Atmung & Beatmung 1 zu 1 Beatmungsverhältniss

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Grobi

Grobi

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02.11.2006
97980
Hallo ihr könnt ihr mir vieleicht sagen was für Gründe ein 1 zu 1 Atemzeitverhältniss haben kann.

Danke schon mal im voraus



der Grobi
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger I/A
Fachgebiet
operative Intensivstation
S

Surrogat

Hallo Grobi,

1:1 bzw. 2:1 (inverse ratio ventilation) wird zumeist bei Erkrankungen eingesetzt die mit einer erhöhten Atelektasenneigung und einem Abfall der FRC einhergehen (z.B. ARDS) und hat folgende Efekte:

- Verlängerung der Inspirationszeit bei gleichzeitiger Verkürzung der Expirationszeit mit Auftreten eines intrinsischen PEEPs
- Steigerung des Beatmungsmitteldrucks

Je längere die Inspirationszeit ist, desto mehr Zeit steht für die Wiedereröffnung von Atelektasen ("recruitment"), sowie für die Belüftung von Teilen der Lunge zur Verfügung, welche sich z.B. aufgrund bindegewebiger Umbauten oder entzündlicher Prozesse langsamer mit Atemgas füllen können (niedrige compliance).

Diese Faktoren tragen zu einer Steigerung des PaO2 bei, der allerdings nur relativ langsam zum Tragen kommt (Stunden).
Meist resultiert aus der steigenden Oxygenierung die Möglichkeit sowohl das obere Druckniveau bei einer PCV als auch das FiO2 senken zu können und somit effektiv lungenprotektiv zu beatmen.

Obstruktive Ventilationsstörungen stellen eine Kontraindikation dar.
Die Erhöhung des Atemmitteldrucks kann mittelfristig zu einer Erhöhung des inthrathorakalen Drucks mit Auswirkungen auf das Herzzeitvolumen führen - was wiederum durch eine Verschlechterung der Lungenperfusion die o.g. positiven Effekte aufheben kann -> potentielle Katecholaminpflicht.

Gruss,

Surrogat
 
C

ChrisG

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14.01.2008
67227
Hi allerseits,

zu erwähnen wäre evtl. noch die verlängerte Kontaktzeit des Gases, was (z.B.) bei erschwerter Diffusion des Sauerstoffs von der Alveole in die Erythrozyten hilfreich ist. Somit verbessert in solchen Fällen ein verändertes Atemzeitverhältnis die Oxygenierung....

Gruß
Chris
 
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Herzchirurgische ITS
HBR69

HBR69

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05.10.2000
58644
Als "geduldeten Nachteil" entsteht bei einer IRV Beatmung eine sogn. "permissive Hyperkapnie". Das heißt, dass der Anteil des CO2 im Blut deutlich ansteigt da die Inspirationszeit verlängert und dadurch die Zeit für die Expiration verkürzt wird. Hierdurch steigt automatisch das CO2 an da es nicht ausreichend genug Zeit hat um abgeatment zu werden. Da der Körper gute Ausgleichmechanismen entwickelt hat, wird er versuchen, die drohende Azidose metabolisch "abzupuffern".

Gruß
Heike
 
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Fachkrankenschwester I/A, freie Dozentin
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Lungenfachklinik Intensivstation, Stationsleitung
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D

Dirk Jahnke

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Moin,Moin

Ich habe da 2 Einwände :eek:riginal:

Obstruktive Ventilationsstörungen stellen eine Kontraindikation dar.
Als "geduldeten Nachteil" entsteht bei einer IRV Beatmung eine sogn. "permissive Hyperkapnie".
Alle Aussagen beziehen sich auf eine druckkontrollierte Beatmung !

Die Auswirkung eines veränderten Atem-Zeit Verhältnisses hängt ja auch maßgeblich von der tatsächlichen Zeit und den mechanischen Eigenschaften der ventilierten Lunge ab. Beatme ich eine steife Lunge mit niedrigen Frequenzen muss es nicht zum Intrinsic PEEP kommen da die Exspirationszeit noch ausreicht die Lunge komplett zu entlüften.
Ein verändern des I:E zugunsten der Inspiration kann bei Obstruktion das Atemzugvolumen positiv beeinflussen. Deshalb fällt es mir schwer, bei Obstruktion von Kontraindikation zu sprechen. Ein höheres AZV senkt ggf. den Spitzendruck. Dies ist aber sicher immer Situationsabhängig !


Da die Auswirkung der IRV von Atemfrequenz und pulmonaler Situation abhängig ist kommt es so auch nicht automatisch durch die Umstellung des I:E ´s zur permissiven Hyperkapnie.

Einen schnellen Überblick liefert die Flowkurve.

