Ab wann Pflegeheim notwendig ?

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Schimmel92

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Seit einiger Zeit bin ich am Überlegen, o ich meine Mutter in ein Pflegeheim geben "muss" oder ob sie weiter zu Hause bleiben "darf" und hoffe, hier ein wenig Entscheidungsmithilfe zu finden.

Eckdaten:
89 Jahre, alleinlebend, div. (ausgeheilte) Krebserkrankungen, div. Arthrosen, Glaukom und grauer Star, seit einem Sturz mit Oberschenkelhalsbruch Sept.13 bettlägerig
Stuhl- und Harninkontintent, leicht dement, Psychosen (z.B.: ...alles Essen darf sie nicht essen weil es vergiftet ist (Herbst 13)...auf den Bücherregalen laufen niedliche Schildkröte entlang (April 14)...) - wird medikamentös behandelt.
Pflegestufe 2
Ich bin seit Mai Betreuerin, ich bin - fast - einzige Angehörige

Pflegedienst kommt 3 x am Tag, Krankenschwester kommt 3 x am Tag (Medikamentenhabe)
Haushälterin (Putzen, Wäsche, Einkaufen, auch Mittag kochen) kommt 3 x die Woche
Ich komme 2 x die Woche ( Papierkram, Mittag kochen, unterhalten)

Meine Mutter liegt nur im Bett, kann sich nicht alleine aufrichten, kann auch nicht alleine Becher/Gabel halten.
Meist starrt sie mit offenen Augen an die Decke, schaut mich auch nicht an wenn ich mit ihr rede, antwortet nicht ( oder nur selten).
Wird gefüttert und getränkt, verweigert aber oft das Mundaufmachen/Tabletten schlucken. Gerade in letzter Zeit isst sie zwar gut (macht Mund auf wenn Essen kommt, kaut und schluckt), verweigert aber das trinken - kneift den Mund zusammen, und/oder schüttelt den Kopf und/oder lässt das Getränk wieder aus dem Mund herauslaufen und/oder sagt "nein".

Zeit ihres Lebens wollte sie nie in ein Pflegeheim, "ich verlasse meine Wohnung nur tot". ( Mein Vater lebte die letzten 12 Jahre in einem Pflegeheim )
Sie lebt seit 53 Jahren in dieser Wohnung.
Ich möchte einerseits ihren Wunsch erfüllen, dass sie zu Hause bleiben kann - andereseits soll sie auch nicht alleine zu Hause verwahrlosen/im schlimmsten Fall verdursten.
Andererseits: welche Möglichkeit hat ein so kranker Mensch noch, zu sagen "ich will nicht mehr", als einfach Essen/Trinken zu verweigern ?
Sollte man ihm diese Möglichkeit lassen oder rauben ?

Gestern hatte ich das Gefühl, dass meine Mutter pure Angst in den Augen hatte, wie ein in die Ecke gedrängtes Tier - sie konnte mir aber nicht sagen, warum und ich konnte es auch mit Fragen nicht herausfinden.
"Ach Schimmel" waren die einzigen Worte, die sie sagte. (Also, sie erkennt mich und weiß wer ich bin !)

Tja....was tun ?!
 
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AW: Ab wann Pflegeheim notwendig ?

Schwierig., vor allem, wenn man nicht mehr richtig kommunizieren kann.
Wie oft bist du denn bei ihr? Den ganzen Tag/Nacht allein - bis auf die "paar Minuten" Pflegedienst, kann auch verrückt machen.
Hättest du denn oder deine Mutter ggf. die finanzielle Möglichkeit, tagsüber jemand zu holen und wenn es nur nachmittags 2 Stunden sind, die einfach nur da ist, ihr vielleicht mal was vorliest, ihr was erzählt und wenn nicht jeden Tag, dann vielleicht 2 - 3 x die Woche.
Die Kosten kannst du ggf. auch von der Steuer absetzen.

Im Pflegeheim wird es deiner Mutter nicht viel anders ergehen und ehe ich meine Mutter in ein Heim geben würde (die das auch nicht will) würde ich alle anderen Möglichkeiten ausschöpfen.
 
