Abschiednehmen

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L

Lisy

Ich find nichts schlimmes an einem Kühlraum (muß ja sein) wenn die Angehörigen vorher Abschied nehmen konnten und ich frag mich immer wieso muß der Verstorbene aus dem Zimmen, weshalb kann der Zimmernachbar nicht für ein paar Stunden umziehen und das nach Möglichkeit vor dem Tod nachdem er Abschied genommen hat?
Ich hoff ihr versteht was ich meine.
Gruß Lisy
 
HBR69

HBR69

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05.10.2000
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Hallo Zusammen,

leider ist mir dieser Thread ein wenig aus den Augen gekommen. Wir haben im letzten Jahr ein Haus gebaut...na ja.....:rolleyes:

Möchte gerne das Thema noch einmal aufgreifen!

Ich war vor 4 Wochen mit unserer Krankenhausseelsorgerin und ein paar Kolleginnen aus anderen Abteilungen in einem Hospitz. Das hat mich schwer beeindruckt. Eine interessante Besichtigung mit einigen interessanten Gesprächen mit den Kollegen dort.

Zurück in meinem Intensivalltag versuche ich nun einige Ansatzpunkte in die tägliche Arbeit miteinzubringen. Gestaltet sich bei uns allerdings relativ schwierig da meine Kollegen nicht wirklich zugänglich sind. Ich denke, dass es ein "schützen durch verdrängen" ist. Kennt Ihr das auch auf Euren Stationen??

Gruß
Heike
 
Qualifikation
Fachkrankenschwester I/A, freie Dozentin
Fachgebiet
Lungenfachklinik Intensivstation, Stationsleitung
Weiterbildungen
Mitgliedschaft bei der DGF
Katta

Katta

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04.02.2007
73207
Hallo,
ich finde es sehr wichtig eine Gelegenheit zu haben von den Versorbenen Abschied zu nehmen.
Auch bei uns steht eine Kerze und ein Bild auf dem Wohnbereich. Eine Verabschiedung auf dem Wohnbereich mit einem Pfarrer und unseren anderen Bewohnern und den Angehörigen findet auch statt. Wer möchte kann daran teilnehmen. Das gilt auch für das Personal.
So kann ich besser damit abschließen und mich verabschieden.
Unsere Bewohner können auch bis zum Schluß in ihrem Zimmer bleiben, wir hätten gar keine Möglichkeit sie zu verlegen. Ich fände das auch nicht gut.
Gruß
Katta
 
Qualifikation
examinierte Altenpflegerin /Praxisanleiterin
Fachgebiet
Pflegeheim
D

dr.poops

ich finde es auf der intensivstation oftmals ganz schwierig, einen abschied zu gestalten. es ist immer etwas anderes, wenn die patienten schon lange da sind. da bekommt man eher mit, wie sich der Mensch "auf die Reise" macht, womöglich sind die angehörigen dabei, das ist dann auch für uns oft eine ganz traurige situation. wir haben eine sehr nette kath. seelsorgerin, an die auch ich mich gerne wende (auch wenn ich mit dem ganzen "gekirchel" so gar nix am hut hab) - die hat auf dieser riesenstation so eine art "gute freundin" -posten, die mal eben reinschneit und sich ein paar minuten zeit zum schnacken nimmt, ohne daß jetzt so´ne gekünstelte "was-sind-wir-hier-alle
-dufte-drauf"-stimmung wird. das ist mir eine große hilfe, wenn diese frau dann auch schon einen guten kontakt zu den angehörigen hergestellt hat und bei ihnen bleiben kann, wenn das gewünscht wird. insofern ist es dann doch eine art "gemeinsamer abschied". es gibt einen raum, in dem die angehörigen mit dem verstorbenen in ruhe sein können.
das ist der gute verlauf. der schlechte ist der notfallpatient, der unter reanimation auf station kommt und nach einer viertelstunde tot ist. da kennt man vielleicht gerade den namen. und am schlimmsten ist, wenn du hinterher feststellst, daß dessen letzte worte "ich krieg so schlecht luft!" oder "ich habe durst!" waren. und mitten in dem gerenne klingeln draußen die angehörigen. da läuft es mir immer kalt den rücken runter, weil ich mir denke, daß sich kein mensch den abschied von einem geliebten menschen so vorgestellt hat. das ist horror und der nimmt mich dann auch echt mit. allerdings habe ich vor kurzem erlebt, daß einer ärztin nach einem solchen verlauf die tränen gekommen sind. sie hat sich mit einem kollegen in die küche gesetzt, sie haben sich in den arm genommen und sich getröstet. als ich das gesehen habe, war ich ganz erleichtert, daß sowas in dem ganzen high-tech-hype zwischen leber-perfusionsmessung, ecmo und hämofiltration lebbar ist. es war traurig und zum heulen. also, raus damit. dr.poops
 
