Ärztearbeit übernehmen?

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Rosi S.

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14.12.2005
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Hey Leute, lest doch bitte mal folgendes: Aus dem DocCheck dieser Woche

Rosige Aussichten für Ärzte


Beinahe acht Stunden täglich, fand das Universitätsklinikums Münster (UKM) in einem Testlauf heraus, könnte ein Arzt einsparen, wenn Mitarbeiter des Pflegepersonals einige seiner üblichen Aufgaben übernehmen würden. Beflügelt von diesen Aussichten begannen zunächst zwei Abteilungen am UKM, die Theorie in die Praxis umzusetzen - und verhalfen damit Ärzten zu mehr Zufriedenheit.

Keine Spritzen mehr setzen

Wäre nur ein Arzt auf einer klinischen Station beschäftigt, wäre dieser Arzt den ganzen Tag - theoretisch acht Stunden lang - damit zu Gange, Blut zu entnehmen, Infusionen zu legen und Medikamente intravenös zu verabreichen. Dafür, kam der Vorstand am Münsteraner Universitätsklinikum überein, sei die Arbeit von Ärzten einfach zu teuer. Und schließlich, erklärt Prof. Dr. Norbert Roeder, Ärztlicher Direktor des UKM, hätte früher Tätigkeiten wie diese ohnehin das Pflegepersonal übernommen.
Der Entschluss, bestimmte Tätigkeiten, die derzeit Ärzte ausführen, dem Pflegepersonal zu übertragen, war gefasst. Zwei Monate lang schulten UKM-Ärzte das dortige Pflegepersonal und führten es in die neuen Aufgaben ein. Es wurden Vereinbarungen getroffen, bei welchen Arzneimitteln die Pflegekraft zum Einsatz kommen darf und bei welchen es Sinn macht, einen Arzt das Medikament verabreichen zu lassen. "Wir haben die Aufgabenteilung nicht dogmatisch festgelegt, da man in gewissen Situationen spontane Entscheidungen treffen muss", berichtet Michael Rentmeister. Außerdem, sagt der Pflegedirektor am UKM, sollten junge Ärzte manche Tätigkeiten ja auch noch lernen.
Der Kettenverlauf

Wenn Ärzte Aufgaben abgeben und Pflegekräfte diese Aufgaben übernehmen, bedeutet das für sie gleichzeitig zusätzliche Arbeit. Deshalb, erläutert Rentmeister, habe der Vorstand an dieser Stelle weitergedacht - "wir sind die Kette von oben nach unten durchgegangen". Auch das Pflegepersonal seinerseits sollte Aufgaben abgeben. So kamen die UKM-Mitarbeiter überein, dass sich Arzthelferinnen anstelle der Pflegerinnen um den Transport von Patienten zur Röntgenabteilung kümmern könnten. Die Bestellung von Medikamenten, das Austragen des Essens oder die Organisation von Untersuchungsterminen könnten wiederum Sekretärinnen anstelle der Arzthelferinnen übernehmen. Auf diese Weise, betont Rentmeister, fühlt sich keine Berufsgruppe überlastet.
Trotzdem steht am Ende des Kettenverlaufs die Notwendigkeit, das Personal aufzustocken. "Da wir jedoch keine neuen Ärzte einstellen müssen, sondern beim ärztlichen Personal Geld einsparen, kann am Ende sogar ein ökonomischer Gewinn stehen", gibt sich Rentmeister optimistisch. Damit sollte eine personelle Aufstockung im Pflegebereich oder bei den Schreibkräften kein Problem mehr sein.
Alle ziehen an einem Strang

Bis Ende August noch läuft auf zwei UKM-Abteilungen - in der dortigen Hautklinik und auf der Abteilung für Hämatologie und Onkologie - die Testphase. Roeder zufolge sind die Ärzte, die auf den Abteilungen arbeiten, "sehr zufrieden", schließlich spüren sie die Entlastung durch die Umverteilung deutlich. Nach Auslaufen der Testphase werden die Ergebnisse evaluiert, dann wird das Kettensystem auf die restlichen 32 Abteilungen der Universitätsklinik übertragen. "Alle warten bereits darauf, dass es losgehen kann", so Pflegedirektor Rentmeister.
"Medizin-light" oder sinnvolles Übertragen von Aufgaben?

