Abschiednehmen

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wuschelkopp

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20.01.2006
30655
Gestern früh ist eine Bewohnerin verstorben. Das es bald geschehen würde, wusste ich. Es ging ihr sehr schlecht.
Da sie in den frühen Morgenstunden verstarb, hatte ich noch, am Rande, mitbekommen wie sich die PDL um den Notarzt kümmerte, der Leichnam und das Zimmer hergerichtet wurden, und dann kam der Pastor und es wurde eine Aussegnung vollzogen. Eine Andacht zum Abschiednehmen der Mitarbeiter von der Bewohnerin.

Es war würdevoll, wunderschön. Es war Zeit dafür da und es tat sehr gut. Nach den traurigen Tagen des langsamen Sterben der alten Dame, war das ein guter Schlusspunkt und ich bin so dankbar das ich teilnehmen konnte.

In den vielen Jahren in der Ambulanten Pflege, musste ich immer selbst zusehen wie ich mit Trauer umgehe..."Trauer im Strassengraben", sozusagen.

Seit gestern weiß ich das es eine gute Entscheidung war, in diesem Haus zu arbeiten, auch wenn die Fassade bröckelt und die baulichen Gegebenheiten manches mal ungünstig sind.
Das sind alles nur Äußerlichkeiten...
 
Qualifikation
Pflegehelferin
Fachgebiet
Pflegeheim
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muckelwutz

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12.08.2006
70173
Das ist ein sehr schönes Abschiednehmen,ich habe in meiner Zeit als APH immer wieder solche Situationen erlebt. In dem Haus in dem ich über 5 Jahre tätig war,ist nie ein Bewohner in den "Totenraum" im Keller gefahren worden,sondern ist immer in seinem Zimmer geblieben,sodass alle Abschiednehmen konnten.Das finde ich einfach wichtig, auch für die Hinterbliebenen. Der letzte Weg sollte nicht in den Keller führen,oder ?
 
Qualifikation
Assistentin der Heimleitung
Fachgebiet
Verwaltung
rückentrainer

rückentrainer

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29.07.2006
Nördlingen
Manchmal dauert es Jahre bis man etwas erlebt das einem wirklich tut gut und weiter hilft. Gerade bei so einem emotionalen Thema sucht man oft verzweifelt danach, mit diesem Thema umgehen zu können.
Ich glaube viele von euch die an der Trauerfeier dabei sein durften werden versuchen dies immer so zu gestalten, selbst wenn sie irgendwann woanders arbeiten werden. Es muß halt einer da sein der es organisiert. Für den ambulanten Beeich gibt es in vielen Orten die Möglichkeit sich mit ehrenamtlichen Hospitzkräften zusammen zu tun, wenn z.B. keine Angehörigenm mehr da sind.
Gruß
Rückentrainer
 
Qualifikation
Dozent rückengerechtes Arbeiten mit kleinen Hilfsmitteln seit 2004
Fachgebiet
Süddeutschland
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muckelwutz

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12.08.2006
70173
Da stimme ich dir völlig zu. In dem Haus in dem ich vorher gearbeitet habe (Kleinpflegeheim) war es aufgrund der sehr familiären Atmosphäre auch üblich,das der eine oder andere Kollege zur Beerdigung gegangen ist.
Finde ich sehr schön,das zeigt doch die starke Verbundenheit der Mitarbeiter
zu den Bewohnern.
 
Qualifikation
Assistentin der Heimleitung
Fachgebiet
Verwaltung
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wuschelkopp

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Themenstarter/in
20.01.2006
30655
Ein Sterbe oder Totenzimmer im Keller finde ich ganz schrecklich. So etwas kenne ich garnicht. Ich vermute, so etwas wird gemacht, damit das Sterben eines Bewohners von den anderen nicht so wahrgenommen wird????

