Ärztestreik an kommunalen Krankenhäusern

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acki

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09.06.2006
96250
Hallo zusammen! Auch an unserem Krankenhaus wird von seiten der Ärzte im Moment gestreikt. Mich würde interessieren wird bei euch auch gestreikt und was haltet ihr davon. Ich denke das der Ärztestreik wieder mal auf dem Rücken der Pflege ausgetragen wird. Ein weiterer Stellenabbau in der Pflege ist durch höhere Ärztegehälte einfach nicht hinzunehmen. Wann geht die Pflege endlich auf die Straße? In den letzten Jahren wurde die Stellen für dir Ärzte um 4% erhöht und im gegenzug die stellen für die Pflege um 4% gestrichen. Auch denke ich, daß die Arbeitsbelastung der Ärzte selbst verschuldet ist. Durch z.B. ein 3 - Schichtmodell für Ärzte wie es in der Pflege schon seit Jahren existiert würde sich das Problem schon minimieren. Auch ist das Gehalt der Ärzte hoher als in vielen anderern akademischen Berufen. Eure Meinung zu diesem akuellen Thema würde mich sehr interessieren. Grüße Acki
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
Innere Medizin
S

Surrogat

An meinem Arbeitsplatz wird von ärztlicher Seite nicht gestreikt - was allerdings daran liegt das wir ein kirchliches Haus sind und der AVR Regelung unterliegen.

Eine weitere massive Reduktion von Pflegepersonal aufgrund einer Erhöhung des Ärztegehalts halte ich, neben dem Faktor das ich es mir selbstredend nicht wünschen würde, für eher unwahrscheinlich (welcher Arbeitgeber bricht sich denn freiweillig das Rückrad - das die Pflege mit dem Gros an Arbeitskräften in einem Haus stellt-, ausser er will Konkurs anmelden und sich privatisieren lassen) - denke eher das Privilegien wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld und Schichtzulagen weiter gekürzt bzw. so vorhanden ganz abgeschafft werden oder das Grundgehalt hausintern gesenkt und die arbeitszeit auf Bundesebene einheitlich auf 40h festgesetzt wird.

Wann geht die Pflege endlich auf die Straße?
So wie es im Augenblick läuft: nie.
Es ist in vielen Bereichen ja schon zuviel Aufwand eine Gruppe von Pflegekräften dazu zu bringen eine Überlastungsanzeige an die PDL zu schicken und sich nicht nur in kleinem Kreis bei einer Tasse Kaffe über die Ungrechtigkeit in der Dienstplangestaltung auszulassen...um prompt wieder zu verstummen sobald mal eine wirkliche Aktion gefragt ist.
Hier mangelt es primär an der Organisation.
"Pflegekammer" und "Einheitliche Gewerkschaft für Pflegekräfte" wären ja schon mal ein Schritt in die richtige Richtung - denn von Verdi mit ihren völlig haltlosen Vorstellungen bzgl. Kündigungsschutz und Lohnsteigerung kann sich doch kein halbwegs realistisch denkender Mensch noch vertreten fühlen - Gewerkschaftfunktionäre bedienen primär mal die eigene Tasche und irgendwelche Phantasiegebilde und Seilschaften aus den 70ern.
Also braucht man dringend eine Organisation die den Willen aller berufliche Pflegenden bündelt und nach aussen auch aggressiv vertritt, aber das Interesse an Initiativen in diese Richtung scheint mehr als dürftig.

Siehe zum Beisspiel mal das Projekt "Freiweillige Registrierung".
Gestartet am 12. Mai 2003.
Ich bin seit ein paar Monaten registriert und lt. Mitgliedsnummer irgendwo in der Ecke um die 12.000 - klingt viel, ist es aber nicht wenn man bedenkt das ein kleines Kreiskrankenhaus teils schon an die 200 Pflegekräfte hat...

Die Ärzte haben die BÄK und Organisationen wie den Hartmannbund und Marburger Bund mit zusammen knapp 90.000 Mitgliedern - da kann man schon eher etwas bewegen.