Die Frage, wann und ob Tätigkeiten, darunter auch ärztliche, delegiert werden sollen, wird derzeit innerhalb verschiedener Gruppierungen im Gesundheitswesen kontrovers diskutiert. So hatten die Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt und Vertreter des Deutschen Pflegerates neulich kritisiert, "die Arztorientierung und damit einhergehende Strukturhoheit der Ärzte auf allen Gebieten des Versorgungssystems" seien nicht geeignet, um neuen Herausforderungen im Gesundheitswesen zu begegnen. Darauf hatten die Bundesärztekammer und die Kassenärztliche Bundesvereinigung erwidert, Patienten zu behandeln und Krankheiten zu heilen seien originär ärztliche Aufgaben. Deshalb dürften Leistungen, die unter Arztvorbehalt stehen, nicht von anderen ausgeführt werden. Gegen eine sinnvolle Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe spreche hingegen nichts.
Roeder stellt sich zunächst folgende Frage: Geht es um das Delegieren ärztlicher Aufgaben oder geht es um das Übertragen nicht ärztlicher Tätigkeiten? Jedes Krankenhaus müsste im Vorfeld diskutieren, wie weit es bei welchen Tätigkeiten gehen möchte. "Eine dogmatische Äußerung halte ich in dieser schwierigen Frage für falsch", sagt er gegenüber DocCheck.


Ich weiß echt nicht, was ich davon halten soll. Mich würde interessieren, ob hier PP aus Münster an board sind. Was haltet ihr davon?
 
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Susanne B-Sch

Susanne B-Sch

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21.03.2007
27793
Hallo, bin nicht aus Münster-
bin mir sicher, dass die Ärzte "hoch erfreut sind", ist es das Pflegepersonal auch??
Natürlich muss man sich Gedanken machen, wie die Arbeit zu bewältigen- und ggf. sinnvoll umverteilt werden kann. Mich würde in diesem Zusammenhang interessieren, wie diese Umverteilung rechtlich für das Pflegepersonal aussieht. In unserem Haus war es lange Zeit üblich, dass z.B. Kurzinfusionen oder Infusionen mit Zusätzen wie z.B. Schmerzmitteln, Paspertin, Vitaminen, Oxytocin usw. nach mdl. oder (nachgereichter) schriftlicher AAO vom Pflegepersonal angehängt wurden. Das ist seit einigen Monaten per Dienstanweisung untersagt. Der PDL und sogar auch der ärtzliche Direktor sind unabhängig voneinander bei entsprechenden Recherchen von den jeweils kontaktierten Juristen belehrt worden, dass kein Haftungsausschluss für das Pflegepersonal herbeigeführt werden kann!!!!
Wer also (natürlich immer im Sinne des Patienten) solche oder ähnliche Medik. verabreicht, haftet immer, wenn es zu Zwischenfällen kommt. Daher wundere ich mich, wie das in Münster gehandhabt wird. Gibt es dazu vielleicht Info's??
P.S. Uns wurde mitgeteilt, dass durch das "einbringen eines Medikamentes (z.B. Paspertin) in eine Infusionslösung rein rechtlich ein neues Medikament hergestellt wird. Das sei nicht einmal Ärzten, sondern nur Apothekern erlaubt??!!....
Lieber Gruß, Susa
 
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lemuelreist

Ich möchte Dir - ausgenommen den mir fremden Punkte der `Medikamentenherstellung(MCP-->Infusion) ausgenommen - gerne zustimmen.
Eines glaube ich aber dabei nicht: Dass die Ärzteschaft sich allgemein freuen wird. So sagt zwar der Direktor aus, daß die Delegation da die Grenze finden müsse, wo "junge Ärzte manche Tätigkeiten ja auch noch lernen" müssen, in wenigen Sätzen danach spricht er aber aus,"
beim ärztlichen Personal Geld einsparen" zu wollen/können!

Was ist aber das grundlegende Problem? Das Hinunterreichen/Delegieren nach Qualifikation orientiert sich an dem Prinzip der Funktionspflege, welches eh seit Mitte 90er wieder allzu sehr Überhand nimmt.
Die Folgen für dieser Funktionalisierung sind der Pflege ja gut bekannt; den Ärzten geht damit ein neu erworbener Kontakt zum Patienten wieder verloren.

 
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Rosi S.