Bei uns wird das Sterben und der Tod als dazugehörig akzeptiert. Wenn ein Bewohner verstirbt, steht mehrere Tage im EIngangsbreich eine Kerze und eine Vase mit einer Blume, dazu ein Rahmen mit den Daten des Verstorbenen, Name, Alter, wie lange im Haus. Jeder der das Haus betritt, kommt daran vorbei und kann es betrachten, innehalten, wenn er mag.

Dieser Umgang mit dem Tod ist achtsam und es hilft mir sehr klarzukommen, denn das Sterben der alten Dame war sehr schmerzhaft.

Ambulant war es immer meine Privatangelegenheit wie ich mit dem Sterben oder dem Tod klarkomme. Ich hatte, für mich, schon Strategien entwickelt, aber es ist viel besser, wenn der Arbeitgeber ein Auge darauf hat und auch bewußt Zeit schafft, zum Abschiednehmen.

Es ist ein Unterschied, ob ich gleich weiterwirbeln muss, oder ob ich mir mitten im Arbeitsalltag ein paar Minuten nehmen darf, zum loslassen.
 
Qualifikation
Pflegehelferin
Fachgebiet
Pflegeheim
cyberhex

cyberhex

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08.02.2006
8041
Hallo Wuschelkopp,

ihr habt einen respektvollen Umgang mit dem Tod, das finde ich sehr gut.
Dein Beitrag hat bei mir einige Fragen aufgeworfen:
Wie habe ich die verschiedensten Stationen erlebt, wie wurde dort mit dem Sterben umgegangen?
Wie habe ich mich selbst verhalten? Wie ist es mir dabei gegangen?

Da ist die ganze Bandbreite drinnen, vom auf dem Monitor starren, bis die Kurve endlich auf Null ist (auf der Intensivstation) bis zum würdevollen Abschiednehmen im eigenen Begleitzimmer mit den Verwandten.

Oft genug sind mir die Tränen gekommen, wenn ich einen Patienten gerichtet habe, bei manchen war ich aber wieder erleichtert, dass der Todeskampf vorbei war.

In Erinnerung wird mir immer ein relativ junger Kollege bleiben, der nachdem die Patientin verstorben ist, Rosenblätter auf das Leintuch gestreut hat, da sie so gerne Rosen gehabt hat.

Das Abschiednehmen von unserer eigenen Kollegin, die mit einer Massenhirnblutung auf der eigenen Station gelegen ist, war für mich besonders schwer. Geholfen hat mir, dass wir bei ihr waren, als der Arzt das Beatmungsgerät ausgeschalten hat. Eine Stunde später besuchte ich sie nochmals im Begleitzimmer und da schien sie so friedlich und ruhig.

Ich persönlich habe sehr lange gebraucht, bis ich mit dem Sterben von Patienten umgehen konnte. Ich verhielt mich sehr distanziert und kühl, so wie ich es bei anderen gesehen habe.

Jahre später habe ich auf einer neuen Station durch meine Kollegen gesehen, dass es auch anders geht, und man den Patienten einen würdevollen Abschied ermöglichen kann ohne erheblichen Zeitaufwand.

Eine sehr nachdenkliche
Elisabeth
 
Qualifikation
Diplomierte Gesundheits-Krankenschwester
Fachgebiet
Risikomanagement
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muckelwutz

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12.08.2006
70173
Ein Sterbe oder Totenzimmer im Keller finde ich ganz schrecklich. So etwas kenne ich garnicht. Ich vermute, so etwas wird gemacht, damit das Sterben eines Bewohners von den anderen nicht so wahrgenommen wird????