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Schimmel92

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AW: Ab wann Pflegeheim notwendig ?

Ich bin zweimal die Woche bei ihr für circa 1 1/2 Stunden.
Die "Haushälterin" ist dreimal die Woche für 3 Stunden anwesend.
Der Pflegedienst ist pro Besuch je 1 Stunde da.

Noch jemand Fremdes ins Haus holen möchte ich nicht, da ich einmal sehr schlechte Erfahrungen gemacht habe (Diebstahl im höheren vierstelligen Bereich - Anklage läuft noch) .
 
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AW: Ab wann Pflegeheim notwendig ?

Wenn man bzw. die Mutter nicht am Ende der Welt wohnt und zu Hause keine anderen Möglichkeiten in Betracht gezogen werden, ist doch ein Heim die bessere Wahl.


Ich könnte nicht mehr gut schlafen, wenn meine Mutter fast den ganzen Tag alleine ohne jede Hilfe und Abwechslung im Bett liegt.
 
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AW: Ab wann Pflegeheim notwendig ?

ok, das hattest du ja vorher nicht geschrieben.
Vielleicht kann man das mit der Haushälterin noch ausdehnen, dass sie jeden Tag kommt.
Besteht denn ggf. die Möglichkeit, auch mal im Rollstuhl nach draussen zu fahren?
Abwechslung würde deiner Mutter bestimmt gut tun, von früher erzählen, mal alte Fotos anschauen, raus aus der Wohnung.

Na ja, Onkel Fritz, kommt immer auf das Heim an ob dort mehr mit einer Bewohnerin gemacht wird. Kenne solche und solche.

Und Heim bleibt Heim, das wissen wir doch. Meine Großmutter lag wegen Kurzzeitpflege im Heim, sie lag den ganzen Tag nur im Bett, weil das Pflegepersonal so faul war sie anzuziehen und in den Rollstuhl zu setzen, und sie konnte sich normal verständigen. Sie wäre lieber den ganzen Tag allein zu Hause gewesen als dort.

Hast du mal über eine polnische Pflegerin nachgedacht? Falls genug Geld vorhanden ist, könnte das eine Alternative sein.
 
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stern3007

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AW: Ab wann Pflegeheim notwendig ?

Ich verstehe deine Gedankengänge. Wenn es deiner Mutter besser gehen soll, insofern es ihr überhaupt besser gehen kann, dann muß man etwas gegen das Problem der Hilflosigkeit tun, dass deine Mutter mit Sicherheit quält. Auch wenn sie das gedanklich nicht mehr strukturieren kann, dann auch nicht kommunizieren kann: Die Ängste kommen auf jeden Fall durch.

Mit den Einschränkungen, die deine Mutter zu ertragen hat, besteht aus meiner Sicht eine 24 stündige Betreuungsnotwendigkeit pro Tag. Im Heim ist das sicher nicht gegeben, weil die Strukturen im Heim unweigerlich dazu führen müssen, dass deine Mutter weiterhin das Gefühl der Hilflosigkeit, verbunden mit Ängsten (Urängsten) hat. Aus meiner Sicht tust du schon sehr sehr viel für deine Mutter. Mehr als viele überhaupt tun würden. Dich weiter einzubinden, würde vermutlich deine Belastungsfähigkeit überschreiten.

Besteht die Möglichkeit, eine 24 Std. Hilfe in häuslicher Umgebung umzusetzen? Ggf. unter Zuhilfenahme von Angeboten (insofern die finanzielle Basis eingeschänkt ist), die man hier in einem Pflegeforum eigentlich nicht unterstützen sollte. Ich denke du weißt was ich meine.
 
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Schimmel92

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AW: Ab wann Pflegeheim notwendig ?

@ Böserwolf:
mit Rollstuhl nach draußen fahren geht nicht - sie wohnt Hochparterre ( 6 Treppenstufen, ohne Fahrstuhl); abgesehen davon kann kein "Nichtprofi" sie in den Rollstuhl hiefen - sie kann sich ja nichtmal alleine im Bett herumdrehen (wird regelmäßig anders gelagert)
Von früher erzähle ich schon immer, aber es kommt keine Reaktion (auch keine Veränderung im Gesichtsausdruck oder so).
Fotos angucken geht nicht - sie schaut nicht hin.

