Abbruch der praktischen Prüfung wenn die Patientin im Sterben liegt?

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Carlo Fröhlich

Mitglied
Basis-Konto
03.11.2001
pflegepaedagoge.de
Hallo

Ein ethisches Dilemma

Muss die praktische Pflegeprüfung abgebrochen werden, wenn die von der Schülerin zu pflegende Patientin im Sterben liegt?

Eine konkrete Situation, wie sie sich im Rahmen der praktischen Prüfung zutragen könnte:

Eine ältere Frau, die an einem Colon-Carcinom mit Metastasen erkrankt ist, wird am Vortag der Prüfung zur Hauptpatientin bestimmt. Über Nacht verschlechtert sich der Zustand der schwerstkranken Patientin, zusehend, so dass sie am Tag der Prüfung im Sterben liegt. Diese Situation veranlasst die Lehrerin, welche Erstprüferin ist, dennoch nicht die Prüfung abzubrechen. Die geprüfte Schülerin ist in dieser Situation überfordert und konzentriert sich nur auf die korrekte Ausführung der grundpflegerischen Tätigkeiten. Die Mentorin, eine Krankenschwester von Station welche als Zweitprüferin beteiligt ist und die im Sterben liegende ältere Frau kennen gelernt hat, sieht zwar die Möglichkeit des Prüfungsabbruches, damit die Patientin in den Mittelpunkt des Geschehens gerückt werden kann; betrachtete es aber auch als Kompetenzüberschreitung ihrerseits.

Die Patientin verstirbt einige Stunden nachdem die Prüfung beendet wurde.


Wie würdet Ihr diese Situation bewerten, oder wie habt ihr gehandelt, wenn ihr schon eine ähnliche Situation erlebt habt?

Muss die Prüfung abgebrochen werden und die Schülerin zusätzlich unter Druck gesetzt werden, weil sie am darauffolgenden Tag die Prüfung wiederholen muss?

Ist grundsätzlich das Recht der Patientin auf ein menschenwürdiges Sterben zu sehen?

Hat eine Erstprüferin durch ihre Weiterbildung zur Lehrerin für Pflegeberufe eine grundsätzlich höhere Entscheidungsbefugnis in der Prüfungssituation als eine Mentorin

Ich bin sehr auf Eure Meinungen gespannt.

Viele Grüße

Carlo
 
Qualifikation
Student an der Kath. Fachhochschule Freiburg, Krankenpfleger
Fachgebiet
Krankenpflegeschule
E

Elisabeth Dinse

Gesperrter Benutzeraccount
13.08.2000
00000
Hallo Carlo,
beschreibt deine Situation nicht das Dilemma einer praktischen Prüfung und somit auch das Ziel unserer Pflegeausbildung? Es wird immer mehr Wert auf die technisch korrekte Grundpflege gelegt (welcher Arm muß zuerst gewaschen werden, Waschwasserwechsel etc.), denn auf eine angemessene Interaktion zwischen Pflegenden und zu Pflegenden (eingehen auf aktuelle Gefühle und Bedürfnisse). Wen wundert es dann, daß unsere jungen Kollegen sich so schwer tun mit individueller Pflegeplanung und individueller Pflege.
Elisabeth
 
Qualifikation
KS, PA BasStim, FS A/I
Fachgebiet
IBFW
K

Kai-Uwe Klöting

Mitglied
Basis-Konto
17.07.2000
44225
Hallo Carlo

Ist grundsätzlich das Recht der Patientin auf ein menschenwürdiges Sterben zu sehen?

Ich denke auf jeden Fall ja!!!!
Man könnte in dieser Situation die Schülerin befragen ob sie sich zu trauen würde als Prüfungssituation eine Sterbebegleitung zu versuchen,da sollte allerdings die Schülerin selbst entscheiden können.

Hat eine Erstprüferin durch ihre Weiterbildung zur Lehrerin für Pflegeberufe eine grundsätzlich höhere Entscheidungsbefugnis in der Prüfungssituation als eine Mentorin?
Ich denke in so einer Situation sollten sich alle zusammen setzen und überlgen wie Sinnvoll es ist, für die Pat. und auch für die Schülerin ,die Prüfung zu machen.Ich denke jedem der Beteiligten steht es zu ein Veto einzulegen,die Entscheidung letztenendes trägt denke ich aber die zu ständige Lehrerin.
Meiner Meinung nach hätte die Prüfung so nicht stattfinden dürfen da es der Pat. so bestimmt nicht leichter gemacht worden ist zu sterben.
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger A+I
Fachgebiet
Anästhesie
S

Simon Joerg

Mitglied
Basis-Konto
27.03.2002
Ich traue mich nicht zu der vorgegebenen Situation Stellung zu nehmen. Sie kann nur falsch sein.

Bei uns gab es mal einen ähnlichen Fall. Während der Prüfung verschlechterte sich eine Patientin extrem. Wir überlegten ebenfalls, was zu tun ist. Da der Schüler nach dem Examen ja auch mit allem zurecht kommen muss, entschlossen wir uns orläufig für die Fortführung.
Der Schüler informierte die Ärztin, half bei der Diagnostik und reduzierte die Grundpflege auf eine Katzenwäsche.
Ein in der Tat SEHR GUTES Verhalten, wie man es sich wünscht.

So war es bei uns, jedoch war es nicht so "akut" bzw. "präfinal" wie im o.g. Fall. Hier wüsste ich auch nicht spontan, was zu machen ist.
 
Qualifikation
Krankenpfleger Student der Pflegepädagogik
Fachgebiet
Krankenpflegeschule
N

Nicole

Mitglied
Basis-Konto
22.08.2000
Hallo Carlo,

bei uns ist es so, dass der Patient mit in die Prüfung einwilligen muß. Ich frage mich ob das ausreichend geschehen ist.
´Meine Meinung ist: man hätte die Prüfung nicht abbrechen müssen, weil sie im Sterben liegt, sondern weil die Schülerin nicht der Patientensituation entsprechend gehandelt hat. In dem Moment hatte man die Schülerin darauf hinweisen müssen. Ich habe schon Examen erlebt, wo sich Patienten verschlechtert haben, der Auszubildene, aber richtig gehandelt hat und eine wirklich gute Note bekommen hat.
Wenn sich die Schülerin zu der Patientin gesetzt hätte und nur das nötigste gemacht hätte, wäre das sicherlich auch so gewesen.

Gruß Nicole
 
L

Luna

Mitglied
Basis-Konto
24.04.2002
Hallo Carlo,

ich schliesse mich in meiner persönlichen Meinungen denen an, die für eine individuelle Lösung durch alle Beteiligten (und dazu würde ich noch die anderen Pflegekräfte zählen, die die Patientin gekannt haben und zu diesem Zeitpunkt anwesend waren) sind.
Unglücklich an der Situation erscheint mir die Kombination einer neuen Schulschwester und einer Schülerin, die weder eine Beziehung zu der Patientin hatte, noch sich in der Prüfungssituation der Pflege einer Sterbenden gewachsen sah.
Ehrlich gesagt, würde ich nicht gerne so sterben.

Tschüss Luna
 
Qualifikation
Pflegestudentin / Kinderkrankenschwester
Fachgebiet
stationäre Altenpflege
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Administrator
Teammitglied
05.07.2001
www.pflegeboard.de
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