Ärzliche Anordnungen auf dem Mediblatt

sophia65

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Hallo,

unser Haus hat von mehreren Ärzten nun mündlich und schriftlich mitgeteilt bekommen, dass sie nicht mehr auf dem Medkamentenblatt in unserer Dokumentation die Anordnungen abzeichnen, da sie das von den KK nicht vergütet bekommen. Stattdessen reiche es aus, wenn die PFK diese Anordnungen abzeichnet oder wir ein Fax aus der Arztpraxis erhalten.
Wir haben das erstmal dokumentiert hinsichtlich bevorstehender Prüfungen in unserem Haus. Dennoch empfinde ich das als eine Art rechtsfreien Raum....
Zusätzlich ergab sich nun gestern das Problem, dass wir ein Fax mit einer Medikamentenänderung erhielten, die Apotheke, die uns die Medikamente stellt, erhielt aber weder ein Fax noch eine Verordnung -> Bewohnerin erhält das Medikament vorerst nicht! (Freitagabend eben).
Kennt von euch jemand diese Situation oder die rechtliche Grundlage? Der Brief kommt von dem Doc, der in der kassenärztlichen Vereinigung Vorstand ist.
LG sophia
 
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leaving-the-moon

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AW: Ärzliche Anordnungen auf dem Mediblatt

Ich kenne das aus meiner Zeit in einem ambulanten Dienst auch so, dass die meistens Ärtzte zwar willens sind auf dem Medikamentenblatt vor Ort zu dokumentiren, aber dass sie das nicht müssen. Sie sind nicht zu eine doppelten Dokumentation verpflichtet - und sie haben ja nun ihre im Krankenblatt des Patienten in der Praxis.
Problem ist hier, dass diese Anordnung für die PK vor Ort nicht einzusehen ist.
Es ist allerdings ein weit verbreiteter Irrtum dass z.B. mündliche oder fernmündliche Anordnungen keine gültigen Anordnungen wären. Wenn das mit Fax läuft finde ich das schon eine ziemlich gute Regelung, weil ich es ja dort auch noch einmal schwarz auf weiß habe. Für die mündlichen Anordnungen am Telefon (z.B. wenn die Ergebnisse eine Blutuntersuchung da sind) haben wir damals mit den Mitarbeitern ein Vorgehen eingeübt, damit keine Fehler passieren. Arzt gibt Anordnung (Medikament, Dosierung, Application, Uhrzeit) Pflegekraft wiederholt diese und lässt sie sich nochmals bestätigen. Das ist ähnlich dem Ablauf bei einer Rea - oder auch bei einer simplen Intubation - anordnen - wiederholen - bestätigen - handeln (gegebenenfalls mit nochmaliger Wiederholung).

Das Problem mit der Apotheke ist, dass diese tatsächlich eben AUCH eine Anordnung braucht und sei es eine mündliche per Telefon. Sonst dürfen die Medikamente nicht ausgeben und natülich auch keine veränderten Dosierungen stellen. In dem Fall wäre es sinnvoll gewesen direkt am Freitag in der Praxis anzurufen und um ein Fax auch an die Apotheke zu bitten.

Rechtlich bin ich in diesen Dingen nicht ganz firm, da gibt es bestimmt andere, die es genauer wissen.

Einen Vorteil hat es, wenn Ärzte nicht mehr direkt in der Dokumentation vor Ort ihre schriftlichen Anordnungen eintragen.... sie sind meist leserlicher wenn es eine PK macht. Das Übertragen von Andordnungen ist ja auch nicht verboten, wenn es mit Sorgfalt geschieht.
 
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Sonnensturm

Sonnensturm

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AW: Ärzliche Anordnungen auf dem Mediblatt

Ist doch ganz einfach. Seht es nicht als Eure Baustelle. Informiert MDK und Heimaufsicht.
:super:Sonnensturm:coff:

P.S. Faxe sind ja ganz praktisch, für den Moment, aber Ihr braucht bald viele Extraordner nur für Faxe. :nono:
 
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stern3007

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AW: Ärzliche Anordnungen auf dem Mediblatt

Aus der Praxissicht heraus schaut das folgendermaßen aus:
Ein Patient stellt sich bei uns vor, bringt Krankenkassenkarte und/oder Überweisung mit. Wir sind offiziell dazu verpflichtet, die Krankenkassenkarte am Quartalsanfang einzulesen. Patient erhält dann nach Erledigung der Formalitäten das benötigte Rezept und kann damit in die Apotheke gehen.