Bei uns wird das Sterben und der Tod als dazugehörig akzeptiert. Wenn ein Bewohner verstirbt, steht mehrere Tage im EIngangsbreich eine Kerze und eine Vase mit einer Blume, dazu ein Rahmen mit den Daten des Verstorbenen, Name, Alter, wie lange im Haus. Jeder der das Haus betritt, kommt daran vorbei und kann es betrachten, innehalten, wenn er mag.
Naja der Raum wurde vor allem dazu eingerichtet,das der Verstorbene dort aufgebahrt wird,falls er in einem Doppelzimmer liegt.I st soweit ich weiss auch Vorschrift das so ein Raum sein muss (da muss seit neuestem auch ein Kühlaggregat drin sein) Aber wir haben das Zimmer wie gesagt nie genutzt,selbst bei Bewohnern aus einem DZ war es nicht nötig,der Mitbewohner hat die Nacht über in einem anderen Zimmer geschlafen (bisher waren alle einverstanden). Das mit dem Bild und der Kerze gibt es bei uns auch und ist ein sehr schönes Symbol,finde ich.
 
Qualifikation
Assistentin der Heimleitung
Fachgebiet
Verwaltung
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Murkel

Hallo,
auch in der amb. Pflege gehen wir respektvoll mit Sterben und Tod um. Unsere Patienten und die Angehörigen werden in der Stunde des Sterbens und Abschiednehmens nicht allein gelassen. In der oft doch recht langen Zeit der Pflege hat sich doch auch eine sehr emotionale Bindung zwischen Patient und Pflegekraft gebildet. Wir beten mit den Angehörigen und weinen mit ihnen. Ist ein Patient gestorben, wird er in den meisten Fällen von uns gewaschen und angekleidet. Ich habe schon erlebt, dass eine Kollegin noch schnell ein Oberhemd für einen verstorbenen Mann bügelt, weil die Ehefrau dieses Hemd gerne als Totenbekleidung haben möchte. Selbstverständlich nimmt, wer möchte an der Beerdigung teil. Wir könnten sonst die vielen Sterbefälle psychisch garnicht verarbeiten.
Einen schönen Sonntag
Birgit
 
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Manu5959

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19.10.2005
Rosenheim
Bei uns wird das Sterben und der Tod als dazugehörig akzeptiert. Wenn ein Bewohner verstirbt, steht mehrere Tage im EIngangsbreich eine Kerze und eine Vase mit einer Blume, dazu ein Rahmen mit den Daten des Verstorbenen, Name, Alter, wie lange im Haus. Jeder der das Haus betritt, kommt daran vorbei und kann es betrachten, innehalten, wenn er mag.
Hallo wuschelkopp,

deine Einrichtung geht sehr würdevoll mir dem Sterben um, ähnlich ist der Umgang mit dem Sterben auch bei uns gestaltet.

Die Kerze und Blume im Eingangsbereich mit Bild des Verstorbenen finde ich eine ganz tolle Idee, was ich mir auch bei uns vorstellen könnte.

Auch wir haben einen Aufbahrungsraum, der aber nur sehr selten genutzt wird.

Wenn ein Bewohner im Doppelzimmer im Sterben liegt, wird meist versucht, den anderen Bewohner kurzfristig zu verlegen, was bisher auch gut geklappt hat.

Sterbebegleitung erfahren die Bewohner bei uns durch Pflegepersonal, Ordensschwestern, Ehrenamtliche, Pfarrer, aber vor allem durch Angehörige.

Das Personal und die Bewohner haben die Möglichkeit, sich bei der Aussegnung im Eingangsbereich vom Verstorbenen zu verabschieden.

Unsere Ordensschwestern gehen immer zum Gottesdienst.

Es ist auch schon vorgekommen, das der überwiegende Teil des Personals bei einer Beerdigung einer Bewohnerin war, da angenommen wurde, das sehr wenig Familienangehörige erscheinen würden.