@ Böserwolf und stern3007:
Über "polnische" oder sonstige Pflegerin hatte ich schonmal nachgedacht, aber die müsste ja dann mit in der Wohnung wohnen und ich weiß, dass das meine Mutter nicht wollen würde ( aus Gesprächen von früher). Sie bräuche doch auch ein eigenes Zimmer und so, oder ?!

Habe heute erstmal mit dem Pflegedienst gesprochen, sie wollen jetzt noch ein viertes Mal kommen und die Pflegestufe soll auf 3 erhöht werden, MDK ist schon benachrichtigt.

Das Problem des Nicht-trinken-wollens (oder -könnens ) ist damit natürlich noch nicht behoben.

- - - Aktualisiert - - -

Wenn man bzw. die Mutter nicht am Ende der Welt wohnt
Ich wohne am Ende der Welt :laughing: - in einem 400-Seelen-Dorf mit den nächsten Einkaufsmöglichkeiten in 13 km Entfernung - meine Mutter dagegen wohnt in der Großstadt.

Ich könnte nicht mehr gut schlafen, wenn meine Mutter fast den ganzen Tag alleine ohne jede Hilfe und Abwechslung im Bett liegt.
Könntest Du besser schlafen, wenn sie gegen ihren lebenslangen Willen im Heim wäre,man also über ihren Kopf hinweg entscheidet ?!
Ich habe echt Probeme damit !!
 
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Onkel Fritz

Onkel Fritz

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AW: Ab wann Pflegeheim notwendig ?

und die Pflegestufe soll auf 3 erhöht werden, MDK ist schon benachrichtigt.
Soll, muss aber nicht. Bei Ablehnung sofort Einspruch einlegen.
meine Mutter dagegen wohnt in der Großstadt.
Da würde es genug Auswahl an Heimen geben.
Könntest Du besser schlafen, wenn sie gegen ihren lebenslangen Willen im Heim wäre,man also über ihren Kopf hinweg entscheidet ?!
Ja, weil sie dann nicht 20 Std. oder länger allein hilflos in ihrer Wohnung liegt.
 
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stern3007

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AW: Ab wann Pflegeheim notwendig ?

@ Böserwolf und stern3007:
Über "polnische" oder sonstige Pflegerin hatte ich schonmal nachgedacht, aber die müsste ja dann mit in der Wohnung wohnen und ich weiß, dass das meine Mutter nicht wollen würde ( aus Gesprächen von früher). Sie bräuche doch auch ein eigenes Zimmer und so, oder ?!

Habe heute erstmal mit dem Pflegedienst gesprochen, sie wollen jetzt noch ein viertes Mal kommen und die Pflegestufe soll auf 3 erhöht werden, MDK ist schon benachrichtigt.

Das Problem des Nicht-trinken-wollens (oder -könnens ) ist damit natürlich noch nicht behoben.
Das Problem ist klar. Aber die gewichtigen Punkte sind jetzt anders gelagert.
Deine Mutter kann ihren Willen nicht mehr bekunden und selbst wenn sie es könnte, ist fraglich, ob sie wirklich beachtet, dass sie gut versorgt ist.
Es gibt Situationen, in denen man nicht auf ältere Willensäusserungen zurückgreifen kann, man darf nur die aktuelle Situation und deren Absicherung im Sinne, dass es deiner Mutter möglichst gut geht, berücksichtigen.

