Fetale Alkoholspektrumstörungen, FASD - Diagnostik

Leitlinie S3 Fetale Alkoholspektrumstörungen, FASD - Diagnostik 022-025

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Die Fetale Alkoholspektrumstörung ist eine sehr häufige und vollständig vermeidbare Erkrankung durch intrauterine Alkoholexposition, die schwerwiegende und langfristige Schädigungen beim Kind sowie gesundheits- und gesellschaftspolitische Konsequenzen nachsich zieht.

Bisher existiert international keine Leitlinie für die Diagnose der FASD, die die methodischen Voraussetzungen einer in Deutschland von der AWMF definierten S3-Leitlinie vollständig erfüllt. Eine canadische und drei amerikanische Leitlinien (siehe 2.1.2.) wurden identifiziert, die sich in einzelnen diagnostischen Kriterien unterscheiden. Alle bisherigen Leitlinien haben die vier diagnostischen Säulen: (1) Wachstumsauffälligkeiten, (2) faciale Auffälligkeiten, (3) ZNS-Auffälligkeiten und (4) Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft. Das am besten standardisierte Diagnostikinstrument, der 4-Digit Diagnostic Code, gewichtet die vier Diagnostik-Säulen jeweils auf einer 4-Punkt-Likert-Skala und beinhaltet einen Lip-Philtrum Guide, anhand dessen man zwei der drei für FAS und pFAS typischen facialen Merkmale gewichten kann. Der 4-Digit Diagnostic Code weist jedoch keine eindeutige Evidenzbasierung auf und ist aufgrund seiner Komplexität in der deutschen Praxis nicht einheitlich und nicht ausreichend etabliert.

In Deutschland besteht die Notwendigkeit, standardisierte und transdisziplinäre diagnostischeKriterien für die Fetalen Alkoholspektrumstörungen zu definieren, die in der Praxis effektiv und unmissverständlich genutzt werden können.

Das Bundesministerium für Gesundheit hat daher als ersten Schritt ein Projekt (STOP-FAS) zur Erstellung einer diagnostischen Leitlinie des Fetalen Alkoholsyndroms für Deutschland initiiert, das von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin angenommen und dessen Federführung der Gesellschaft für Neuropädiatrie übertragen wurde.

Als zweiter Schritt wurde ein Folgeprojekt für die Ergänzung der S3-Leitlinie um einenExpertenkonsens für die Diagnostik des pFAS, der ARND und ARBD vom BMG unterstützt.Diese Projekte werden von Dr. med. Dipl.-Psych. Mirjam Landgraf und Prof. Dr. med.Florian Heinen im Dr. von Haunerschen Kinderspital der Ludwig-Maximilians-UniversitätMünchen (Abteilung für Pädiatrische Neurologie, Entwicklungsneurologie undSozialpädiatrie (integriertes Sozialpädiatrisches Zentrum, iSPZ Hauner) geleitet

Zielorientierung der Leitlinie:
Das Ziel der vorliegenden Leitlinie ist die Entwicklung von Empfehlungen für relevante und praktisch anwendbare diagnostische Kriterien zur Bestimmung der Fetalen Alkoholspektrumstörungen (FASD) bei Kindern und Jugendlichen. Durch die festgelegten diagnostischen Kriterien soll das Störungsbild früh erfasst und eine entsprechende Therapie und Förderung des Kindes initiiert werden. Dadurch kann das Auftreten von Folgeerkrankungen oder Komorbiditäten von Kindern mit FASD vermindert werden. Die Gesundheitsdienste und die Bevölkerung in Deutschland sollen über die schwerwiegenden Folgen des Alkoholkonsums während der Schwangerschaft aufgeklärt werden. Langfristigsoll die Prävalenz von Alkoholkonsum in der Schwangerschaft und die Inzidenz von FASD in Deutschland reduziert werden.
Autor
Christian Kröhl
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