Auch ist das Gehalt der Ärzte hoher als in vielen anderern akademischen Berufen.
o_O
...wenn man sie mit den zahlreichen Geisteswissenschaftlern vergleicht (sofern man einen findet der nicht gerade als Praktikant oder auf einer 400€ -Stelle arbeitet) sicher - in meinem direkten Freundes- und Bekanntenkreis gibt es keinen einzigen Akademiker ausser einer Grundschulpädagogin die weniger verdient als meine Freunde aus dem ärztlichen Bereich - dies alles natürlich auf die Anzahl an tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden gerechnet und von Dingen wie Sonderprämien, Firmenwagen, nebenamtlichen Beraterverträgen etc. bereinigt, die diese Distanz nur noch weiter vergrössern würden.

Ein Assistenzarzt in meinem Alter verdient Brutto knapp 700 Euro mehr als ich...verglichen mit den drei Jahren längerer Ausbildung und dem erheblich höheren Anteil nicht delegierbarer Verantwortung ist diese Differenz der blanke Hohn.


Durch z.B. ein 3 - Schichtmodell für Ärzte wie es in der Pflege schon seit Jahren existiert würde sich das Problem schon minimieren.
...und wer soll sich das leisten können?
Das 3-Schichtmodell der Pflege klappt nämlich nur so gut weil wir den Ärzten pro Station in etwa im Faktor 4:1 überlegen sind.
Heisst also: Neueinstellungen zur Senkung der Arbeitsbelastung - und genau das will ja auch der Marburger Bund; doch wie finanzieren ausser durch Beitragserhöhungen?

Fazit:
Der Streik der Ärzteschaft ist auf Assistenzarztebene völlig begründet und findet meine Zustimmung - das das ganze auf dem Rücken anderer ausgetragen wird ist in einem sozialen Beruf leider nicht vermeidbar, aber die Zustände müssen sich ändern und das übliche Herumdiskutieren auf gehobenem Niveau bringt niemals eine Veränderung sondern nur eine Verkrustung bereits bestehender Strukturen und langfristig eine weitere Eskalation. (siehe UN und der Nahe Osten).

Zitat eines Oberarztes: "Die Arbeitsbedingungen heute sind teilweise sogar besser als zu meiner Assistenarztzeit.Nur wussten wir, das geht ein paar Jahre so und dann geht man in die eigene Praxis oder macht seinen Facharzt und alles wird besser. Aber die jungen Kollegen heute, die müssen sich drauf einstellen das es nie besser wird und sie für immer in der Klinik bleiben müssen ob sie wollen oder nicht."
 
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acki

Neues Mitglied
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Themenstarter/in
09.06.2006
96250
Hi! Das mit dem 3-Schichtmodell ist nur ein Beispiel von vielen Möglichkeiten. Ich glaube einfach das eine großer Teil der von den Ärzten angeprangerten Arbeitsbelastung auch eine Folge schlechter Organisation ist. Es müsste sich mal etwas an den festgefahrenen hierarchischen Strukturen ändern.
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
Innere Medizin
A

anästhesie

Mitglied
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12.06.2006
92224
hallo!

ich gebe da surrogat total recht mit seiner meinung und stimme ihm voll zu.

bei uns im klinikum wird jetzt auch seit eingen wochen gestreikt, und ich finde es richtig, das die ärzte zusammen auf die strasse gehen-nur so kann man etwas bewegen!
bei uns pflegekräften liegt es echt daran, dass es ein "frauenberuf" ist, und die meisten wohl nach ein paar jahren beruf in das "familienleben" übergehen und aus dem job ausscheiden und dass die pflege einfach nicht stark genug organisiert ist, um sich in diesem mase durchzusetzen!!
ich bin zwar nicht freiwillig registriert, habe aber davon gelesen, dass der marburger bund auch überlegt für pflegekräfte zu öffnen, da werd ich dann auch dabei sein, schliesslich sieht man, dass sich die für ihre leute einsetzen und etwas bewegen!!!