Gutes Beispiel:
Meine Schwimu hat sich immer dagegen gewehrt, in ein Heim zu gehen. Sogar mit Suizid gedroht, wenn das jemals passieren sollte.
Da sie schwer mit Demenz zu kämpfen hat, aber trotzdem noch ihre Situation wahrnehmen kann, aber nicht mehr entscheiden kann, waren wir dazu gezwungen sie ins Heim zu geben.
Wir haben das gegeben was wir maximal geben konnten, es hat nicht ausgereicht, da meine Schwimu. dazu neigt, total unüberlegte Handlungen auszuführen die definitiv bis in lebensbedrohliche Situationen führen. Meine Schwimu war total überfordert mit ihrer eigenen täglichen Versorgung. Die Verwahrlosungsschiene mit Gesundheitsgefährdung stand im Vordergrund, sowie massive Weglauftendenzen. Wenn man dann irgendwann erlebt, dass Schwimu im eigenen Hausflur wo sie ca. 50 Jahre gelebt hat, steht, und nach Hilfe ruft, weil sie ihr zuhause nicht mehr erkennt, ist dringend Handlungsbedarf da. Hinzu kam, dass ihr Ehemann vor 1 Jahr verstorben ist, der eine Menge Probleme kompensiert hat.

Die Entscheidung für das Heim ist uns unendlich schwer gefallen. Aber letztendlich war es genau der richtige Weg. Meine Schwimu kann man fast schon als glücklich bezeichnen. Entgegen allen Befürchtungen hat sie sich gut eingelebt und da sie körperlich nicht eingeschränkt ist, hat sie richtig an Lebensqualität gewonnen. Wir haben auch ein gutes Heim gefunden, dass wirklich auf sie eingeht.

Bist du sicher, dass deine Mutter, wenn sie ihre Situation wirklich noch erfassen könnte, sich gegen eine Betreuung, die bei ihr lebt, entscheiden würde? Würde sie lieber ins Heim gehen?
 
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nofretete

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AW: Ab wann Pflegeheim notwendig ?

Probier es doch erstmal mit einer 3-wöchigen Kurzzeitpflege. dir sollte klar sein, dass der Mensch unbedingt den Kontakt zu anderen Menschen braucht, Stimmen hören, andere sehen können, auch wenn sie sich mit was anderem beschäftigen. Du schreibst auch, sie kann sich allein nicht mehr drehen, kommt denn jemand in der Nacht zum lagern? Ich will dich keinesfalls kritisieren, du machst das ganz fantastisch und versuchst die Wünsche deiner Mutti zu erfüllen. Aber leider muß man manchmal Entscheidungen treffen, die vielleicht nicht im Sinne der Betreuten sind.
 
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AW: Ab wann Pflegeheim notwendig ?

Schimmel, nicht einfach...
Ich habe im Familien- und nahem Freundeskreis zwei Beispiele, wo es mit einer (hier offiziell vermittelten) 24-Stunden-Pflege super klappt. Ich habe aber kein Beispiel selber erfahren, wo es total in die Hose gegangen ist. Ist aber natürlich nicht repräsentativ.
Genauso kann ich von 3 Fällen aus persönlichem Erleben berichten, wo die teilweise erzwungene Heimunterbringung zu einer Verbesserung der Lebensqualität geführt hat.
Teilweise erkläre ich mir die postive Bilanz damit, dass in den meisten Fällen die Pflege zu Hause möglich war und der Umzug ins Heim erst dann vollzogen wurde, wenns wirklich nicht mehr ging.
Ob jetzt das Heim die richtige Variante ist oder doch die eigene Wohnung - so wie Du die aktuelle Situation beschreibst, würde ich glaube ich nicht weiter machen mögen.
Mich würde vor allen die lange Nachtzeit beunruhigen. Und ich denke auch, dass Du Dich sehr engagierst und wirklich das Wohl und die Wünsche Deiner Mutter im Auge hast.
Eine Frage, die eher die Fachleute hier beantworten können - könntest Du mal eine Beratung bei einem Pflegestützpunkt in der Stadt, in der Deine Mutter lebt, in Anspruch nehmen, um alle Möglichkeiten aufgezeigt zu bekommen?
Ich wünsch Dir viel Kraft!
 
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Schimmel92

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AW: Ab wann Pflegeheim notwendig ?