Grundsätzlich gilt um so höherer die Frequenz, um so wahrscheinlich ist ein I:E um 1:1 um die Lunge optimal zu belüften. Da mit dem Anstieg der Frequenz die Inspirationszeit bei stabilen I.E automatisch abnimmt. Bei der Evita 4 ist deshalb ja auch der Schalter I:E durch tinsp getauscht worden. Die Inspirationszeit wird so eingestellt das der Flow auf 0 zurückläuft. Also gerade die langsamen Lungenkompartimente auch belüftet werden. Bei Veränderung der Frequenz bleibt die Lunge optimal belüftet. Dafür wird ohne eingreifen des Anwenders das I:E verändert.

Erlebe in der Praxis aufgrund kleiner Tidalvolumina, höheren Frequenzen und höherem PEEP übrigens nur noch ein I.E von max 1:1. Ausnahme stellt hier sicher APRV da, das wir aber nur sehr selten nutzen.
 
Qualifikation
Fachkrankenpfleger A/I
Fachgebiet
Internistische Intensivpflege
Grobi

Grobi

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02.11.2006
97980
ein dickes dankeschön an alle die mir so schnell auf diese frage antworten konnten


MFG

Grobi
 
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Fachkrankenpfleger I/A
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Surrogat

Ebenso moin ,moin,

das mit der Kontraindikation entspringt nicht meinem schwachen Geist sondern taucht in der 2001er Auflage von "Atem & Atemhilfe" so auf.

De fakto hatte ich in letzter Zeit in Reihe von Patienten die im Rahmen akuter Atemwegsproblematiken bei COPD sehr gut auf eine I:E-Veränderung angesprochen haben (oder sagen wir es anders - andere Therapieoptionen hatten nicht gegriffen).

Aber wie du richtig sagst -situationsabhängig.

Gruss,

Surrogat
 
HBR69

HBR69

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05.10.2000
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Moin zurück,

danke für deine ausführliche Beschreibung. Ich hätte vieleicht besser kann es zu einer permissiven Hyperkapnie schreiben sollen. Und ich bin natürlich von einer druckkontrollierten Beatmung ausgegangen. (Wird noch viel mit anderen Beatmungsmustern gearbeitet??)
Eine Frage bleibt: Warum haben wir dann so oft eine permissive Hyperkapnie?? Wir stellen in der Regel unsere Frequenzen auch relativ hoch ein und versuchen auch über ein niedriges Tidalvolumen alle Lungenabschnitte zu erreichen und vor allem die gesunden Abschnitte nicht zu schädigen. Dabei erlebe ich aber eben sehr häufig enen gewaltigen Anstieg des PaCO2.
Werde demnächst aber mal deinen Rat befolgen und gezielter auf die Flowkurve achten.


Die Inspirationszeit wird so eingestellt das der Flow auf 0 zurückläuft. Also gerade die langsamen Lungenkompartimente auch belüftet werden. Bei Veränderung der Frequenz bleibt die Lunge optimal belüftet. Dafür wird ohne eingreifen des Anwenders das I:E verändert.
Und deshalb stellen wir nach jeder Frequenzänderung manuell das I:E wieder so ein wie der Wert voher war.

Gruß
Heike
 
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Dirk Jahnke

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Moin,Moin

@Surrogat

Das mit dem schwachen Geist ist gut :eek:riginal:
Habe mal in meiner Ausgabe nachgeblättert:thumbsup2:
Bezog deine Aussage auch auf ein I:E von 1:1. Klar umso weiter man das I:E kippt um so grösser der Intrinsic PEEP bei obstruktiven Ventilationsstörungen.

@Heike
Die Bemerkung mit der druckkontrolierten Beatmung habe ich nur eingefügt da bei einer Volumenkontrolle eine IRV mit Intrinsic PEEP besondere Auswirkungen hat. Nämlich den Übergang in eine druckkontrollierte Beatmung mit dem pmax als pinsp :blushing:
Gibt sicher noch Kliniken in Deutschland die CPPV beatmen.

Bei einer sehr steifen Lunge (niedrige Compliance) kann es für die Ventilation egal sein ob man 1:1 oder 2:1 beatmet. Das geringe Volumen wird im ersten Abschnitt der Inspiration transportiert und verlässt genauso schnell wieder den Patienten. Eine Hyperkapnie wird also egal welches I:E eingestellt ist auftreten. Tritt durch die IRV ein ordentlicher Intrinsic PEEP auf, fällt das AZV unter Druckkontrolle ist allerdings die IRV mitverantwortlich für den CO2 Anstieg.

Jetzt aber Gute Nacht - bin schon wieder sehr ausführlich geworden:rolleyes:
 
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Fachkrankenpfleger A/I
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Internistische Intensivpflege
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dr.poops

:thumbsup2:thumbsup2bin hier gerade zufällig reingestolpert - super! mal eben eine kleine fortbildung über das I : E. das isses, was ich am board so schätze:eek:riginal:.
herzlichst, dr. poops
 
HBR69

HBR69

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05.10.2000
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Stimmt! So sollte es eigentlich sein.......tut immer mal gut, sein Tun zu überdenken bzw. zu hinterfragen!

Grüße nach Bremen!
Heike
 
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05.07.2001
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