Grüßle Manu
 
Qualifikation
KS,PA,WBL,stellv. PDL, Pain Nurse, Pain Nurse, Pall. care
Fachgebiet
Altenheim
Weiterbildungen
Leitung des Arbeitskreises zur Implementierung von Palliative care und des Hospizgedankens
L

Lisy

Hallo,
ich schlies mich murkel an. Auch bei uns findet eine Sterbebegleitung statt und wir nehmen als Pflegepersonal Abschied von unseren Patienten. Die eine oder andere wird dann auch getröstet, immerhin haben wir zu unseren Patienten und Angehörigen ein starke Verbindung auf und der Tod ist schmezlich. Wir sprechen die Situation, den Sterbevorgang, dann im Team nochmals durch, so oft wie nötig. Manchmal, meißt besuchen wir die Angehörigen so nach einem Monat nochmal um zu sehen, wie ihm geht. Das wichtigste jedoch ist, daß wir allen neuen Kollegen eine Strategie mit auf den Weg geben um die Trauer gut zu bewältigen.
Gruß Lisy
 
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Monika Bartz

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02.02.2006
4020
Hallo alle!
Ich arbeite auf einer Station, wo ca. 80 Patienten im Jahr versterben und es geht mir auch nach 20 Berufsjahren auf dieser Abteilung noch immer sehr nahe.
Wir haben schon immer die Möglichkeit gehabt, Sterbende alleine in ein Zimmer zu legen und dadurch auch den Angehörigen, Freunden und Bekannten ein Abschiednehmen zu ermöglichen - mit Aromaölen, Blumen, Raumgestaltung und Übernachtungsmöglichkeit für Angehörige im Zimmer. Da wir ein geistliches Haus sind, wird auch viel auf die Krankensalbung wert gelegt und auf Wunsch des Patienten oder der Angehörigen, manchmal auch erst nach unserem Anbieten dieser Möglichkeit, feierlich gestaltet. Es ist immer eine Pflegeperson der Station anwesend und speziell von Schülern und Praktikanten wird dieses Zeremoniell immer sehr berührend empfunden. Da können auch einmal Tränen fließen und das Zurückkehren zum normalen Stationsbetrieb erfordert manchmal große Beherrschung der Emotionen.
Wir ermöglichen jedem im Team eine Auszeit, wenn eine Pflegeperson das braucht.
Angehörige bedanken sich oft Monate später für die Ermöglichung eines würdigen Sterbeprozesses und die Begleitung dabei durch unser Team.
Jedes Vierteljahr gibt es in der Krankenhauskapelle eine Erinnnerungsfeier für alle Verstorbenen des Quartals und Angehörige werden dazu persönlich eingeladen. Kommt besonders gut an und es gibt auch viele Dankschreiben vorzuwiesen.
 
Qualifikation
Krankenschwester / Praxisanleiterin
Fachgebiet
Linz
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05.10.2000
58644
Wenn ich das hier so lese werde ich ziemlich "neidisch"! Bei uns wird "zwischendurch" gestorben.....Wenn möglich mit Angehörigen, meistens aber mit einer Pflegeperson. Aber eben zwischen mehreren Arbeitsgängen bzw. zwischen Aufnahmen die noch "abgearbeitet" werden müssen. Das Ganze geht meistens über mehrere Tage. Wenn die Patienten "Glück" haben sterben sie innerhalb weniger Stunden. GRAUSAM!!

Nur mal eine ganz andere Sicht, eben intensivmedizinisch.......

Gruß
Heike
 
Qualifikation
Fachkrankenschwester I/A, freie Dozentin
Fachgebiet
Lungenfachklinik Intensivstation, Stationsleitung
Weiterbildungen
Mitgliedschaft bei der DGF
A

Anja He.

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23.02.2006
66773
Heike, so ähnlich gehts mir im Moment auch!
Bei uns gehört ein meist langes Sterben fast schon zum Alltag und läuft mehr oder weniger nebenbei ab.

Aber eure Kommentare haben mich zum Nachdenken gebracht. Und die ein oder andere Geste lässt sich mit Sicherheit auch auf einer Intensivstation verwirklichen!
 
Qualifikation
Kinderkrankenschwester
Fachgebiet
Intensivstation neurolog. Frühreha
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05.10.2000
58644
Hallo Anja,

die meisten meiner Kollegen nehmen sich beim Sterbeprozeß Zeit und versuchen wenigstens die Hand des Sterbenden zu halten. Leider ist der Geräuschpegel dermaßen hoch, dass eine wirkliche Atmosphäre nicht aufkommen kann. Das macht mir manchmal schon zu schaffen.