Bist du sicher, dass deine Mutter, wenn sie ihre Situation wirklich noch erfassen könnte, sich gegen eine Betreuung, die bei ihr lebt, entscheiden würde? Würde sie lieber ins Heim gehen?
Ehrlich ? Wenn sie die Situation ganz erfassen würde, würde sie sich weder für das eine noch das andere entscheiden sondern versuchen sich umzubringen.
Und dies ist NICHT einfach so dahergesagt.
*
*
*
Mein Vater hatte immer gesagt, ehe er ein Pflegefall wird bringt er sich um.
Irgendwann, viel später, hatte er einen Autounfall, von dem er unvollständig genaß (bleibender Gehirnschaden) - er konnte aber durchaus täglich eine Runde alleine spazierengehen.Eines Tages nahm er (unbemerkt) einen Eimer mit und ging zu einem in der Nähe liegendem Hochhaus, fuhr in den letzten Stock, versuchte mit Hilfe des Eimers über die Brüstung zu klettern....wurde daran gehindert, Feuerwehr und Polizei kam, er wurde mitgenommen, untersucht,.....ein halbes Jahr später gab es einen gesundheitlichen Rückfall der letztendlich mit einem 12-jährigen Pflegeheimaufenthalt endete. Wo er mich die ersten Jahre bei jedem Besuch fragte, ob ich ihm nicht "was" geben könnte...
Es geschah also genau dass, was er NIE wollte.
*
*
*
Meine Mutter dachte/denkt (?) ähnlich und würde ähnlich handeln (wollen).

Nie in ein Heim.
Nie fremde Leute in der Wohnung haben.
Lieber umbringen.

Und daher tue ich mich so schwer damit, sie in ein Heim zu geben wenn es nicht absolut und unabdingbar notwenig ist.

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Mich würde vor allen die lange Nachtzeit beunruhigen.
Hm.
Ist da ein großer Unterschied zu Hause/Heim ?
Sie wird zu Hause abends gewaschen, bekommt was zu essen und zu trinken, Zähne geputzt, frisch gewindelt und wird gelagert. Dann Nachtruhe bis morgens.
Wäre das in einem Heim anders, gäbe es nächtliche Routinekontrollen ? Auch wenn niemand klingelt oder so?
(Denn selbständig klingeln, dass könnte sie nicht)

- - - Aktualisiert - - -

.
Ja, weil sie dann nicht 20 Std. oder länger allein hilflos in ihrer Wohnung liegt.
"Hilflos" ist sie ja leider immer.
Aber es sind ja nicht 20 Stunden am Stück, sondern z.B. ein Montag würde so etwa aussehen:
7.15 - 7.30 Krankenschwester kommt zur Medikamentengabe
9.00 - 12.00 h Haushälterin kommt, macht Frühstück,redet mit ihr
10.00 h - 11.45 h Pflegedienst kommt zur Morgentoilette
13.00-13.15 - Krankenschwester kommt zur Medikamentengabe
15.00-15.45 Pflegedienst kommt zur Nachmittagstoilette /Mahlzeit und Getränke reichen
17.00-17.15 Krankenschwester kommt zur Medikamentengabe
20.00 - 20.45 Pflegedienst kommt zur Nachttoilette /Mahlzeit und Getränke reichen

Wären in einem Heim öfter und länger Menschen mit ihr beschäftigt ?
Ich weiß es WIRKLICH nicht was besser für sie wäre.

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dir sollte klar sein, dass der Mensch unbedingt den Kontakt zu anderen Menschen braucht, Stimmen hören, andere sehen können, auch wenn sie sich mit was anderem beschäftigen. .
Ich kenne das Heim, wo mein Vater war, und zwei weitere Heime.
In allen sind die bettlägerigen Menschen "alleine" in ihrem Zimmer gewesen /Tür offen, aber gehört oder gesehen haben sie andere Menschen nicht, außer wenn die Pflegekräfte oder Besuch zu ihnen ins Zimmer kam.
(Mein Vater war zum Glück bis auf die letzten Wochen tagsüber im Rollstuhl und konnte so noch mehr am Geschehen teilnehmen, auch wenn er den Rollstuhl selbst nur in den ersten Jahren alleine betätigen konnte).

Machen Pflegeheime es, dass sie "eigentlich" bettlägerige Menschen in einen Rollstuhl setzen und herumfahren ?!
DAS wäre dann wirklich eine Verbesserung der Lebensqualität für meine Mutter, wenn sowas geleistet werden würde !
 