es sollt ein komplett neuer tarifvertrag für die angestellten im gesundheitswesen ausgehandelt werden egal ob arzt, schwester, pfleger, therapeut oder ähnliches, unsere berufsgruppern sind einfach nicht mit anderen aus dem öffentlich dienst zu vergleichen wie busfahrer oder ein angestellter bei ner versicherung oder ähnliches, die verantwortung die wir alle tragen sollte auch irgendwie honoriert werden!!

abgesehen davon, dass mein freund auch arzt ist, find ich dass die ärzte viel zu wenig verdienen, für die lange ausbildungszeit die sie haben, die verantwortung die sie tragen und die stunden, die sie in der klinik leisten müssen.
wer will denn nach abitur, das auch noch sehr gut sein muss, noch 6 jahre studieren und dann 50- 60 stunden in der klinik arbeiten?
da lachen sich doch die anderen akademiker krank!
haben teilweise nur 4 jahre studiert und verdienen wahrscheinlich das doppelte von den ärzten.
da hat ja eine krankenschwester schon einen besseren stunden lohn, umgerechnet.
wenn man dann die schulzeit und die "ausbildungszeit" der ärzte mit dazurechnet, dann wird das ja schon fast ein verlustgeschäft.
ne krankenschwester fängt unter umstäden mit 17 jahren das lernen an, bekommt schon ein ausbildungsgehalt und ist so mit 21 fertig und bekommt dann den vollen lohn. ärzte können da erst frühestens mit 26 ins berufsleben einsteigen und haben damit schon eine ganze menge verlust gemacht.

ist auch nicht verwunderlich dass nur noch so wenig motiviert sind medizin zu studieren und wenn sie medizin studieren dann meist in die forschung oder ins ausland gehen.
finde es völlig gerechtfertigt dass die assistensärzte auf die strasse gehen, schliesslich wollen sie auch einen besseren lohn für ihre nachfolger und die jungen kollegen erstreiken, die ja durch den tvöd total beschnitten werden.

sieht man ja auch schon bei uns, dass die jungen pflegekräfte schon nicht mehr die altersstufen erreichen können wie unsereins oder ältere kollegen sie bereits haben, somit sind auch die jungen kollegen von uns bereits beschnitten.
auch das weihnachts- und urlaubsgeld ist schon gekürzt.

man sollte sich erst einmal über die tieferen hintergründe dieses streiks informieren und gedanken machen, bevor man einfach dagegen losschimpft.

trotz allem sind wir ein team im krankenhaus, und keine gegner.
und nur weil die medien jetzt die bevölkerung aufscheuchen und publizieren dass die lohnerhöhungen der ärzten zu lasten der pflegepersonalstellen gehen sollte man nicht grundlos gegen den ärztestreik wettern und ersteinmal hinter die kulissen schauen.
nur vom ducken, nichtsmachen und zurückstecken ist noch nichts bewegt worden, man sieht ja das ergebnis beim pflegepersonal.
vielleicht ist es auch ein großer schritt für unsere zukunft wenn der marburger bund ihre forderungen durchsetzt, und sich dann auch stark macht fürs pflegepersonal- diese lobby fehlt uns nämlich!!

grüße anästhesie
 
Qualifikation
fachkrankenschwester für anästhesie und intensivpflege
Fachgebiet
anästhesie-intensiv
A

anästhesie

Mitglied
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12.06.2006
92224
hallo!

ich gebe da surrogat total recht mit seiner meinung und stimme ihm voll zu.

bei uns im klinikum wird jetzt auch seit eingen wochen gestreikt, und ich finde es richtig, das die ärzte zusammen auf die strasse gehen-nur so kann man etwas bewegen!
bei uns pflegekräften liegt es echt daran, dass es ein "frauenberuf" ist, und die meisten wohl nach ein paar jahren beruf in das "familienleben" übergehen und aus dem job ausscheiden und dass die pflege einfach nicht stark genug organisiert ist, um sich in diesem mase durchzusetzen!!
ich bin zwar nicht freiwillig registriert, habe aber davon gelesen, dass der marburger bund auch überlegt für pflegekräfte zu öffnen, da werd ich dann auch dabei sein, schliesslich sieht man, dass sich die für ihre leute einsetzen und etwas bewegen!!!

