Redeflussstörungen, Pathogenese, Diagnostik und Behandlung

Leitlinie S3 Redeflussstörungen, Pathogenese, Diagnostik und Behandlung 049-013

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Gründe für die Themenwahl:
Die Redeflussstörungen Stottern und Poltern gehören zu häufigen chronischen Erkrankungen bei Kindern, Adoleszenten und Erwachsenen. Die mittlere Prävalenz von Stottern liegt bei >1 % im Kindes- und Jugendalter (Bloodstein & Bernstein Ratner 2008, Craig et al. 2002, Craig & Tran 2005) und bei etwa 0.2% (Frauen) bis etwa 0.8 % (Männer) im Erwachsenenalter (Craig & Tran 2005). Angaben zur Prävalenz für Poltern im Kindesalter bewegen sich zwischen 1.1 % und 1.8 %. (Becker & Grundmann 1970, Reichel et al. 2014, van Zaalen et al. 2012, van Zaalen & Reichel 2014) und für seinen Anteil unter Redeflussstörungen zwischen 5 % (Daly & Burnett 1993) und 27 % (Georgieva & Miliev 1996).

Etwa drei Viertel des Stotterns liegt bereits im Kindergartenalter vor. Die Chancen auf eine weitgehende oder komplette Remission übersteigen bei einer adäquaten Frühtherapie zumindest für Stottern die einer späteren Therapie und einer spontanen Remission deutlich (Harris et al. 2002, Jones et al. 2005, Lattermann et al. 2008, Yairi & Ambrose 2005). Persistiert Stottern über das präpubertäre Alter hinaus, verringern sich die Möglichkeiten seiner kompletten Beseitigung drastisch. Redeflussstörungen können zu erheblichen psychosozialen Belastungen führen, die die sozio-emotionale, schulische und berufliche Entfaltung Betroffener nachhaltig beeinträchtigen können.

Die Identifikation beider Redeflussstörungen bietet eine Reihe von Schwierigkeiten, beispielsweise bei verdecktem Stottern. Ihre Diagnostik und Therapie werden gegenwärtig im deutschen Sprachraum uneinheitlich gehandhabt und häufig ohne den Einsatz standardisierter Instrumente. Daher erschien es zwingend notwendig, die Güte und Zweckmäßigkeit verschiedener Screening- und Diagnostikinstrumente vorzustellen, vor allem aber evidenzbasierte Empfehlungen für effektive Therapien des Stotterns abzugeben (für Poltern war die Evidenzlage nicht ausreichend), die den neusten wissenschaftlichen Kenntnisstand berücksichtigen. Zur Wirksamkeit von Therapien wurde ein systematischer Review erstellt.

Zielorientierung der Leitlinie:
Ziel dieser Leitlinie ist es, zunächst über das Wesen des Stotterns sowie seine genetischen Grundlagen und deren hirnmorphologische und -funktionelle Auswirkungen zu informieren. Weiterhin soll sie klare, empirisch begründete Handlungsanweisungen für eine sichere und frühe Identifikation von Stottern und seine eindeutige und objektive Diagnostik geben sowie über die Wirksamkeit einzelner Therapiemethoden informieren. Darauf basierend gibt die Leitlinie Empfehlungen für eine effektive Behandlung stotternder Menschen durch wissenschaftlich begründete, evidenzbasierte, qualitätsgesicherte Therapieverfahren. Für Poltern, für das eine deutlich schwächere Evidenzlage besteht, werden zumindest Handlungsempfehlungen für Diagnostik und Therapie gegeben, die den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand berücksichtigen.
Autor
Christian Kröhl
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