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Ablehnung neuer Kunden

  1. Mehrmals erzählten mir Patienten oder Angehörige, dass ein Pflegedienst ihre Versorgung abgelehnt habe. Angeblich sei kein Personal für neue Kunden vorhanden. Stimmt das? Spielt nicht eher die Vergütung bei wirtschaftlich "schlechten" Kunden mit wenigen Verordnungen eine Rolle? Die Geschäftsführungen mauern offenbar und behaupten, sie würden jeden Neukunden nehmen. Stimmt das ?
    Kann mir bitte jemand ein, zwei von Ablehung betroffene Patienten/Angehörige aus dem Raum Augsburg für ein Interview benennen?
    Liebe Grüße Peter Köhler, Augsburg
     
  2. Hallo Herr Köhler,
    Ich arbeite in einem PD in einem Ballungsgebiet, wir sind einer von vielen und auch wir müssen Patienten ablehnen, das hat nichts mit Verordnungen zu tun oder Wirtschaftlichkeit (das Einzugsgebiet ist natürlich wichtig) sondern eher Tatsächlich weil wir das Personal nicht vorhalten. Zum wachsen braucht es nun mal Personal, zum anderen scheitert es aber auch oft an der Uhrzeit sie müssen wissen die begehrte Uhrzeit 8:00-9:00, ist überbelegt und schon längst vergriffen, daher ist bei uns die große Körperpflege nur noch ab 11:00 und später möglich. Wir bekommen auch schon anrufe von der Kasse die für Versicherte einen Pflegedienst suchen.


    Patienten/Angehörige zu benennen ist ja datenschutzrechtlich nicht möglich, da sollten sie eher im Angehörigen-Forum fragen vielleicht meldet sich jemand.
     
  3. Hallo Herr Köhler,

    Ich kann die Ausführungen von Emilija bestätigen. Allerdings von der anderen Seite:
    Ein Familienmitglied von mir benötigte nach einem Unfall kurzfristig einen Pflegedienst. Glücklicherweise fanden wir einen Pflegedienst, der erst vor 2 Monaten eröffnet wurde.(3 Examinierte, die zusammen einen Neustart wagen) Die etablierten Pflegedienste, die wir vorher angefragt haben,hatten alle keine Möglichkeit: Fehlendes Personal zur Neuaufnahme von Patienten. Wurde mir bei zweien durch Bekannte, die dort arbeiten, bestätigt.

    LG Der Eine

    P.S. Ein Pflegedienst hatte Angeboten, spontane "Freiräume" zu nutzen. : Einen Tag morgens um 06:30 Uhr, am nächsten Tag um 11:15 Uhr, usw...
     
  4. Hallo

    Emilijas Posting kann ich nur zu 100% unterstreichen. Aufgrund des Personalmangels können wir seit 2-3 Jahren nicht expandieren. Folge: wöchentlich lehnen wir Patienten ab. Nicht selten sind wir der 4. oder 5. PD der schon angerufen wurde. Aber es geht nicht anders. Die Touren sind zum bersten voll. Neuen Patienten können wir auch nur Versorgungszeiten ab 10.30/11h anbieten.
    Fallen Patienten aus der Versorgung in dem üblichen Stosszeitraum 7-9h raus, werden dann intern Patienten vorgezogen die ungünstige Anfahrtszeiten erstmal ertragen haben. Mit Neukunden werden diese Anfahrtszeiten nicht besetzt.

    Neukunden mit 3-4 oder gar 5 Einsätzen pro Tag? Hahaha.... Wir haben schon damit zu kämpfen bei Patienten die tgl Einsatzzahl zu erhöhen die schon in unserer Versorgung sind und wo die pflegerischen Leistungen erweitert werden müssen aus welchen Gründen auch immer.

    Und es macht bei uns kein Unterschied wer nachfragt: Angehörige, Sozialdienste/Entlassungsmanagements von Kliniken/Rehas, Hausärzte usw usw....alle bekommen die gleiche Auskunft

    Gruß
     
  5. Erstmal herzlichen Dank für die aufschlussreichen Antworten. Ich kann sie für meine Recherche gut verwenden.

    Liebe Grüße von
    Peter K. Köhler
     
  6. Hallo Kollege !
    1) schon mal was von Datenschutz gehört ?!? - Franken gehören zu Bayern ?!?- mal ne' Adresse 'rüberreichen' ??? - Gehts noch ?!?
    2) der Mangel an PKn existiert auch in den ambulanten PDn.
    3) da die AOK einerseits (berechtigterweise) Qualität einfordert, andererseits aber keine kostendeckenden Stundensätze zahlt, gibt es zusätzlich immer mehr PDe, die sich AOK-Patienten nur noch 'leisten' können, wenn sie noch über Patienten anderer KKn verfügen, die 'Gewinn' bringen. - Im Konkurenzfall nimmt dann jeder PD lieber keinen AOK-Versicherten...
    4) daß die AOK hinter der Bürgerversicherung der Sozis steckt ist natürlich 'pure Polemik'.... ;)
    Wolfgang Hack, PDL und QM, Karlsruhe
     
  7. Guten Tag,

    der Pflegefachkräftemangel zwingt auch uns seit etwa 2 Jahren Patienten abzulehnen. Es spielt dabei keine Rolle ob die Anfrage durch Sozialdienste von Krankenhäusern / Rehakliniken / Krankenkasse / Hausärzte / Fachärzte oder über Empfehlungen bis hin zu Familienangehörige aus dem Mitarbeiterkreis kommen. Die Kernzeiten vieler Pflegedienste - meist zwischen 6:00 und 10:00 - sind schon jetzt sehr ausgefüllt. Eine große Rolle spielt sicherlich die gewünschte Pflegezeit, der Wohnort (passt der oder die Patientin noch in die Tour herein), steht für die gewünschte Leistung das richtige Personal (w/m) zur Verfügung oder wird eine entsprechende Qualifikation für die Leistungsabrechnung benötigt? Viele Faktoren die da zusammen wirken! Gehen 2 Patienten einer Tour ins Krankenhaus, ist sicher Platz für eine Neuaufnahme. Aber was ist wenn diese wieder entlassen werden? Ein Patient den wir 2 x die Woche angefahren haben, konnten wir nicht mehr in die Versorgung von 3 x täglich aufnehmen (die Angehörigen mussten sich einen anderen PD suchen). Vor einigen Jahren wäre es undenkbar gewesen Patienten abzuweisen...heute bittere Realität!!! Verzweifelten Angehörigen zu erklären das wir Aufnahmestop haben, 80 jähriger Ehemann am Telefon zu haben das er gleich in die Apotheke gehen will um für sich und für seine bettlägrige Frau Gift zu besorgen, Sozialdienste die Tage am Telefon damit beschäftigt sind Patienten "los zu werden"....
     
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