Abstumpfungsreaktionen gegenüber dem Leid

C

chrodechilde

Mitglied
Basis-Konto
1
36039
0
hallo liebe kollegen, ich habe manchmal den verdacht, dass ich mittlerweile dermassen abgestumpft bin all dem leid gegenüber das ich jeden tag an der arbeit sehe, dass es fast auch schon wieder bedenklich ist.

ich denke die patienten und angehörigen merken es nicht, ihnen gegenüber verhalte ich mich meines erachtens einfühlsam aber eigentlich ist mir das alles immer mehr egal.

habt ihr schon mal ähnliche erfahrungen gemacht?
 
theresa

theresa

Mitglied
Basis-Konto
2
Bremen
0
Ja auch ich habe diese Erfahrung gemacht, egal in welchem Bereichen ich gerade tätig bin.
Für mich ist es aber kein Abstumpfen, sondern eher ein Schutzmechanismus.

Theresa
 
S

stern3007

Aktives Mitglied
Basis-Konto
41
Köln
0
Ich sehe deine Reaktion auch nicht als abstumpfen an. Ein gewisser Selbstschutz muß sein. Man kann nicht alles an sich heran lassen. Und je länger man in diesem Beruf arbeitet, desto größer wird der Selbstschutz. Ist meiner Meinung nach auch notwendig, wenn man diesen Job noch länger machen will. Der Patient selbst leidet nicht darunter, denn dieses Abstumpfen ist nicht mit Gleichgültigkeit gleich zu setzen.
 
C

chrodechilde

Mitglied
Basis-Konto
1
36039
0
ich merke aber wenn ich mir so Filme wie zum Bespiel "Eierdiebe" anschaue, dass ich manchmal vielleicht auch ein bisschen zu unsensibel auf das Leid anderer reagiere.

Ich fände es schlimm wenn mir die Patienten das anmerken würden.
 
Allround

Allround

Aktives Mitglied
Basis-Konto
0
65779
0
Ich fände es schlimm wenn mir die Patienten das anmerken würden.
Hallo chrodechilde und alle anderen!

Ich bin mir sicher, dass die Patienten mehr Antennen haben, als wir ihnen zumuten. Sie sind Menschen und wir sind doch keine Gärtner, wobei selbst diese mit ihren Pflanzen liebevoll manchmal umgehen.

Wenn Abgestumpft-sein bedeutet, keine Empathie mehr aufzubringen, wird unsere Arbeit um ihre schönste Seite gebracht. Das hat dann nicht mehr nur was mit Selbstschutz zu tun.

Mich auf meine Gegenüber mit Offenheit einzulassen, schützt mich am besten, gerade vor dem Abgestumpft-sein, da es die Freude an meiner Arbeit vermehrt.

Sicher gibt es Momente der Betroffenheit und der Trauer. Inzwischen gebe ich diesen vor den Patienten und Angehörigen auch verbal Ausdruck, und diese fühlen sich dadurch geborgen und verstanden. Inwieweit jeder Einzelne das Leid anderer aushalten kann, das hat vielleicht auch was damit zu tun, inwieweit der einzelne akzeptiert hat, dass Leid zum Leben dazugehört. Die eigenen Lebenserfahrungen spielen da auch eine Rolle.

Mit abgestumpften Kollegen zu arbeiten, macht mir übrigens wenig Spaß, denn ich kenne das durchaus. Ihre Freudlosigkeit demotiviert, und darunter leiden sie selbst übrigens am meisten.....:wink: .

Genau hinschauen und weiter sich auf den Anderen konzentrieren, aktiv zuhören. Vielleicht hilft das.

LG, Allround
 
K

kreschmädchen

Neues Mitglied
Basis-Konto
0
76133
0
Fortbildung hilft gegen das Abstumpfen. Ich glaube nicht das man auf das Leid den anderen unsensibel reagiert wenn man paar Jahre in dem Beruf verweilt. Meiner Meinung nach man lehrnt zu unterscheiden zwieschen Wichtig und Unwichtig im Leben und sich über kleine Dinge zu freuen
 