es sollt ein komplett neuer tarifvertrag für die angestellten im gesundheitswesen ausgehandelt werden egal ob arzt, schwester, pfleger, therapeut oder ähnliches, unsere berufsgruppern sind einfach nicht mit anderen aus dem öffentlich dienst zu vergleichen wie busfahrer oder ein angestellter bei ner versicherung oder ähnliches, die verantwortung die wir alle tragen sollte auch irgendwie honoriert werden!!

abgesehen davon, dass mein freund auch arzt ist, find ich dass die ärzte viel zu wenig verdienen, für die lange ausbildungszeit die sie haben, die verantwortung die sie tragen und die stunden, die sie in der klinik leisten müssen.
wer will denn nach abitur, das auch noch sehr gut sein muss, noch 6 jahre studieren und dann 50- 60 stunden in der klinik arbeiten?
da lachen sich doch die anderen akademiker krank!
haben teilweise nur 4 jahre studiert und verdienen wahrscheinlich das doppelte von den ärzten.
da hat ja eine krankenschwester schon einen besseren stunden lohn, umgerechnet.
wenn man dann die schulzeit und die "ausbildungszeit" der ärzte mit dazurechnet, dann wird das ja schon fast ein verlustgeschäft.
ne krankenschwester fängt unter umstäden mit 17 jahren das lernen an, bekommt schon ein ausbildungsgehalt und ist so mit 21 fertig und bekommt dann den vollen lohn. ärzte können da erst frühestens mit 26 ins berufsleben einsteigen und haben damit schon eine ganze menge verlust gemacht.

ist auch nicht verwunderlich dass nur noch so wenig motiviert sind medizin zu studieren und wenn sie medizin studieren dann meist in die forschung oder ins ausland gehen.
finde es völlig gerechtfertigt dass die assistensärzte auf die strasse gehen, schliesslich wollen sie auch einen besseren lohn für ihre nachfolger und die jungen kollegen erstreiken, die ja durch den tvöd total beschnitten werden.

sieht man ja auch schon bei uns, dass die jungen pflegekräfte schon nicht mehr die altersstufen erreichen können wie unsereins oder ältere kollegen sie bereits haben, somit sind auch die jungen kollegen von uns bereits beschnitten.
auch das weihnachts- und urlaubsgeld ist schon gekürzt.

man sollte sich erst einmal über die tieferen hintergründe dieses streiks informieren und gedanken machen, bevor man einfach dagegen losschimpft.

trotz allem sind wir ein team im krankenhaus, und keine gegner.
und nur weil die medien jetzt die bevölkerung aufscheuchen und publizieren dass die lohnerhöhungen der ärzten zu lasten der pflegepersonalstellen gehen sollte man nicht grundlos gegen den ärztestreik wettern und ersteinmal hinter die kulissen schauen.
nur vom ducken, nichtsmachen und zurückstecken ist noch nichts bewegt worden, man sieht ja das ergebnis beim pflegepersonal.
vielleicht ist es auch ein großer schritt für unsere zukunft wenn der marburger bund ihre forderungen durchsetzt, und sich dann auch stark macht fürs pflegepersonal- diese lobby fehlt uns nämlich!!

grüße anästhesie
 
Qualifikation
fachkrankenschwester für anästhesie und intensivpflege
Fachgebiet
anästhesie-intensiv
R

Rosi S.

Unterstützer/in
Basis-Konto
14.12.2005
München
Stimme anästhesie und surrogat vollkommen zu
 
Qualifikation
Krankenschwester, PA
Fachgebiet
Berufsfachschule
FranziD

FranziD

Neues Mitglied
Basis-Konto
22.01.2006
24211
...man sollte sich erst einmal über die tieferen hintergründe dieses streiks informieren und gedanken machen, bevor man einfach dagegen losschimpft...

...oder aber dafür.