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14.12.2005
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Ich bin mir echt nicht schlüssig. Einerseits würde ich gerne manche sachen übernehmen, wenn das offiziell auch dann erlaubt ist, andererseits sollte aber dann auch der Status der "Krankenschwester" sich verbessern, z.B. was auch heißt, besonders, weil der Kontakt zum Pat. den Ärzten dann fehlt, dass sie auf unsere "Meinung" mehr wert legen, oder, dass unsere Arbeit auch wieder mehr Stellenwert hat.
UND ganz wichtig, ich habe eigentlich keine zusätzliche Zeit!
 
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Krankenschwester, PA
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UlrichFürst

"Wir haben die Aufgabenteilung nicht dogmatisch festgelegt, da man in gewissen Situationen spontane Entscheidungen treffen muss", berichtet Michael Rentmeister.
Die Ärzte sind entlastet und unsere Grauzone wird immer größer. Rechtsicherheit gibt es immer weniger. Vielleicht sollte man ein Juristenstudium zur Vorraussetzung für unseren Beruf machen?

Ulrich
 
Borgi

Borgi

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15.09.2006
86647
:suche: Wo ist der Testlauf für die übrigen Mitarbeiter der Kette?
Habe ich was überlesen?
Der Pflegedirektor spricht davon, alle warten darauf dass es losgehen kann...ALLE? oder alle Ärzte?
Also neee, ebenso könnte doch eine zusätzliche MTA eingestellt werden und Blut gleich nach VK-Anlage abnehmen und Blut korrekt abgenommen ins Labor bringen... oder ist die auch zu teuer?
Aber ich glaube, sie möchten anstelle eines Arztes lieber für einen Zivi sorgen.
Nur wer von den verbleibenden Ärzten übernimmt dann sonstige anfallende Mehrarbeit??? Dass Die Arbeitsbelastung weniger wird, glaube ich kaum (Arztbriefe, Funktionsdiagnostik, Visite, Angehörige uvm....)Dann gibts davon halt mehr und nicht weniger...
Aaaah..das macht dann auch der Zivi:wink:
Übrigens werden sich manche Arzthelferinnen bedanken, Transportjobber werden zu dürfen. ich glaube nicht, sie fühlen sich dadurch entschädigt, wenn sie sich einen Stammplatz am Stationscallcenter sichern dürfen:kopfkratz:

Danke für den Thread- zeigt, dass sich die Klinikarbeit immer noch nicht so recht Richtung Team, bestehend aus allen beteiligten Fachgruppen bewegt hat. Jawoll- Krankenpflege ist ein eigenständiger Beruf!...so zumindest meine Schulleitung 1990:ironie:

Schönen bend noch und liebe Grüße

Petra
 
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Neurologie
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Surrogat

P.S. Uns wurde mitgeteilt, dass durch das "einbringen eines Medikamentes (z.B. Paspertin) in eine Infusionslösung rein rechtlich ein neues Medikament hergestellt wird. Das sei nicht einmal Ärzten, sondern nur Apothekern erlaubt??!!....
Die Ansicht widerspricht aber schon der in in der Packungsbeilage angegebenen Herstelleraussage, nach der die Verabreichung des Medikamentes x in den Trägerlösungen y zu deren regelrechter Verwendung vorgesehen ist.
Somit entsteht aus der Kombination aus zwei Produkten eben nicht ein neues - würde ja auch markenrechtlich zu enormen Problemen führen; Paspertin in NaCl 0,9% von Braun ist ein Medikament und in der NaCl-Lösung von ratiopharm dann plötzlich ein anderes?
Diese Ansicht bedient doch wohl eher das Standesdünkel der Apotheker aus Kaiser Wilhelms Zeiten als die Realität...

Wer also (natürlich immer im Sinne des Patienten) solche oder ähnliche Medik. verabreicht, haftet immer, wenn es zu Zwischenfällen kommt.
Und was ist daran auszusetzen?
Natürlich hafte ich als Durchführender einer Massnahme bei deren Misserfolg und das ist ja auch gut so, denn das lässt mich vorsichtig und überlegt handeln.
Die Aussage "Das hat doch der Arzt so angesetzt!" scheint mir meist eine andere Form für "Ich wusste eigentlich nicht was ich da tue und habe unter Auschaltung meines Fachwissens und gesunden Menschenverstandes einfach 'mal gehorcht!"