Gruß
Heike
 
Qualifikation
Fachkrankenschwester I/A, freie Dozentin
Fachgebiet
Lungenfachklinik Intensivstation, Stationsleitung
Weiterbildungen
Mitgliedschaft bei der DGF
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wuschelkopp

Mitglied
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Themenstarter/in
20.01.2006
30655
Hallo Heike,
Sterben unter den Bedingungen einer Intensivstation stelle ich mir ganz schlimm vor. Und für dich und deine Kollegin sicherlich nicht leicht veränderbar. Die Gegebenheiten, das ganze Drumrum, sind halt wirklich anders als im Pflegeheim.

Ich kann mir garnicht vorstellen, so zu arbeiten. Die Menschen, die ich im Sterben erlebe, die habe ich einige Zeit begleitet. Oft, nicht immer, schon als es ihnen noch gut ging.
Einmal habe ich eine alte Dame gepflegt die kaum noch ansprechbar war. Das sie die Augen halb öffnete, war manchmal ihre einzige Reaktion auf die Pflege, oder auf meine Begrüßung.
Für mich war enorm hilfreich, das sich eine große Collage aus Fotos an der Wand befand. Die alte Dame in jedem Lebensalter, vielen ganz unterschiedlichen Situationen.
Ich habe mir diese Collage oft angesehen, und zu Herzen genommen, denn sonst wäre sie vielleicht doch nur jemand geworden dem "ich schnell noch etwas zu trinken verabreiche...":blushing:
 
Qualifikation
Pflegehelferin
Fachgebiet
Pflegeheim
HBR69

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Aktives Mitglied
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05.10.2000
58644
Hallo Wuschelkopp,

es sind zwei verschiedene Welten. Im Pflegeheim, denke und hoffe ich einfach mal, wird "anders" gestorben als bei uns. In der Regel sehen wir zu, dass unsere Patienten am Ende ihres Lebens (und meistens auch am Ende von viel viel Intensivmedizin.......) zum Sterben auf die "Normalstation" oder sogar nach Hause verlegt werden. Ich habe es tatsächlich einmal in 15 Jahren Intensivpflege erleben dürfen, dass eine Patientin von ihren Angehörigen zum Sterben nach Hause geholt worden ist. Kurze Rücksprache mit dem Hausarzt und Analgesie abgeklärt und schon war der KTW bestellt..... Ein super glückliches Gefühl für alle Beteiligte.....aber eben nur einmal vorgekommen.

Wenn der Tubus allerdings noch nicht entfert werden konnte, geht dies leider nicht so einfach und da wird es oft menschenunwürdig.......

Gruß
Heike
 
Qualifikation
Fachkrankenschwester I/A, freie Dozentin
Fachgebiet
Lungenfachklinik Intensivstation, Stationsleitung
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Mitgliedschaft bei der DGF
Monika58

Monika58

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26.09.2005
Bonn
@Heike

ich denke, ich weiss, was Du meinst. Es geht uns nicht anders als den Angehörigen: wenn ich mich auf den Tod eines Menschen vorbereiten kann, kann ich weniger schlecht damit umgehen. (Meint: keiner steckt den Tod einfach weg; aber es gibt gute und weniger gute Wege, wie ICH damit umgehe).
Auf einer IPS kann sich das Personal nicht wirklich auf den Tod einer Person einstellen. Ihr kennt den Menschen kaum. Selbst bei einer 10-oder nochmehrtägigen Beatmung macht kennt ihr den Menschen und kennt ihn doch nicht.
Eine Pflegeperson auf IPS sollte nie den Anspruch für sich selber erheben, eine ähnliche Beziehung zu einem Patienten aufbauen zu können wie ein Mitarbeiter einer Pflegeeinrichtung. Die Qualität der Beziehungen ist unterschiedlich, aber dadurch nicht schlechter oder besser.