Ich kann sehr gut verstehen daß man für höhere Gehälter auf die Straße geht. Schließlich verdienen alle die im Krankenhäusern arbeiten eigentlich zu wenig (Außnahmen wie Chefärzte etc. bestätigen natürlich die Regel!).

Der Marburger Bund hat bis zum Schluß mit am Verhandlungstisch zum TVöD gesessen und mit verhandelt. Kurz vor Abschluß haben sie ihren Austritt aus der Solidargemeinschaft verkündet und den TVöD als nicht akzeptabel hingestellt.
Da frage ich mich warum sie nicht während der Verhandlungen darauf hingewirkt den TVöD akzeptabel zu gestalten?

Nach ihrem Austritt haben sie dann die Ärzte mobilisiert um für deren Rechte zu streiten.
Warum haben sie es nicht schon während der Tarifverhandlungen getan?
Für alle Berufsgruppen im Krankenhaus?

Während der nun folgenden Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst mit den Ländern ist auf die meisten Forderungen der Ärzte eingegangen worden. Der Abschluß des MB mit den Ländern weicht nur in wenigen Punkten von denen des TVöD mit den Ländern ab.
Drängt sich da nicht der Schluß auf das es dem MB nur um eine tarifliche Abspaltung von den anderen Berufsgruppen (Machtgewinn?) geht?
Ist es nicht sogar einfacher nur für eine Berufsgruppe in Krankenhäusern etwas zu erreichen besonders wenn sie eine Lobby wie die Ärzte haben?

Wer glaubt wirklich das in Zeiten gedeckelter Budgets Lohnerhöhungen für eine Berufsgruppe nicht zu Lasten der anderen Beschäftigten umzusetzen ist? Die Vergangenheit zeigt das Einsparungen immer nur über Lohnsenkungen und Stellenabbau verwirklicht wurden.

Ich denke auch das die Ärzte mehr Geld verdienen sollten. Aber nicht nur die Ärzte. Und vor allem nicht auf Kosten anderer...:sick:
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
Endoskopie
Monika58

Monika58

Aktives Mitglied
Basis-Konto
26.09.2005
Bonn
vielleicht ist es auch ein großer schritt für unsere zukunft wenn der marburger bund ihre forderungen durchsetzt, und sich dann auch stark macht fürs pflegepersonal- diese lobby fehlt uns nämlich!!

grüße anästhesie
Es ist mit völlig neu, dass der MB sich auch nur im Geringsten um das Pflegepersonal kümmert .... und ich erkenne auch nicht, dass er das in Zukunft zu tun gedenkt
 
Qualifikation
Lehrerin für Pflegeberufe, Qualitätsmanagerin
Fachgebiet
Leiterin Fachseminar für Altenpflege
S

Susen

Gut finde ich, daß sich Ärzte derzeit engagieren und ihre Erfahrungen machen müssen, wie das so ist, wenn man streikt und mit welchen Widerständen man dann umgehen muß.
Ansonsten habe ich Probleme mit der Entsolidarisierung der Berufsgruppen. Ich habe erlebt, daß in der Vergangenheit, wenn auch im Krankenhausbereich gestreikt/ demonstriert wurde, auch die Kollegen der Müllabfuhr, vom ÖPNV, der Polizei etc. mit auf der Straße waren und wir so einfach viel mehr Menschen waren, die ein gemeinsames Ziel verfolgten. Wenn wir nur als Krankenhausbeschäftigte auf die Straße gegenagen wären, hätten wir uns in einer Telefonzelle treffen können. Das hätte doch fast niemand mitbekommen, zumal wir aufgrund unserer Tätigkeiten und den damit verbundenen Verantwortungen auch nur begrenzt streiken können.
Ich sehe in der jetzigen Streikaktion vor allem das Bemühen des MB, sich als "Tarifpartner" zu profilieren. Ich habe viel Kritik am Tvöd und den Verhandlungsergebnissen von Verdi, daher ist es eine günstige Situation, jetzt in die Öffentlichkeit zu gehen. Aber was soll das für ein "Tarifparnter" sein, der keine Streikkasse hat und die Streikenden so dazu zwingt, Überstunden als Streik abzufeiern?
In unserer Klinik sind alle Berufsgruppen im gleichen Tarifgefüge und das finde ich auch gut so. Unsere Ergebnisse in der Patientenversorgung erbringen wir schließlich gemeinsam, jede und jeder in seinem Bereich.
 