Roeder stellt sich zunächst folgende Frage: Geht es um das Delegieren ärztlicher Aufgaben oder geht es um das Übertragen nicht ärztlicher Tätigkeiten? Jedes Krankenhaus müsste im Vorfeld diskutieren, wie weit es bei welchen Tätigkeiten gehen möchte. "Eine dogmatische Äußerung halte ich in dieser schwierigen Frage für falsch", sagt er gegenüber DocCheck.
Das Problem liegt u.a. darin, das wenn man ganz ehrlich ist, "ärztliche Tätigkeiten" nicht wirklich genau definiert wurde.

"Heilen und Behandeln von Krankheiten"??
Schwammiger geht es ja wohl wirklich nicht mehr.

Am einfachsten wäre es den Arztvorbehalt einfach dahingehend aufzuheben, das jedwede Massnahme deren Erlernen und praktische Ausführung nicht zwingend ein Medizinstudium erfordert (z.B. Operative Eingriffe) bzw. bereits von anderen Berufsbildern im Rahmen der Ausbildung theoretisch und praktisch abgedeckt wird, einfach keine ärztliche Massnahme mehr ist.
Ausserdem schafft man den abwertenden Begriff der "Heilhilfsberufe" ersatzlos ab - Pflegekräfte "helfen dem Arzt nicht beim heilen" sondern werden selbstredend schon seit Jahrzehnten eigenständig tätig...oder habt ihr in den letzten Jahren schon einmal eine "ärztliche kinästhetische Mobilisation" oder "fachärztliche Bobathlagerung" gesehen - was ist das denn bitteschön anderes als sehr aktive Heilung zu der das Studium KEINEN Arzt primär befähigt?
Jesus, in der Regel weiss der Assistenzarzt doch gar nicht wovon ich eigentlich rede wenn ich ihm mit so etwas komme...

Die Durchführung und Rechtssicherheit wird somit an nachweisbare Lehre und Kompetenz geknüpft - und nicht alleine von einem Titel abhängig gemacht.

Surrogat
 
HBR69

HBR69

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05.10.2000
58644
Ich hoffe, dass ich auf dem Intensivpflegekongress in Weimar gerade auch in diesen, für mich immer wichtiger werdenden, Fragen Antworten bekomme.

Surrogat,
kann dir nur voll und ganz Recht geben. Was die Gesetzteslage allerdings angeht......

Gruß
Heike
 
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Fachkrankenschwester I/A, freie Dozentin
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Lungenfachklinik Intensivstation, Stationsleitung
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Mitgliedschaft bei der DGF
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Rosi S.

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14.12.2005
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Um eben auch die pflegerische Seite dieses Experimentes zu hören, habe ich es hier rein gestellt
ALSO: Vielleicht findet sich in den Sphären dieses Boards irgentjemand, der in Münster in diesem Klinikum arbeitet und von seinen Erfahrungen berichtet.
Bitte, bitte melden
Wie kann man hier einen Rundruf starten???
 
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Krankenschwester, PA
Fachgebiet
Berufsfachschule
H

