Ambulante Pflege in der Öffentlichkeit

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K

Kristin Peter

Mitglied
Basis-Konto
Ich möchte das Thema mal diskutieren, obwohl es so alt wie die Pflegeversicherung ist und viele nur noch abwinken. Aber es hat sich doch an der Aufklährung der Öffentlichkeit über die Inhalte der Pflegeversicherung nichts getan. Pressemitteilungen belaufen sich auf Riesendecubiti, obwohl doch ein Pflegedienst im Einsatz war. Das der Patient vielleicht nur ein Frühstück ´Gebucht`hat, um Geld zu sparen (oder weil er keins hat etc. etc.) und es sich keine Sozialstation oder Pflegedienst leisten kann für 7,- DM am Tag eine Krankenschwester dort hinzuschicken, die auch noch eine hautkontrolle und Lagern und Pflege usw. durchführt, versteht wohl jeder der Rechnen kann. Jeder Pflegedienst hat sicher ne Handvoll Menschen, die er unter der + Grenze versorgt, aber zuviele davon und er ist Pleite. Die Pflegedienstbesitzer mit der Villa und dem ferrari sind eher auch die Seltenheit. Es gibt sogut wie keinen Pflegebedürftigen, der nur ein bischen von den Inhalten der Pflegeversicherung kennt, wenn er sie benötigt. Warum ist es nicht möglich die Öffentlichkeit mal sensibel für die Problematiken der Pflegeversicherung zu machen??? Nicht das ich falsch verstanden werde, ich bin nicht gegen die Versicherung, aber die Inhalte müssen der Öffentlichkeit bekannt sein, um Verständnis für die Schwierigkeiten der ambulanten Pflegedienste zu erhalten.
 
Qualifikation
Krankenschwester,Dipl. Pflegewirtin (FH)
Fachgebiet
ambulant, Fortbildung
S

Siegfried Buttjes

Verstorbenes Forenmitglied
Basis-Konto
Hallo Kristin,

wie wäre es, wenn hier eine detaillierte Beschreibung der Leistungskomplexe stattfinden könnte. Mit einer Beschreibung, was darunter zu verstehen ist und .... ;) was es kostet?

Vielleicht so eine Art Ratgeber? Natürlich sind die Verträge überall anderslautend, aber bei vielen Infos hinsichtlich der Preisgestaltung kann dann ja ein Preis von...bis genannt werden.
 
Qualifikation
Altenpfleger / Heimleiter / QMB
Fachgebiet
Sachverständiger für Pflegeversicherung und Pflegegutachten
K

Kristin Peter

Mitglied
Basis-Konto
Themenstarter/in
Hallo Sigi,
gute Idee, ich bastle mal was zusammen.
 
Qualifikation
Krankenschwester,Dipl. Pflegewirtin (FH)
Fachgebiet
ambulant, Fortbildung
A

alinz

[QB]Hallo Kristin,

wie wäre es, wenn hier eine detaillierte Beschreibung der Leistungskomplexe stattfinden könnte. Mit einer Beschreibung, was darunter zu verstehen ist und .... ;) was es kostet?[/QB]
Hallo Sigi,
hallo Kristin,

der Vorschlag wird doch viele abschrecken. Man nehme 5 Tage in jeweils 4 Wochen und leiste 1x Große Pflege, sowie 4x kleine Pflege, rechne die Hausbesuchspauschalen hinzu und ggf. die Investitionskosten. Dann ist man schon nahe an 750 DM.

Da wird sich ein arbeitender Angehöriger fragen, was an dem "bischen Waschen" so teuer sein kann.

Was Pflege ist und kostet kann ein Laie vielleicht nur erkennen, wenn er/sie mal wie ein Profi pflegt, gleich-zeitig auf die Uhr sieht und die Erlöse mitrechnet.

Ich habe hochmotivierte Laien gesehen, welche ganz langsam und unmerklich ihre Leistungen minimiert haben, weil der Haushalt darunter gelitten hat oder der eigene Körper doch zu sehr schmerzte. Wer das merkt bekommt ein schlechtes Gewissen, nicht genug für den Pflegebedürftigen zu tun, holt sich professionelle Hilfe und fällt nach der ersten (Hoch)rechnung rückwärts vom Stuhl, weil die Rente nicht reicht :(