S

SchwesterXY

Hallo chrodechilde,

Ich verstehe deine Bedenken. Ich denke schon, dass unsere Patienten es aufnehmen können, obwohl wir meinen, wir wären professionell genug um es zu verbergen. Aber ich denke auch, dass wir eine bestimmte "Mauer" aufrecht erhalten müssen um nicht unterzugehen. Aber vielleicht gibt es ja eine Art "transparente Mauer" die es beiden Seiten erlaubt zu iherem Glück zu kommen.
Ich hatte auch schon einen sehr "schwachen Moment" in dem ich weinend aus dem Haus der sterbenden Patientin gegangen bin, weil es kurz nach dem Tod meiner Oma war. Ich dachte: "toll das wars, jetzt bist du zu weich für diesen Job". Aber ich denke das zeitweise Mitleiden kann uns auch bereichern, mir gelingt es dadurch manchmal besser mein Leben zu schätzen.
 
K

Kröhnchen

Mitglied
Basis-Konto
1
21029
0
Ich bin seit 25 Jahren in der Pflege tätig und muss sagen das ich nicht abgestumpft bin , denn mir bringt jeder Arbeitstag noch soviel Spass wie mein 1. Tag. Und ich finde das auch die Pflegenden bei traurigen Ereignissen die Tränen fliessen lassen dürfen.
Die Patienten oder Bewohner fühlen sehr genau ob es einen gut geht oder nicht.
Gruss
Kröhnchen
 
I

ITS-Micha

Gesperrter Benutzeraccount
0
15306
0
Hallo!! Also ich für meinen Teil bin doch manchmal am überlegen,ob der Job als solcher nich doch abstumpft... Nur ein Beispiel : Hatte letztens ne Reanimation einer 34 jährigen Patientin nach Billroth II-OP,die wir dann nach ner Stunde beendet haben,weil nix mehr ging. Meine Kollegin( 2 Jahre im Job) und die Dokterin(Ass.ärztin) haben geheult und sich Vorwürfe gemacht...ich( 18 Dienstjahre) hab völlig ungerührt aufgeräumt usw. und garnich weiter drüber nachgedacht. Is doch eigentlich schlimm oder ?? Ich meine,ich bin doch noch ein Mensch mit Gefühlen,aber trotzdem ließ mich das alles kalt.... LG Micha
 
G

georgie

Mitglied
Basis-Konto
0
38106
0
ich glaube schon, das einem das innerlich zusetzt aber man hat gelernt damit umzugehen und vielleicht verdrängt man es auch? Bzw wenn man ständig mit sowas zu tun hat, "gewöhnt" man sich vielleicht auch daran.
Ich arbeite mit sehr schwerkranken Kindern und ich sehe jeden Tag, wie krank sie sind, nehme das aber gar nicht mehr so wahr.
Wenn mir dann ständig andere Menschen erzählen oder mich fragen, wie ich das schaffe,und wie schlimm sowas doch ist, versteh ich es immer gar nicht.weil es für mich einfach normal geworden ist.
will sagen, das man nicht mehr soviel darüber nachdenkt und wenn du nicht darüber nachdenkst, kannst du ja auch keine Trauer empfinden. Ich denke nicht, das man das als Abstumpfen bezeichnen sollte. Abstumpfen wäre für mich, wenn einem der Job keine Freude mehr bereitet und man dies auch zum Ausdruck bringt.
 
R

Rosi S.

Unterstützer/in
Basis-Konto
7
München
0
So sehe ich das auch, es ist mehr ein Schutzmechanismus als ein Abstumpfen.
Man sollte es wegschieben können, um sich selbst nicht fertig zu machen.
Und viel Spass im Urlaub georgie
 
S

SchwesterXY

@ ITS-Micha
Hört sich beim ersten Lesen schon krass an, muss ich sagen. Wenn selbst der Arzt berührt ist...meist versuchen die ja sich erstrecht nichts anmerken zu lassen. Vielleicht musst du aber damit so umgehen, weil du es nicht anders kompensieren kannst...!?
Aber ich denke, es ist gut, dass es dir auffällt und du dir Gedanken darüber machst.

@ Georgie
Ich finde du hast es gut beschrieben, muss dir vollkommen recht geben.

Meint ihr Männer und Frauen verarbeiten das anders und verhalten sich anders dabei?