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AW: Ab wann Pflegeheim notwendig ?

Mir geht es wie dir, ich bin die Betreuerin meiner Schwmutter, höchstgradig dement, Pflegestufe 3. Aus organisatorischen gründen muss sie 2x im Jahr in die Kurzzeitpflege. Wir haben eine 24 stunden Betreuung und das ist das einzig wahre für sie. Im Pflegeheim sind sie restlos überfordert mit ihr, da sie auch noch eine starke Weglauftendenz hat. Nachts ist im ganzen Haus nur eine Pflegekraft, ( wie das geht verstehe ich nicht ).
Aber : das Leben ist kein Wunschkonzert ! Wir Betreuer haben uns diese Situation auch nicht gewünscht und müssen viele Entscheidungen zum Wohl des Kranken fällen. Ich meine, dass du noch viele Entscheidungen treffen musst, die deine Mutter nicht will oder nicht gewollt hätte. Ich selber hätte kein ruhige Minute, wenn ich wüßte, dass Mutter hilflos die ganze Nacht i Bett liegt und sich nicht rühren kann.
Ich habe nie gefragt, was sie will, sondern immer phasenweise entschieden, was notwendig ist.
Es ist für uns Angehörige eine schwere Zeit, wenn man plötzlich in einer anderen Rolle ist und Entscheidungen treffen muss, womit der Gegenüber vielleicht nicht einverstanden ist.
( ich wohne in einer Gegend mit wenig Plätze im Pflegeheim für Demenzkranke und habe von der Heimleitung mitgeteilt bekommen, dass sie leider in Zukunft Mutter nicht mehr nehmen können, da sie nicht ausgerichtet dafür sind )
Also müssen wieder Entscheidungen getroffen werden.
ich wünsche dir viel kraft und alles Gute.
 
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AW: Ab wann Pflegeheim notwendig ?

Es ist für uns Angehörige eine schwere Zeit, wenn man plötzlich in einer anderen Rolle ist und Entscheidungen treffen muss, womit der Gegenüber vielleicht nicht einverstanden ist.
...
ich wünsche dir viel kraft und alles Gute.
Ich kann nur aus vollem Herzen zustimmen. Wir haben im Moment auch eine Situation, die von meinem Vater nie so gewünscht gewesen wäre..
Die Diskussion löst ziemlich viele Emotionen bei mir aus.
Schimmel, ich würde sagen, Du hast drei Optionen:
- ganz den Wünschen Deiner Mutter entsprechen (wobei sie ja jetzt schon wechselnde Fremde im Haus hat) und ihr so das Recht auf Verwahrlosung und Selbstgefährdung einräumen. Auch das kann aus meiner Sicht absolut legitim sein, ich persönlich könnte damit aber nicht umgehen.
- eine 24-Stunden-Betreuung oder Nachtwache organisieren, um keine zu langen Zeiträume ohne Kontrolle und Lagerung zu haben.
- Deine Mutter in ein Heim bringen.
Jede dieser Optionen hat Vor- und Nachteile, und jede dieser Optionen wird irgendwann Gefühle wie "hätte ich doch nur..." in Dir auslösen. Zumindest ist das sehr wahrscheinlich.
Aber..hätte, hätte, Fahrradkette.. das Schlechteste (auch für Dich) ist KEINE Entscheidung. Wobei bewusst nichts zu ändern auch eine Entscheidung ist.
Mich persönlich überzeugt noch am ehesten der Vorschlag von Nofretete, eine Kurzzeit-Pflege über mehrere Wochen anzustreben, um zu sehen, wie dies Deiner Mutter gut tut und auch um Dir eine kleine Atempause in der totalen Verantwortung zu geben. Und dann zu entscheiden, wie es weiter geht.
So...und ich muss jetzt zum "Vater sitten".. Euch allen einen sonnigen Tag und ein schattiges Plätzchen
 
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AW: Ab wann Pflegeheim notwendig ?