Diese Prozedere müßte auch mit den Patienten aus dem Heim ablaufen. Wäre aber verdammt übel, wenn man in der Praxis auf der korrekten Vorgehensweise bestehen würde. Jegliches Entgegenkommen im Prozedere ist immer eine freiwillige Aktion der Praxis.

Dessen sind sich viele Heime aber nicht bewußt. Entsprechend lasch wird mit der Situation umgegangen. Ich bekomme z.B. eine Medikamentenanforderung OHNE das ich eine Krankenkassenkarte einlesen kann (Beginn des Quartals) oder eine Überweisung vorliegt. Das Rezept kann ich aber erst ausdrucken, wenn das vorgenannte Prozedere eingehalten worden ist. Ergo muß ich Mein System austricksen, so tun als wären entsprechende Vorgaben vorhanden, um das Rp. zu erhalten.

Eine Krankenkassenkarte muß ich bei meinem System in der Praxis nicht haben. Ich kann manuell freischalten, in der Hoffnung, dass auf der Krankenkassenkarte keine Datenänderung stattgefunden hat. Überweisungen muß ich aber vorliegen haben, denn die Abrechnungsstelle überprüft hin und wieder, ob Überweisungen vorliegen.

Die Praxissysteme haben aber in der Regel keine Funktion, die z.B. nachhält, ob eine Überweisung tatsächlich abgegeben wurde. Ist theoretisch auch überflüssig, weil ich darf ja nicht ohne die notwendigen Aktionen Aktionen ausführen.

Für mich bedeutet das, das ich alles manuell nachalten muß. Oft fordere ich Überweisungen 3-4x an bis ich sie endlich bekomme. Ganz ehrlich, auch in den Arztpraxen herrscht zunehmend immer mehr Zeitmangel. Wir haben einfach keine Kapazitäten mehr frei für solche Aktionen.

Besonders übel ist folgender Weg: Heim m erkt das Medis ausgehen, ruft bei Apotheke an und bestellt die Medis. Apotheke muß dann bei uns ein Rp. anfordern, hat aber überhaupt keine Ahnung was jetzt mit Überweisung und Co. ist. Ich erhalte auf so einem Weg z.B. regelmäßig Medikamentenanforderungen von der Apotheke, wo ich den Patienten noch nicht einmal kenne. Einen Patienten nicht kennen heißt, dass es keinen Datenstamm gibt, keine Unterlagen, nix nada. Zudem haben wir immer noch die freie Arztwahl in Deutschland, die berücksichtigt werden muß. Wenn mir auf diese Art und Weise ein Patient untergeschoben wird, muß ich zumindest eine Erklärung unterschrieben vorliegen haben, in der der Patient sagt, dass meine Chefin ab sofort der behandelnde Arzt sein soll. Und ich benötige zumindest die Stammdaten des Patienten in Form einer Überweisung, wo ich dann aufgrund der fehlenden Krankenkassenkarte obendrein auch noch alles manuell eingeben muß. Ist ein ziemlicher zeitlicher Aufwand.

Mir passiert es auch regelmäßig, dass ich irgendwelche Krankenberichte, z.B. aus stat. Aufenthalten zugefaxt bekomme, obwohl mit der Patient noch unbekannt ist, es existiert keine Akte, weil Pat. noch nie bei uns war. Eine zeitlang hab ich immer wieder hinterher telefoniert. Mittlerweile schmeisse ich solche Schriftstücke einfach weg, weil ich keine Zeit für die Nacharbeiten habe. Begreifen tut das aber niemand in den Heimen.

Was ich damit sagen möchte:
Die Praxen sind darauf ausgerichtet, dass die Patienten kommen, die Formalitäten abwickeln. Das wird uns letztendlich durch die Forderungen der Krankenkasse auch so vorgeschrieben. Die Vorschriften der Krankenkasse verbieten uns sogar ein manuelles Vorgehen. Auch ein Heim muß theoretisch die entsprechenden Pflichten, die ein Quartalswechsel mit sich führt, absolvieren und nicht einfach Faxe schicken.

In der Regel sind die Praxen immer bereit die Heime zu unterstützen. Aber ihr dürft uns nicht euren Arbeitsanteil mit aufs Auge drücken und durch die Unkoordiniertheit von uns praktisch zwingend fordern, dass wir z.B. nachhalten, wann wo wie irgendwelche Nacharbeiten, z.B. fehlende Überweisung erfolgen müssen.

Wir wissen das ihr keine Zeit habt. wir haben aber auch keine Zeit euch alle Arbeit sozusagen abzunehmen. es muß eine bestimmte Routine auch in heimen ablaufen. Z.B. das regelmäßige rechtzeitige Anfordern von Überweisungen zum Quartalsbeginn.
 