Bethke Axel

Bethke Axel

Mitglied
Basis-Konto
27.02.2002
24118
Hallo,
so ganz stimme ich anästhesie nicht zu.

bei uns im klinikum wird jetzt auch seit eingen wochen gestreikt, und ich finde es richtig, das die ärzte zusammen auf die strasse gehen-nur so kann man etwas bewegen!
Warum gehen die Ärzte auf die Strasse? Eigentlich wegen der schlechten Arbeitszeiten. Welcher Arzt tritt denn in seiner Klinik dafür ein, dass das EuGH Urteil zum Arbeitszeitgesetz umgesetzt wird?
Der Arzt hat auch eine 38,5h Woche, wenn er die Bereitschaftsdienste die er leistet auszahlen lassen möchte, dann muß er halt länger arbeiten. Wenn er dies nicht will, verdient er halt weniger als früher wo er 60h gearbeitet hat - ist ja auch logisch, man kann nicht alles haben.
Wenn der Arzt jetzt aber wie in den meisten Kliniken üblich länger arbeitet und sich dann die Stunden nicht aufschreibt ist das sein ganz persönliches Problem. Wer Arbeitskraft seinem Arbeitgebner schenkt scheint halt sehr sozial zu sein.

bei uns pflegekräften liegt es echt daran, dass es ein "frauenberuf" ist, und die meisten wohl nach ein paar jahren beruf in das "familienleben" übergehen und aus dem job ausscheiden und dass die pflege einfach nicht stark genug organisiert ist, um sich in diesem mase durchzusetzen!!!
Aber auch viele Männer setzen sich nicht für ihre Belange ein, das liegt am Charakter von Krankenpflegekräften. Im Innersten haben wir alle noch einen Hauch von Florence Nightingale in uns.

ich bin zwar nicht freiwillig registriert, habe aber davon gelesen, dass der marburger bund auch überlegt für pflegekräfte zu öffnen, da werd ich dann auch dabei sein, schliesslich sieht man, dass sich die für ihre leute einsetzen und etwas bewegen!!!
Naja was bewegt der Marburger Bund denn? Er schädigt die Krankenhäuser, denn wo kein Geld ist wird auch durch einen Streik nicht mehr sein. Aber in die Politik geht der Marburger Bund nicht. Zum Beispiel die Ablehnung Privatpatienten zu behandeln, außer die Politik gibt mehr Geld in den Topf Gesundheitswesen, der dann auch gerecht verteilt werden kann.
Der Marburger Bund geht jetzt wo es den Staat schlecht geht auf die Straße und will mehr Geld für die Ärzte erstreiken, aber an den Strukturen nichts verbessern z.B. die Ausbildung von deutschen Ärzten an den Kliniken verbessern, die grottenschlecht ist, nein das ist nicht das Ziel.

es sollt ein komplett neuer tarifvertrag für die angestellten im gesundheitswesen ausgehandelt werden egal ob arzt, schwester, pfleger, therapeut oder ähnliches, unsere berufsgruppern sind einfach nicht mit anderen aus dem öffentlich dienst zu vergleichen wie busfahrer oder ein angestellter bei ner versicherung oder ähnliches, die verantwortung die wir alle tragen sollte auch irgendwie honoriert werden!!
Mehr Geld finde ich natürlich gut, aber warum sprichst du dem Busfahrer Verantwortung ab?
Ich möchte gerne gesund, lebend und wohlbehalten mit dem Bus fahren können, dafür brauche ich einen kompetenten und ausgebildeten Busfahrer. Das ist das gleiche was der Patient von mir erwartet.
Außerdem darfst du ja sowieso nichts ohne deinen grossen Guru Arzt machen, der trägt ja für alles die Verantwortung. Ob er Ahnung hat oder nicht, denn manchmal stecke ich den Arzt in die Tasche mit dem Wissen was ich mir in meinem Beruf angeeignet habe.