Es geschah also genau dass, was er NIE wollte.
Es gibt wohl niemanden, der das will. Aber, wie das Leben so spielt, kommt es meistens anders, als man denkt.
Mein Vater "hatte Glück", umgefallen und tot. Und ehrlich, ich hab mich für ihn gefreut. Nun hoffe ich, dass es bei meiner Mutter auch so gut geht und ich keine Entscheidung treffen muss.
Wäre das in einem Heim anders, gäbe es nächtliche Routinekontrollen ? Auch wenn niemand klingelt oder so?
Kenne ich nicht anders, ist Pflicht. Nachts wird auch gelagert und "Windeln gewechselt".
Wären in einem Heim öfter und länger Menschen mit ihr beschäftigt ?
Theoretisch schon. Kommt eben darauf an, wie sie mitmacht.
Machen Pflegeheime es, dass sie "eigentlich" bettlägerige Menschen in einen Rollstuhl setzen und herumfahren ?!
Habe ich nie anders kennengelernt. Kommt dann auch auf ihre Konstitution an, ob stundenweise, den ganzen Tag, ob überhaupt täglich.
 
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Schimmel92

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AW: Ab wann Pflegeheim notwendig ?

Schonmal ein allgemeines Danke an alle Antwortenden !

Ich warte jetzt erstmal ab, wie es mit der Hochstufung zu Pflegestufe 3 aussieht und mit der einmal noch zusätzlich nachts kommenden Pflegekraft, wie das wird.
Parallel dazu habe ich aber schon Termine ausgemacht mir diverse Heime in der Umgebung anzuschauen - ganz in Ruhe und ohne Zwang und Zeitdruck.
 
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AW: Ab wann Pflegeheim notwendig ?

In jedem Heim gibt es nächtliche Kontrollgänge, auch wenn niemand klingelt.
Auch nachts wird - bei Bedarf gewindelt und gelagert.
Ich habe Heime kennengelernt, da wurden auch bettlägerige Bewohner in den Rollstuhl gesetzt, damit sie mal im Aufenthaltsraum oder im Garten sein konnten.
Spazierenfahren wird mit ihr niemand, dazu fehlt die Zeit. Es wird sich auch niemand zu ihr setzen und sie "unterhalten". Es sei denn, es gibt im Heim ehrenamtliche
Betreuungskräfte, die sich dafür die Zeit nehmen.
Natürlich wird darauf geachtet, dass die Bewohner regelmäßig trinken und auch essen.

Wir müssen uns aber auch nichts vormachen: bei Essens-oder Trinkverweigerung wird auch mal zu anderen Maßnahmen gegriffen.

Gerade bei einem solchen Fall, wie deiner Mutter, sollte man sich ein Heim ganz besonders kritisch ansehen, denn es ist wie es ist: manche, um nicht zu sagen, viele Heime sind "Verwahranstalten" mit wenig Personal, überfordertem Personal und das wirkt sich auf den Zustand der Bewohner aus. Es gibt auch sehr gute Einrichtungen, aber die muss man suchen.

Falls du dich für ein Heim entschließt: bestünde evtl. die Möglichkeit, dass z.B. eure Haushälterin ein paar Stunden die Woche zu deiner Mutter geht und die betreut?

Andere Frage: wenn es eine 24-Stunden-Kraft gäbe, und die Möglichkeit für ein eigenes Zimmer in der Wohnung besteht - würde deine Mutter "wissen und mitbekommen", dass diese Dame in ihrer Wohnung lebt?

Eine Option für dich und deine Mutter wäre ggf. eine 2-3 wöchige Kurzzeitpflege, in der du siehst wie alles läuft, wie es deiner Mutter bekommt...

Alles in allem eine sehr schwere Entscheidung und Vorwürfe wirst du dir eh machen, egal wie du dich entscheidest.

Ich wünsch dir, dass du für euch Beide die richtige Entscheidung triffst.
 
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AW: Ab wann Pflegeheim notwendig ?