Hartwig

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30.11.2005
75010
Ich verstehe diese ganze alberne Diskussion um "Ärztearbeit" nicht. Es gab Zeiten, da war sogar das Messen des Blutdrucks eine ärztliche Tätigkeit... Ein großer Teil unsere Aufgaben sind nun mal Dinge, die ürsprünglich hauptsächlich von Ärzten ausgeführt wurden (s.c. Injektionen, DK , usw.). Wollen wir den zurück in die Steinzeit???
Ich erlebe es immer wieder (chr. Station), dass Kollegen sich weigern, eine Braunüle zu legen, mit dem lächerlichen Hinweis, dies sei ja eine heilige ärztliche Tätigkeit. Dabei nehme sie es billigend in Kauf, dass der Patient über viele Stunden keine Schmerzmedikamente erhält, da der Stationsarzt im OP ist. Man ignoriert die Schmerzen, redet aber gleichzeitig von dem ganzheitlichen Anspruch der Pflege, da wird mir immer ganz übel. Sowieso hat man ja keine Zeit für solche Dinge, da ja noch unbedingt die Betten gemacht werden müssen. Es geht mir einfach nicht in den Kopf, welches überholtes Berufsbild sich immer noch in dem Köpfen hält. Es geht doch nicht darum, irgendeine Tätigkeit des Arztes zu übernehmen, weil diese allein dadurch, dass der Arzt es tut, so toll ist, sondern die eigentliche Frage ist doch, welche Aufgaben aus der Medizin können wir sinnvoll in die Pflege integrieren, um so die Pflege zu verbessern und welche Aufgaben können wir an Berufsgruppen abgeben, die weniger qualifiziert sind? Es ist mir völlig unverständlich, warum eine dreijährig ausgebildete Kraft Betten machen soll, das Esen verteilen oder eine einfache Grundpflege durchführen soll. Abgesehen davon, dass dies betriebswirtschaftlicher Wahnsinn ist, schadet es der Qualität der Pflege. Wenn wir in der Frühschicht etwa ein Drittel der Zeit mit solchen minder qualifizierten Dingen verbringen, wo bleibt dann die Zeit für Gesundheitsberatung, für Medikamentenschulung, für Anleitung, für Prophylaxen usw.? Mich erstaunt es immer wieder wir hier mit fast religiösem Eifer gegen das Blutabnehmen durch Pflegepersonal gewettert wird, aber gleichzeitig niemand auf die Idee kommt, dass es eigentlich sehr viel wichtiger wäre, dafür zu kämpfen, dass es eine Aufgabentrennung zwischen Krankenpflegehelfern und dreijährig ausgebildeten Kräften gibt, wie dies in fast jeden anderen Land üblich ist. Nur so werde wir endlich die Zeit für unsere eigentlichen Aufgaben habe und das Niveau der Pflege heben. Wie viele Patienten sterben jährlich an einer Pneumonie, wie viele von diesen Toten gehen da auf das Konto unqualifizierte Kollegen, die unter Pneumonieprophylaxe das Einreiben mit Produkten wie BaktolanVital und ähnlichem Zeugs verstehen? Wie viele Pflegekräfte gibt es denn tatsächlich, die den Grad einer Gefährdung abschätzen können, die aus dem Angebot pneumonieprophylaktischer Massnahmen auswählen und dann das Ergebniss ihrer Intervention evaluieren können, eventuell sogar durch das auskultieren der Lungen, wie dies in mehreren PFLEGEdiagnosen(!!!) gefordert wird? Und, selbst wenn dieses Wissen vorhanden wären, hätten wir dann die Zeit, es auch einzusetzen, da wir ja durch angeblich viel wichtigere Dinge, wie das heilige Bettenmachen, nicht dazu kommen? Hier wird mir immer wieder deutlich, wie lächerlich diese Diskussion um das leidige Blutabnehmen ist. Anstatt dies zu nutzen, um endlich einmal eine Neuverteilung der Aufgaben zu ereichen, halten wir am Status Quo fest. Natürlich nehme ich Blut ab und natürlich lege ich venöse Zugänge, denn dies verstehe ich unter ganzheitlicher Pflege!
Die Pflege verabschiedet sich immer mehr von Dingen, die mal in ihren Kompetenzbereich gehörten. Wir nehmen kein Blut mehr ab und delegieren dies an den Arzt, um Zeit für die Pflege zu haben, wir schreiben keine EKGs und delegieren dies an die MTA oder andere Assistenten, um Zeit für die Pflege zu haben, wir führen keine Ernährungsberatung durch und delegieren dies an die Diätassistentin, um Zeit für die Pflege zu haben. Wir führen keine Kontrakturprophylaxe durch und delegieren dies an die Physiotherapie, um Zeit für die Pflege zu haben. Wir beraten unsere Patienten nicht, wie sie mit einem Medikament wie Marcumar leben soll und überlassen die Beratung dem Arzt, um Zeit für die Pflege zu haben, wir beraten einen Patienten nach einen Infakt nicht und überlassen die Gesundheitsschulung dem Arzt (falls der Patient überhaupt entsprechende Informationen bekommt), um so mehr Zeit für die Pflege zu haben... Wir sind die einzige Berufsgruppe, die sich selbst wegrationalisiert. Brauchen wir soviele dreijährige Kräfte zum Schiebern, Essenverteilen, Bettenmachen und Infusionen anhängen?
Nein.
Aber das wichtigste ist ja, Hauptsache, wir weigern uns erfolgreich dagegen, Blut ab zu nehmen.

