Atmung & Beatmung Ablauf Weaning

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Mela_1234

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Hallo,

ich habe vor kurzem auf einer Intensivstation angefangen und bin noch in der Einarbeitung. Wie läuft bei Euch das Weaning ab? Wir haben verschiedene Fachrichtungen (interdisziplinär) und fast jede Fachrichtung macht das Weaning anders. Nun ist das für mich in der Einarbeitung schwierig nachzuvollziehen und meine Anleiterin konnte mir das auch nicht für mich zufriedenstellend beantworten.

Eine Fachrichtung hat einen "Weaningbogen", auf dem morgens angeordnet wird, wie oft der Patient Weanen soll und wie. Also z. B. 3x tgl. ASB reduzieren bzw. ganz wegnehmen. Die Minutenzahl variiert, angefangen von 5 Min. bis hin zu 1-2 Stunden. Danach wird der ASB wieder hochgedreht auf den Ausgangswert. Hier wird auch relativ schnell tracheotomiert, soweit ich das mitbekommen habe.

Die andere Fachrichtung hat keinen "Weaningbogen" sondern macht das mehr oder weniger nach "Gefühl" und extubiert auch zügig.

Hab mich heute ein bisschen durchs Internet gelesen und dabei ist mir auch aufgefallen, dass viele nach dem Weaning wieder auf BiPAP stellen zur Erholung, das wird jetzt auf der Station eigentlich nicht gemacht, es bleibt bei CPAP.

Für mich als Intensivneuling ist das alles ein bisschen schwer zu verstehen und mir ist durchaus bewusst, dass das Verständnis für die Beatmung auch erst nach und nach kommt. Nur sind die Fragen im Laufe der Woche aufgetreten und ich möchte es einfach nur mal ansatzweise erklärt haben...

Danke schon mal für die (hoffentlich folgenden) Antworten!
 
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Arnold Kaltwasser

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dacoach

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AW: Ablauf Weaning

Es kann durchaus sein, dass die verschiedenen Abteilungen unterschiedliche Strategien fahren. Das kommt oft vor. Es wäre aber durch aus wünschenswert, wenn ein Pulmonologe das Zepter in der Hand hätte und für alle Abteilungen ein annähernd einheitlichen Standard anbietet. Hier kommt aber das Kompetenzgerangel mancher Chefärzte in den Weg, so dass es ein langer Weg werden kann.
Da ich ambulant arbeite, kann ich da mit einem klaren Konzept auch nicht antworten, da wir noch viel individueller weanen, als in den Kliniken, zumal wir auch unsere Patienten aus vielen Kliniken bekommen. In der Heimbeatmung ist Weaning auch oft nicht ein primäres Ziel.
Aber noch so viel: BiPAP ist der Trend...
 
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AW: Ablauf Weaning

Hallo Mela,

es gibt, wie bei so vielen Dingen in der Intensivpflege/medizin, für den Anfänger leider kein Patentrezept wie der Patient am besten behandelt werden sollte. Wir haben Leitlinien die einem die Richtung zeigen bzw. die einem die neuesten Erkenntnisse der Forschung zeigen und nach denen man sich richten sollte. Leider wird dies nicht immer und von allen so akzeptiert. Gerade auf interdiziplinären ITS (arbeite auch auf so einer) ist es manchmal sehr verwirrent wenn unterschiedliche Konzepte vorliegen. Kenne das leider auch viel zu genau. Für einen Anfänger ist dieses Durcheinander nicht zu verstehen. Es fällt ja oftmals den "Altgedienten" schwer alles nach zu vollziehen.
Beim Weaning kann es dann eben genauso unübersichtlich sein. Wir haben Weaningprotokolle. Genauso wie bei euch werden die Parameter morgens und nachmittags bei den Visiten besprochen und schriftlich angeordnet. Wir fangen mit ASB Reduzierung an und versuchen die CPAP Phasen zu erhöhen. Meistens fangen wir bei 10min an und das mehrfach am Tag bzw. pro Schicht. Gefragt ist hierbei allerdings das Gefühl der Pflegekraft. Ein starres festhalten an die Vorgaben hilft dem Patienten auf keine Fall. Hier muß das Bauchgefühl der Pflegekraft funktionieren. Es ist also immer ein Zwischenspiel zwischen Gefühl und Vorgaben.
In der Literatur wird mehr und mehr das Waeningprotokoll beschrieben und gefordert. Dies macht auch durchaus Sinn. Zu meiner Anfangszeit (vor 20 Jahren) gab es so etwas noch nicht. Wir haben nur aus unserem Bauchgefühl und aus der Erfahrung unsere Kollegen gelernt. Ich befürchte, das dieses Gefühl und diese Erfahrung mit der Zeit verloren geht. Dadurch, dass immer weniger Zeit für die Patienten vorhanden ist bzw. weniger Fachpersonal die Patienten in dieser Phase möglichst 1:1 versorgen, wird die Zahl der Standards und strikten Vorgaben immer mehr werden. Wie schon geschrieben, einerseits gut aber andererseits wird uns auf Dauer dadurch viel Kompetenz verloren gehen. Vieleicht ist es das, was deine Mentorin erklären wollte.