Als Angehörige muss ich aber noch eine Ammerkung machen: mir ist es immer wieder passiert, dass das Personal von Intensiv-Pflegeeinheiten uns als Angehörige einfach zu spät benachrichtigt haben .... wir konnten keine Hand halten oder einfach da sein. Ich hatte immer den Verdacht, dass Krankenhauspersonal (nicht nur auf Intensivstation) das Sterben eines Patienten als persönliches Versagen erleben und Angehörige an ihren persönlichen "Waterloo" nicht teilhaben wollen.

Nur mal so als Denkanstoß.

Gruß
Monika
 
Qualifikation
Lehrerin für Pflegeberufe, Qualitätsmanagerin
Fachgebiet
Leiterin Fachseminar für Altenpflege
J

Jecca

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29.10.2006
26160
Hallo

das Thema Sterben ist eine sehr schwierige Sache. Der Tod ist nie einfach, man wird sich nie damit abfinden können, egal ob die Menschen einem Nahe stehen oder nicht.
Gott sei Dank ist es bei uns so das die Mitarbeiter bei jedem Bewohner die Möglichkeit haben Abschied zu nehmen, auch mit zur Beerdigung gehen können, wenn der Wunsch da ist. Unsere PDL und unser Einrichtungsleiter sind da echt super. Mir ist es dann auch echt egal, wenn jemand im Sterben liegt, ob ich dann meine andere Arbeit schaffe oder nicht, schließlich gibt es ja auch noch eine nachfolgende Schicht. In solchen Momenten sind solche Situationen für mich und meine Schicht an erster Stelle und später irgendwann alles andere was so anliegt. Nicht vorher!!!
Da steht meine PDL auch voll hinter mir!
Schwierig ist es nur manchmal wenn man die Bilder von den grad verstorbenen nicht wieder richtig los wird.
Sowas dauert dann etwas länger!

Liebe Grüße, Jecca
 
Qualifikation
ex. Altenpflegerin
Fachgebiet
Altenheim
O

oberschwester hildegard

Mitglied
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24.10.2006
Köln
Mein schrecklichstes Erlebnis hatte ich in einem Praktikum.
Eine verstorbene Bewohnerin musste aus dem Doppelzimmer.
Sie wurde,nachdem sie gewaschen u.umgekleidet war,in den Keller in den Kühlraum gebracht.Entsetztlich!!!!
Allein schon der Weg dorthin,durch regelrechte Katakomben,mit zwei Aufzügen,in der hintersten Ecke irgendwo,furchtbar.
Und dann der Kühlraum selber,zwei Fächer,irgendwie wie ein Lastenaufzug,ich kanns nicht wirklich erklären,wenn ich da heute noch dran denke läuft's mir kalt den Rücken runter.
Diese Zustände in einem sehr christlichen Haus und heute noch aktuell!!
 
Qualifikation
Altenpflegerin;Praxisanleitung,Psychiatrische Fachkraft,Palliativfachkraft
Fachgebiet
Seniorenheim + amb.PD
D

DieRatsuchende

Mitglied
Basis-Konto
30.07.2006
9400
Hallo, Oberschwester Hildegard (Klasse Nick :smile: )

Ja, das mutet schrecklich an. Ging mir genauso, obwohl ich den Kühlraum gar nicht gesehen habe.
Mir hat man gesagt: "Er kommt jetzt in ein Abschiedszimmer, und danach in den Kühlraum".
Ich dachte - und denke noch immer - dass es wohl nicht anders ging: mein Angehöriger ist an einem heissen Sommertag gestorben, freitags am frühen Abend.

Dieses Abschiedszimmer liegt leider auch im Keller und ist fensterlos, aber ansonsten doch annehmbar gestaltet.

Liebe Grüße an alle.
 
Qualifikation
Bürokaufmann
Fachgebiet
FiBu
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