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ms-sophie

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AW: Ärzliche Anordnungen auf dem Mediblatt

Hallo,

ich verstehe das Problem nicht ganz.

Der Arzt faxt euch eine Verordnung der Medikation mit seiner Unterschrift. Wieso faxt ihr das nicht einfach weiter an die Apotheke? (ihr blistert offenbar).

Bei uns läuft es so: Wir dokumentieren mit EDV

Bei der Visite gebe ich es gleich in den PC ein und lasse es 2 mal ausdrucken, eins unterschreibt er und das andere gebe ich ihm mit für seine Unterlagen (eine Hand wäscht die Andere).

Für die Ärzte die nicht so oft kommen oder die Anordnung vielleicht etwas zeitaufwendiger ist - Behandlungspflege- faxe ich es in die Praxis und die faxen es unterschrieben zurück.

Kein Problem für niemanden. Anyway die Ärzte haben recht, sie müssen nix unterschreiben, da helfen auch MDK und Heimaufsicht nicht.

Gruss
Sophie
 
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stern3007

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AW: Ärzliche Anordnungen auf dem Mediblatt

Bei uns in der Praxis läuft das aktuell sogar so obskur ab, dass man meine Chefin zum Hausbesuch bestellt. Wenn ich dann nachfrage ist der Grund, dass der Mediplan unterschrieben werden muß. Warum? Weil von der Heimleitung beschlossen wurde, dass erst Tabletten ausgegeben werden dürfen wenn der Mediplan unterschrieben wurde. Die graben sich also selbst die Möglichkeit ab, schnell reagieren zu können und erwarten, dass die Arztpraxis das ausbügelt und rennt.

Wir machen aus diesen Gründen natürlich keinen Hausbesuch. Chefin macht regelmäßig alle paar Wochen HB, kennt die Patienten sehr gut und kann durchaus auch mal nur am Telefon entscheiden. Unsere Aussagen am Telefon sind unmißverständlich und durch Nachfragen wird das Verständnis kontrolliert. Ergo absolut kein Bedarf für ein anderes Vorgehen. In der Psychiatrie muß nicht jedes mal eine körperliche Untersuchung erfolgen.
 
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nofretete

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AW: Ärzliche Anordnungen auf dem Mediblatt

Was ist das denn? Die Leitung eines Heimes kann doch niemals entscheiden, ob ein Medikament gegeben wird oder nicht, meine Güte Sachen gibts, die gibts garnicht! Und deswegen einen Arzt zum HB zu bestellen ist ja schon mehr als frech!
 
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sophia65

sophia65

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AW: Ärzliche Anordnungen auf dem Mediblatt

Danke für die vielen Antworten. Damit hatte ich so schnell gar nicht gerechnet!

Zunächst: es ging gar nicht um extra Hausbesuche, sondern, darum, dass beim regulären Hausbesuch die vorbereiteten Mediblätter unterschrieben werden. Den Arzt dafür extre anzurufen ist ja unsinnig.

@stern3007 dass auch Praxen Frust mit Heimen haben, das ist klar. Da aber am Quartalsanfang alle KK Karten zu den Ärzten gebracht werden und am Abend wieder abgeholt, kann dass kein Thema sein. Arztbriefe von neuen Bewohnern bekommt der Arzt dann, wenn er zum ersten Hausbesuch kommt - so denn überhaupt ein Arztwechsel erfolgt.

Ich bin gespannt, ob MDK und Heimaufsicht diese Faxe reichen. Wir haben noch eine Überprüfung vor uns in dieser Woche und dann sehen wir es ja :)

Einen schönen Sonntag wünscht
Sophia
 
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stern3007

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AW: Ärzliche Anordnungen auf dem Mediblatt

@sophia65, wir hätten kein Problem damit eure Mediblätter zu unterschreiben.

Allerdings ist das eine freiwillige Aktion. Normalerweise müßtet ihr die von uns erstellten und unterzeichneten Medipläne irgendwo abheften. Das ist grundsätzlich mit allen Unterlagen so. Das hat auch einen Grund. Die von uns erstellten Unterlagen sind von unseren Systemen erstellt, also eine bekannte Optik für uns. Extern erstellte Pläne müssen nochmals genau kontrolliert werden vor der Unterschrift.

MDK und Heimaufsicht haben die Faxe zu reichen denn sie können nicht über den Ablauf in den Arztpraxen bestimmen. So weit sind wir zum Glück noch nicht. Das würde ich denen bei einer Überprüfung auch so sagen.
 
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