Weaning an sich ist eine Wissenschaft für sich. Weaning fängt mit der Intubation an. Dies wird heutzutage immer wichtiger. Wir haben die Patienten früher viel länger beatmet. Heute wird jeden Tag aufs neue die Frage nach der Beatmungsindikation gestellt. Die Patienten werden einmal täglich "aufgeweckt" usw. Der richtige Zeitpunkt, um mit dem Training anzufangen, verschiebt sich somit immer weiter nach vorne. Das ist gut so!
Wir stellen auch in der Nacht auf BIPAP um. Somit bekommt der Patient eine Ruhephase angeboten um am nächsten Morgen wieder weiter zu trainieren.

Gruß
Heike

http://www.intensivcareunit.de/weaning.html
 
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Mela_1234

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AW: Ablauf Weaning

Hallo zusammen,

danke schon mal für die Antworten. Ich werd mir vor allem die Links mal genauer durchlesen und dann mit meiner Anleiterin drüber sprechen! Ihr seid klasse :)!
 
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Dirk Jahnke

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AW: Ablauf Weaning

Moin Mela_1234


Was einem zuerst klar werden sollte ist, das Weaning eher für Entwöhnung als für Training steht. Man geht davon aus das 70-80% der maschinell beatmeten Patienten kein Training benötigen. Das therapeutische Team muss lediglich die Spontanatemfähigkeit feststellen. Die wird eher von der Medikation als von einer schwachen Atempumpe / Muskulatur beeinflusst.

Um dies nach einen Standard durchzuführen wurde das Weaningprotokoll erstellt. Hier sind Vorgaben aufgeführt, die am Ende zur Extubation führen.


Schwierig wird es bei den 20-30% die eine Atempumpschwäche durch die Beatmung,die Erkrankung (z.B. Sepsis) oder Vorerkrankung haben. Hier ist tatsächlich Training angesagt. Die mir bekannten Protokolle dienen nicht dem Training sondern lediglich der Überprüfung.

z.B. http://www.netzwerk-intensivmedizin.de/Weaning.pdf


Eine Nachbeatmung kann in der Regel nach abklingen der Narkose rasch extubiert werden. Alle "Spielereien" mit der Beatmung dienen nicht dem Training sondern eher der Kontrolle des Atemantriebes. Meint man der Patient ist wach genug kann sofort die Atemunterstützung auf ein niedriges Niveau gedreht werden und ggf. extubiert werden. PSV (CPAP/ASB) hat den Vorteil das der Patient keinen Maschinellen Hub bekommt. Also keinen maschinellen Reiz zum atmen. Besteht noch ein Opiatüberhang wird er eher hypoventilieren.

Es besteht laut deiner Aussage also die Möglichkeit, dass ihr in den verschiedenen Abteilungen ein unterschiedliches Klientel bedient. Am extremsten Stelle ich mir die Kombination Pulmologie und operative Patienten vor. Bei den Pulmologen einen hohen Anteil an Patienten mit chronisch schwacher Atempumpe, operativ eher die Nachbeatmung.
 
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Internistische Intensivpflege
neuro77

neuro77

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AW: Ablauf Weaning

Wir haben zwar ein Weaning-Protokoll das zu verfolgen ist, dies beinhaltet aber eher die Überprüfung der Weaning-Fähigkeit, als eine klare Vorgabe, d.h. Kein Fieber, ausreichenden Atemantrieb, Schutzreflexe, Kooperation und so etwas.
Der wirkliche Ablauf wird dann eher intuitiv zwischen Arzt Pflege und Patient "ausgefochten". Manche Patienten wechseln zwischen Spontan und Kontrollierter Beatmung, andere bekommen HME und PEP-Ventil (kein Schreibfehler! Positiv expiratory Pressure ohne END, beinhaltet eine Verlängerung des Expiriums durch Kleine Ausatemöffnung, entspricht einer Lippenbremse an der TK/Tubus). Andere Wechsels sogar zwischen PCV und Platzhalter, Tags Platzhalter und Reden, Nachts TK und Beatmung).
 
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Intensivstation
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