Alzheimer Pat. nach Gasbrandinfektion immobil wieder ins Pflegeheim

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B

bille

Hallo,
bei meinem Vater wurde 1999 Demenz Morb. Alzheimer festgestellt. Nach dem Tod meiner Mutter und einer kurzen Phase bei uns zuhause lebt er seit 2002 in einem Seniorenheim, seit dem Frühjahr in der Demenz-Station wegen der besseren Beschäftigung und seinen nächtlichen Besuchsgängen in andere Bewohnerzimmer. Bis Anfang August war er mobil, hat mit Genuss gegessen und mit den anderen Bewohnern kommuniziert. Trotz des Nachlassens seiner kognitiven Fähigkeiten (Desorientiertheit) war er überwiegend zufrieden. Bei uns zuhause und dann auch im Heim wurde er in Pflegestufe I gesetzt, hat aber kaum die entsprechende Zeit beansprucht, da er bis Anfang des Jahres fast alles auf Anweisung des Personals alleine gemacht hat.

Anfang August hatte er durch Deckplatteneinbrüche (Osteoporose) starke Schmerzen und Probleme beim Aufrichten aus der waagrechten Lage im Bett, im Sitzen auf einem Stuhl, z.T. auch in einem el. verstellbaren Ruhesessel.
Durch die Urlaubszeit mussten wir einen neuen (jungen) Hausarzt konsultieren, der nach einigen anderen Schmerzmittel letztendlich Durogesic 12,5 µg und Novalgin verschrieb.
Ende August zog er sich während einer nächtlichen Pipi-Aktion eine größere Ellbogenwunde mit Bursaeröffnung zu. Während der Versorgung 8 Stunden später entwickelte sich ein Gasbrand, der durch eine inzwischen über 4-wöchige Intensiv-Behandlung im Krankenhaus behandelt wurde. Die Ellbogenwunde ist vorgestern zugenäht worden, 3 weitere 20cm lange Schnitte haben nach 12 Tagen noch die Fäden drin.

Während des Kkh-Aufenthalts hat sich der allgemeine Zustand meines Vaters so weit verschlechtert, dass er jetzt an 0² angeschlossen ist (Atemaussetzer von 25 sec hatte er vorher auch schon), Proteine iv wenigstens für die Wundheilung bekommt, Antibiose sowieso wegen der Infektion, Blasenkatheter. Er kann nicht mehr sprechen, reagiert kaum auf Ansprache, liegt nur auf dem Rücken, entlagert sich auf seiner Gel-Matratze und röchelt vor sich hin. Abhusten geht auch nicht mehr, manchmal schafft er den Schleim bis in den Mund hoch, aber dann müsste jemand zum absaugen da sein....
Duch meine Intervention (ich konnte sein schmerzverzerrtes Gesicht nicht mehr mit ansehen) kamen die Palliativ-Mediziner nach 2 Wochen zu ihm und haben wieder Novalgin, Durogesic (1/2 12,5er? Pflaster) und zusätzlich Voltaren verordnet. Nasensonde hat er sich mehrfach gezogen und auch dieses Nasenteil zur 0²-Versorgung möchte er möglichst weghaben, wenn er denn soviel Kraft hat und mit der Hand bis zur Nase kommt. IV-Zugang hat er sich auch schon mehrfach gezogen.

Meist scheint mein Vater nun schmerzfrei (sein Befinden kann ich nur aus seiner Mimik und evtl. Lautäußerungen bzw. Tränenfluss erkennen), auf Musik reagiert er noch etwas, auf Gesichter nur kurz nach Ansprache oder ebim umlagern.

Eine Verlegung auf die Palliativ-Station ist nach Aussage der Ärzte nicht möglich, da er einen Pflegeheimplatz hat. Zu uns nach Hause traue ich mir inzwischen nicht mehr zu nachdem ich hier im Board über die diversen Tätigkeiten gelesen habe, die zu leisten sind. Der heimische Pflegedienst hat derzeit Personalmangel und auch die (private) Krankenkasse sprach von Hilfsmitteln, die evtl. auf eigene Kosten bestellt werden müssen, wenn der MKD sie nicht befürwortet. Und alles dauert....

Ich kann mich des Gefühls nicht erwehren, dass die Chirurgen nur für die Statistik den "Fall" Gasbrand als "geheilt" entlassen möchten, egal in welchem Zustand! Es wird bis auf die täglichen Atemübungen der Physiotherapeutin keine weitere Maßnahme zur Erhaltung oder Wiederherstellung seiner vorher ja noch vorhandenen Fertigkeiten durchgeführt.

Ich habe Generalvollmacht un d eine (wie sich jetzt herausgestellt hat, zu allgemein verfasste) Patientenverfügung. Da mein Vater derzeit keine Perspektive mehr hat, seine Lebensqualität (Bewegung, Kommunikation und selbsttätige Ernährung) zu erlangen, denke ich, dass er keine lebensverlängernden Maßnahmen mehr bekommen möchte.
Die Ärzte möchten aber keine der derzeitigen Massnahmen (0², iv-Ernährung (lieber wäre ihnen noch die Legung einer PEG)) beenden.

