen Betreuer?
    - Gibt es einen Bevollmächtigten der auch für das Aufenthaltsbestimmungsrecht zuständig ist?
    - Reagierte der Patient auf Ansprache und konnte er orientiert antworten?
    - Gibt es eine Patientenverfügung?
    … usw ...

    Auf diese Fragen/Antworten ergeben sich sicher wieder neue Fragen. Das Thema ist recht komplex aber nicht unlösbar und kann zu jedem Zeitpunkt auf Pflegekräfte zukommen. Es ist ratsam, wenn man solche Eventualitäten mit der Familie bespricht, bevor sowas eintritt.
     
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  7. Für mich wichtig alles gut dokumentieren mit den wichtigsten Detail und notfalls von Angehörigen gegen zeichnen lassen.
     
  8. Genau so etwas ist im Juni bei meiner Mutter passiert. Es war heiß, sie hatte Kopfschmerzen, hochrotes Gesicht, extreme Gangunsicherheit. Der PD hatte den Verdacht auf Sonnenstich. Der Gatte lehnte den vom ambulanten PD vorgeschlagenen RTW ab, die Mutter, hochdement, natürlich dann auch. Ich habe einen Tag später davon erfahren, auch, dass Erbrechen aufgetreten war. Mein Bruder hat die Mutter zum Hausarzt gefahren und untersuchen lassen, ohne genauen Befund, da Vitalwerte ok waren. Erst die Neurologin, gut 60 Std nach Auffallen der Symptome, hatte den richtigen Verdacht. Es wurde dann im Krankenhaus ein ischämischer Kleinhirninfarkt diagnostiziert, der somit, da zu spät erkannt, nicht mehr reversibel war. Bitte immer den RTW anfordern, ein Mensch in Uniform hat immer eine andere Autorität und Wirkung auf Angehörige und Betroffene als eine "einfache" Pflegekraft. Das ist leider so, aber mir wurde über Jahrzehnte eingehämmert, dass man lieber einmal zu viel als einmal zu wenig den Notruf wählt. Hier sollten alle Vorgesetzten immer hinter ihren MA stehen. Mit dem PD haben wir seitdem nochmal fest vereinbart, dass wir IMMER SOFORT benachrichtigt werden wollen, und dass der Notruf selbstverständlich rausgeht bei Verdachtsfällen.
     
  9. Auch ein Verdacht auf Schlaganfall ist ein eindeutiger Notfall, wer mal auf einer Stroke Unit gearbeitet hat weiss das. In dem Moment sind mir die Wünsche von Angehörigen egal. Ein zurechnungsfähiger Kunde in der ambulanten Pflege darf einen Rettungseinsatz ablehnen, dann wird´s dokumentiert und es ist sein Problem, abgehakt. Aber wie im obigen Fall werde ich das nicht die Angehörigen entscheiden lassen. Die dürfen sich dann gerne mit den RTW´s anlegen, oder später mit mir als PDL. Da stehe ich zu 100% hinter meinen Mitarbeitern, die sich nicht einschüchtern lassen und vernünftig handeln.

    Dennoch kann ich die Unsicherheit der TE verstehen, denn der Spagat in der ambulanten Pflege zwischen Kundenwunsch und Realität ist ein verdammt schwieriger, insbesondere dann wenn man aus dem stationären Bereich wechselt. Aber man lernt... mit der Zeit.

    Und es lohnt sich, ambulante Pflege ist großartig!
     
    #9 Pevaueff
    Zuletzt bearbeitet: 16. August 2019
  10. In dem hier besprochenem Fall ist für mich absolut unklar ob der Patient es wollte oder nicht. Ob der Patient unter Btreuung steht oder nicht. Ob die Ehefrau die Betreuung hat oder nicht/oder "nur" Ehefrau ist -war der Fall dann so klar, dass sie über den Kopf des Ehemannes hätte entscheiden dürfen? Welche Position hat die Tochter? Betreuerin oder nicht? Gleiche Rechtliche Position wie die Ehefrau? Haben Töchter ohne Einwilligung des Betroffenen überhaupt eine rechtliche Position?
    Welche Rechte hat ein Pflegedienst? Also juristisch! Nicht auf Gefühlsebene, da sind wir Pflegenden ja schon oft eher Übergriffig - da ja nur wir Ahnung haben
     
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  11. Es ist schade, dass @crocophant1981 sich nicht meht zu den Fragen bzgl. Patientenverfügung, rechtliche Stellung des Patienten usw. äußert. Insofern können wir hier viel orakeln, aber wie die Situation nun tatsächlich ist/war, ist m. E. schwierig zu beurteilen.
    Und deshalb ist auch die rechtliche Situation schwer zu beurteilen, denn es gibt auch im Recht nicht nur schwarz und weiß.




     
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