ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen

Leitlinie S3 ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen 028-045

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Gründe für die Themenwahl:
Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist mit einer Prävalenz von ungefähr 5% im Kindes- und Jugendalter und etwa 3% im Erwachsenenalter eine der häufigsten psychischen Störungen; sie ist gekennzeichnet durch die drei Kernsymptome: Aufmerksamkeitsstörung und / oder Impulsivität und Hyperaktivität. Im Kontext dieser Leitlinie umfasst der Begriff ADHS sowohl das nach DSM-5 [1] definierte Störungsbild Attention Deficit Hyperactivity Disorder (314.X) als auch die nach ICD-10 [2] klassifizierten Störungsbilder Hyperkinetische Störungen (F90) und Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität (F98.8).

Die ADHS ist oft mit weiteren psychischen Auffälligkeiten oder Störungen und mit zahlreichen funktionellen Beeinträchtigungen und einer reduzierten gesundheitsbezogenen Lebensqualität assoziiert [3, 4]. Zu den wichtigsten funktionellen Beeinträchtigungen zählen u.a. Probleme im Bereich von Schule, Ausbildung und Beruf aber auch soziale Schwierigkeiten in der Familie, im Kontakt mit Gleichaltrigen und Beziehungspartnern. Die Störung und die mit ihr verbundenen Funktionseinschränkungen persistieren in etwa 50-70% der Fälle bis in das Erwachsenenalter. Längsschnittstudien haben gezeigt, dass von ADHS betroffene Erwachsene einen niedrigeren Ausbildungsstand erreichen, ein geringeres Einkommen und einen niedrigeren sozioökonomischen Status haben, ein erhöhtes Risikoverhalten zeigen, häufiger in Verkehrsunfälle verwickelt sind und häufiger Gesetzesübertretungen begehen. Die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Betroffenen ist erniedrigt, wobei die größten Unterschiede im Bereich der schulischen und beruflichen Leistungsfähigkeit und im psychosozialen Bereich bestehen [3, 4].

In Deutschland gibt es derzeit keine aktuell gültigen S3-Leitlinien zur Diagnostik und Behandlung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit ADHS, wie sie mit dieser Arbeit vorgelegt werden. In Anbetracht der mit der Störung zum Teil verbundenen erheblichen funktionellen Beeinträchtigungen, deutlichen Einschränkungen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und Teilhabe sowie der ungünstigen Langzeitprognose und der hohen Kosten für das Gesundheitssystem, der unterschiedlichen Vorgehensweisen im Bereich der Diagnostik und der öffentlichen Diskussion über die Gefahren einer Unter- und Überdiagnostizierung der ADHS sowie den Stellenwert pharmakologischer und nicht pharmakologischer Interventionen ist die Untersuchung und Bewertung der diagnostischen Verfahrensweisen sowie der Wirksamkeit und Verträglichkeit der unterschiedlichen therapeutischen Optionen zur Reduktion der Kernsymptomatik und der mit der ADHS assoziierten funktionellen Beeinträchtigungen sowie zur Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität der Betroffenen und die Erstellung von evidenzbasierten S3-Leitlinien auch in Deutschland schon seit vielen Jahren überfällig.

Zielorientierung der Leitlinie:
Ziel der Leitlinie ist es, empirisch fundierte Handlungsempfehlungen für eine nach Alter, Schweregrad und assoziierten Störungen differenzierte valide Diagnostik und Differentialdiagnostik zu geben und entsprechende Algorithmen zur Therapie der ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zu entwickeln, die neben der Schwere der Symptomatik auch Art und Ausmaß funktioneller Beeinträchtigungen, komorbide Störungen, Teilhabe, gesundheitsbezogene Lebensqualität und psychosoziale Rahmenbedingungen, einschließlich der Präferenzen der Patienten und ihrer Familien bezüglich der therapeutischen Optionen, berücksichtigt; Schlüsselempfehlungen zwischen allen an der Versorgung beteiligten Gruppen unter Einbeziehung von Patienten- und Angehörigenvertretern abzustimmen, darzulegen und zu implementieren. Dadurch soll die Diagnostik und Behandlung der ADHS im deutschen Gesundheitssystem verbessert werden, das Ausmaß von Fehldiagnosen reduziert, das Risiko sekundärer Komplikationen bezogen auf die Entwicklung assoziierter Störungen und funktioneller Beeinträchtigungen im schulischen, beruflichen und psychosozialen Bereich verringert und die Lebensqualität sowie die Teilhabe der Betroffenen verbessert werden. Parameter zur Quantifizierung des Nutzens der Implementierung der Leitlinie sind u.a. Reduktionen der Zahl von Fehldiagnosen sowie Veränderungen der Odds-Ratios für vorzeitige Schulabbrüche, den höchsten erreichten Ausbildungsabschluss oder sozioökonomischen Status, Delinquenz, Verkehrsunfälle, Substanzmissbrauch, Suizidversuche und Suizide, der vorzeitigen Mortalität und Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität.
Autor
Christian Kröhl
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