Die Frage für mich ist nun, ob er im Pflegeheim adäquat versorgt wird. Wieviel Zuwendung bekommt er, wenn er nicht gefüttert werden muss (und auch das ist pro Tag ja rel. kurz, wie ich aus Beobachteungen weiss), die Gefahr von Dekubitus besteht, die ärztliche Versorgung bei anhaltenden Lungenproblemen, ...
Nach den Erfahrungen im Hospiz mit meiner Mutter in ihren letzten 10 Tagen stelle ich mir vor, dass auch für meinen Vater eine erfahrenere Pflege in einem Hospiz optimal ist. Ist eine Einweisung in ein Hospiz überhaupt möglich, wenn er einen Heimpflegeplatz hat?

Was kann ich tun/organisieren, damit er nicht weiter leiden muss?
 
R

Rosi S.

Unterstützer/in
Basis-Konto
14.12.2005
München
Ich verstehe Dich absolut. Meine Mutter hat beginnende Demenz und ich überlege mir mind. 10 x am Tag, wie ich in einer solchen Situation wie Deiner wohl reagieren würde. Wir haben auch eine Vorsorgevollmacht, aber keine direkte Patientenverfügung. Wie meinst Du das zu allgemein, auf was müsste man da achten?
Hast du noch Geschwister, damit ihr euch da abwechseln könnt? Wenn nicht zuhause möglich, dann vielleicht im Heim viele Besuche ermöglichen? Ich finde Deine Einstellung völlig in Ordnung, und die Ärzte wollen manchmal überall mitreden. Du siehst warscheinlich, dass Dein Vater nicht so hätte leben wollen. Hat er das vielleicht in guten Tagen mal geäußert? Vielleicht sogar mit Zeugen? Das könnte vielleicht was helfen, auch Dir, damit diese Entscheidung nicht allein auf deinen Schultern lastet.
Eine nähere Angehörige ist vor kurzem gestorben, sie war auch dement und ist dann gestürzt, nach einer Odyssee im KH, Geri,..wieder KH am Schluss noch MRSA! "durfte" sie auf ITS einschlafen, sie haben ihr sogar die Atemhilfe weggenommen, sie hatte eine Patientenverfügung(auch nur 1 Seite, also warscheinlich auch relativ allgemein) . Mit Gespräch mit den Angehörigen und Arzt wurde das so entschieden, es kommt warscheinlich auch auf den Arzt an.
Ich wünsche Dir viel Kraft und Menschen, die Dich begleiten.
 
Qualifikation
Krankenschwester, PA
Fachgebiet
Berufsfachschule
B

bille

Themenstarter/in
Hallo Rosi,
einfach nur "keine lebensverlängernden Maßnahmen..." u. ä. ist zu allgemein!

Wie genau es sein sollte, kannst Du beim Bundesministerium der Justiz nachlesen!
Ich habe gleich für mich eine sehr detaillierte Verfügung zusammengestellt!
Mit den Textbausteinen bekommt man da gute Auswahlmöglichkeiten!

Leider ist mein Bruder in Australien, weitere Verwandte in der näheren Umgebung gibt es nicht! Mein Vater hat alle überlebt.

Mitreden der Ärzte ist sehr gelinde ausgedrückt! Obwohl ich vor der Op schon gesagt habe, dass keine verlängernden Maßnahmen außer der Intubierung für die OP durchgeführt werden sollen, haben sie ihm die Nasensonde gelegt!

Unsicher bin ich auch, ob die Gel-Matratze gut ist für Alzheimer Patienten! Wegen der möglichen Orientierungslosigkeit! Die Thevo Matratze ist leider unbezahlbar. Hat schon mal jemand solch eine Matratze für einen Bewohner von der Kasse bezahlt bekommen?
Kann man sie evtl. leasen?

Bedrückte Grüsse von Bille
 
B

BettinaK.

Mitglied
Basis-Konto
Hallo Bille,

erst mal... lass dich ganz fest drücken... so...

Es ist eine elende "Teufelsspirale"... ein dementer Mesch stürzt... Krankenhausaufenthalt... noch mehr Desorientiertheit... die ungewohnte Umgebung, die ungewohnten Geräusche usw... Intensivstation... Viele, viele Schläuche in einem Körper... Schläuche, die da so nicht hingehören und das ist es, was dein Vater merkt, deshalb werden sie auch rausgerissen. Er hat seinen Körper ja so in Erinnerung und vor seinem inneren Auge, wie er aussah... ja... vielleicht vor 20, 30, 40 Jahren? Ich weiß nicht, wohin er sihc zurückgezogen hat. Die Geräusche einer Intensivstation machen Angst... Menschen wuseln um ihn herum er wird ständig berührt, angefasst, auf einer Intensivstation erfolgt laut einer Studie von Prof. Hannig alle 5 Minuten irgendeine Berührung von irgendeiner Schwester/Pfleger/Arzt... Manche Menschen werden aggressiv, das nennt man dann taktile Abwehr, andere ziehen sich in sich zurück... auf ihre kleine Insel... wie dein Vater.

Ich habe aber noch nie gehört, dass Menschen, die in einem Pflegeheim wohnen nicht auf die Palliativstation dürfen... frag da doch mal beim Sozialdienst der Klinik nach... und bei den Krankenkassen... Ärzte labern in diesen Beziehungen manchmal ziemlichen Müll (meine ganz persönliche, subjektive Meinung ;-))

Mein Rat... geh zum Sozialdienst der Klinik, lass dir von denen helfen, die wissen am besten Bescheid... frag bei den Krankenkassen direkt nach...

Viele liebe Grüße

Bettina
 
Qualifikation
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Geriatrische Rehabilitation
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