Das Problem ist die Versorgungslücke von 20.46 Uhr - 7.14 Uhr - das sind über 10 Std.
Ein Mensch in der Situation deiner Mutter hat sicher Versorgungsbedarf und wenns nur eine seelische "Betüdelung" ist.
Irgendwann fällt jeder eine Entscheidung, wie er sein Lebensablauf sein soll. Diese Entscheidung wird aber zu einem Zeitpunkt gefällt, wo man beim besten Willen nicht beurteilen kann, was alles noch auf einen zukommt.
Der Weg über einen Suizid zur Lösung bestimmter Probleme ist auch ein Weg, zumindest für den Betroffenen, nicht für die Angehörigen. Das sollte man akzeptieren, wenn es so gekommen ist. Auch wenn das jetzt hart klingt. Man könnte die Aktion deines Vaters, die du geschildert hast, auch nicht als direkten Suizidversuch ansehen. Eine hatte Hirnverletzungen, da kommt es teilweise zu sehr merkwürdigen Handlungen, dessen Ziel sicher nicht der Suizid war. Das sollte man berücksichtigen in den Überlegungen.

Da du ein Problem mit Heimen hast, auch aufgrund schlechter Erfahrungen, habe ich ja geschrieben, ob der Weg einer 24h Betreuung zuhause machbar wäre. Aber auch da besteht immer das Risdiko, dass die Pflegerin ihre Aufgabe nicht wirklich ernst nimmt. Du kannst aber besser einfluß darauf nehmen. Was für deine Mutter wirklich der richtige Weg ist, kann niemand 100% sicher entscheiden. Auf jeden Fall ist die derzeitige Lösung mit der ca. 10 stündigen Unversorgtheit sicher nicht gut. Selbst wenn deine Mutter keine Versorgung im Sinne von Inkontinenz, essen, Toilettengang braucht, aber zumindest sollte jemand das sein, damit sie merkt, dass sie nicht alleine ist.

In den heutigen Heimen wird in der Regel auch daran gedacht. Es gibt Rundgänge in der Nacht, sodaß nach jedem geschaut wird. Zudem gibt es gute und schlechte Heime. Heime, die offensichtlich einen schlechten Ruf haben, muß man ja nicht wählen.

Selten kann man eine solche Situation wirklich 100% perfekt in Griff bekommen, wenn man wirklich alles bedenkt, auch die Probleme die ein Heim mit sich bringt. Das Ziel ist aber, das möglichst beste zu erreichen. wichtig ist, dass du alles was in deiner Macht steht, tust, damit es deiner Mutter gut geht, insofern es ihr überhaupt noch gut gehen kann.
Die perfekteste Lösung wäre, deine Mutter mit einem fingerschnipp wieder gesund machen zu können, aber diese Fähigkeiten gibt es leider nicht.
 
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AW: Ab wann Pflegeheim notwendig ?

Hallo Schimmel,
bist Du bereits mit der Frage bzgl. des Legens einer Magensonde konfrontiert worden und wie stehst Du persönlich dazu?
In manchen Situationen kann eine PEG sehr hilfreich sein, z.B. um die Medikamenten- und Flüssigkeitsaufnahme zu gewährleisten.
Ich habe aber auch schon erlebt, dass eine PEG nur eine lebensverlängernde Maßnahme darstellte und absolut nicht dem Wunsch des Pat. entsprach.
Hat Deine Mutter eine Patientenverfügung? Letztendlich wirst Du nicht umhin kommen für sie zu entscheiden, das ist nicht leicht. Aber Du als Tochter kennst ja Deine Mutter am besten und wirst schon die richtige Entscheidung treffen.
Wünsche Dir dafür viel Kraft!
LG
 
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Schimmel92

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AW: Ab wann Pflegeheim notwendig ?

Magensonde - nein. Lasse ich nicht zu (soweit ich entscheiden darf).
Es gab nämlich mal die Diskussion um eine Magensonde, als mein Vater nicht essen und trinken wollte/konnte, und da haben meine Mutter und ich gemeinsam beschlossen, dass wir das nicht wollen, weil u.U. ein Herauszögern und Quälen.
Meine Mutter war strikt dagegen, dass mein Vater sowas bekommt.
Und daher weiß ich : bei sich selbst wäre sie genauso dagegen.

Eine Patientenverfügung hat meine Mutter leider nie gemacht.
Konnte sie nicht rechtzeitig dazu überreden.
Jetzt ist es zu spät.
 
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