Gruß Hartwig
 
Qualifikation
Krankenpfleger
Fachgebiet
Endoskopie
R

Rosi S.

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Themenstarter/in
14.12.2005
München
Ich verstehe Deine Meinung Hartwig, ich habe auch nichts dagegen bestimmte Aufgaben zu übernehmen, das würde mir im Gegenteil schon gefallen. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass wir BEI der Grundpflege aber die besten Chancen zur Beobachtung, zur Prophylaxe, zur Anleitung, zu einem beratenden Gespräch haben. Wenn das jemand "weniger" qualifizierter übernimmt(ich halte sehr viel von erfahrenen KPH! Da könnte sich manche Schwester mal was abschneiden!!!), der das ganze Hintergrundwissen nicht hat, wird es schwierig!! Es gibt Statistiken, ich glaub es gibt sogar hier im Board einen Link, das es zu mehr Sterblichkeit und Komplikationen kommt, wenn hauptsächlich 1- Jährige die Pflege übernehmen!!!
Ist ja auch ganz logisch, also die Grundpflege ließe ich mir nicht nehmen, genau aus diesem Grund.
Alles andere würde ich sofort unterstreichen Hartwig
 
Qualifikation
Krankenschwester, PA
Fachgebiet
Berufsfachschule
Borgi

Borgi

Aktives Mitglied
Basis-Konto
15.09.2006
86647
Hallo Hartwig!!

Ich spreche mich nicht dagegen aus, Blutentnahmen, Viggos legen usw zu erledigen, wenn es der Patientensicherheit dient.
Wie Du schon sagst, haben Pflegende auch etliche pflegefremde Tätigkeiten zu verrichten und wenn Die nicht abgenommen werden, müssen den Ärzten auch nicht wie selbstverständlich Arbeiten abgenommen werden.
Bettenmachen, Patiententransfers, F-Raum-Schrubben..incl Steckbecken mit Stahlfix auf Hochglanz bringen....-alles delegierbar auf Praktikanten und Schüler :blushing: meines Erachtens nicht Sinn Ihrer Ausbildung!
Solange diese Tätigkeiten den Pflegenden nicht abgenommen werden, müssen wir den Ärzten auch nicht den Gefallen tun..oder putzen die Steckbecken, bringen sie Pat. zum EKG-hab tatsächlich mal einen erlebt(was Pat-Fahrten anging)..aber wir haben uns gegenseitig unterstützt....?? Ich kenne auch freiwillige Blutentnahme und Viggolegezeiten...hat uns bis 8:00Uhr ne Menge Zeit von den Pat. genommen, was die Morgentoilette und Frühstück anreichen anging..."Schnell, das Blut muss um 8 im Labor sein!"

Ausserdem geht das jetzt an der Studie vorbei, gleicht sich Diskussionen in vorangegangenen Threads an und ich verpflichte mich folglich zur Stille....

Die Pflege entwickelt sich enorm, was die Kompetenz angeht und auch im beobachtenden, beratenden Sektor- eigendlich hat sie keine Zeit sich an Fragen von Übernahme ärztlicher Tätigkeiten hochzuziehen oder solche zu gewähren....sie muss erstmal in ihren Kompetenzen und Anforderungen, die ständig steigen, anerkannt sein.


Gute Nacht und liebe Grüße

LG Petra
 
Qualifikation
Krankenschwester/Pain Nurse
Fachgebiet
Neurologie
P

practocless

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15.08.2007
47495
Ich persönlich habe kein Problem damit Blut abzunehmen oder eine Viggo zu legen. Und ich kenne das Anhängen einer Infusion durch den Arzt nur bei Antibiotika oder "gefährlichen" Medikamenten. Ansonsten machen wir das immer. Ich kann die Meinung von Hartwig verstehen (vor allem das mit "ich lass den Pat. schmerzen haben bis ein Arzt die Viggo legt). Aber wer übernimmt meine Aufgaben???? Hört der Arzt auf mich wenn ich etwas zu berichten habe über den Pat.?? Oder denkt der sich "ich muss nur operieren und Arztbriefe schreiben, alles andere macht das PP",?!?!?!
Ich persönlich bin damit einverstanden Ärztliche Tätigkeiten (im gewissen Rahmen) zu übernehmen, solange die lieben Ärzte mehr für die Patienten tun (Anordnungen, zuhören, RICHTIGE Diagnostik).
Die Ärzte beklagen sich über zu viel Arbeit, das Pflegepersonal seit Jahren aber auch!!!
In der oben beschriebenen Klinik scheinen die Ärzte es ja echt gut zu haben!
Wenn das PP sich beklagt das wir zu viel zu tun haben dann hört man nur ein "jaja"!
Entweder alle Berufsgruppen im Gesundheitssystem werden gleich behandelt oder eben nicht! Als beispiel MTA oder Physiotherapeut! Wenn eine MTA ausfällt dauert halt alles länger, wenn ein Physiotherapeut ausfällt, gibt es eben keine Therapie, wenn eine Arzt ausfällt, wartet der Patient halt länger oder wird nicht operiert. Wenn das Pflegepersonal krank wird dann muss alles weiterhin einwandfrei laufen!!!