Gruß, Andreas
 
K

Kristin Peter

Mitglied
Basis-Konto
Themenstarter/in
Hallo Andreas,
Aber genau das ist es was ich meine! Bei uns kommt der Pflegebedürftige mit 1X grosse Pflege und 4X kleine Pflege in der Woche gar nicht mit 750,- DM aus! Es geht doch darum, dass niemand weiss, das die Leistungen der Pflegekasse nicht leistungsdeckend bezahlt werden! Ein pflegebedürftiger in der Pflegestufe 1 muß 90 min Pflege (ohne Hauswirtschaft) nachweisen, um in diese Stufe zu gelangen. Aber es werden bei Inanspruchnahme eines Pflegedienstes maximal 750,- DM im Monat gezahlt. Selbst Menschen die noch der meinung sind Pflegeleistungen können nicht viel kosten, werden sich ausrechnen können, das es sich hier um keine "Vollkaskoversicherung" handelt, sondern um eine Grundabsicherung, die eine private Zuzahlung unbedingt notwendig macht. Wenn schon der Gesetzgeber solche niedrigen Festbeträge ansetzt, wie soll dann Otto Normalverbraucher auf die Idee kommen Pflege kostet Geld?
Informationsdefizite gibt es in den Bereichen:
- Einstufungsvoraussetzungen (wie pflegebedürftig muss ich sein um in eine Pflegestufe zu kommen?)
- Höchstbeträge (Es handelt sich um eine Grundabsicherung mit hoher privater Zuzahlung!)
- Pflegehandlungen sind Dienstleistungen, die ensprechend iheres Know-Hows auch bezahlt werden müssen ( genau wie andere Dienstleistungen auch, Handwerker, Anwälte etc.) ! Wer meint pflegen kann jeder, soll es selber tun (das unterstützt der Gesetzgeber auch mit Geldleistungen) Allerdings sind die unbeschreiblichen Belastungen der pflegenden Angehörigen häufig auch wieder von den professionell Pflegenden aufzufangen.
Ich findes es jedenfalls sehr belastend immer wieder über das Pflegeversicherungsgesetz zu informieren und den Frust der Betroffenen aufzufangen. Dieses Gesetz habe ich nicht geschaffen und ich hoffe, das es bald mal Möglichkeiten gibt, über dieses Gesetz zu informieren.
 
Qualifikation
Krankenschwester,Dipl. Pflegewirtin (FH)
Fachgebiet
ambulant, Fortbildung
A

alinz

Hallo Kristin,

die reinen Worte "Kranken- oder Pflegeversicherung" sind nicht mit den Erwartungen an eine Versicherung deckungsgleich. Der Versicherungskunde erwartet immer eine vollständige Deckung des benannten Risikos, obwohl es in der Praxis schon keine solche Deckung mehr gibt. Selbst die zum Vergleich herangezogene Vollkaskoversicherung überprüft, ob sie leistungspflichtig ist und wird alles daran setzen kein Geld auszugeben. Insofern ist der Vergleich der SGB XI Leistungen mit denen des BSHG weiterhin besser, auch wenn dies meist mit Almosen gleichgesetzt wird.
An den Erwartungen der Leistungsempfänger wird man wohl nicht viel ändern können. Es fehlt die Einsicht, dass mit 1,7 % der Grundlohnsumme nicht alles finanzierbar ist und die Darstellung, was Pflege ist. Eine reine Auflistung und Beratung der Pflegeverrichtungen verschärft das Problem nur.

Wir Profis müssen uns selbst darüber klar werden, dass viele Pflegeverrichtungen von jedermann in gesunden Zeiten durchgeführt werden und professionelle Pflege etwas ist, was weit darüber hinaus geht. Wir lernen Situationen zu beobachten, sich in einen Kontext zu setzen und Folgen einzuschätzen. Daraus werden Strategien zum größtmöglichen Ressourcenerhalt entwickelt und umgesetzt. Das alles ist nur sehr schwer aufzulisten und in Preistafeln zu stecken, bedeutet aber professionelle Pflege.

Die Pflegeversicherung bezuschusst mit einem Beitrag von ca. 50 DM Beitag im Monat aber nur reine Pflegeverrichtungen und nur auf diese wird vom Gutachter des MDK gesehen. Dieser kleine Teilbereich der professionellen Pflege wird aber selbst von Fachleuten als die vollständige Pflege dargestellt.

Wofür bezahlt der Kunde also? Er zahlt dafür, dass neben den sichtbaren Pflegeverrichtngen auch unsichtbare Pflegeleistungen erbracht werden, welche er nicht kennt und die in keiner Preisliste stehen. Insofern ist der Preis, den wir für gerechtfertigt halten für den Kunden zu hoch, weil wir nicht darstellen können, was wir leisten.

Die reinen Pflegeverrichtungen kann jeder erlernen und ausführen. Das alleine führt aber im Laufe der Zeit trotzdem zu einem Pflegedefizit, weil es Verzicht auf den unsichtbaren Teil - eben der professionellen Pflege - bedeutet.