wernecla

wernecla

Mitglied
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26.03.2007
32427
Ich habe gerade das Thema im Unterricht als Seminar gehabt.
Ich muss sagen, das ich doch ziemlich stolz auf meine "kiddies" bin.
Die haben sich der Thematik super genähert und echt super eraarbeitet und gestaltet. Mein Skript konnte ich ziemlich schnell zur Seite legen.
Meine persönlichen Erfahrungen beruhen auf 10 jahren Onkologie .
Ich habe vor dem Thema noch mal diese zeit an mir vorbei laufen lassen, und festgestellt, das es eine zeit gedauert hat, bis ich den (für mich ) richtigen Weg gefunden hatte.
Sterben in den verschiedenen institutionen ist natürlich sehr unterschiedlich.
Es macht schon einen Unterschied ob ich eine beatmungsmachiene ausstelle, oder mit dem Patienten bete.
Es ist was anderes wenn man die Patienten schon über ein bis zwei jahre Begleitet und dann zusammen den Abschied nimmt.
Harte Sache das...
Ich persönlich bin nie auf beerdigungen gewesen, da ich hier meine (persönliche ) Grenze gezogen habe.
Schön war es auch bei der Vorbereitung auf die Thematik einige Briefe von Angehörigen zu lesen, die sich für die Sterbebegleitung und die zeit danach bedankt haben. Wenn ihr die Chance habt auf einer Onkologie zu arbeiten, nutzt sie .
Ich habe nirgendwo so viel reingegeben, aber auch 1000 fach zurückbekommen. Für mich persönlich stand diese zeit immer für 100% Krankenpflege.
Ich wollte vorhin schreiben " ich musste fast 400 Patienten beim Sterben begleiten" aber ich denke eher, ich durfte fast 400 PAtienten begleiten.
Natürlich geht bei einer langzeitbeziehung zu den patienten und vor allem auch angehörigen der "Schutzpanzer" verloren (in gewissem Masse )
aber das öffnet auch die Tür für wirkliche Sterbebegleitung.
Aber die Schicksale hauen ein manchmal schon um
Familienvater mit Krebs - zwei kleine Kinder - mitten in der Bauphase- schulden....
Junge Männer in meinem Alter...
Ach ja bevor falsche gedanken aufkommen.
Nirgendwo habe ich mehr Spaß gehabt und gelacht als auf dieser Station, und zwar mit den PAtienten.


Grundvoraussetzung- tolles team-
...Ich glaube manchmal (jetzt gerade) sehne ich mich danach zurück...
 
Qualifikation
Diplom Pflegepädagoge
Fachgebiet
krankenpflegeschule
Brigitchen

Brigitchen

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Basis-Konto
23.10.2016
Bremen, Deutschland
Hallo, ich freue mich für dich, dass du aus dieser Situation gestärkt herausgekommen bist! Der Umgang mit diesem Thema ist oft sehr nachlässig und umso schöner und wertvoller ist deine Erfahrung! Danke fürs Teilen!
 
Qualifikation
Angestellte
Fachgebiet
Krankenhaus
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05.07.2001
www.pflegeboard.de
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