LG MonaLisa
 
I

ITS-Micha

Gesperrter Benutzeraccount
0
15306
0
Hallo MonaLisa!! Ja,eben,mir gibt meine Reaktion schon zu denken... Tja,also die Dokterin hat wirklich zu knabbern gehabt und auch meine Kollegin,aber mich hat das in dem Moment überhaupt nich berührt,hab einfach weiter meine Arbeit gemacht. Hinterher wollten die Mädels dann wissen,wie ich das mache,wie ich da so unbeteiligt bleiben kann und ehrlich,ich wusste keine Antwort. Was meinst Du,bin ich schon zu lange dabei ?? LG Micha
 
Dio Dekkers

Dio Dekkers

Mitglied
Basis-Konto
0
47652
0
Hallo an alle,

ich würde zu diesem Thema gern loswerden,daß die beschriebenen Situationen meiner Meinung nach nichts mit abstumpfen zu tun haben,sondern mit der Gabe,es Teil seines Berufes zu machen.Wer sich einbildet,daß alles immer Rosenduft und Sonnenschein ist,hat sich schwer geirrt.Was wäre eine Krankenschwester denn wert,die sich nach dem Sterben eines Patienten jedesmal krank schreiben lassen muß,weil es ihr so nahe geht (stark übertrieben,aber mal ein Denkanstoß)?Ich bewundere Personal,daß in solchen Situationen einen kühlen Kopf bewaren kann und eine Stütze sind für die Angehörigen.Das bedeutet ja nun nicht,daß eben dieses Personal im privaten Umfeld genauso reagiert.Ich denke das es etwas Anders ist,wenn Frau XXXX aus Zimmer XX für immer die Augen schließt,alswenn es die eigene Mutter betrifft.Sowas MUß man sogar ganz klar trennen können,sonst macht einen jeder Todesfall und jedes Schicksal irgendwann kaput.

LG Dio
 
wusselinchen

wusselinchen

Unterstützer/in
Basis-Konto
3
freiburg
0
hallo,

ich denke mal dass wir alle gelernt haben mit dem alltag in unserem beruf um zu gehen. was hilft es denn wenn ich mit den patienten mitleide und dadurch selber krank werde?

ich finde es wichtig immer den menschen und seine probleme zu sehen, nicht aber dessen probleme zu meinen eigenen zu machen.
ich denke mal dass die meisten in unserem beruf gelernt haben distanz zu wahren. das hat in meinen augen überhaupt nichts mit abstumpfen zu tun.

ich denke es ist das recht der jungen kolleg/innen mit zu leiden. aber unsere aufgabe (die der älteren kolleg/innen) ist es doch auch den jungen zu helfen distanz aufzubauen und zu wahren.

liebe grüße

elfie
 
Dio Dekkers

Dio Dekkers

Mitglied
Basis-Konto
0
47652
0
ich denke es ist das recht der jungen kolleg/innen mit zu leiden. aber unsere aufgabe (die der älteren kolleg/innen) ist es doch auch den jungen zu helfen distanz aufzubauen und zu wahren.


Schön gesagt elfie!
 
B

Binca

Mitglied
Basis-Konto
0
06188
0
ITS Micha,
wollte dir nur sagen, in unserem Haus haben die Pflegenden der ITS die Möglichkeit, sich für eine gewisse Zeit auf Normalstation versetzen zulassen. Dadurch gewinnt man Abstand und bekommt oft wieder eine neue Sichtweise.

LG Binca:wink:
 
wusselinchen

wusselinchen

Unterstützer/in
Basis-Konto
3
freiburg
0
guten morgen,

danke dio dekkers

wünsche allen einen schönen sonntag

liebe grüße

elfie
 
I

ITS-Micha

Gesperrter Benutzeraccount
0
15306
0
Guten Morgen zusammen!! Danke Binca,für den Tipp. Tatsächlich kehr ich unsrer ITS demnächst den Rücken,aber nicht aus dem Grund. Nee,ich hab für mich beschlossen,freiberuflich weiterzumachen und mache ab Juni Leasing auf eigene Rechnung...Aufträge hab ich schon und ich hoffe mal,dass ich dadurch wieder etwas Abstand zu allem kriege. Außerdem,wo hat man schon die Möglichkeit,für 26 Euro die Stunde zu arbeiten,so als Angestellter ?? Schönen Sonntag LG Micha
 
Die E-Mail-Adresse wird lediglich zur Versendung des Aktivierungslinks für diesen Beitrag verwendet.