Daraus folgen aber die Fragen, was ist professionelle Pflege, wie stelle ich sie schriftlich dar, kann ich dies selbst niederschreiben?

Ich meine, dass Dein Vorhaben das geschilderte Problem Deiner Eingangsfrage nicht befriedigend beheben kann. Dennoch kann es Klarheit bringen.

Gruß, Andreas

[ 10. August 2001 10:23: Beitrag editiert von alinz ]
 
G

Gerd

Mitglied
Basis-Konto
15.06.2001
Neustrelitz
Hallo Kristin und alle Anderen,
die Aufklärung der Öffentlichkeit über die Pflegeversicherung ist ein Thema, welches immer aktuell sein wird. In der Regel informiert sich aber nur derjenige, der betroffen ist ( interessieren dich Autoreperaturkosten wenn dein Auto ohne Probleme fährt?). Deutlich muß gemacht werden, daß es sich bei der Pflegeversicherung nicht um eine Vollversicherung handelt. So ist es auch vom Gesetzgeber vorgesehen. In unserer reichen BRD ist es aber auch zumutbar, einen Teil seines Einkommens für die Pflege seines Körpers und seines Wohlbefinden auszugeben. Sicher, jetzt kommt die Sprache auf die "armen" alten Menschen. So arm ist der größte Teil der älteren Bevölkerung aber nicht (es wird vererbt wie noch nie, woher kommt es? von den "armen" alten Menschen?). Sicher sind da die Menschen, bei denen das Einkommen nicht reicht, dafür springt dann aber das Sozialamt ein. Die deutschen sollten mal ihren Stolz vergessen und zugeben wenn sie auf Hilfe angewiesen sind. Übrigens gibt es genug Pflegedienstinhaber mit nem Haus und Ferrari. Die machen Ihr Geld aber mit den Behandlungspflegen. Geben den Ärzten Provisionen und machen die ehrlich arbeitenden Pflgedienstinhaber, die wirklich was bewegen wollen in der Pflege, damit kaputt.
Ich wünsch euch viel spaß mit den Diskussionsanregungen.

cu Gerd
 
Qualifikation
Dipl.Sozialarbeiter
Fachgebiet
Pflegedienst
A

alinz

Hallo Gerd,

ich stimme Dir zu, das man sich meist erst dann über einen bestimmten Leistungsumfang eines Dienstleistrers informiert, wenn ein Problem aktuell ist. Das PflegeVG sichert aber das Risiko der Pflegebedürftigkeit ab. Dieses besteht in gesunden und nicht in erkrankten Tagen. Wer sich also frühzeitig (in gesunden Tagen) über den Leistungsumfang informiert, wird dann auch informiert sein, dass es sich um eine "Teilkaskoversicherung" handelt, wer welche Verantwortung behält und unter welchen Voraussetzungen weitergehende Hilfen z.B. nach den BSHG u.a. erhalten kann.

Das Problem Arm oder Reich ist hier nicht mehr statistisch zu sehen. Statistisch stimme ich Dir zu, sind die Deutschen wohlhabend. Krankheit und Pflegebedürftigkeit sind aber ein größeres Problem des nicht wohlhabenden Bevölkerungsteils.
Wohlhabende investieren zu gesunden Zeiten stärker in die gesunderhaltung (auf welche Weise auch immer).

Leider sehe ich auch immer wieder, dass auch bei ausreichend vorhandenen Mitteln des Pflegeliestungsempfängers die Erben ihr Erbe schwinden sehen. Das führt dann auch dazu, dass kein Geld für die Pflegebededürftigkeit ausgegeben wird.

Das Thema Pflegedienstinhaber mit Haus und Ferrari sollte unter dem Topic "schwarze Schafe" losgelöst von dieser Thematik diskutiert werden.

Gruß, Andreas
 
H

heiner

Mitglied
Basis-Konto
25.01.2002
69121
Hallo Ihr Alle
Also der Pflegedienstleiter der ein Haus und einen Ferari
sein Eigen nennt,den gibt es nicht.
Ich bin seit 12 Jahren selbständig,habe es jedoch noch nicht geschafft über einen normalen Kleinwagen wie Nissan oder Lada etc.heraus zu kommen.
Wenn es dann Leute geben sollte,die am Finanzamt vorbei jonglieren können,nennt mit Tips.Ich bin für alles offen...Auf dringende Anwort warte ich.
Heiner
 
Qualifikation
ex.Krankenpfleger
Fachgebiet
ambul.Pflege
Pflegeboard.de

Pflegeboard.de

Administrator
Teammitglied
05.07.2001
www.pflegeboard.de
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