Abgelehnte Pflegestufe

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Pepperminttea

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26.06.2012
Heilbronn
Hallo alle zusammen,
vielleicht könnt Ihr mir weiter helfen.
Also, meine Mama ist 71 Jahre alt, hat seit 60 Jahren Diabetes Typ 1, dadurch schwere Augenschäden(ein Auge unter 10%, das andere noch 80%), mehrere Herzinfarkte, 19 Stents, starke Wirbelsäulenprobleme und jetzt auch noch Verdacht auf Lungenkrebs, der ihr zusätzlich Probleme bei Belastung verursacht.
Sie ist schon mehrfach gestürzt, mein Vater kümmert sich um den Haushalt, hilft ihr beim duschen, weil sie nicht allein rein und raus kommt, beim Schuhe anziehen usw. Raus kann sie nur noch mit zwei Stöcken oder Rollator.
So, jetzt hat sie im Dezember zum ersten Mal auf Drängen von mir, einen Antrag auf Pflegestufe gestellt. Eine nette Dame vom MDK kam - und der Antrag wurde abgelehnt.
Ich habe mir die Begründung jetzt mal durchgelesen und ich habe mich richtig geärgert. Zum einen wurden drt wichtige Sachen überhaupt nicht abgefragt oder falsch dokumentiert. Sie hat sie z.B. allein drei Stufen laufen lassen und aufgeschrieben, dies sei problemlos möglich. Wenn sie mehr als drei Stufen läuft, ist sie schon mehrfach die Treppe runter gefallen, ganz zu schweigen von ihrer Herzleistung. Den Haushalt kann sie wegen ihres Herzens auch nicht mehr allein erledigen, was aber gar nicht gefragt wurde.
Es wurde dokumentiert, dass sie den Schürzengriff beherrscht, was überhaupt nicht stimmt, sie kommt maximal bis an die Seite. Ich weiß auch gar nicht, ob der MDK über die ganzen Erkrankugen informiert wurde.
JEtzt meine eigentliche Frage: Die "nette DAme" hat sie dann angerufen und ihr Mitgefühl über den abgelehnten Antrag mitgeteilt. Sie sagte ihr, dass sie ja wüsste, wie schlecht sie dran sei, aber das nicht ausreicht. Sie rate ihr aber, einen ganz neuen Antrag nach den neuen Richtlinien zur Einstufung nach pflegegraden auszufüllen, da da "viel mehr mit einfließt".
Würdet ihr gegen der Erstantrag Einspruch erheben und von sämtlichen Ärzten noch Befunde mitgeben oder ist das eher vergeblich und sollte sie wirklich nach der neuen Ausrichtung einen neuen Antrag stellen?

Vielen Dank im Voraus
 
Qualifikation
Krankenschwester
Fachgebiet
amb. Pflege
mysteha

mysteha

Unterstützer/in
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24.06.2012
Saarbrücken
Zuerst mal würde ich mich an deiner Stelle an einen Pflegeberater bzw. einen Pflegestützpunkt wenden.
Es ist eigentlich nichts Außergewöhnliches, dass Erstanträge abgelehnt werden. V.a., wenn deine Eltern
alleine mit dem MDK waren (Ich würde dir raten, beim nächsten Mal auch anwesend zu sein)
Der Pflegeberater/Pflegestützpunkt hilft dir bei einem Widerspruch. Ich würde den zuerst einreichen, da der
Antrag auf Einstufung, falls eingestuft rückwirkend ab Antragstellung erfolgt. Wenn du jetzt neu beantragst,
hast du einen späteren Einstufungstermin.

Viel Glück
 
Qualifikation
KS/PDL/Fachkraft für Gerontopsychiatrie/Hygiene/Pflegeberaterin §7a SGB XI
Fachgebiet
Tagesstätte/Demenz
M

Melisande

Neues Mitglied
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17.01.2014
21629
Lege sofort Widerspruch ein, das neue Gesetz könnte zum Nachteil ausfallen, da die Mobilität in der Beurteilung weniger Berücksichtigung findet.
Muss Deine Mutter die Treppen zum Schlafzimmer oder zum Bad (also im Zusammenhang mit pflegerischen Verrichtunge) gehen?, dann findet eine sichernde Begleitung Berücksichtigung). Diagnosen werden von der Kasse nicht automatisch mitgeliefert, ausser es gab einen Krankenhausaufentlalt oder es findet häusliche Krankenpflege statt). Es hat mit Sicherheit nicht die Gutachterin, sondern eine Kassenmitarbeiterin angerufen. Wichtig ist, den Widerspruch erstmal umgehend einzureichen. Eine Begründung kannst Du nachreichen. Weise auf die Schwäche hin, dass alles pflegerischen verrichtungen schwer fallen, dass dabei überwiegend Hilfe erforderlich ist (auch bei Toilettengängen?), die Sehbehinderung und die Stürze sind auch nochmal wichtig zu benennen. Wenn sich Lungenkrebs bestätigt hat, ist das eine wichtige Diagnose, da wäre auch ein Befund hilfreich. Viel Erfolg!
 
Qualifikation
Pflegfachkraft
Fachgebiet
MDK
Wärter

Wärter

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11.09.2007
Bonn
Um die bestmögliche Leistung zu erhalten würde ich in jedem Fall erst einmal einen Wiederspruch einlegen und keine neue Begutachtung beantragen. Nun wird nochmals nach den alten Regeln der Pflegestufen beurteilt und wenn es dann eine Pflegestufe gibt wird diese übergeleitet. Dieses bedeutet aber, dass du zusehen musst, ob du mit den nicht berücksichtigten Informationen auch Pflegezeit darstellen kannst.