Sorry net alles ganz zum Thema!
 
Qualifikation
Gesundheits- und Krankenpfleger/Praxisanleiter
Fachgebiet
Zentrale Notaufnahme/Ambulanz
R

Rosi S.

Unterstützer/in
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Themenstarter/in
14.12.2005
München
Wenn das PP sich beklagt das wir zu viel zu tun haben dann hört man nur ein "jaja"!
Entweder alle Berufsgruppen im Gesundheitssystem werden gleich behandelt oder eben nicht! Als beispiel MTA oder Physiotherapeut! Wenn eine MTA ausfällt dauert halt alles länger, wenn ein Physiotherapeut ausfällt, gibt es eben keine Therapie, wenn eine Arzt ausfällt, wartet der Patient halt länger oder wird nicht operiert. Wenn das Pflegepersonal krank wird dann muss alles weiterhin einwandfrei laufen!!!

Sorry net alles ganz zum Thema![/quote]

Kein Problem und gerade diesen letzten Part würde ich absolut unterschreiben, denn du hast recht. Das war mir noch garnicht richtig aufgefallen, aber du hast absolut recht
 
Qualifikation
Krankenschwester, PA
Fachgebiet
Berufsfachschule
U

UlrichFürst

Zustimmung!
Kein Problem und gerade diesen letzten Part würde ich absolut unterschreiben, denn du hast recht. Das war mir noch garnicht richtig aufgefallen, aber du hast absolut recht
Das liegt aber auch daran, dass wir das mit uns machen lassen!

Ulrich
 
flocky

flocky

Mitglied
Basis-Konto
25.12.2005
14157
Ich erlebe es immer wieder (chr. Station), dass Kollegen sich weigern, eine Braunüle zu legen, mit dem lächerlichen Hinweis, dies sei ja eine heilige ärztliche Tätigkeit. Dabei nehme sie es billigend in Kauf, dass der Patient über viele Stunden keine Schmerzmedikamente erhält, da der Stationsarzt im OP ist. Man ignoriert die Schmerzen, redet aber gleichzeitig von dem ganzheitlichen Anspruch der Pflege, da wird mir immer ganz übel. /quote]

bei dieser Argumentation geht mir der Hut hoch - weder lasse ich den Patienten mit Schmerzen da liegen noch lege ich ne Viggo - wir arbeiten doch alle nicht in Lambarene wo es nur einen Arzt gibt und wenn der gerade nicht verfügbar ist muss die Schwester eben die OP durchführen oder???
Ich arbeite in einem wirklich kleinen Krankenhaus (162 Betten ) aber bei uns ist ganz klar geregelt wer zuständig ist wenn der Diensthabende nicht abkömmlich ist und den rufe ich dann und das klappt auch problemlos.
Aber solange es immer wieder Pflegekräfte gibt die in einem solchen " Notstand " allzu bereitwillig die ärztlichen Aufgaben übernehmen gibt es natürlich auch keine Notwendigkeit so etwas zu organisieren - bei uns war das auch ein langer Weg - aber siehe da es klappt nun schon seit einigen Jahren.
Und mit Ganzheitlichkeit hat die Übernahme von ärztlichen Tätigkeiten schon gar nichts zu tun - Ganzheitlichkeit bedeutet für mich das ich den Menschen als Ganzes wahrnehme und annehme und mich nicht nur auf seinen Defizite oder Diagnosen konzentriere obwohl das leider immer häufiger passiert

Die grundsätzliche Fragestellung erfordert ganz klare gesetzliche Regelungen und auch die die Bereitstellung von Zeitfenstern. Bei der jetzigen Personalsituation besteht in meinen überhaupt kein Spielraum dafür.
Das ist auch die Frage die für mich unbeantwortet bleibt ob nur bei den Ärzten eingespart wird oder in dem Zuge auch bei den Pflegekräften aufgestockt .
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
Innere
H

Hoppla

Hallo!