abgesehen davon, dass mein freund auch arzt ist, find ich dass die ärzte viel zu wenig verdienen, für die lange ausbildungszeit die sie haben, die verantwortung die sie tragen und die stunden, die sie in der klinik leisten müssen.
Ein vergleichbarer Akademiker im öffentlichen Dienst verdient weniger. Und welcher Akademiker kann sich nieder lassen und dann eine goldene Nase verdienen?

wer will denn nach abitur, das auch noch sehr gut sein muss, noch 6 jahre studieren und dann 50- 60 stunden in der klinik arbeiten?
da lachen sich doch die anderen akademiker krank!
haben teilweise nur 4 jahre studiert und verdienen wahrscheinlich das doppelte von den ärzten.
da hat ja eine krankenschwester schon einen besseren stunden lohn, umgerechnet..
Die Ärzte lernen doppelt so lange wie wir und verdienen auch mehr.
Andere Akademiker mit nur 4 Jahren Studium und höherer Verdienst den zeige mir mal.
Ärzte haben wie wir die 38,5h Woche und verdienen in der untersten Entgeltgruppe 3400€, soviel habe ich nicht ohne Dienste.

ärzte können da erst frühestens mit 26 ins berufsleben einsteigen und haben damit schon eine ganze menge verlust gemacht..
Jetzt frage ich mal provokant, wurde der Arzt zu seiner Ausbildung gezwungen?
Oder wurde er über die Rahmenbedingungen angelogen?
Wenn nicht darf er jetzt nicht jammern.

ist auch nicht verwunderlich dass nur noch so wenig motiviert sind medizin zu studieren und wenn sie medizin studieren dann meist in die forschung oder ins ausland gehen.
Es gibt nicht zu wenige Mediziner sondern zu viele und wer nicht in Deutschland arbeiten will, den hält niemand.

finde es völlig gerechtfertigt dass die assistensärzte auf die strasse gehen, schliesslich wollen sie auch einen besseren lohn für ihre nachfolger und die jungen kollegen erstreiken, die ja durch den tvöd total beschnitten werden.

sieht man ja auch schon bei uns, dass die jungen pflegekräfte schon nicht mehr die altersstufen erreichen können wie unsereins oder ältere kollegen sie bereits haben, somit sind auch die jungen kollegen von uns bereits beschnitten.
auch das weihnachts- und urlaubsgeld ist schon gekürzt.
Mit dem Tarifabschluss von ver.di bin ich auch nicht zufrieden, aber ist eine Pflegekraft aufgestanden und hat gesagt - ver.di was hast du da für einen Mist verhandelt-? Nein hat niemand gemacht. Hier muß ich sagen Hut ab ihr Ärzte.
Aber bitte überlegen was ihr erstreiken wollt.


man sollte sich erst einmal über die tieferen hintergründe dieses streiks informieren und gedanken machen, bevor man einfach dagegen losschimpft..
Genau

trotz allem sind wir ein team im krankenhaus, und keine gegner..
Seit wann?
Ich habe noch keinen Mediziner gesehen, der einer Schwester geholfen hat, weil sie ihre Arbeit nicht geschafft hat, weil er soviel angeordnet hat.

vielleicht ist es auch ein großer schritt für unsere zukunft wenn der marburger bund ihre forderungen durchsetzt, und sich dann auch stark macht fürs pflegepersonal- diese lobby fehlt uns nämlich!
Wenn der Marburger Bund seine Vorderungen durchsetzt und das Budget gedeckelt bleibt, kann das nur kompensiert werden, wenn Personal abgebaut wird.
Warum fehlt uns die Lobby? Weil der Arzt immer unser "Meister" war, wir sind doch nur das Fußfolk.

Grüsse
Axel
 
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Ltd. Krankenpfleger
Fachgebiet
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Pflegeboard.de

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Teammitglied
05.07.2001
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