Gehen wir davon aus, sie erhält die Pflegestufe 1 und ohne erheblich verminderte Alltagskompetenz die Überleitung in 2, kannst du abschließend eine neue Begutachtung beantragen.

Fällt diese nach den Pflegegraden nun besser aus ist das gut, fällt sie schlechter aus passiert nichts, da die übergeleiteten Pflegegrade Bestandsschutz haben.

Du kannst aber durchspielen, welchen Pflegegrad nach den NBR sie erhalten würde. In jedem Fall solltest du vorher prüfen ob die Zeit, oder die Pflegebedürftigkeit eine Stufe / Grad rechtfertigen. Am besten von jemanden emotional nicht beteiligten durchrechnen lassen.
 
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Altenpfleger
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Lele Frank

Lele Frank

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17.09.2018
Guten Abend, liebe Chat-Teilnehmer.
Ein solches Forum habe ich gesucht, weil es zur Zeit ein brandaktuelles Thema, bezüglich meiner eigenen Mutter ist. Höherstufung auch abgelehnt. Das scheint wohl obligatorisch zu sein und hat mit Kompetenz einer fachlichen Beurteilung nichts zu tun.
Nun bin ich etwas enttäuscht, das hier eigentlich sehr wenig los ist. Peppermint Tea, behandelt genau das Thema, welches Fragen und Ärgernisse aufwirft.
Dazu hätte ich viel zu sagen und ein paar hilfreiche Tipps. Allerdings liegt bei Ihr alles schon eine Weile zurück. Jedoch: im Grunde geht es darum, dass Betroffene sich viel zu viel bieten lassen. Natürlich muss man sofort Einspruch einlegen, und natürlich muss es zu einem neuen, sachlichen, kompetenten Gutachten kommen. Versäumt man den Einspruch, dann stellt man ganz einfach einen neuen Antrag. Bloß nicht aufgeben; darauf spekuliert man doch letztendlich.
Allerdings frage ich mich: wer - außer den Krankenkassen, braucht eigentlich einen mdk? Und was sind das für Leute, die sich hier als Gutachter verdingen? Gescheiterte Mediziner, die in der freien Wirtschaft keine Karriere machen konnten? Sind Sie hellsichtig und kompetenter als der zu betreuende Hausarzt? Wieso spricht man einem Arzt, der seinen Patienten in- und auswendig kennt, überhaupt dieses Vertrauen einer Beurteilung ab? Wie anmaßend ist das eigentlich? Für meinen Geschmack ist der mdk eine Institution die kein Mensch braucht. Und vonwegen freundlich: scheinheilig würde es besser treffen. Mit der Falschheit einer Cobra lächelt man dem hilflosen Patienten ins Gesicht und ist doch nur froh, möglichst schnell wieder rauszukommen aus dem Krankenzimmer.
Man müsste eine Petition einreichen, welche beantragt den mdk generell abzuschaffen. Zum größten Teil verursachen sie nur unnötigen Ärger und unnötige Bürokratie. Letztlich kann man einem kranken Menschen seinen wahren Zustand nicht absprechen, auch nicht der mdk.
Unsere Gutachterin hielt sich an den Entlassungsbericht einer verantwortungslosen Stationsärztin in der Diakonie Bad Kreuznach. Sie schrieb: die Patientin befindet sich in einem guten gesundheitlichen Zustand und kann in ihre häusliche Umgebung entlassen werden. Ihre Wunden zeigen keine Auffälligkeiten.
Sie konnte bloß nicht laufen, nicht zur Toilette, war hilflos und hat geblutet.
Trotzdem: das war ein gefundenes Fressen für die Tante vom mdk.
Meine Mutter liegt seit 4 Wochen in einer anständigen Klinik. Sie wurde fünf Mal operiert und darf immer noch nicht nach Hause. Aber sie befindet sich in einem guten gesundheitlichen Zustand.
Wäre es nicht so traurig, man müsste darüber lachen.
 

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11.09.2007
Bonn
Grundsätzlich sollte man sich über die Begutachtungskriterien / Instrumente vor dem Besuch durch den MDK informieren. So kann man im Vorfeld für sich bereits einen Pflegegrad errechnen und auch gezielt relevante Themen (die Punkte bringen) ansprechen. In jedem Fall sollte man dann aber den Bericht auf Stimmigkeit prüfen und wenn Punkte fehlen oder nicht berücksichtigt werden, Einspruch einlegen.

Das es bei einer Prüfung unterschiedliche Interessen gibt, sollte klar sein. Darum sind MDK Mitarbeiter aber nicht grundsätzlich der Feind des Pflegebedürftigen.

Ein Grund für die Ablehnung könnte sein, dass (nach Meinung des Prüfers) mittelfristig eine Verbesserung der Pflegebedürftigkeit zu erwarten ist.
 
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17.09.2018
Mag in den meisten Fällen stimmen, verehrter Wärter. Aber in diesem Fall bedürfte es eines Wunders oder einer biologischen Rückwärtsentwicklung 88, 87, 86, 85 usw.
Bei unter 45 Kilo Körpergewicht hat sich die Regeneration längst verabschiedet.
Außerdem: die Vorgehensweise des mdk ist hinreichend bekannt.
Man kann es ja mal versuchen, die Patienten im Regen stehen zu lassen.
Wir sind doch kein Einzelfall, nicht wahr?
Wie Prüfer des mdk den Betroffenen Zuversicht vorheucheln... da treibt es mir die Schamesröte ins Gesicht. Sparen an Menschlichkeit...? Da geht bei mir nix mehr.
 
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05.07.2001
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