Ich habe vor kurzem die Uni beendet und suche mir derzeit eine Stelle als Arzt. Da ich auf der Suche nach der rechtlichen Frage des Blutabnhmens war, bin ich auf dieses forum gestoßen.

Praktisch gesehen habe ich es so kennengelernt: Im Osten übernehmen mehr Schwestern die BEs als im Westen. In manchen anderen Ländern ist es klar schwesterliche Tätigkeit - z.B. Schweden, ohne daß dies da zu Unmut führt.

Letztendlich ist es doch eh eine Organisationsfrage. Es ist klar, daß die Zeit im Krankenhaus für alle (außer vielleicht für einige in der Verwaltung...) viel zu knapp ist. Allerdings sind gerade die Blutentnahmen ein Grund, warum Ärzte eigentlich zu wenig PatientenKontakt haben. Man ist zwar "am Patienten", aber ich war als PJler je nach Station und Menge der BEs teilweise bis zu 4 Stunden damit beschäftigt. Mit den Aufnahmen danch war der tag rum. Für eine Visite ware keine Zeit gewesen. Wenn ich also nicht da gewesen wäre, wäre dies den Ärzten zugefallen.

Ich kann mich auch an keine Vorlesung in meinem Studium erinnern, die mich auf die BEs sinnvoll vorbereitet hätte. Wir lernen das da nicht, sondern logischerweise auch nur beim Machen!

Es geht also nicht darum, überlastetem Pflegepersonal eine neue Aufgabe aufzuhalsen, sondern es müßte dringend Personal hinzu. Und dem bestehenden Ärztemangel wäre gut durch mehr Pflegepersonal zu begegnen, wenn diese dann solche Tätigkeiten übernähmen, finde ich.

Abgesehen davon ist meine Erfahrung, daß die Schwestern bessere Gewerkschaften im Rücken haben, und sich weit weniger schikanieren lassen, als die Ärzte. Die Schwesternschaft würde sicher eher eine forderung nach mehr Personal durchsetzen, oder?

Viele Grüße!
 
U

UlrichFürst

Abgesehen davon ist meine Erfahrung, daß die Schwestern bessere Gewerkschaften im Rücken haben, und sich weit weniger schikanieren lassen, als die Ärzte. Die Schwesternschaft würde sicher eher eine forderung nach mehr Personal durchsetzen, oder?
Ist das jetzt ironisch gemeint???

Ulrich Fürst
 
MuuuHaaa

MuuuHaaa

Gesperrter Benutzeraccount
07.02.2007
0815
Hi,

dieses Thema ist bei uns ganz aktuell.

Da unsere Ärzte überlastet und vollkommen gestresst sind (frag mich nur warum?*am kopf kratz*) wird bei uns eine Arbeitsgruppe gegründet um die Tätigkeiten umzudeligieren.
Es wurde jetzt schon festgehalten das eine delegation nach unten stattfinden wird. Die Frage ist nur unter welchen organisatorischen Vorraussetzungen! Stichpunkt Stationssekretärin u.s.w....

Solangen das fair reglementiert ist, ist das für mich ok. Bin gespannt wie es weitergeht. Ich sehe allerdings momentan das problem das unseren momentanen Stationsärzte die totalen Chaoten sind und selbst über keinerlei (zumindest wenig) Arbeitsstruktur verfügen. Und dies nutzen die Arbeit die ihnen noch übrig geblieben ist und etwas "handwerkliches Gechick" erfordert, weg zu deligieren.

Verglichen mit Ärzten aus anderen Kliniken geht es denen- wie uns -wie im Lummerland. Geregelte Zeiten. Kommen Pünktlich um 17 Uhr raus. Aber das darf man natürlich nicht laut aussprechen (was mir z.b. überhaupt nicht gelingt:wink: )


Gruß

Vader
 
Qualifikation
Pointenkiller
Fachgebiet
Niemansland
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